Medji - Mike's AC/DC (6c+)


Publiziert von mde , 29. Juli 2010 um 21:28.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:25 Juli 2010
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Klettern Schwierigkeit: 6c+ (Französische Skala)
Wegpunkte:
Zeitbedarf: 4:30
Aufstieg: 320 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Visp - Stalden - St.Niklaus - Stalu - Ze Schwidernu

Klein, aber oho – diese Bezeichnung trifft auf das Gneisklettergebiet Medji im Mattertal mit Sicherheit zu. Weder gibt es allzu viele Routen, noch zeichnen sich diese durch besondere Länge aus. Aber, das ist viel wichtiger, alle führen durch prima Fels, bieten tolle Kletterei und sind perfekt abgesichert.
An einem Tag, wo der Sommer eine schöpferische Pause einlegt, im Wallis aber dennoch die Sonne scheint, machen wir uns auf ins Medji, mit dem Ziel die längste dortige Route Mike’s AC/DC (6c+, 6b obl.) zu klettern. An den Schutzwällen oberhalb von St.Niklaus herrscht Chaos und Grossbaustelle. Mit schwachen Erinnerungen an unseren letzten Besuch vor 4 Jahren und etwas glücklicher Intuition finden wir das gut gepflegte, schwach markierte Weglein aber dann doch auf Anhieb. Der Zustieg nimmt knapp eine halbe Stunde in Anspruch. Um 12.30 Uhr sind wir bereit, und steigen ganz links ein.
1. SL, 35m, 6b: Steiler, griffiger Start, danach folgt man für den Rest der Seillänge einem sehr schönen, rauen Riss. Im Riss, sowie links und rechts davon gibt’s immer wieder mal schöne Griffe und Tritte, so dass man gut an Höhe gewinnt.
2. und 3. SL, 35m, 6b+: Kurze Querung nach links, dann steil hinauf zur Crux, wo man auf mässigen Tritten einige kleine, positive Leisten halten und erneut nach links queren muss. Eleganter Ausstieg zum unbequemen Stand, der mich verlockte, noch nach links zu queren und um die Ecke zu schauen. Dort erblickt man bereits den nächsten Stand. Wenn man den ersten BH der 3. SL gut verlängert, kann diese kurze SL problemlos noch angehängt werden.
4. SL, 40m, 6c+: Vom Stand gerade hinauf der grossen, eindrücklichen Verschneidung entlang, welche sich aber bis wenige Meter unter den Dachwinkel gemütlich und genussreich piazen lässt (6a+). Vom bequemen Podest dann mit einigen Faustklemmern frontal in den Winkel hinauf und auf mässigen Tritten in Gegendruck-Technik unter dem Dach nach links hinaus queren. Hat man dies gemeistert, so wartet noch eine knifflige, feingriffige Plattenstelle, bevor man den Stand klippen kann.
5. SL, 25m, 6c: Athletisch aus dem Stand heraus und athletisch über das Dach hinweg, gute, kleine Leisten müssen heftig blockiert werden, zudem ist diese Stelle obligatorisch zu meistern. Dann erst etwas einfacher, bald aber wieder sehr knifflig und anstrengend dem schönen „splitter crack“ entlang, wobei man sich vor dem Stand nochmals richtig strecken muss… es wartet nochmals eine obligatorische Stelle zum Schluss!
Um 15.15 Uhr sind wir beide am Ausstieg und wow, das war wirklich eine ganz, ganz fantastische Route. Abwechslungsreiche Kletterei, jeder Meter schön, spannend und fordernd, und erst noch die ganze Tour onsight geklettert!
Facts zur Tour: die Tour ist sehr gut mit Inox-BH ausgerüstet (Stufe 5/5 der Skala vom Schweiz Extrem, bzw. Plaisir „super“, nicht nur „gut“). Rocks und Friends könnten zwar vielfach gut eingesetzt werden, sind aber nicht nötig. Achtung, genügend Expressschlingen mitnehmen, in der 4. SL stecken 15 BH! Gegenüber dem offiziellen Topo habe ich die Grade der 1./2. und 4./5. SL jeweils vertauscht. Wir hatten das Topo nicht dabei und waren der festen Überzeugung, dass die hier im Bericht angegeben Version richtig sei. Dies ist auch nach der Tour noch so, darum bleiben wir dabei :-). Der obligatorische Grad (in der letzten Seillänge) dürfte trotz der guten Absicherung bei mindestens 6b liegen.
Abstieg: Die Abseilerei mit unserem 70m-Einfachseil gestaltet sich dann etwas mühsam, mit 2x50m Doppelseilen geht’s bestimmt bequemer und viel zügiger. Zudem waren vom im Topo eingezeichneten Extra-Abseilstand neben der Route nur noch die Dübel zu sehen (Kette/Plättli fehl(t)en), so dass wir zuletzt sogar noch an einem Baum eine Abseilstelle improvisieren mussten. Na ja, auch so kamen wir unten an, und die Zeit reicht gerade noch, um der fantastischen, athletischen „Elena“ (7a) einen schnellen Onsight abzutrotzen, bevor wir uns auf den Heimweg machten.

Tourengänger: mde


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