Überschreitung Foostock (2611 m) - Foostöckli (2536 m) aus dem Weisstannental


Publiziert von marmotta , 21. Juli 2010 um 00:59.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:20 Juli 2010
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   CH-SG   Spitzmeilengruppe 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 2000 m
Abstieg: 1700 m
Strecke:Weisstannen, Oberdorf - Vorsiez - Untersiez - Schwammböden - Plättnerberg - Schwiberg - Matthütten - P. 2311 - Schmidstöck - Foostock - Foostöckli - Rossalp - Foo - Walabütz, Untersäss
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Weisstannen, Oberdorf An Wochenenden fährt der Bus bis cff logo Weisstannen, Vorsiez
Kartennummer:LK Blattzusammensetzung 2509 "Pizolgebiet" (1:25.000)

Blickt man im Weisstannental taleinwärts, so bildet ein mächtiger, breiter Bergstock mit schroff abfallender Ostflanke und markanten Felswänden darunter den Talschluss. Dieser Berg hat auf der Landeskarte gleich zwei Namen, nämlich "Ruchen" und "Foostock" - er ist mit 2610,7 m die höchste und bedeutendste Erhebung zwischen Walensee und dem Foopass. Auf seinem Gipfel verläuft die Kantonsgrenze SG/GL, die zugleich eine Art Wasserscheide bildet zwischen Chrauch- und Weisstannental mit ihren zunächst in gegensätzliche Himmelsrichtungen fliessenden Gewässern (die kurioserweise aber am Ende beide in den Walensee fliessen). Eigentlich war die Besteigung des Foostocks vom Weisstannental aus mit einigen versierten Hikrs als Wintertour mit Skis bzw. Schneeschuhen geplant gewesen, doch die Agenden und/oder die Verhältnisse haben nie gepasst, so dass daraus nichts wurde. Aber warum dem hübschen Aussichtsgipfel nicht einmal im Sommer einen Besuch abstatten?

Es ist nicht zu fassen: Bei mir scheint es auch auf einer einfachen Tour, auf der die Orientierung anhand von Karte und Wanderwegen eigentlich kein Problem sein dürfte, nicht ohne Abenteuer zu gehen! Doch der Reihe nach:

Erste Ernüchterung bereits vor Beginn der Tour beim Studium des Fahrplans: Der Bus ab Sargans verkehrt unter der Woche nur bis Weisstannen, Oberdorf und nur Samstag/Sonntag bis Weisstannen, Vorsiez. Das hiess in meinem Fall zusätzlich 1 h auf der langweiligen Fahrstrasse ins Weisstannental hinein zu latschen (den Gedanken, diesen Marsch auf der Asphaltstrasse am späten Nachmittag bei brütender Hitze noch einmal machen zu müssen, verdrängte ich...)

In Vorsiez wechselte ich auf den Schotterweg auf der Nordseite der Seez, was an sich auch noch kein Problem war. Geplant hatte ich ja den Aufstieg von Walabütz, Untersäss über die Matthütten zum Nordgrat des Foostocks, also folgte ich an der Wegverzweigung bei P. 1326 noch ordnungsgemäß dem Weg Richtung Untersäss. Doch in der Senke der Schwammböden "passierte" es dann: Ich hätte dort entweder bei P. 1288 die Seez wieder überqueren müssen, um auf der Fahrstrasse nach Untersäss zu gelangen oder wenigstens bei P. 1381 der Fahrstrasse, die ich dort kreuzte, in südliche Richtung leicht absteigend bis Untersäss folgen sollen, wo der Aufstieg zu den Matthütten beginnt.

