Pyrenäen 3: Torla - Gavarnie


Publiziert von lemon Pro , 19. August 2010 um 06:51. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Spanien » Aragonien » Huesca
Tour Datum:28 Juli 2010
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: E   F 
Zeitbedarf: 6 Tage

29. Juli
Torla (1030m) – Pradera de Ordesa (1300m) – Refugio de Góriz (2195m) – Cuello Gordo (2188m) – Cuello Arenas (1894m) – Mallatta Sasé/Ripalés (1925m)

Um 6h geht der erste Bus, den nehmen wir mit ca. 15 anderen Wanderern. Kopfsalat ist gar noch nicht wach und so frühstücken wir erst mal an den Tischen der noch geschlossenen Bar im Ordesatal (Joghurt und Baguette). Gemütlich machen wir uns auf den Weg. Der erste Teil ist eher langweilig, dann wird’s immer schöner... beeindruckende Wasserfälle, schöne Wiesen, Blumen, Sträucher, Vögel... Der Cañon von unten ist sehr eindrücklich und die Wanderung extrem abwechslungsreich. Bei der Cascada de la Cola de Caballo möchte Kopfsalat die Kletterstelle machen, mir sieht das ganze etwas gefährlich aus – vor allem mit unserem Gepäck. Schlussendlich nehmen wir den „gemütlichen“ Aufstieg zum Refugio de Goriz.

Am Morgen waren wir noch alleine unterwegs, jetzt wimmelt es schon von Leuten und wir stellen uns lieber nicht vor, wie das ganze an einem Wochenende ist. Scheinbar muss man mal auf dem Monte Perdido gewesen sein – wir jedoch nicht... Wir füllen im Goriz Wasser auf, trinken je ein KAS und bald gehen wir weiter. Ziel ist das unbewartete Refugio Cuello Arenas (1900m), oder je nach dem der Abstieg nach Nerin. Der Weg führt uns durch Mondlandschaften aus Karst. Wolken ziehen auf, es ist unwirtlich, aber speziell und irgendwie doch schön. Beim Refugio angekommen müssen wir uns den Weg zuerst durch eine Kuhherde bahnen und stehen dann vor dem Schild, dass dieses Refugio geschlossen sei und man zum übernachten 500 Meter weiter zum Mallata Sasé gehen muss.

Wir entschliessen uns, das mal anzuschauen und dann zu entscheiden. Allerdings sehen wir auf dem Weg nirgends eine Hütte, nur Kühe. Etwas ratlos bleiben wir stehen, konsultieren nochmals unsere Karte und schauen uns um – da, ein paar komische Steine, die könnten zu einem Dach gehören! Tatsächlich sehen wir nach einigen Schritten, dass vor diesen Felsen eine kleine Hütte steht! Sehr klein! Aber es ist ziemlich sauber drin und die Aussicht auf den Nebencañon ist eindrücklich. Wir bleiben. Eine gute Entscheidung!

Den Abend verbringen wir damit, Geier zu beobachten. Zuerst sehen wir vor allem Gänsegeier. Teilweise fliegen sie recht tief über uns weg und lassen sich immer wieder von der Thermik aus dem Canyon hinauftreiben. Irgendwann sehen wir einen Geier, der anders aussieht – ein Bartgeier. Auch der kommt so nahe, dass man seinen Bart im Feldstecher gut sehen kann. Wir sind beeindruckt! Da fliegt ein schwarzweisser Vogel mit grossem gelbem Schnabel vorbei. Ein Geier? Mit Hilfe unseres Vogelbuches können wir ihn eindeutig als Schmutzgeier bestimmen. Alle Geier zeigen sich immer wieder von nahe und vollziehen eine richtige Flugshow. Wir können kaum essen (Couscous mit Gemüse), so viel zu schauen gibt’s! Ein wunderschöner Abend! Nachts ist es etwas unbequem und ein Mäuschen knabbert dauernd am Griffband meines Stockes. Trotzdem schlafen wir gar nicht schlecht.

