Furggelti-Lauf


Publiziert von fuemm63 Pro , 24. Juli 2010 um 21:13.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Valsertal
Tour Datum:14 Juli 2010
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Gruppo Rheinwaldhorn   Gruppo Pizzo di Cassimoi   CH-GR 
Aufstieg: 1100 m
Abstieg: 1100 m
Strecke:19,6 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Siehe Bericht.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Siehe Bericht.
Kartennummer:1234 Vals, 1253 Olivone, 1233 Greina, 1254 Hinterrhein

Berglauf von der Kapelle Zerfreila (1985 m) zur Läntahütte SAC (2090 m), über das Furggelti (2712 m) und retour zum Ausgangspunkt. Die Strecke verläuft durchgehend auf rotweiss markierten Bergwanderwegen und ums Zerfreilahorn, das Wahrzeichen von Vals (siehe Valserwasser), herum. Die Tour hat (wie ich erst postum merke) schon GingerAle auf hikr beschrieben, aber mit T2 etwas zu leicht eingeschätzt.


Die Tour beginnt bei der Gedenkkapelle Zerfreila (P. 1985), die man mit dem Auto oder per Anhalter erreichen kann. Per öV ist die Kapelle von der Endstation des Postautos Ilanz–Zerfreila (beim Restaurant Zerfreila) in ca. 20 Minuten zu erreichen (ca. halb so lang im Laufschritt). Der Wanderweg fällt als Fahrweg (der von einigen Einheimischen mit Sonderbewilligung rege benutzt wird…) zuerst zur Canalbrücke (P. 1865) ab, die den östlichen Arm des Sees überquert. Diese eigentümliche Streckenführung hat mit dem Stausee zu tun: Vor dem Bau des Staudamms Zerfreila (1951–1958) folgte der Weg durch das ursprüngliche Zerfreilatal in Richtung Canal- und Läntatal entlang der natürlichen Talsohle, wo das untergegangene Zerfreila liegt. Heute muss der Stausee quasi umgangen werden, um entweder am östlichen Seearm entlang ins Canal- oder dem westlichen entlang ins Läntatal zu gelangen. Anscheinend geht der heutige unnatürliche Verlauf vielen Wanderern so auf  den Geist, dass sie sich mit einem Landrover-Shuttle bis zum Ende der Canalbrücke (P. 1865) fahren lassen ;-) Dort führt der Weg nur leicht ansteigend weiter, einige Höhenmeter über der – je nach Jahreszeit verschiedenen hohen – Seeoberfläche (Stauziel: 1862 m). Nach kurzer Zeit erreicht man die Abzweigung zum Furggelti, kurz vor dem Horabach, der vom Fuss des Zerfreilahorns herunterströmt (Hora = Horn). Hier wird sich mein Kreis nach 17 km wieder schliessen. Im Norden, auf der anderen Seeseite, ist eine markante Felspartie auszumachen, die die alten Zervreiler Festig nannten.
Der Weg führt am ehemaligen Oksastafel (P. 1886) vorbei und beginnt nach der Überquerung des tosend-grüne junge Valserrhein stärker zu steigen und sich immer mehr in südliche Richtung zu drehen. Kurz nachdem das Val Nova (Vernoogtälli) rechts abzweigt, erreiche ich, den Fluss immer zur linken Hand, zuerst die Lampertschalp (1991 m), wo es eben ist und der junge Valserrhein stark mäandriert. Kurze Zeit später folgt die Abzweigung Richtung Passo Soreda (2759 m) und etwa 1 km nach Überquerung des Casinellbaches erreiche ich die Läntahütte SAC (2090 m). Das vergletscherte, südliche Ende des Hochtals ist hier gut sichtbar. Zuhinterst erkennt man den Läntagletscher, zu dem von der Läntahütte ein blauweiss markierter Gletscherpfad führt und aus dem der Valserrhein entspringt. Die amerikanische Fotografin Julia Calfee hat am Läntagletscher 2009 unter dem Titel The Last Songs of the Glaciers eine spannende Klanginstallation über das Schmelzen der Gletscher aufgenommen. Sie verbrachte mehrere Wochen in einem Baucontainer, den sie Moonstone Hotel nannte, direkt am Läntagletscher, und fing herumwandernd mit einem Mikrophon die Laute resp. Lieder des schmelzenden Gletschers ein (siehe Video auf swissinfo). 

Wenige Meter nach der SAC-Hütte zweigt der Weg ins über 600 m höher liegende Furggelti links über den Valserrhein ab und steigt stracks in kecken Zickzack-Passagen den steilen Osthang hinauf. Die Läntahütte bleibt während des Zickzackaufstiegs noch lange sichtbar, das weithin glänzende Dach wird in der Tiefe immer kleiner. Das Rheinwaldhorn (3402 m), die höchste Erhebung weit und breit, duckt sich hinter einer Wolkenbank. Nach 2500 m ü. M. wird der Weg etwas flacher und biegt gegen Nordosten ab. Hier zieht sich der Aufstieg über eine wunderschöne, mit grossen Felsbrocken garnierte Graslandschaft. Nach P. 2610 fällt der Weg bis P. 2579 ab, dann erfolgt der letzte Aufstieg, hoch über eine steile Grasnarbe. Dann stehe ich nach 13 Laufkilometern bei P. 2712 auf dem Furggelti (Aufstieg Läntahütte–Furggelti: 3 km, 622 m HD) und lasse mich vom Südwind trocknen. Das Rheinwaldhorn steckt noch immer in einer Wolkenbank – schade. Dafür ist das Zerfreilahorn (2898 m) ganz nah. Vom Furggelti aus sieht das Valser Wahrzeichen nicht wie ein Horn, sondern eher wie eine Flosse aus. Alles eine Frage des Blickwinkels ;-) Weit unter mir im Nordosten ist die Staumauer Zerfreila sowie der zerklüftete Felsgrat des Brochenhüreli (2687 m) zu erkennen  der Legende nach eine ehemalige Raubritterburg (siehe J. J. Jörger: Der hellig Garta, S. 150 ff.), im Osten das Furggeltihorn (3043 m), weiter hinten grüssen Wissgrätli (2866 m), Fanellhorn (3124 m) und Guraletschhorn (2908 m).


Der Abstieg zum 850 Höhenmeter tiefer liegenden Wanderweg am Stausee erfolgt zuerst über Geröllhalden (Ober Butz), einige wenige Schneefelder, immer den rotweissen Markierungen und in nordöstlicher Richtung, ab P. 2462 entlang des Horabachtobels bis auf den Stauseewanderweg, wo sich der Kreis bei der bereits genannten Abzweigung schliesst (Abstieg Furggelti–Stausee = 4 km). Nach der Überquerung der Canalbrücke (1865 m) ist dann noch die letzte, im Vergleich zum Aufstieg Läntahütte–Furggelti sanfte, aber "unnatürliche" Steigung hinauf zur Kapelle Zerfreila (1985 m) zu bewältigen.

PS: Leider ist mir meine GPS-Datei beim Onlinespeichern in den Bergen verlorengegangen. Aber der Track ist ja problemlos wrw ;)
 

Literatur
Johann Joseph Jörger: Der hellig Garta. Chur 1920.


Tourengänger: fuemm63


Galerie


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