Pilatus-Überquerung


Publiziert von TomClancy , 12. August 2010 um 13:55.

Region: Welt » Schweiz » Luzern
Tour Datum: 7 August 2010
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-NW   CH-OW   Pilatusgebiet   CH-LU   Bauen - Brisen - Bürgenstock 
Zeitbedarf: 13:00
Aufstieg: 3300 m
Abstieg: 2700 m
Strecke:Stansstad - Renggpass - Chrommhorn - Tellenfadlücke - Ober Steigli - Chilchsteine - Pilatus Kulm - Gemsmattli - Widderfeld - Mittaggüpfi - Tripolihütte - Blaue Tosse - Alpeli - Gfellen
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit der Bahn nach Stansstad
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Mit dem Rufbus (1 Stunde vorher bestellen!) von Gfelle

Am Samstag starte ich gegen 0930 Uhr beim Bahnhof Stansstad zu meiner Pilatusüberquerung (light). Tobis Spuren  (siehe hier: Tobis Parforce-Leistung) sind zwar noch frisch, da er 5 Stunden Vorsprung hat und ich sein Tempo mit meinem 16-Kg-Rucksack nicht annähernd erreichen werde, werden wir uns aber heute nicht sehen  :-)
Via Acheregg steige ich über den Renggpass auf dem Rücken des Loppers bergan. Der Weg liegt meistens angenehm im Wald. Oft bietet sich auch die Gelegenheit zu spannenden Ausblicken aus ungewohnter Perspektive. Zum Beispiel lässt sich oberhalb des bröckelnden Reigeldossens ein Blick auf die Notbrücke zwischen Hergiswil und Stansstad werfen. Ich kenne diese Gegend vor allem aus der Stanser Perspektive und als Durchfahrender Richtung Uri und Obwalden. So entdecke ich immer wieder Neues. Alle paar Schritte raschelt es und eine Eidechse verschwindet im Laub. Richtig südliche Verhältnisse!
Auf dem Renggpass mache ich die erste Pause und lasse vor meinem geistigen Auge die Heerscharen passieren, die diesen historischen Ort schon besucht haben.
Nach dem Renggpass geht’s nun Richtung Chrummhorn richtig zur Sache. Die Stöcke die mir helfen, meinen Rucksack zu balancieren, sind mir jetzt manchmal im Weg, da kurze Passagen auch den Einsatz der Hände erfordern.
Nach dem Chrummhorn nimmt die Steigung wieder trekking-verträgliche Ausmasse an. Die Tellenfadlücke bietet einen herrlichen Ausblick Richtung Luzern. Je näher ich der Mattalp komme, umso pilatusmässiger wird das Wetter. Nebelschwaden wabern zwischen den Bergflanken auf und ab. Spätestens ab der Mattalp wird es nun auch touristisch: Japaner, Amerikaner, Sandalisten und Miniberockte teilen sich den Pfad mit mir. Der Schlussaufstieg zum Kulm fährt mir nun nach fast 6 Stunden doch etwas ein und ich bin froh, oben zu sein. Hengst und Esel schenke ich mir ebenso wie das Tomlishorn: wo ich nicht runter seh, da muss ich auch nicht rauf :-)
Eine kurze Verpflegungspause genehmige ich mir und das Auffüllen der Wasservorräte fürs abendliche Biwak darf auch nicht vergessen gehen. Auf dem Weg zum Tomlishorn sind Steinböcke zu sehen, aber oha, so kann man sich täuschen: eine Bündnerin erklärt mir wortgewaltig, dass seien keine Steinböcke, allenfalls Gämsen, ziemlich sicher aber Berggeissen, basta! Sprachlos ab so viel alpinfaunistischer Kompetenz trotte ich mit krummem Rücken und gesenktem Kopf Richtung Gämsmättli. Schon bald lasse ich aber den touristischen Trubel hinter mir und freue mich auf das kommende nächtliche Abenteuer auf dem Widderfeld. Im Gämsmättli nehme ich Fühlung mit den Steinböcken auf. Wie gewohnt lassen sie sich durch mich nicht aus der Fassung bringen. Gegen 1800 Uhr habe ich das Widderfeld