30. Juli
Mallatta Sasé/Ripalés (1925m) – Entrata dera Estiba (1798m) – Nerin (1280m)
Wir warten mit aufstehen, bis die Sonne vor der Hütte scheint. Kopfsalat wirft den Holzofen an um Kaffee zu kochen und wir frühstücken gemütlich unter steter Beobachtung der Geier. Es ist einfach spektakulär. Wir wollen die Barranca von oben noch etwas erkunden und deponieren unsere Rucksäcke in der Hütte. Nachher machen wir uns auf den Weg nach Nerin. Wir gehen alten Fahrspuren entlang und querfeldein bis zum Pass Entrata dera Estiba. Dort kommt der Weg vom Mondoto herunter und wir profitieren davon – ein gut markierter, schöner Abstieg durch Ginster nach Nerin, wo wir bereits von Torla aus ein Zimmer im Albergo Turistica reservierten (zum Glück konnten die Französisch!).

Nerin ist klein, alt und schön. Wir haben ein 4er Zimmer für uns alleine (28€/Person mit Halbpension). Leider gibt’s nichts zu Essen am Mittag – „bajo“ hätte es was, im neuen Hotel Palazzio. Da es schon 15h ist, machen wir uns ungeduscht auf den Weg. Trotz unseren stinkigen, verschwitzten Kleidern werden wir herzlich bedient. Wir nehmen einen gemischten Teller, d.h. Fisch/Würste mit 2 Eiern, Pommes Frites, Salat und Erbsen und trinken dazu je zwei alkoholfreie Biere (Damm Free). Es schmeckt! Nun ist aber Zeit für eine Dusche und Siesta. Anschliessend Dorfrundgang, Löffel aus Buchsholz kaufen und schon ist Zeit fürs Nachtessen. Kein kulinarischer Höhenflug, sondern reine Nahrungsaufnahme....

31. Juli
Nerin (1280m) – O Portiello (1196m) – Cañon de Añisclo (ca. 1100m) – Ebene bei Fuen Blanca (1650m) – Collado Superior de Góriz (2343m) – Circo de Soaso (1740m) – Pradera de Ordesa (1300m) – Torla (1030m) 

Um 7h Frühstück (getoastetes Brot mit Anke und Konfi), anschliessen Richtung Sercue. Schöner Weg durch Buchs und andere Büsche. Wir nehmens gemütlich und beobachten die Vögel (u.a. Provencegrasmücke und Rotrückenwürger). Schliesslich ist es bis zum Biwakplatz Fon Blanca nur etwa 5 Stunden. Die Schlucht ist noch eindrücklicher als das Valle de Ordesa. Wir machen eine lange Mittagspause und plötzlich kommt die Idee, mal wieder die ganze Planung über den Haufen zu werfen. Variante 1 war bis gestern: Nerin – Fon Blance (Biwak) – Col d’Anisclo – Pineta (Refugio) – Bielsa. Die haben wir bereits in Nerin verworfen, da der Abstieg vom Pass sehr steil ist und durch seine Nordexposition höchstwahrscheinlich noch Schnee liegen dürfte, was für uns zu gefährlich wäre. Somit stellten wir gestern die Variante 2 auf. Nerin – Fon Blanca (Biwak) – Goriz – Pradera Ordesa (Bus) – Torla. Wir haben plötzlich den Eindruck, dass wir das ganze eigentlich auch in einem Tag machen könnten und somit heute abend statt zu biwakieren in Torla im Hotel liegen könnten. So beschliessen wir mal bis Fon Blanca zu gehen.

Laut Karte geht der Weg alles dem Fluss entlang. Unser Weg steigt aber stetig an – wir sind uns nicht sicher, ob wir nicht auf dem Weg aus der Schlucht raus sind, was weiter nicht schlimm wäre. Toller Weg, nicht kinderwagentauglich, dafür interessanter als vorher. Nach einer Weile geht der Weg wieder runter und wir treffen auf den Bach – also doch auf dem richtigen Weg. Es ist wunderschön! Für mich ist klar, dass wir doch in Fon Blanca biwakieren werden um diese schöne Gegend zu geniessen. Noch sind wir aber nicht dort. Der Weg geht weiter auf- und abwärts entlang des Bachs. Nun sehen wir die Fon Blanca – ein Wasserfall und die kleine Hütte, das Refugio. Mir gefällt‘s!

