Habrütispitz Ost


Publiziert von Delta Pro , 22. Februar 2007 um 14:28.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:22 Februar 2007
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Zürcher Oberland   CH-SG 
Aufstieg: 450 m

Eine grosse und steile Tour im wilden Tössbergland - das erste Mal mit Seilsicherung.

Die Ostwand des Habrütispitz gehört zum wildesten, was das Züri Oberland zu bieten hat. Die Landschaft im Kessel unter dem Habrütispitz ist wunderschön und unberührt – da findet man es noch, das „richtige“ Tössbergland. Die Wand ist insgesamt über 400 Meter hoch und gemäss Karte von mindestens 7 Nagelfluhbändern durchzogen. Besonders im oberen Teil ist das Gelände extrem steil (55° auf 200 Höhenmetern). Die direkte Durchsteigung auf einer sauberen Linie bleibt ein Projekt, das bisher wohl noch nie realisiert wurde – es scheint mir sehr schwierig zu sein! Hier ist eine Route beschrieben, die verschiedene Teile der Habrütispitz Ostwand streift und trotz ihrer Steilheit im Bereich des Möglichen liegt. Die Route folgt dem Welscheneggli, einem vorgelagerten Grätchen, führt durch den unteren Wandteil in der Gipfelfalllinie und verläuft im Hauptbestandteil über den NE-Sporn des Habrütispitzes. Es war meine erste Tour im Tössbergland mit Seilsicherung.
 
Mit dem PW kann man von Libingen bis nach Vettingen fahren. Von dort geht’s zu Fuss nach Chamm. Man folgt dem breiten Bachtobel, bis sich dieses aufteilt. In der Mitte zieht sich ein ausgeprägter Sporn in die Höhe, das Welscheneggli. Dieser Grat bietet einen wunderschönen Einstieg in die Märchenwelt der Habrütispitz Ostwand. Man überwindet rund 100 Meter ohne Schwierigkeiten auf dem teilweise schmalen Grätchen. Unvermittelt öffnet es sich in eine kleine Ebene. Dort biegt man nach rechts gegen die Ostwand. Mit diesem Aufstieg umgeht man die unterste Wandstufe und muss nur noch rund 50 steile Höhenmeter bis zu den Wiesen auf ca. 1000m.ü.M. überwinden. Wir wählten dazu einen kleinen Sporn, der gegen Osten hinaufzieht. Kurze senkrechte Kletterstellen an Wurzeln, eine Querung auf ein Naglfluhgrätchen – alles sehr schön!
 
Die fünf Wiesen, die durch einen alten Weg verbunden sind, heissen Blessi. Von dort könnte man in die direkte Ostwand einsteigen. Wir querten auf dem Weg nach rechts, bis man von der nördlichsten Wiese gegen den Nordost-Sporn des Habrütispitzes aufsteigen kann. Die mittlere Neigung des NE-Sporn beträgt 45° auf 250 Metern. Die Nagelfluhstufen aus der Ostwand wirken sich jedoch auch auf den Sporn aus, weshalb dieser treppenförmig ist. Kurze, flache Abschnitt wechseln mit rund 50 Meter hohen, steileren Aufschwüngen ab. Diese sind teils leicht felsig. Meist bieten Wurzeln recht sichere Griffe. Seilsicherung ist sinnvoll und einfach (Schlingen an Bäumen), jedoch besonders bei trockenen Verhältnissen nicht unbedingt nötig. Im oberen Wandteil war es noch recht feucht und es lag Schnee. Dieser erleichterte teilweise den Aufstieg als passabler Trittfirn, teilweise machte er die Sache zu einer sehr rutschigen Angelegenheit.
 
Vom Ausstieg des NE-Sporn einfach über den Grat auf den Gipfel. Abstieg auf dem wohl schönsten Wanderweg des ganzen Tössberglandes über das Helenachappeli zurück nach Vettingen bei Libingen.
 

Tourengänger: Delta, sglider

Galerie


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Kommentare (8)


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ossi hat gesagt:
Gesendet am 22. Februar 2007 um 14:53
Ist ja der Hammer!! Ist die Route alleine zu machen oder empfiehlst Du eine gesicherte Begehung? Ich freue mich auf die Routenbeschreibung.

Delta Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 22. Februar 2007 um 15:08
Falls man sich solches Gelände gewohnt ist, kann man die Route bestimmt alleine angehen. Allerdings ist es im Moment noch recht feucht und rutschig. Ich denk, im Frühling wird unsere Route schon viel angenehmer sein. Wie Du im Beschrieb sehen wirst, haben wir nicht die direkte Ostwand gemacht - das wäre ein anderes, anspruchsvolleres Projekt. Der NE-Sporn ist durchwegs steil, aber schon zu schaffen. Es war aber auch für mich die anspruchsvollste Tour, die ich je im Oberland gemacht habe.
Gruss

ossi hat gesagt:
Gesendet am 22. Februar 2007 um 15:39
Merci beaucoup!

Fenek hat gesagt: cool
Gesendet am 22. Februar 2007 um 17:06
finde ich Klasse, was du alles so findest in dieser Gegend. Muss ja gar nicht immer so alpin sein.

Schlumpf hat gesagt: RE:
Gesendet am 22. Februar 2007 um 18:23
als ich letzten sonntag auf dem habrütispitz war, ist mir gar nicht aufgefallen wass man an diesem hügel für eine schwierige aufstiegsroute wählen kann. sieht sehr interessant aus, übrigens deine hörnli, roten, schwarzenberg und schwammegg besteigungen auch. werde ich bestimmt mal ausprobieren...
gruss roger

Delta Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 22. Februar 2007 um 18:54
Die vielen Reaktionen auf die Oberlandtouren freuen mich sehr!
Bei den meisten Bergsteigern fallen solche Unternehmungen als Unsinn durch. An Wurzeln rumhängen, keinem Griff und Tritt trauen können, auf Berge steigen, die jeder Sonntags-Spaziergänger erreichen kann...
Und trotzdem der Reiz dieses so anderen "Stils" von Bersteigen - direkt vor der Haustür - ist für mich nach wie vor gross.
Vor einigen Jahren plante ich einmal, einen "Alpin-Führer" Zürcher Oberland zu schreiben. Das Publikum wäre wohl sehr gering gewesen... Umso mehr macht es mir Spass, dass sich jetzt hier auf hikr Leute finden, die sich fürs Bergsteigen im Züri Oberland interessieren!

ossi hat gesagt: Alpinführer
Gesendet am 22. Februar 2007 um 21:11
Schwarzenberg Ost hab ich letzten November gemacht, ist auch lustig (v.a. der Gipfelhang). Das mit dem Führer kam mir auch in den Sinn. Da ich aber eher seltener in den Genuss solcher Touren komme, hab ich das wieder auf die lange Bank geschoben. Vielleicht kommen aber im Laufe der Zeit ja so gegen die 50 Touren zusammen, dann könnte man die ja zusammentragen. Jedenfalls allen viel Spass im Züri Oberland.

Delta Pro hat gesagt: RE:Alpinführer
Gesendet am 22. Februar 2007 um 21:13
Bin dabei! ;-)
Gruss


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