Pyrenäen 1: Oloron-Sainte-Marie bis Cauterets


Publiziert von lemon Pro , 17. August 2010 um 22:31. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Frankreich » Pyrénées
Tour Datum:17 Juli 2010
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: F   E 
Zeitbedarf: 6 Tage

17. Juli 2010
Basel – Paris – Pau – Oloron-Sainte-Marie
Fahrt mit TGV von Basel über Paris nach Pau (je 111€ 1. Klasse). Da an diesem Wochenende l’Etape du Tour Mondovélo stattfindet, haben wir in Pau schon im Mai kein Hotelzimmer mehr bekommen. In Oloron-Sainte-Marie konnten wir im Relais du Bastet noch ein Zimmer reservieren. Mit dem Taxi fahren wir von Pau dorthin und hoffen, dass diese Reservation geklappt hat. Nach einem kurzen Telefon erhalten wir den Türcode und die Anweisung, welches Zimmer unseres ist. Einfach, sauber, günstig (12.5€/Person) mit eigenem Bad. Nach einem kurzen Abendspaziergang gehen wir früh schlafen.

18. Juli
Oloron-Sainte-Marie (233m) – Col du Somport (1632m) – Col des Moines (2168m) – Refuge d’Ayous (1980m)
Zum Frühstück die Resten von gestern und einen Kaffee. Auf dem Weg zum Bahnhof schauen wir den Velorennfahrern zu. Um 10.10h fährt der Bus uns bis zum Col du Somport. Nach einem Mineralwasser auf spanischem Boden laufen wir auf einer Strasse mit schönen Blumen bis zum hässlichen Skiort Astun. Heisser Aufstieg bis zum ersten See (Ibun del Escalar), in den wir auch gleich reinspringen. Über den Col des Moines vorbei an wunderschönen Seen bis zum Refuge d’ Ayous. Erste Übungen im Tarp aufstellen (wir haben es dieses Jahr noch nicht gebraucht...). Wir werden nicht nur von Wanderern sondern auch von Eseln und Pferden beobachtet. Baden im See, Essen im Refuge (Suppe, Couscous, Cassoulet, Apfelmus).

19. Juli
Refuge d’Ayous (2185m) – Gave de Bious (1644m) – Col de Peyreget (2310m) – Refuge de Pombie (2031m)
Wir schlafen gut und erwachen wegen der Kuhherde, die jetzt auf der Weide frühstückt. Um ein grösserer Abstieg zu vermeiden, gehen wir weglos zum Punkt 1644. Unterwegs gibt’s ein Frühstück – Müesli aus dem Beutel. Aufstieg Richtung Col de Peyreget. Im Lac de Peyreget gibt’s ein Morgenschwumm. Kurz vor dem Pass kommen wir nochmals an einem stahlblauen kleinen See vorbei – ich hüpfe nackt rein – es ist eiskalt aber erfrischend! Beim Refuge de Pombie finden wir nach langem Suchen einen windgeschützten, geraden Platz. Kurzes Bad von mir im See. Essen in der Hütte (Suppe, Ragout mit Oliven und Teigwaren, Käse, Apfelmus). Sehr herzliches Hüttenteam!

20. Juli
Refuge de Pombie (2031m) – Cabane du Caillou de Soques (1400m) – Col d’Arrious (2259m) – Lac d’Artouste (2000m) – Refuge d’Arrémoulit (2448m)
Wieder gut geschlafen, aber diesmal früher aufgestanden. Abstieg durch Wiesen mit vielen Blumen. Frühstückend Vögel beobachten. Abstieg weiter durch einen schönen Wald bis zur Strasse zum Col de Pourtalet. Heisser Aufstieg zuerst noch im Wald, nachher an der prallen Sonne durch Blumenwiesen zum Lac d’Arrious. Es ist jetzt bedeckt, etwas kühler und vor allem ist eine ganze Pfadi dort am Pause machen. Wir schauen uns die Passage d‘Orteig an – ich will sie nicht machen. Für mich sieht es furchterregend aus... Somit machen wir den Umweg zum Refuge d’Arremoulit. Es ist unwirtlich hier oben, steinig und windig. Auf dem See (2305m) segelt ein Pärchen (wohl die Hüttenwarte) im Optimist! Wir beschliessen im Refuge zu schlafen, denn wir sind müde und haben keine Lust auf eine windige, kalte Nacht.

Den Rest des Nachmittages verbringen wir mit der Flucht vor dem Wind, essen ein Sandwich und trinken einen grossen Kaffee. Das Nachtessen wird in unserem Schlafraum serviert – man würde nicht glauben, dass im kleinen Gang vor den Betten noch Tische platz haben und darin etwa 16 Personen verpflegt werden können – naja, gemütlich ist es nicht... Das Essen gehört zur Kategorie „Nahrungsaufnahme“ – Suppe, Cassoulet, Käse, Apfelmus. In der Nacht gewittert es – Kopfsalat bekommt mal wieder nichts davon mit ...


