Witenwasserenstock und Hüenerstock


Publiziert von darkthrone , 20. Juli 2010 um 21:56.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:18 Juli 2010
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   CH-UR   Gruppo Pizzo Rotondo   CH-VS 
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Via Realp über die Militärstrasse zum Parkplatz Oberstafel
Unterkunftmöglichkeiten:SAC Rotondohüette

Am Samstag im späten Nachmittag sind wir vom Parkplatz Oberstafel (Fahrerlaubnis wird von der Militärzentrale Andermatt zu Büroöffnungszeiten gratis erteilt) bei dunklem, wolkenverhangenem Himmel gestartet. Da man nur ca. 1h für den Aufstieg in die Hütte benötigt, hofften wir bei trockenem Fusse in der Hütte anzukommen. Leider war dem nicht so, 15 Minuten nach dem Start fing es an zu regnen und kurze Zeit später vernahmen wir das erste nahende Donnergrollen. Das Gewitter zog genau über uns hinweg, so haben wir unsere Rucksäcke am Wegesrand deponiert und uns von ihnen entfernt. Zusammengekauert mit den Füssen ganz zusammen (Schrittspannung) warteten wir in einer kleinen Geländemulde bis das zum Glück nur kleine Gewitter sich wieder verflüchtigt hatte und wir unseren Aufstieg fortsetzen konnten.

Am nächsten Morgen starteten wir in dickem Nebel immer dem zuerst blau/weiss markierten Alpinwanderweg, später Weglos zur Gletscherzunge des Witenwasserengletschers.

Nach der Montage der Eisausrüstung stiegen wir am rechten Gletscherrand zuerst über ein auf dem Gletscher liegendem Schuttband, danach über Blankeis und später Firn bis auf Höhe der Felsen des Chli Leckihorn. Ab dort den Gletscher in Südöstlicher Richtung queren um den Nordost Grat an der tiefsten Stelle zu erreichen. Nach der Querung sind wir am kurzen Seil über den steilen Gletscherfirnhang (ca. 35°) zu Gratlücke hinauf traversiert.

Weiter nun in leichter aber brüchigen Blockgratkletterei (I-II) zum Ost Gipfel des Witenwasserenstocks 3025 MüM. Von hier aus hätte man noch die Möglichkeit auf den etwas höheren (3082 MüM) Hauptgipfel aufzusteigen welcher am Schluss im III Grat erklettert werden muss. Geplant war auch die Besteigung des Hauptgipfels, wir liessen diesen jedoch sein. Zurzeit liegt im Aufstieg zum Hauptgipfel noch ein steiles Schneefeld (45°) welches zu begehen gewesen wäre. Aufgrund des weichen Firns schon am Morgen, schien uns dies vor allem im späteren Abstieg zu heikel, zudem blies ein starker kalter Wind über den Grat.

Wir kämpften uns durch den Wind zurück zur Lücke auf der wir den Grat betreten hatten und folgten nun dem Grat  NO in weiterer herrlichen nun nicht mehr ganz so brüchigen Blockgratkletterei zum Hüenerstock (2889 MüM).

Hier sah ich vom Gipfel eine mögliche direkte Abstiegsvariante durch die Nordwest Flanke. Mit dieser Abstiegsvariante könnte man Zeit sparen und muss nicht den gleichen Weg zurückgehen wie wir gekommen sind. Leider entpuppte sich diese Variante im späteren Verlauf als äusserst heikel.

 

Wir stiegen vom Gipfel des Hüenerstocks über ein mässig steiles Firnfeld in die Flanke ab bis dieses nach ca. 80 Höhenmetern endete. Von nun an ging es über loses Geröll, Schutt und Sand. Das Gelände wurde immer steiler, was den ganzen Abstieg noch ungemütlicher und gefährlicher machte. Etwa 60 Höhenmeter über dem Gletscher wurde es fast Senkrecht  und man fand nirgends mehr halt. Nachdem ich ein Stück nach links und rechts gequert habe mit der Hoffnung einfacheres Gelände anzutreffen was leider nicht der Fall war, fand ich einen grossen, stabilen Felszacken. Nun gab es nur noch die Variante „Abseilen“. So richteten wir um den Felsblock einen Abseilstand ein und seilten uns die nächsten 25 Meter ab bis zu einem Schuttband. Von hier aus konnte die restliche Strecke hinunter zum Gletscher wieder einigermassen sicher zurückgelegt werden.

 

Froh festes Eis unter den Füssen zu haben, querten wir den Gletscher und eine kleine Spaltenzone und setzten den Abstieg via Rotondohütte bis zum Parkplatz fort.

 

Wenn ich die Flanke des Hüenerstocks am Morgen nicht in Nebel gehüllt gewesen wäre und ich diese gesehen hätte, wären wir nie in diese Flanke eingestiegen.

Etwas Positives kann man aber aus jeder Situation lernen, was einem ev.  später in Stresssituationen helfen kann, wie z.B. improvisiertes Abseilen etc.


Tourengänger: darkthrone, Sabi


Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentar hinzufügen»