Das letzte Stück zur Hütte ist allerdings nicht so schön – wir kämpfen uns durch Brennnesseln und Riesenbärenklau. Die Hütte, direkt am Weg, ist sehr klein und nicht so schön wie unsere letzte. Auch eine Türe fehlt. Ich würde trotzdem hier bleiben, es ist ja schon 16h. Kopfsalat findet es aber einfach nur schrecklich. Wir rechnen noch ein bisschen hin und her und entscheiden uns fürs Hotelzimmer... Es sollte gut auf den letzten Bus um 22h von Pradera Ordesa bis Torla reichen, rechnen wir doch mit ca. 4.5 Stunden.

Der Aufstieg zum Pass ist interessant mit einigen Kraxelstellen. Wir gehen zügig, machen aber regelmässig Pause und Essen und Trinken was kleines. Es ist kein Genuss... Irgendwann kommt der Gedanke im Goriz zu biwakieren. Als wir jedoch das Refugio sehen, ist klar – da bleiben wir nicht! Es ist Samstag Abend und rund um das Refugio sieht es auf wie an einem Openair. Ein Zelt neben dem anderen! Schrecklich! Morgen werden die wohl Schlange stehen um auf den Monte Perdido zu kommen. Zügig machen wir uns an den Abstieg. Die Beine und Füsse spüre ich schon langsam. Den grössten Abstieg haben wir beim Circo de Soaso hinter uns – es ist mittlerweile 20h.

2h sollten eigentlich für die letzten 500 Meter runter und ca. 5km Strecke reichen. Trotzdem gehen wir zügig weiter. Es ist ein lauer Sommerabend und uns kommen immer noch Leute mit Zelten entgegen, die Richtung Goriz wollen. Auch im Nationalpark selber werden ungeachtet der Verbote Zelte aufgestellt! Eine kleine Abwechslung auf dem Weg ist die Schlange, die sich vor meinen Füssen über den Weg windet. Ich kann ihr eine ganze Weile zu sehen – so viel Zeit muss sein! Leider ist die Kamera bei Kopfsalat und er ist ein Stück hinter mir, da er noch die Socken gewechselt hat, die von der Flussdurchquerung nass geworden sind. Aber es war eindeutig eine Aspisviper.

Der Weg zieht sich unendlich in die Länge – immer wieder macht er eine Kurve und wir kommen nicht richtig vorwärts. Ich zweifle langsam, ob es wirklich reicht und spüre, dass meine Grenzen langsam erreicht sind... Mit viel Kopf- und noch mehr Beinarbeit schaffen wir es dann sogar auf den zweitletzten Bus um 21.30h, erschöpft und erledigt. Auf der Fahrt durch Torla sehen wir die vielen Autos und zweifeln, dass wir um diese Nachtzeit noch ein freies Hotelzimmer finden. Als erstes versuchen wir es wieder im Bellavista. Das alte Paar erkennt uns wieder und tatsächlich – sie haben noch ein Zimmer frei! Viel kleiner, aber das ist uns völlig egal. Wir nehmen es gleich für zwei Nächte. Schnell Duschen und ein Sandwich, je ein alkoholfreies Bier und eine Cola in der Bar und ab ins Bett – meine Füsse schmerzen ziemlich, Kopfsalat’s überhaupt nicht …

1. August
Torla (1030m) - Ruhetag
Kopfsalat ist schon vor 8h wach und kann nicht mehr schlafen. Er geht raus, einen Kaffee trinken und ich beauftrage ihn, mir Orangensaft mitzubringen. Ich bin so müde, dass ich mich kaum im Bett umdrehen kann ... Ich schlafe, bis er mit dem Orangensaft und Schoggimilch kommt. Ich geniesse dieses „Frühstück“ im Bett! Für heute ist bloss faulenzen angesagt.

Nach einem weitern Kaffee für Kopfsalat und dem ersten für mich, gehen wir einkaufen und picknicken an „unserem“ Plätzli am Fluss (Wurst, Käse, Bagutte, Terrine, Melone, Oliven, Pfirsiche, Orangen, Gummibärchen). Wir baden nicht, aber faulenzen am Fluss und geniessen das Nichtstun. Plötzlich hören wir erstes Donnergrollen und wir machen uns auf den Weg zurück ins Hotel. Das Gewitter kommt allerdings nicht.

