leckeres Entrée, nebliger Hauptgang, anregendes Dessert: Möntscheleflue 2020 m.ü.M. und Chatz u Mus


Publiziert von Felix Pro , 20. August 2010 um 13:27. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Bern » Berner Voralpen
Tour Datum:17 August 2010
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Aufstieg: 1350 m
Abstieg: 1350 m
Strecke:Bluemisteichilche - P. 910 - Fallbach - Sulzgrabe - P. 1409 - Alphütte Sulzgrabe (P. 1560) - Möntschelespitz - Chatz u Mus - P. 1809 - Chrümmelwäge - Flüeli - Alpetli - Oberi Spittelweid - Bluemisteichilche
Zufahrt zum Ausgangspunkt:PW über Autobahn, Ausfahrt Steffisburg nach Blumenstein
Kartennummer:1207

Nein, es soll kein Tut-Bericht werden - auch wenn der Titel dies suggeriert: von einer äusserst eindrücklichen Schluchtwanderung im ersten Teil gilt es zu berichten.

Von Ursula einst "entdeckt", zeigte sie mir diesen einsamen, etwas abenteuerlich Steig den Sulzgrabe hinauf; sie wusste auch, dass nach einem grossen Unwetter erst einige Stellen unpassierbar geworden waren, anschliessend jedoch wieder in Stand gesetzt wurden. Wir konnten uns nun während des anregenden Aufstieges von beidem überzeugen: Erst einmal wird der imposante Wasserfall des Fallbaches auf Wiesen und in einem lauschigen Waldabschnitt umgangen, dann geht es noch relativ flach dem wilden Bach nach aufwärts. Bereits hier sind einige Holzsteige und Wegverstärkungen eingerichtet. Bald einmal verlassen wir den offiziellen Weg und steuern an der zu Recht angebrachten Tafel "Vorsicht" vorbei orografisch links auf guten Spuren weiter aufwärts. Die Ambiance wird nun wilder, das Tal enger, Bachüberquerungen sind mit roten Punkten gekennzeichnet - machmal auch ist die Fortsetzung der Spur auf ebendiese Art gekennzeichnet. Die Hänge werden noch steiler, etliche Passagen sind abgerutscht - oder werden es in Kürze! Doch wir stellen fest, dass auch eben erst Spuren im Gelände ausgebessert oder sogar neu angelegt worden sind - ein grosses Dankeschön an die Wegbauer, die jedes Jahr hier wohl zu tun haben!
Kurz vor dem Verlassen des Sulzgrabe ist eine rutschige Passage sogar neu mit einem Seil gesichert; hier passieren wir den Türkenbund und die immense Bachverbauung.

Wir steigen nun östlich den Wald hinauf Richtung Möntschelealp, queren jedoch noch vor ihr weglos zum nun wieder offiziellen Wanderweg, welcher zur Hütte Sulzgrabe führt. Nach dem Znünihalt folgt nun ein längerer, feuchter Aufstieg über Grashänge in zahlreichen Serpentinen Richtung Möntschelespitz. Noch vor Erreichen des Gipfels hüllt uns dichter Nebel ein, auf dem Gipfelgrat selbst ist es sehr zügig, so dass wir nur einen kurzen Halt einschalten und unsere Mittagspause auf Chatz u Mus einplanen. Das Gipfelplateau selbst und der gesamte folgende Abstieg zum Verbindungstück gegen die hübschen Felszähne von Chatz u Mus sind von unzähligen Stiefmütterchen gesäumt; als zusätzliche Bereicherung beleben, allerdings verregnete, Pracht-Nelken die zum Teil massiv "umgepflügten" Viehweiden ... Doch auch Vierbeiner der eleganteren Art durften wir beobachten: da wir auf der gesamten Strecken keinem Menschen begegneten, war es uns vergönnt, einige Male ein paar Gämsen zu sichten.

An den einladedenden Zähnen angekommen, wies uns ein etwas verblasster Schriftzug zum westlichsten Aufschwung, eben der Chatz. Auf ihr, wie nach unserem Mittagessen auch auf der Mus, probierten wir einige leichte der hübschen Felsaufschwünge von Chatz u Mus aus - hat sehr Spass gemacht! Und im Gegensatz zum wolkenumhüllten Möntschelespitz hatten wir von hier oben immerhin Ausblick aufs Gürbetal, Thunersee und Stockhorn.

Während des angenehmen Abstieges zurück zum Startpunkt passierten wir erst den von der Einwohnergemeinde Pohlern um die Jahrtausendwende restaurierten Chrümmelwäge, welcher in früheren Zeiten als Säumer- und Zügelweg gedient haben muss. Später, bei einem letzten Zvieri-Halt, imponierten uns die ausnehmend schönen Kühe ob Alpetli. Den architektonischen Schlusspunkt setzte die Anlage der Bluemsteichilche: nicht nur die schmucke Kirche selbst, auch das ehemalige Pfarr- oder vielleicht Adligen-Haus wie auch das Ökonomiegebäude stellen insgesamt eine bemerkens-, sehenswerte bauliche Einheit und Augenweide dar.

Also: nach dem genussvollen Entrée des Sulzgrabe, dem windig-wolkigen Haupt-Gipfel, dem genussvollen Begehen des felsigen Desserts mit originellem Tier-Namen und ebensolchen realen Vierbeinern rundete ein baulicher Leckerbissen diese lohnenswerte Tour ab - einmal mehr herzlichen Dank an Ursula, welche immer wieder für tolle Tourentipps sorgt! 

Tourengänger: Ursula, Felix


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