Fernau Klettersteig auf den Egesengrat (2631m)


Publiziert von Kris , 18. August 2010 um 22:04.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Stubaier Alpen
Tour Datum:29 Juli 2005
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Klettersteig Schwierigkeit: S
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 4:00
Aufstieg: 400 m
Abstieg: 400 m
Strecke:Dresdner Hütte - Fernau Klettersteig - Egesengrat - Dresdner Hütte
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Bis zur Seilbahn unter der Staubaier Gletscherwelt kann mit dem Auto gefahren werden.
Unterkunftmöglichkeiten:Dresdner Hütte (2308m)

Dies war mein erster Klettersteig, und dazu noch gleich ein D'er (bzw. S).

Da das natürliche alleine als Einstieg nicht wirklich akzeptabel ist, gings in der Gruppe und mit Bergführer gen Himmel.

Also wurde an einem schönen Tag im Sommer 2005 zur Seilbahn, die in die Stubaier Gletscherwelt führt, gefahren und an der ersten Station, der Dresdner Hütte auf 2308m ausgestiegen. Von der  Hütte folgt man Wegweiser und auf gut markiertem Pfad immer weiter bis an den Einstieg der mehr als 200m hohen Wand.

Beim vorliegenden Steig handelt es sich um einen mit vielen künstlichen Griffen und Tritten ausgestatteten sehr schweren Sportklettersteig, bei dem es sich durchaus auch empfehlen kann, eine zusätzliche Seilsicherung zum einfachen Klettersteigset zu benutzen. Ohne die Vielzahl der künstlichen Griffe wäre der griffarme relative glatte Ostpfeiler eine ganze andere Nummer.

Neben dem Kletterstiegeinstieg gibts noch nen anderen, noch schwereren Klettersteig (E, oder SS(+)) den Fernau Express, sowie einige Sportkletterrouten und sehr kleine Übungsklettersteige zum Testen von A/B bis D. Auf jeden Fall kann man auch durch den einfachen Zustieg sagen, dass der Steig gut besucht ist, und somit durchaus auch mal mit Staus zu rechnen ist an schönen Tagen.

Nach den üblichen Warnschildern für die Turnschuhfraktion, gehts dann endlich los. Wobei man diese Warnschilder dann vielleicht doch nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Erst in diesem besagten Sommer 2005 war am Fernau Klettersteig doch tatsächlich ein Engländer komplett ohne Ausrüstung unterwegs (was bei dem Schwierigkeitsgrad nur Leichtsinn oder Unwissenheit bedeuten kann) und es kam was kommen musste - er verunglückte tödlich.


Der Klettersteig beginnt mit einem relativ leichten Stück über einen schrägen großen Fels mit vielen Tritthilfen. Man gewinnt schnell und sicher an Höhe und bewegt sich weiter auf einem kleinen Grat (Alles B bzw. WS). Auf dem Grat wirds dann ein wenig anspruchsvoller (C/ZS). Nach der kurzen Strecke über den Grat gelant man an einen Felsabsatz, der erst erklettert wird und dann an der Kante entlang begangen wird. Nach der Kante geht es wieder über ein langes Stück fast senkrecht die Wand entlang. Es gibt immer wieder Stellen mit Felskontakt die ich aber maximal mit UIAA II-III bewerten würde, die meiste Zeit erübrigen die künstlichen Griffe die Felskletterei. Dieser Teil des Klettersteigs ist mit C bewertet. Man kommt folgend an eine luftige kleine Ecke, die Zeit für eine Verschnaufpause bietet. Dort stellte mein Bergführer dann fatalerweise fest, dass mein Set zu locker eingestellt war, und ich mit der größten Wahrscheinlichkeit im Falle eines Falles einfach durchgeschlüpft war. Da ich zu dieser Zeit noch ohne Erfahrungen was dies angeht war, hatte ich mich vollends auf den Profi verlassen. In meiner Gruppe war noch eine schwächere Geherin, die mich längere Zeit in einer schwierigen Passage "hängen" ließ, während sie Griffe suchte. Ich war an einer Stelle kurz vorm Abrutschen. Ein Glück, dass das nicht passiert ist, da das Set ja wie beschrieben mich nicht gehalten hätte.

Nach der Pause und mit besser angelegtem Klettersteigset ging es nun durch einen engen Felsspalt, in dem es durchaus dazu kommen kann das man vorrübergehend etwaige größere Rucksäcke ablegen muss. Nach dem Spalt quert man die luftigste Stelle, eine Ecke in der man den nächsten Tritt erst sieht, wenn man sich um Ecke herumschwingt. Dabei liegen unter dem Kletterer etwa 200 Meter Wand. Nervenkitzel garantiert.
Nach diesen C-Passagen, folgt die Schlüsselstelle, die D Passage. Es geht senkrecht mit etwas weniger üppig verteilten Griffen die Wand hinauf, sodass der eine oder Klimmzug am Seil fast unvermeidbar ist. Dabei ist das Gelände teilweise sogar etwas überhängend.
Nach der Wand folgt wieder eine Stelle am Grat, an der man auch etwas abklettern muss (so ziemlich die einzige Stelle im Klettersteig, an der das passiert). Es folgt ein plattiger, griffarmer Abschnitt, nach dem man wieder an eine ähnliche Stelle kommt, wie die vorangegangene Wand, die mit D bewertet wurde. Diese ist allerdings zumindest etwas leichter (C/D).


Nach dieser Kletterpartie wirds wieder leichter, man quert noch einmal die Wand (wenn auch nicht so nervenaufreibend wie zuvor) Nach der Querung folgt erneut ein Absatz, in dem eine kurze Raststätte zum Verweilen einlädt. Dort ist auch das Steigbuch in die Wand gearbeitet. Nach der Pause gehts in das letzte Stück des Steigs, in der es nun leichter und mit mehr Hilfe sowie nicht mehr ganz so senkrecht die Wand hinauf geht (B-B/C), bis man zum Ausstieg kommt. Von da an geht es in leichter Kraxelei (max I) durch Gras- und Schrofengelände vorbei an schroffen Felstürmen und mit Tiefblick in die durchstiegene Wand und hervorragendem Rundblick auf alle hohen Stubaier Berge zum Gipfel. Der Gipfel des Egesengrats besitzt kein eigenständiges Gipfelkreuz, nur ein großes Steintürmchen markiert den höchsten Punkt. Von dort aus geht es auf einem gut ausgetreteten Pfad wieder hinunter, an einem kleinen, aber feinen Bergsee vorbei wieder zurück in das hektische Treiben rund um den Touristenmagneten der Seilbahnstation.

Schöne, aber nicht zu unterschätzende Kletterpartie.. es wird davon abgeraten Kinder den Steig begehen zu lassen, da manche Griffe weit auseinander liegen.


  • KONDITION 3/5
  • ORIENTIERUNG 2/5
  • TECHNIK 4,5/5
  • EXPONIERTHEIT 4,5/5

Tourengänger: Kris


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