Piz Tasna 3179 m - Gratüberschreitung mit Piz Nair


Publiziert von Ivo66 Pro , 19. August 2010 um 20:06.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Unterengadin
Tour Datum:19 August 2010
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   Tasna Gruppe 
Zeitbedarf: 6:30
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 1300 m
Strecke:Motta Naluns - Fuorcla Champatsch - Piz Nair (Ostgrat) - Nordgrat - P. 2956 - P. 3040 - Piz Tasna (Ostgrat) - P. 3040 - Ils Blauns - Fuorcla Champatsch - Motta Naluns
Kartennummer:1:25'000 Scuol

Letztes Jahr ist uns der Piz Tasna von unserer Tour auf den Piz Davo Lais ins Auge gestochen. Schwierig war es, zuverlässige Informationen über dessen Besteigung zu erhalten. Der alte Clubführer "Bündner Alpen 8" hat über den Piz Tasna allzu sehr mit Worten gespart, immerhin aber erwähnt, dass seine Besteigung "leicht" sei. Die verschiedenen aufgeführten Routen erhielten durchwegs den Schwierigkeitsgrad "WS" verpasst; eine Angabe, die in älteren Führern sehr mit Vorsicht zu geniessen ist. Die entsprechende Palette geht dort erfahrungsgemäss etwa von T2 bis T6 - eine durchaus breite Spanne. Wir wollten es selber wissen und wagten uns an die Unternehmung heran. Wir sollten es nicht bereuen.

Der Piz Tasna wird im Sommer nur wenig bestiegen, wie auch das Gipfelbuch, das aus dem Jahre 1997 stammt, verrät. Auch auf hikr.org ist dieser Eintrag die Premiere einer Sommerbesteigung. Dies mag daran liegen, dass die Besteigung durch die vielen Geröll- und Schutthalden recht mühsam ist. Eine Besteigung des Piz Tasna ist aber in jedem Fall sehr empfehlenswert, gerade auch wegen der Einsamkeit, aber auch des prächtigen Panoramas wegen, dass über das gesamte Unter- und Oberengadin reicht. Besonders toll ist der Blick hinüber zum benachbarten Fluchthorn.

Wer die Besteigung des Piz Nairs (2966 m) und somit den von dort recht heiklen Abstieg über dessen Nordgrat weglassen möchte, spart recht viel Zeit. Für uns wurde es wegen der Länge der Tour mit vielen Gegenanstiegen und -abstiegen immer mehr zu einem Rennen gegen die Zeit, wollten wir doch die letzte Gondel von Motta Naluns hinunter nach Schuls nicht verpassen (17.15 Uhr). Die Schwierigkeit ohne den Piz Nair-Nordgrat senkt sich dann auch auf T4.

Man muss sich bei dieser Tour bewusst sein, dass Beginn (und somit auch Ende) der Tour durch das Skigebiet von Scuol/Schuls führen. Die Liftanlagen tragen sicher nicht viel zur Schönheit der Landschaft bei (Anmerkung dazu: Wir sind auch begeisterte Pistenskifahrer). So schlimm wie ich es mir vorgestellt habe, war es denn aber nicht. Die Alpweiden blühen hier oben genau gleich wie in der unberührten Natur. Und wer von all den Skifahrern kann sich vorstellen, wie viele Murmeltiere weit unter ihren Brettern friedlich ihren Winterschlaf halten? Und spätestens kurz vor der Fuorcla Champatsch erwartet den Berggänger eine prächtige Berglandschaft, die in allen Farben und Formen leuchtet. Das Gebiet um die Fuorcla Champatsch hat mich spontan an die Vulkanlandschaft auf Teneriffa erinnert.  

Wer sich die Besteigung des Piz Tasna nicht zutraut, dem sei der Piz Nair über den Ostgrat sehr empfohlen. Das Gipfelpanorama ist ebenfalls überwältigend und die Besteigung einfach.