Um 6h gehen wir ins Dorf, zuerst ein KAS in der Bar, nachher wollen wir in Nicolas de Bujaruelo für morgen im Refugio reservieren. Wir haben keine Lust auf Biwak. Nun fängt es aber an zu gewittern und in der Telefonkabine haben wir keine Leitung mehr. Wir fragen den Herrn im Touri-büro. Er übernimmt das gerne für uns, allerdings ist auch da die Leitung tot. Er bietet uns an, später nochmals vorbei zu kommen. Es beginnt stärker zu regnen und wir flüchten in die Bar – und bleiben die nächsten zwei Stunden dort! Das Gewitter wird nämlich immer heftiger, es beginnt zu hageln. Die Hagelkörner sind teilweise so gross wie Pingpongbälle. Es ist eindrücklich, aber wir sind froh, im Trockenen zu sitzen. Der einzige Nachteil, um aufs WC zu gehen, muss man durch den Innenhof – und das ist bei dem Hagel zu gefährlich! Um halb neun entscheiden wir uns, im Restaurant über der Bar essen zu gehen, statt im Cocinilla, wie wir geplant haben. Durch das starke Gewitter ist praktisch kein Personal im Restaurant und bis auf zwei Väter mit ihren Kindern auch keine weiteren Gäste – niemand geht freiwillig raus! Das Essen ist gut. (Spaghetti/ Salat; Kaninchen/Wildschwein; Caramelköpfli; Milchreis). Zum Glück hat der Regen aufgehört und wir kommen trocken ins Hotel. Und, wir werden positiv überrascht. Das Personal hat unsere Schuhe und Kleider, die auf dem Balkönchen standen, reingeholt und somit ist alles trocken – bis auf das Bett. Wir wissen nicht warum, aber vor dem Bett ist eine Wasserlache und auch auf dem Bett hat es zwei nasse grosse Flecken. Das stört unseren Schlaf aber nicht.

2. August
Torla (1030m) – San Nicolas de Bujaruelo (1338m)
Wir schlafen wieder aus... ein Blick aus dem Fenster zeigt, dass es immer noch bewölkt ist. Zudem sieht man jetzt das Ausmass des Hagels. Beim Nachbarhotel sind alle Blumen zerschlagen. Die Autos haben massive Beulen, teilweise kaputte Scheiben oder Lichter. Bei unserem Hotel ist der Dachkännel völlig durchlöchert. Das Hotelpersonal ist noch ganz aufgeregt und erzählt uns ganz viel – unter anderem verstehen wir, dass auf dem Zeltplatz fast alle Zelte kaputt sind und dass auch für heute wieder Gewitter angesagt sind. Für uns ist klar – wir gehen erst los, wenn wir eine sichere Unterkunft reserviert haben. Die Telefonleitung funktioniert wieder und wir können in San Nicolas de Bujaruelo im Refugio reservieren.

Nach einem Kaffee und den letzten Einkäufen machen wir uns auf den Weg. Diesmal gehen wir dem Fluss entlang (linke Flussseite). Es hat viel Wasser und die Wolken verdichten sich. Wir entscheiden uns, statt den schönen Weg obendurch, die Strasse zu nehmen. Vom Ausblick lohnt es sich, allerdings hat es ziemlich viel Verkehr und ein Bagger, der die Strasse von Steinen und Ästen räumt.

Bei der Puente Nueve entschliessen wir uns Autostopp zu machen. Wir haben keine Lust nass zu werden. Eine Frau nimmt uns sogleich mit. Leider muss sie nur bis zum Camping de Bujaruelo. Wir müssen aber nicht lange warten und ein Mitarbeiter vom Refugio nimmt uns mit. Es ist etwa 14h, die Zimmer können aber erst ab 16h bezogen werden. Wir machen eine Spaziergang dem Rio Ara entlang – wunderschöne Auenlandschaft. Die grauen Wolken sind immer da, aber es regnet nicht. Zurück im Refugio essen wir unser Picknick. Um 16h checken wir ein und sind ganz erstaunt, dass wir einen Schlüssel erhalten. Und tatsächlich, wir sind nicht in einem grossen Schlafsaal sondern in einem Doppelzimmer (Etagenbett) mit eigener Dusche und WC! Das ist komfortabel! Wir geniessen die Ruhe für uns und machen eine Siesta. Nach einer Weile werden wir von Pferdegewieher geweckt. Eine Gruppe ist mit ihren Pferden und Maultieren angekommen und will hier Pause machen.