erreicht und mache mich auf die Suche nach einem geeigneten Biwakplatz. Schon bald steht meine Behausung und ich mache mich ans Kochen. Die Älplermaggronen schmecken und nach dem „Abwasch“ bleibt noch viel Zeit für einen Abendspaziergang auf den Gipfel des Widderfelds und gemütliches „Steinbock-Watching“. Gegen 2130 Uhr verziehe ich mich in mein Zelt. Die Nacht ist leider nicht so erholsam wie erhofft. Immer wieder ziehen Flugzeuge über meinen Kopf. Ihre Düsentriebwerke tönen wie weit entferntes Donnergrollen. Erstaunlich, wie sensibel mein Unterbewusstes arbeitet, da ich etwas vorsichtig bin, was Gewitter anbelangt!  Auf jedenfall verpasse ich immer wieder die Tiefschlafphase und bin froh, als es gegen 0500 Uhr dämmert.  Ich bin offensichtlich nicht mehr so ans biwakieren gewohnt. Früher konnte ich auf jeder Scheiterbeige schlafen, Das ist wohl eine Altererscheinung oder aber mangelndes Training!
Als ich das Zelt öffne, hat sich der Himmel überzogen und ich beeile mich, mein Zelt im Trocknen abzubauen und einzupacken. Dies gelingt und sogar das „Morgenessen“ kann ich noch in Ruhe geniessen. Ein Gämsrudel macht das gleiche in unmittelbarer Nähe, ein brauchbares Foto gelingt mir aber wegen der Dämmerung nicht. Schon bald bin ich unterwegs Richtung Mittaggüpfi. Unterwegs öffnet der Himmel seine Schleusen und ich bin zweimal gezwungen, Unterschlupf zu suchen. Kurz vor dem Mittaggüpfi reisst der Himmel auf und in schönstem Sonnenschein geniesse ich den Ausblick aufs Mittelland. Ich kann sogar einen Feldstecher-bewehrten Blick auf den Start des Güpfi-Laufs in Schwarzenberg erhaschen. In 90 Minuten rennen die Schnellsten von Schwarzenberg via Eigenthal und Bründlen rauf aufs Güpfi.
Mein Weg führt mich weiter zur Tripolihütte. Einige Passagen sind mit Teppen und Drahtseilen gesichert. Die Ergebnisse der letzten Pilatus-Putzete können sich sehen lassen. Herzlichen Dank den Helfern von Pro Pilatus! Vor der Tripolihütte ist Sabine von der Hüttencrew dabei Suppe und Kaffee zuzubereiten. Da bereits die nächsten Niederschläge drohen, bin ich schnell überredet, abzusitzen.  Die Lauchsuppe schmeckt herrlich und auch das Kaffee ist gut. Da mich das Wetter weiterhin nicht überzeugt, entschliesse ich mich, etwas auf der Hütte zu verweilen und mich nützlich zu machen. Sabine überlässt mir die Holzerei und das Wasserkochen (das kann ich nämlich fehlerfrei) und kümmert sich weiterhin um die Suppe und die zahlreich eintreffenden Gäste. Es ist ein stetiges Kommen und Gehen, so dass wir dauernd beschäftigt sind. Zwischendurch schaffen wir es knapp, die Fahne zu hissen. Nach kurzweiligen Stunden bessert sich gegen 1400 Uhr das Wetter so weit, dass ich schweren Herzens die gastfreundliche Hüttenwartin verlasse und mich auf den Abstieg mache. Noch liegt mit der Stäfelifluh ein kurzer, knackiger Aufstieg vor mir. Via Blauer Tosse erreiche ich bald das Alpeli, wo ich Gäste aus der Tripolihütte wiedertreffe. Klar, dass auch hier noch ein Kaffee getrunken wird.
Der Abstieg vom Alpeli zieht sich etwas in die Länge und wird immer wieder durch Regengüsse begleitet. Trotzdem gelingt es mir den Rufbus von 1615 Uhr zu erwischen, was mir erlaubt, eine Stunde früher zu Hause zu sein als geplant.
 
Fazit: eine interessante, anstrengende Tour, mit vielen Wildsichtungen und tollen Begegnungen!

Tourengänger: TomClancy


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