21. Juli
Refuge d’Arrémoulit (2305m) – Col d’Arrémoulit (2448m) – Refugio de Respomuso (2200m) – Col de la Fache (2664m) – Refuge Wallon/Marcadau (1865m)
Am morgen relativ gemütlicher aber windiger Aufstieg zum Col d‘Arremoulit. Traumhafter Weg zum Ref. Respomuso. Seen, Föhren, tiefe Täler, Bäche, Feuersalamander... wir geniessen den Weg sehr! Im Respomuso (riesig, unsympathisch - nicht die Leute, sondern das Haus und die Lage) essen wir je ein Sandwich (einmal Käse, einmal Tortilla). Uns gefällts hier nicht und wie geplant gehen wir weiter.

Ziel ist das Refuge Wallon. Auf dem alten GR 11 zuerst und anschliessend unmarkiert Richtung Col de la Fache. Vor einem Bach ziehen wir die Socken aus und waten durchs eiskalte Wasser. Anschliessend kommen die ersten Schneefelder, wir montieren unsere Iiseli (Grödel) an die Schuhe und die Schneeteller an die Stöcke. Es ist schon Nachmittag, aber zum Glück hat die Sonne den ganzen Tag nicht wirklich geschienen. Nach einigen Schneefeldern, wir haben den Pass fast erreicht, beginnt es zu regnen – riesige Tropfen prasseln nieder. Es ist ziemlich steil und wir müssen noch ein bisschen weiter, bis wir einen Ort zum Anhalten finden. Regenzeug montieren und schnell wieder weiter – schon kommt das nächste Schneefeld. Dafür hört es auf zu regnen, aber es ist sehr windig.

Auf dem Pass bin ich erleichtert – es sieht nach einem angenehmen Abstieg aus – kein Schneefeld in Sicht. Leider währt die Freude nur kurze Zeit... Einmal um die Kurve und schon wieder ein Schneefeld. Das zweite Schneefeld druchquert Kopfsalat rutschend. Ich probiers auch... naja...
Pause bei Sonne an einem Bächli. Von jetzt an geht alles runter bis zum Refuge Wallon. Der Weg ist angenehm, die blau gesprayten Schafe irritieren uns ein wenig... Langsam kommt der Nebel.

Im Refuge Wallon (riesig!) trinken wir einen Sirup und suchen uns dann einen Platz für die Nacht. Das ist nicht so einfach. Von weitem sieht die Biwakzone zwar sehr eben aus, von nahem zeigt sich aber, dass überall kleine Bäche hindurchfliessen, gewisse Stellen eher sumpfig sind und es kaum einen windgeschützten Ort gibt. Wir stellen unser Tarp einigermassen geschützt bei einem Felsen auf. Rechtzeitig sind wir fertig, es beginnt zu regnen und wir verkriechen uns im Schlafsack. Nun fängt es an zu Blitzen und Donnern. Ich habe Angst und will ins Refuge. Zudem ist bald Nachtessenzeit. Wir nehmen trockene Kleider mit, ziehen die Regensachen an und kommen pflotschnass ins Refuge – rechtzeitig zum Essen (Suppe/Eintopf, Chilli mit Reis, Käse, Schoggi-Kokoskuchen – ein feines Essen!).

Das Wetter hat sich wieder beruhigt, zwischendurch scheint sogar die Sonne! Wir gehen zurück zum Zelt, richten uns eine und schon fängt es wieder an zu regnen und bald blitzt und donnert es wieder. Es ist ungemütlich. Dadurch dass es draussen immer noch sehr neblig ist, wirken die Blitze noch viel furchteinflössender. Wir schlafen nicht, kuscheln uns aneinander und warten. Der Regen lässt nach, auch die Blitze werden weniger und es donnert nur noch in weiter Ferne. Uff. Ich gehe raus, denn ich muss mal dringend... Kaum draussen geht’s wieder los. Kopfsalat reicht‘s nicht mehr, es regnet und gewittert schon wieder. Aber Männer haben‘s da etwas einfacher und so bisslet er liegend unter dem Tarp hervor... Um doch noch ein wenig schlafen zu können, stopfen wir uns Oropax ins Ohr und ziehen die Mütze über die Augen. Ich beruhige mich langsam und bin nahe am einschlafen, als Kopfsalat plötzlich aufschreckt und was von einem See sagt. Tatsächlich schwimmt sein Mätteli. Am Kopfende hat es etwa 10cm hoch Wasser.

Jetzt ist klar, wir gehen ins Refuge und versuchen alles, was noch trocken ist, trocken rüber zu bringen. Trotz der Enge im Tarp können wir die Schlafsäcke trocken in die wasserdichten Säcke stopfen. Zum Glück haben wir die Kleider schon wasserdicht verpackt und können die nur noch in den Rucksack packen. Mätteli, Kocher, Regenhosen (hatte ich als Kopfkissen unters Mätteli gestopft...) und einige Kleinigkeiten bleiben unterm Tarp liegen. Wir machen uns auf den Weg zum Refuge. Mittlerweile ist es gegen 1h. Es gewittert, regnet und die kleinen Bäche sind schon ein bisschen grösser geworden. Zum Glück brennt im Refuge noch ein Licht, denn der Nebel ist immer noch sehr dicht. Völlig durchnässt kommen wir an.