Kurze Zeit später hören wir erstes Donnergrollen und schon bald regnet es in Strömen und auch der Hagel lässt nicht lange auf sich warten. Wir sind froh im Trockenen zu sein. Nach etwa 2 Stunden ist der Spuk vorbei und der Himmel ist knallblau, wie wenn nichts gewesen wäre... eindrücklich! Ebenso beeindruckend ist das Nachtessen... Zuerst ein Gemüseeintopf mit Artischocken, Bohnen, Tomaten und vielem anderem. Anschliessend ein Topf voller Hühnerteile mit Peperonisauce und Salat. Ich glaube es hätte jedem fast ein ganzes Poulet gegeben. Das Dessert war dafür „nur“ ein Joghurt... nach unserer „langen Wanderung“ heute sind wir froh, so viel zu Essen zu bekommen ;-)

3. August
San Nicolas de Bujaruelo (1338m) – Puerto de Bujaruelo (2273m) – Gavarnie (1380m) – Luz-St-Sauveur (700m)
Wir stehen mal wieder etwas früher auf. Das Wetter ist schön, aber es weht ein starker, kühler Wind. Nach dem Frühstück wollen wir los Richtung Puerta de Bujaruelo ...Wir kommen aber nicht weit. Ein Bauer treibt auf dem gleichen, schmalen Weg seine Kuhherde rauf. Und irgendwie wollen nicht alle Kühe so wie er. Die Kälber nutzen jeden Stopp um Milch zu trinken. Bald schon gibt es einen kleinen Wandererstau. Zu 8 treiben wir die Kühe von hinten an, um doch noch vorwärts zu kommen.

Oberhalb der Baumgrenze bläst es uns fast weg. Es ist nicht sonderlich angenehm und wir machen unsere erste Pause beim Refugio Electrica. Hier möchte ich nicht übernachten, aber wir sind froh um das bisschen Windschutz. Der weitere Aufstieg auf den Pass ist einfach und schon fast ein bisschen langweilig. Wir merken, dass langsam eine gewisse Sättigung da ist. Wir haben so viele tolle Dinge gesehen, dass wir fast keine neuen Eindrücke aufnehmen können. So entschliessen wir uns, unsere Wanderung in Gavarnie zu beenden. Auf dem Pass oben ist es ungemütlich. Der Wind bläst und es hat sehr viele Leute, denn auf der Französischen Seite kann man mit dem Auto fast bis auf den Pass fahren! Wenigstens ein Highlight, wir sehen einen Schneesperling. Als wir ihn näher betrachten wollen, schmeissen zwei kleine Spanier Steine nach ihm! Wir sind entsetzt, schimpfen gehörig und wollen nichts wie weg.

Der Abstieg ist steil, aber die Wegführung sehr angenehm. Unten in der Ebene machen wir eine lange Pause. Schliesslich müssen wir noch all unsere Vorräte aufessen, wenn wir nicht mehr weiter wandern. Und so schmausen wir Schwedenbrötchen mit Wurst, Käse, Oliven, Cachounüssen, Datteln und Schoggi. Mmmh... Nach einer Weile haben wir Aussicht auf den Cirque de Gavarnie – wir sind erstaunt, der Blick ist wirklich fantastisch. Wir haben immer gedacht, das sei nur eine tourismusfördernde Übertreibung... Allerdings sind wir froh, nicht beim Wasserfall unten zu sein, sehen wir doch mit dem Feldstecher wie Hunderte von Leuten dort unten anstehen um den Wasserfall anzuschauen...

Langsam kommen wir auch wieder in touristische Gefielde. Obwohl der Weg immer noch steinig und eher schmal ist, kommt uns ein Pärchen in Flipflops entgegen und einige haben nach wenigen Höhenmetern schon einen hochroten Kopf... Wir sind gespannt auf Gavarnie, haben wir doch schon in einigen Berichten gelesen, dass diese Ortschaft nichts schönes sei. So schlimm ist es aber nicht. Es ist einfach ein Touriort, aber nicht völlig verschandelt. Allerdings bleibt uns auch nicht viel Zeit, denn in einer halben Stunde fährt der Bus Richtung Luz-St.-Sauveur und wir entscheiden uns bis dorthin zu fahren, denn laut Karte ist das ein grösserer Ort.

