Nüschenstock (2893 m) und Rüchi (2850 m): Abstecher auf der Muttseehütten-Route


Publiziert von PStraub , 22. Juli 2010 um 16:52.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum:22 Juli 2010
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   Hausstockgruppe 
Zeitbedarf: 4:00
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 1300 m
Strecke:Chalchtrittli - Nüschen - Nüschenstock - Rüchi - Nüschenstock - Muttseehütte
Kartennummer:1193

Der Grat vom Nüschenstock über den Rüchi zum Scheidstöckli bildet den westlichen Abschluss des Muttsee-Beckens. Nüschenstock und Rüchi sind vom Hüttenweg einfach und schnell erreichbar.

Der Muttsee-Kessel, ja die ganze Region ist geprägt vom Flysch. Flysch ist ein weiches, leicht erodierendes Gestein, oft von schiefrigem Aufbau, das gewaltige und oft sehr steile Schutthalden bildet. Der Grund, dass es steilere Halden als der Kalk bildet, liegt in seiner Fähigkeit, Wasser zu binden. Flyschhänge sind darum meist vernässt und werden oft von Permafrost zusammengehalten. - Der Kletterer hasst ihn, doch der geübte Wanderer mag den Flysch: Wen es nicht stört, ständig leicht zu rutschen, der kann solche Hänge fast überall begehen.
 
Die Tour beginnt mit einer Fahrt mit der Seilbahn Tierfed-Chalchtrittli. Wer es noch nicht wusste, stellt spätestens im Tierfed fest: Hier wird heftig gebaut. Einerseits ein Pumpkraftwerk, das den Limmerensee als Speicher nutzen wird, andererseits der Bau eines Dammes, mittels welchem der Muttsee zum Speichersee umgenutzt wird.
Man mag solchen Eingriffen skeptisch oder gar ablehnend gegenüber stehen, aber reklamieren sollte nur, wer einerseits keinen Strom verbraucht und andererseits bereit ist, einer strukturschwachen Region wie dem Glarner Hinterland die entgangenen Millionen zu vergüten. Denn unberührte Gegenden hat Glarus Süd, die mit 430 km2 grösste Gemeinde der Schweiz, immer noch in Hülle und Fülle.
 
Der Weg Chalchtrittli - Nüschen(alp) - Muttseehütte wurde komfortabel ausgebaut, da die bisherige Normalroute durch den Tunnel auf lange Frist gesperrt ist. Der ebenfalls gesperrte Weg Tierfed - Pantenbrücke - Baumgartenalp soll hingegen noch diesen Sommer wieder freigegeben werden.
Auf diesem Weg bis rund 2300 m und dann nach links abbiegend über zwei Bänder auf den Nüschenstock-Westgrat. Der ist überall leicht begehbar, alles in allem eher T3 als T4. Hier stehen übrigens grosse Gemsen- und Steinbockkolonien, man sieht also fast immer Wild in dieser Region.
Der böige Föhn hat mein Vergnügen etwas getrübt hat, doch hat er - im Gegensatz zu der Prognose - für weitgehend trockenes Wetter gesorgt.
Der Nüschenstock-Gipfel ist wenig festlich. Der kümmerliche Steinmann steht nicht einmal auf dem höchsten Punkt. Dabei hat er mit fast 2900 m eine stattliche Höhe, er überragt damit selbst den berühmten Vorder Selbsanft. Und er bietet eine entsprechende Aussicht, vor allem auf Mutt- und Limmerensee in der Tiefe  
Die Passage zum Rüchi ist wenig spektakulär. Immer in der westlichen Flanke leicht absteigend, so dass man auf der richtigen Höhe bei den Grateinschnitten vorbei kommt. Dabei sind Wildwechsel hilfreich - das Wild scheint hier ebenfalls gemütlich und energieeffizient zu gehen.
Beim Rüchi - weniger ein Gipfel, als ein Grat-Eckpunkt - fällt der Grat über eine steile und ausgesetzte Stufe ab. Ich bin zwar dort schon sowohl Richtung Locherligrat - Scheidstöckli wie auch im Abstieg zu den Seen durch. Aber heute hatte sich der Himmel verfinstert und leichter Regen eingesetzt. Darum zügig zurück zum Nüschenstock-Gipfel und über den Südwestgrat abgestiegen. Auch das ist sehr einfach. Der Stein ist hier gröber als im Westgrat, aber sehr gut gestuft. Wer nicht nach Nüschen absteigen will, was ebenso gut geht, muss einfach rechtzeitig über Bänder, breit wie Strassen, nach links abbiegen, um auf den Südgrat zu kommen.
In der Senke vor P. 2642 kann man entscheiden, ob man diesen Grat über schiefrige Köpfe bis zum Hüttenweg begehen will oder in östlicher Richtung quer durch die Hänge direkt Richtung Hüenderbüel - Hütte traversieren möchte.
Mit Ausnahme des (T6-)Abstiegs vom Rüchi Richtung Locherligrat bewegt sich all das so um T4.

Auf der Muttseehütte wirtet seit kurzem Maria Rhyner, als Wirtin der Pension 'Bergführer' in Elm in Bergsteigerkreisen bestens bekannt.
Von der Hütte zum Muttenchopf ist es ein kurzer Abstecher (T2), den in der Regel nur Gäste machen, die vor dem Einschlafen noch einen kurzen Blick auf den Limmerensee weit darunter werfen wollen.

Tourengänger: PStraub


Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentar hinzufügen»