Zwei Männer der Hüttenmannschaft sind noch in der Küche und haben Mitleid. Statt im Essraum zu bleiben bis am Morgen, bieten sie uns an, die Nacht im Winterraum zu verbringen. Dieses Angebot nehmen wir natürlich dankend an. Zuerst packen wir alles aus, hängen auf und versuchen dann zu schlafen. Wir bringen kaum ein Auge zu. Draussen regnets, gewitterts und stürmts.


22. Juli
Refuge Wallon (1865m) – Pont du Cayan (1630m) – Cauterets (913m)
Um 6.30 entschliessen wir uns aufzustehen. Kopfsalat nimmt einen Rucksack, geht raus ins Gewitter um alles Nasse zu holen. Es ist nichts weggeschwemmt geworden, obwohl die kleinen Bächlein mittlerweile hüfttief sind, aber alles pflotschnass, zu dem schlägt ein Blitz gleich in der Nähe in einen Felsen. Ich packe mittlerweile alle trockenen Sachen in den anderen Rucksack. Wir trinken noch einen grossen Café au lait im Refuge und fragen nach, wie wohl der Weg zum Pont d’Espagne sei. Die Hüttenwartin meint, dass es kein Problem geben sollte, wenn wir alles auf dem Weg/Strasse bleiben würden.

So machen wir uns auf den Weg, um vom Pont d’Espagne das Navette nach Cauterets zu nehmen. Unglaublich, was an Wasser runterkommt. Wir waten mehr als wir laufen, einmal bin ich bis über die Knie im Wasser! Zum Glück sind alle Brücken noch ganz und wir kommen zur Strasse (nicht öffentlich, da Nationalpark). Von hinten hören wir plötzlich ein Auto. Ich winke, es hält an. Drin sitzt ein Mitarbeiter des Nationalparks, der irgendwelche Kontrollen machen muss. Er ist so nett und nimmt uns mit – pflotschnass wie wir sind - und fährt uns nicht nur bis zum Pont d’Espagne, sondern gerade bis vors Office de Tourisme in Cauterets. Dort meinen sie, dass es kein Problem sein sollte, ein Zimmer zu finden.

Im zweiten Hotel (http://www.cesarhotel.com) hat es dann auch Platz. Für drei Nächte nehmen wir ein Zimmer. Obwohl das Zimmer noch nicht geputzt ist, dürfen wir schon mal rein um trockene Kleider anzuziehen. Einen Kaffee, ein Croissant, ein Pain au Chocolat und ein Pain au Raisin später können wir definitiv ins Zimmer. Bevor wir ins Bett liegen, packen wir die Rucksäcke aus, hängen die ersten Sachen zum trocknen auf und geniessen eine heisse Dusche. Irgendwie können wir nicht schlafen und so gehen wir nochmals raus um Essen einzukaufen. Zurück im Hotel machen wir ein Picknick (Wurst, Käse, Baguette, Tartelette au Citron meringuée, 2l Flasche Oasis) im Bett und schauen Tour de France – sie fahren ganz in der Nähe durch. Heute ist die Etappe von Pau über Oloron zum Col de Tourmalet. Schlussendliche überkommt uns die Müdigkeit doch noch und wir holen die fehlenden Stunden Schlaf nach. Nachtessen im En So de Bedau“ (Blutwurst im Strudelteig mit Apfel, Forelle/Porc noir de Bigorre, Crumble) – sehr fein, gute Atmosphäre, empfehlenswert!


23. Juli
Cauterets (Ruhetag)
Thermalbad, schlafen, einkaufen, ausruhen. Gemäss Zeitung gabs gestern Regen von über 90l pro Quadratmeter, soviel wie normalerweise den ganzen Sommer über ... Abendessen für 10€ Steak Frites mit Salat, Käse und Dessert

24. Juli
Cauterets (913m) – Pont d’Espagne (1496m) – Cauterets (913m)
Bus bis Pont d’Espagne, schöner Spaziergang an zahlreichen Wasserfällen vorbei via Raillère (Thermalbadruine) nach Cauterets. Letzte Einkäfue, Kopfsalat schmökert in allen Buchhandlungen. Nachtessen im sehr vollen „La Sierra“. Trotz etwas langsamer Bedienung gut und empfehlenswert (Salat, Lammkotelettes, Crème Brulée).

 

Pyrenäen 1: Oloron-Sainte-Marie bis Cauterets

Pyrenäen 2: Cauterets - Torla

Pyrenäen 3: Torla - Gavarnie

Tourengänger: Kopfsalat, lemon


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Kommentare (1)


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Jakob Bauer hat gesagt: Toller Bericht
Gesendet am 21. Juli 2011 um 23:30
Wir sind Eurer Tour in weiten Teilen gefolgt und es war einfach toll. Hat uns sehr geholfen. Unser eigener Bericht steht auf pyenaeen.wordpress.com . Gruß, Silke und Jakob


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