Wieder Mal als einzige Passagiere im Bus haben wir eine Sightseeingtour bis Luz-St.-Sauveur. Auch dies ein ziemlicher Touristenort. Wir gehen auf die Suche nach einem Hotel. Das Hotel Londre ist so ein richtig altes Hotel – der Glanz ist noch zu erahnen. Obwohl es etwas teurer ist, fragen wir nach einem Zimmer – und zum guten Glück schauen wir es uns zuerst an. Schrecklich! Teuer, schmutzig und mit Fenster direkt auf die Lüftung. Wir verzichten dankend und nehmen im Hotel Terminus 20€ günstiger ein Zimmer. (48€/Nacht) Sauber, frisch renoviert und mit eigenem Bad und separatem WC. Heute ist im Dorf Fete de Mouton. Es hat viele Leute, aber eigentlich wissen wir nicht so recht, was es ausser Essensständen zu sehen gibt. Wir suchen uns ein Restaurant und gehen in die Pizzeria. Hier sieht es gemütlich aus – leider entpuppt sich das Restaurant als wahre Geduldsprobe. Wir warten ewig bis wir bestellen können und noch länger bis das Essen kommt. Zum Glück schmeckt wenigstens die Pizza....

 


4. August

Luz-St-Sauveur
Wiedermal ist Nichtstun angesagt. Das heisst ausschlafen, Kaffee trinken, Essen einkaufen und dann machen wir uns auf den Weg zu den das Städtchen überragenden Ruinen des Château Ste-Marie. Essen, lesen, nichtstun ... Am Abend wollen wir an einem besseren Ort essen gehen. Leider hat das Restaurant, in welches wir gehen wollten, geschlossen. Wir suchen weiter und es zeigt sich, dass es gar nicht so einfach ist, etwas zu finden. Die Restaurants entpuppen sich alle als Fastfoodrestaurants und so essen wir einen Riesenburger mit Pommes... naja ...

 

5. August

Luz-St-Sauveur – Lourdes – Toulouse
Nach einem Kaffee fahren wir mit dem Bus nach Lourdes. Dort entscheiden wir uns, gleich heute bis Toulouse zu fahren. Der nächste Zug fährt in zwei Stunden. Die Wartezeit nutzen wir, um zur Grotte zu gehen. Ich will das einfach mal sehen... Dani reicht es schon beim Vorplatz wo alle Pilgerkreuze stehen. Ich gehe weiter zum heiligen Wasser, aber bis zur Grotte schaffe ich es nicht. Es hat mir dann doch zu viele Leute. Auf dem Rückweg kaufen wir uns noch zwei Plastikflaschen in Form der Heiligen Bernadette. Kitschig/schrecklich ... Nach einem Sandwich am Bahnhof geht unser Zug und wir sind irgendwie erleichtert, von Lourdes weg zu kommen.

In Toulouse suchen wir uns gleich in Bahnhofsnähe ein Hotel. Und es scheint, dass wir einen Glücksgriff gemacht haben! Das Hotel d’Orsay hat ausserordentlich nettes Personal und die Zimmer sind zwar klein aber sauber und ruhig.

Auf dem Stadtbummel werden wir völlig überrascht. Wir sind ohne Erwartungen nach Toulouse gekommen und sind überwältigt vom Charme dieser Stadt! Käffele, shoppen (neue Kleider!), Sightseeing. Am Abend indisches Essen im Restaurant Rahjastan oder so ähnlich ... Schmeckt sehr gut!

 

6. August

Toulouse

Besuch des Naturhistorischen Museums. Wir verbringen Stunden darin! Nochmals shoppen und am Abend Entenessen (Magen, Brust, Rillette, Keule, aux Prunes)  

7. August

Rückfahrt via Paris nach Basel

Pyrenäen 1: Oloron-Sainte-Marie bis Cauterets

Pyrenäen 2: Cauterets - Torla

Pyrenäen 3: Torla - Gavarnie

*** 

Kartenmaterial
- IGN (Frankreich): 1547 OT, 1647 OT, 1748 OT 1:25‘000
- CNIG (Spanien): Ordesa y Monte Perdido 1:25‘000
- Rando Editions (Frankreich/Spanien): Pyrénées Cartes No: 3 Béarn, 24 Gavarnie - Ordesa 
- Editorial Alpina (Spanien): Ordesa y Monte Perdido 1:40‘000

Wir haben die bis zu 90cm x 120cm grossen Kartenblätter in handliche Stücke zerschnitten, sodass wir Teile, die wir gar nicht benötigen werden, zu Hause lassen konnten.