Ich weiss nicht, welchen Umständen meine nun folgende Odyssee zuzuschreiben ist, aber ich glaube, es kamen mehrere unglückliche Faktoren zusammen: Zum einen durchquerte ich just an dieser neuralgischen Stelle ein Zeltlager von Kindern, wo ich aufpassen musste, nicht über die vielen Abspannungsschnüre zu stolpern. Zum anderen setzte hier eine Plage ein, die mich noch den gesamten Tag über begleiten sollte und die ich bis anhin in diesem Ausmass in den Bergen noch gar nie erlebt hatte: Mich umschwirrten und verfolgten (!) dutzende von riesigen Rinderbremsen, dies war wohl auch der Grund, weshalb ich nicht anhielt und die Karte herausholte. Sobald ich auch nur wenige Sekunden stehenblieb, wurde ich augenblicklich von den blutsaugenden Biestern attackiert! Zu allem Unglück fanden sich ab dem vorgenannten Fahrweg, den ich bei meinem Aufstieg von den Schwammböden kreuzte, auch noch spärliche gelbe Markierungen, die für mich irgendwie zu "passen" schienen. Die Karte und damit die letzte Chance, die Situation aufzuklären und zu bereinigen, blieb im Rucksack...

Die Markierungen wiesen offenbar eine (auf der LK nicht eingezeichnete!) Route zum Plattnerboden bzw. dem Risetenhoren. Ich folgte ihnen daher nicht weiter nach Norden, sondern stieg vielmehr auf diversen Tierpfaden die steilen und teilweise mit üppiger Vegetation versehenen Hänge des Plattnerbergs bis zum Felsriegel hinauf, wo der Ostgrat des Risetenhorens wandartig abbricht. Hier travesierte ich auf schmalen, aber brauchbaren Gamspfaden den gesamten Felsriegel nach Südwesten, bis sich ein schottriges, steiles Couloir zum Aufstieg auf die Kammhöhe anbot - hier hoffte ich,  über den Schwiberg zu den Matthütten hinüberqueren zu können. 

Als ich mich gerade darüber freute, die ersten Weidezäune in den obersten steilen Hängen des Alpgebiets der Matthütten erreicht zu haben, der nächste Schock: Es raschelte plötzlich vor mir und eine Schlange fauchte mich an, nachdem ich im Dickicht fast auf sie draufgetreten war! Nun kenne ich mich mit Schlangen ja nicht sonderlich gut aus. Aber aufgrund des schwarzen Zackenbands auf ihrem braunen Rücken nahm ich an, dass es eine Kreuzotter war.  "Jetzt nur keine hektische Bewegung!" schoss es mir durch den Kopf und so stahl ich mich (kurzbehost und damit entsprechende Angriffsfläche bietend) vorsichtig an dem Reptil vorbei, das ebenso das Weite suchte. Ich bewundere übrigens diejenigen Hikrs, die in einer solchen Situation noch die Coolness besitzen, mit der Kamera eine Nahaufnahme zu machen! Ich hatte in diesem Moment jedenfalls andere Sorgen, als nach meiner Kamera zu greifen - schade, wäre sicher ein schönes Foto geworden... :-)

Das Schlimmste stand mir aber noch bevor: Nachdem es keine Möglichkeit zu geben schien, die Matthütten (1928 m)  ohne grosse Höhenverluste zu erreichen, ausser über total verkrautetes Gelände, wo man in den steilen Hangtraversen überhaupt nicht sah, wo man hintrat, entschloss ich mich -viel zu spät- für die Flucht nach oben zum Schwiberg, wo ich auf dem Geländeboden auf ca. 1950 m wieder gut begehbares Weidegelände vermutete. Ich kämpfte mich also durch einen Dschungel aus Erlengestrüpp und mannshohen Pflanzen aller Art - da es zudem recht steil nach oben ging, war die eine oder andere akrobatische Einlage nötig. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals zuvor einen derart mühsamen Aufstieg bewältigen musste. Die Legföhren am Tschugga oder Bogartenfirst sind da ja das reinste Plaisiergelände und ein wahrer Gaumenschmaus!