Motta Naluns (Bergstation Gondelbahn) - Fuorcla Champatsch (T2)

Zuerst auf einem Fahrsträsschen, dann auf mehr oder weniger sumpfigen Bergpfaden in zum Teil lästigem Auf und Ab durch das Skigebiet. Ab dem obersten Skilift wird das Gelände interessant und immer exotischer. Herrliche Ausblicke erwarten einen bereits auf der Fuorcla Champatsch.

Fuorcla Champatsch - Piz Nair (T4-)

Auf Pfadspuren dem offensichtlichen Ostgrat entlang hinauf. Hin und wieder ist kurz der Einsatz der Hände gefragt. Die Route ist aber kaum ausgesetzt.

Piz Nair - Nordgrat - P. 2956 m (T5)

Der heikelste Abschnitt der heutigen Tour. Der Nordgrat des Piz Nair wird gleich kurz nach dem Gipfel schmal und dementsprechend ausgesetzt ist die - allerdings leichte - Kletterei. Hin und wieder ist ein Ausweichen in die brüchigen Flanken links und rechts des Grats notwendig. Vor den letzten unteren Aufschwüngen wichen wir relativ weit in die Westflanke aus und querten durch Geröll mehr oder weniger mühsam wieder auf die Gratschneide zurück. Von der tiefsten Stelle steigt man kurz auf Wegspuren vor dem mächtigen Grataufschwung (P. 3040 m) nach links zu P. 2956 m auf. Zur Zeit und wohl noch für länger hält sich dort der hartnäckige Rest einer mächtigen Schneewächte, die man westlich umgeht.

P. 2956 m - P. 3040 m (T4)

Möglicherweise könnte man diesen mächtigen Klotz (P. 3040 m) auf dem Verbindungsgrat zwischen Piz Nair und Piz Tasna auch auf der Westseite ohne Höhenverlust umgehen, doch hatten wir für den Moment genug von Geröll- und Schuttschinderei, weshalb wir die Überschreitung dieser Kuppe antraten. Sie bietet keine nennenswerte Schwierigkeiten und ist kurzweilig, da sie Teil der Gratüberschreitung ist. Die kurzen Kletterstellen überschreiten den Grat I nie. Nach P. 3040 - der sich hinter dem ersten Aufschwung versteckt - stiegen wir durch die Westflanke ab (hin und wieder knappe Wegspuren erkennbar), denn der Grat stürzt dort plötzlich senkrecht ab. Ohne Probleme gelangt man so (endlich!) an den Fuss des Piz Tasna.

Schlussaufstieg zum Piz Tasna über den Ostgrat (T4)

Im Geröll sind hin und wieder Begehungsspuren erkennbar. Der Aufstieg zum Ostgrat, der aus Aufstiegssicht von rechts nach links zum Piz Tasna verläuft, gestaltet sich nicht sehr mühsam, da mässig steil und das Geröll recht stabil ist. Der Ostgrat sieht dann von unten spektakulärer und schwieriger aus, als er es in Wirklichkeit ist. Wegspuren weisen immer wieder den Weg, meist hält man sich ziemlich direkt auf der Grathöhe. Die letzten Meter steigt man dann auf guten Tritten duch die Südflanke auf. Riesiger Steinmann mit Gipfelbuch.

Abstieg zur Fuorcla Champatsch (T4)

Auf gleicher Route ging es zurück - wieder über P. 3040 und P. 2956. Unmittelbar beim Erreichen des Grats nach P. 2956 stürzten wir uns dann durch eine schuttige Rinne die steile Ostflanke hinunter. Wir taten dies etwas westlich von P. 2970 (Landkarte beachten). Diese Rinne ist auf der Landkarte gut auszumachen. Wir surften bequem durch den Schutt hinunter und bemerkten erst im Verlauf, dass wir etwas zu früh abgestiegen sind. Besser wäre es gewesen, etwas weiter südlich auf Bändern abzusteigen (Wegspur auf der Landkarte, doch haben wir zuvor beim Aufstieg diese Stelle nicht entdeckt. Würde man den Abstieg nach Sent unter die Füsse nehmen, wäre man aber mit dieser Abstiegsvariante sehr gut beraten.