***

Ausrüstung (ng = nicht gebraucht) Kopfsalat:
 

Auf Mann

Nickelbrille: 20 g
Uhr Swatch: 16 g
Hut: 68 g
Kopftuch Baumwolle: 50 g
Socken Mekralon: 30 g
Socken Wolle: 50 g
Spandex-Hose kurz: 140 g
Stulpen (Damenstrumpf): 36 g
Trägerleibchen Merino Icebreaker: 170 g
Trail-Schuhe Inov-8 Terroc: 800 g 

Total 1380g 


Im Rucksack 


Allerlei 

Adresszettel: 6 g
Bleistift: 4 g
Brillenputztuch: 15 g
Duct-Tape: 0 g (um Trekking-Stöcke gewickelt)
Duschkopf: 2 g (ng)
Ersatzbrille Rudy Project: 44 g (ng)
Feuerstein: 15 g (ng)
Feuerzeug: 12 g
Geld: 0 g
Grödel Kahtoola Microspikes: 360 g
Hausschlüssel: 15 g
Höhenmesser Thommen: 70 g
K: EC-Karte: 4 g
K: ID: 4 g
K: KK-Ausweis: 4 g
K: REGA-Ausweis: 2 g
K: SAC-Ausweis: 4 g
K: VISA-Karte: 4 g
Kartenmesser: 2 g
Karten-Tasche Ortlieb A4: 55 g
Kompass Recta: 70 g
Landkarten: 750 g
Messer klein Wenger: 30 g
Mobiltel. Ladegerät: 50 g
Mobiltelefon Simvalley: 40 g
Nadeln + Faden: 6 g
Reflektorarmband: 8 g (ng)
Regenschirm: 150 g
Schneeteller Leki: 40 g
SeamGrip: 10 g (ng)
Sicherheitsnadeln: 2 g (ng)
Signalpfeife: 18 g (ng – zum Glück)
Sonnenbrille: 28 g
Stirnlampe Petzl e+LITE: 25 g
Stöcke Raid Light: 280 g 

Total: 2129 g 


Bekleidung

Armlinge (Damenstrumpf): 36 g (ng)
Beutel: 20 g
Kopf-Mosktionetz: 14 g (ng)
Merinobuff: 32 g
Neoprenesocken dünn: 150 g
Netzleibchen langarm: 100 g
Regenhose Golite Reed: 150 g
Regenjacke Sierra Design: 170 g
Sealskinz-Socken: 112 g
Thermojacke Mont-Bell: 290 g
Thermo-Unterhose lang: 135 g (ng)
Thermoweste Sherpa: 220 g (ng)
Unterziehhandschuhe: 24 g
Windjacke Montane: 85 g
Windschutzhose Montane: 130 g
Wollsocken-Ersatz: 50 g

Total: 1718g


Apotheke

Allergiker-Notfallset: 2 g (ng)
Augentropfen: 14 g (ng)
Betadine: 16 g (ng)
Compeed: 20 g (ng)
Gazekompresse: 2 g (ng)
Glycoramin: 6 g (ng)
Latex-Handschuhe: 16 g (ng)
Medizinbeutel: 10 g
T: Spasmo-Canulase: 0 g (ng)
T: Antihistamin: 0 g
T: Immodium: 0 g
T: Pontstan 500: 0 g
Tabletten & Dose: 14 g
Tape: 100 g
 
Total: 200g 


Hygiene

Alkohol-Gel: 40 g
DEET: 38 g (ng)
Dentabs in Dose: 14 g
Flüssigseife klein: 14 g
Gesichtstuch: 8 g (ng)
Lippenpomade: 24 g
Ohrstöpsel: 2 g
Sitzcreme Assos: 20 g
Sonnenöl: 40 g
WC Papier/Zellstoff: 20 g
Zahnbürste: 8 g