Dass das Ganze nicht unbedingt gesund ist, bemerkte ich wenig später, als ich sah, dass meine Beine neben den üblichen Kratzern mit seltsamen Quaddeln übersät waren. Die eine oder andere giftige Pflanze wird da wohl mit dabei gewesen sein... :-/ 

Obwohl ich bei der Aktion recht viel Zeit und Energie verloren hatte, war ich noch immer motiviert und gewillt, zum Foostock-Nordgrat aufzusteigen. Zwischenzeitlich war es 12.00 Uhr geworden und die Sonne brannte auch in dieser Höhe erbarmungslos vom wolkenlosen Himmel (nicht mal ein winziges Quellwölkchen liess sich blicken). Der sehr steile Aufstieg von den Matthütten auf anfangs undeutlicher, später ausgeprägter Wegspur (T3-T4) setzte mir daher ziemlich zu und ich war froh, als ich den Grat bei P. 2311 erreicht hatte. Kurz durchschnaufen (und dabei die erneuten Attacken der oben erwähnten Blutsauger abwehren) und weiter ging´s -vorbei an den Schmidstöcken- hinauf zur langgezogenen Schuttkappe des Foostocks mit schmuckem Holzkreuz auf dem Nord- und Steinmann mit Gipfelbuch auf dem Südgipfel. Trotz der höheren (und die Sicht etwas versperrenden) Erhebungen im Süden bzw. Südosten gewährt der Gipfel des Foostocks hübsche Ausblicke ins Taminagebirge mit Pizol, Sazmartinshorn, Zanaihörnern usw. sowie in die Glarner Alpen mit ihren vergletscherten 3000ern. 

Vom Gipfel des Foostocks blickte ich auch bereits in freudiger Erwartung auf das kecke Foostöckli (2536 m), dessen steile Nordflanke etwas Spannung versprach. Doch wie so oft, ist die Draufsicht um einiges furchteinflössender als es dann tatsächlich ist. Das Foostöckli kann vom geübten Alpinwanderer problemlos direkt von Norden überstiegen werden. Der Einstieg im teils brüchigen Fels kostet etwas Überwindung, ist man aber erst mal in der Flanke drin, geht´s auf guten Gemspfaden erstaunlich gut (T5). Das exponierte Gipfelchen steht wohl auch bei den Steinböcken als Ausguck hoch im Kurs, der Gipfelgrat ist jedenfalls übersät mit den Ausscheidungen der Tiere.

Abstieg vom Foostöckli über die Südflanke bzw. den Südgrat, der sich zum Foopass zieht (T4). Einfaches Schrofengelände wechselt mit schönen Blumenwiesen ab, man folge einfach immer den Wegspuren. Noch vor P. 2338 verliess ich den Kamm zwischen Foostöckli und Foopass und stach steil zu den Schönböden und weiter zum Foobach hinunter (je nach Vegatation bei Nässe nicht zu empfehlen). Bei der Alp Foo traf ich dann wieder auf den markierten Wanderweg, der vom Foopass herunterführt und folgte diesem (ohne besondere Vorkommnisse) bis ins Tal bei der Alp Untersäss (Einkehrmöglichkeit).  

Als ich mich schon mental darauf einstimmte, in brütender Hitze 2 h auf Asphaltstrassen gen Weisstannen zu marschieren (oder eher zu torkeln), erlöste mich ein nettes Zürcher Paar und nahm mich mit ihrem Auto mit, so dass ich sogar noch den 16.00 Uhr-Bus nach Sargans erwischte, wo ich -um einige Erfahrungen reicher und einige Deziliter Blut ärmer- mit dem Zug nach Hause fuhr.

Tour im Alleingang   


  

Tourengänger: marmotta


Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentare (1)


Kommentar hinzufügen

Ivo66 Pro hat gesagt: Spannender Bericht!
Gesendet am 21. Juli 2010 um 19:26
Hallo Michael

...und unterhaltsam zugleich. Bei der Schlange muss es sich gemäss Deiner Beschreibung tatsächlich um eine Kreuzotter gehandelt haben, da die etwas ähnliche Aspisviper in jener Gegend nicht vorkommt. Das Reptil dürfte übrigens mehr Angst gehabt haben, als Du ;-)

Herzliche Grüsse

Ivo


Kommentar hinzufügen»