So wurden wir gnadenlos mit einer langen Querung in äusserst beweglichem Geröll gebüsst und erreichten dann etwas umständlicher die Fuorcla Champatsch.

Tip für eine Besteigung des Piz Tasna ohne Überschreitung Piz Nair:

Von der Fuorcla Champatsch erkennt man schwach eine Wegspur die unter dem Nordgrat des Piz Nair hindurchführt. Nach meiner persönlichen Einschätzung dürfte man damit den Grat recht einfach sowie kraft- und zeitsparend erreichen. Wohl max. T4.

Tourengänger: Ivo66, Lena


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Kommentare (4)


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Linard03 Pro hat gesagt: Danke ...
Gesendet am 20. August 2010 um 07:58
... für Deinen ausführlichen Bericht und die aussagekräftigen Fotos! Genau die Tour, welche ich vor Jahren auch mal machen wollte, aber mangels Infos dann sein liess ...
Wie Du schon erwähnt hast, scheint der Piz Tasna ausschliesslich ein Skitouren-Gipfel zu sein und die Führerliteratur gibt keine hilfreiche Infos für eine Sommer-Besteigung.

Letztmals stand ich im Sommer 2001 auf der Fcla Champatsch und habe die Geröllhalden studiert; jetzt weiss ich, wie's da oben aussieht ;-)

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:Danke ...
Gesendet am 20. August 2010 um 09:26
Das freut mich sehr, dass mein Bericht Dich wieder etwas für eine Tasna-Besteigung gekitzelt hat. Ich denke, wenn man von der Fuorcla Champatsch aus der nicht sehr deutlichen Wegspur folgt, hält sich die Gerölltortur in Grenzen. Weiter oben wird es dann sowieso besser. Ein absolut lohnender Berg!

Übrigens, falls Du die Tour einmal anpackst noch ein Tip: Ich würde (und werde) nächstes Mal auf gleicher Route aufsteigen (ohne Überschreitung Piz Nair), aber den Abstieg würde ich durch das schöne Val Tasna nach Ardez begehen (oben weglos, scheint mir aber gut machbar zu sein gemäss Landkarte). So spart man sich das mühsame Auf und Ab zwischen den Skiliften hindurch und hat erst noch eine tolle Rundtour erlebt. (Oder durch die Val Sinestra nach Sent absteigen).

Herzliche Grüsse, Ivo

Linard03 Pro hat gesagt: RE:Danke ...
Gesendet am 20. August 2010 um 12:24
genau - eine Einheimische von Ftan sagte mir schon vor Jahren, dass der Piz Tasna "leicht" wäre und sie den Weg schon von allen Seiten begangen hätte. Sowohl Val Tasna als auch Val Sinestra seien lohnend ...
Und der Tipp mit der Querung unterhalb des Piz Nair's habe ich vor einiger Zeit ebenfalls von einem Kollegen erhalten; scheint also was dran zu sein ...

Noch eine generelle Bemerkung: ihr seid ja momentan wieder fleissig unterwegs - und notabene auf etlichen Gipfeln, welche mich ebenfalls interessieren ... ;-) Ich bleibe also dran mit lesen!

Weiterhin viel Vergnügen und Grüsse aus dem Unterland, Richard

KraxelDani hat gesagt: Schutt und Steine...
Gesendet am 20. August 2010 um 22:06
Hallo Ivo, hallo Lena,

einmal mehr habt ihr ein geröllhal(d/t)ige Tour gemacht, die ich schon lange im Hinterkopf habe! Eindrücklich dieses Gelände!

Und das Fluchthorn haben wir übrigens auf der Tour nach der Hohen Kugel auch gesehen!

Vielleicht gäbs an den nächsten beiden Wochenenden mal eine Gelegenheit, wieder mal was zusammen zu machen?

Gruss, Dani.


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