Total: 228 g 


Kochen 

Dosenöffner P-38: 6 g (ng)
Entchlorungstropfen: 18 g (ng)
Entkeimungstropfen: 18 g
Feuerzeug: 10 g
Filterbeutel: 18 g
Holzvergaserbrenner MYOG: 120 g
Kocher-Beutel: 6 g
PET-Flasche 1.0l: 40 g
Scheuerlappen: 8 g
Schüssel 0.75l MYOG: 14 g (ng)
Spiritusbrenner MYOG: 20 g
Spiritusflasche PET 500ml: 35 g
Spork: 16 g
Streichhölzer: 10 g
Titantopf 0.75l: 75 g
Topfdeckel Alu: 4 g
Wasserfilter, Katadyn mini: 225 g (ng)
Wassersack Platypus 2.4l: 40 g
Windschutz, Alu: 18 g

Total: 701g


Rucksack

Rucksack Golite Breeze 43l+14l: 440 g
Rucksackliner Silnylon: 120 g
Tagesrucksack Sea-to-Summit 20l: 75 g (unterwegs verloren :-/ … 

Total: 635 g


Schlafen

Abspannschnüre: 45 g
Biwaksack MYOG: 260 g
Liegematte Z-Rest: 275 g
Schlafsack Daune Yeti Pound: 550 g
Sitzmatte Mont-Bell: 100 g
Titan-Hering Nagel (12): 72 g
Titan-Hering V (2): 20 g

Total: 1322 g


Verbrauch 

Spiritus 300ml: 200 g
Wasser: 1500 g (im Durchschnitt mitgetragen)
Anteil an Verpflegung für 6 Tage: ca. 2000 g
Zunder: 50 g (nur ca. 5g gebraucht) 

Total: 3750 g


Luxus

Fernglas Zeiss 8 x 20: 225 g
Kamera Canon G10: 400 g
Kamera-Akku-Lader: 90 g
Kamerabeutel: 10 g
Kamera-Tragriemen: 20 g
Vogelbestimmungsbuch: 250 g 

Total: 995g


„Zivilisations-Kleider“ (auch als back-up)

Feelmax-Latschen: 150 g
Gürtel: 55 g
Hose kurz: 150 g
Seidenhemd: 120 g

Total: 475 g

Total im Rucksack: 12153 g

Total auf Mann und im Rucksack: 13583 g

***

Ausrüstung lemon:

Wanderkleider
Kurze Hose (Northface)
Träger-Shirt Icebreaker
Icebreaker Langarm, umfunktioniert mit Reissverschluss zu Jäckchen
Regenjacke Marmot Precip
Regenhose
Rohner Wandersocken (2Paar)
Sport-BH Triumph 

Ersatzkleider
Ullfrottee Pulli
Woll/seide lange Unterhose
Woll/Seide T-Shirt
Bluse (selber genäht)
Lange Hose
5 Paar Unterhosen
1 Paar dicke Socken
1 ErsatzBH
1 Badeunterhose 

Zubehör schlechtes Wetter
Wollmütze Icebreaker
Buff
Handschuhe Icebreaker
Handschuhe Goretex
Sealskinsocken
Schirm 

Zubehör gutes Wetter
Sonnenbrille
Sonnenhut
Seidentuch 

Sonstiges
Feldstecher
Adressen
Portemonnaie
Schreiber
Krimi (entsorgt nach dem Lesen)
Leki-Stöcke, einer entsorgt, nachher noch einen 10€ Stock dazugekauft
Petzel E-Lite 

Necessaire
Seife
Microfasertuch
Zahnbürste und Paste
Kamm
Spängeli
Tampons
WC_Papier
Nivea (gekauft)
Medikamente
Sonnencreme Daylong 50 und 25

Schlafen
Schlafsack
Thermarest Mätteli
Biwaksack
Tarp


Tourengänger: Kopfsalat, lemon


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T3

Kommentare (1)


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Jakob Bauer hat gesagt: Packliste
Gesendet am 21. Juli 2011 um 23:36
Unsere Packliste auf pyrenaeen.wordpress.com ist etwas kürzer, glaube ich, aber eigentlich haben wir von Euch abgeschrieben.


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