Mutteristock Human Powered, "Heckmair Tour" à la Beat


Publiziert von 360 Pro , 17. Juli 2010 um 00:55.

Region: Welt » Schweiz » Schwyz
Tour Datum:14 Juli 2010
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SZ   Oberseegruppe   Albiskette - Höhronen   CH-ZH   CH-GL 

Die "Heckmair Touren" von Beat, der leider im 2008 am Mont Blanc tödlich verunfallt ist, habe ich immer sehr bewundert. Ganz abgesehen von der körperlichen Leistung beeindruckte mich auch seine Philosophie und Einstellung. Für mich waren solche kombinierten Human Powered, bike & hike Touren aber nie wirklich ein Thema, denn einerseits bin ich nicht wirklich der begeisterte Velofahrer und andererseits besitze ich gar kein Rennvelo mit dem ich solche Unternehmen durchführen könnte. Für mich ist das Velo mehr Mittel zum Zweck, um zur Arbeit zu gehen, einzukaufen oder mal ein kleineres Tüürli zu machen, aber nicht um grosse sportliche Leistungen zu vollbringen. Ein Freund von mir ist jedoch passionierter "Gümmeler" und wollte mit mir einmal eine Tour machen. Für eine reine Biketour konnte er mich aber nicht begeistern. Ich schlug deshalb eine bike & hike Tour vor und er fand die Idee auch gut. Es sollte etwas nicht allzu "Gäches" sein, denn schliesslich war für mich als Rennvelo-Novize der bike-Teil eine gewisse Unbekannte. Die Wahl fiel dann auf den Mutteristock, die etwas über 100km Velo mit relativ wenigen Velo-Höhenmeter (ca, 500m) hoch zum Wäggitalersee und eine moderate Wanderung (ca. 12 km und knapp 1400Hm) traute ich mir eigentlich zu. Auf dem Velorückweg musste ich dann aber doch feststellen, dass ich vielleicht doch vorher schon ein paar Velo-km absolvieren hätte sollen...


Unser Treffpunkt ist die Schiffstation Thalwil, zu welcher wir natürlich beide mit dem Velo anreisen. Von dort "hänge ich mich hinten in den Windschatten rein" und wir fahren immer der Seestrasse entlang via Pfäffikon nach Siebnen. Mein Pacemaker leistet gute Arbeit und auch der Aufstieg von Siebnen nach Vorder- und Innerthal geht eigentlich für mich überraschend schmerzlos. Bei der Fischerstation in Innerthal kaufen wir ein paar Getränke und füllen die Wasserflaschen auf, bevor wir zur "Wechselzone" ans Ende des Wäggitalersees nach Au fahren. Ein bisschen spüre ich die mir zuvor unbekannten Velomuskeln in meinen Beinen, aber alles in allem geht das ganze Ge-bike-e für mich ziemlich problemlos (und für meinen Freund sowieso).

Wir wechseln in unsere Wandertenues, binden die Velos an einen Baum und machen uns auf dem markierten Wanderweg via Rinderweid und Lufthütte hoch zur Hütte bei Mutteri, wo wir eine kurze Verpflegungspause einschalten. Wir schauen uns die Westflanke des Mutteribergs an und liebäugeln kurz mit der im SAC Führer beschriebenen Route über dieselbe und dem Westgrat folgend hoch zum Gipfel des Mutteristocks. Da die Beschreibung im SAC Führer aber relativ dürftig ist und die Westflanke nicht ganz so einfach aussieht wie erwartet (T4), folgen wir weiter dem überaus gut markierten Wanderweg via Torberglücke zum Gipfel des Mutteristocks. Die Aussicht hier oben ist (bekannterweise) ziemlich beeindruckend, denn mit fast 2300m Höhe ist der Mutteristock einer der Grössten in der Umgebung. Der Blick gen Zürich bringt auch eine gewisse Genugtuung auf, denn es ist doch beeindruckend, was man aus eigener Muskelkraft für Distanzen und Höhen in relativ kurzer Zeit zurücklegen kann.

Nach einer ausgiebigen Gipfelrast und der Inspektion der beiden Rinnen in der Ostflanke(*) machen wir uns entlang unserer Aufstiegsroute auf dem markierten Wanderweg auf den Abstieg. Inzwischen ist es schon ziemlich "süttig heiss" und unten beim Wäggitalersee empfangen uns "wohlige" 30 Grad - und von hier wird es nur noch wärmer. Beim See wechseln wir wieder in unser Velo-Outfit und machen uns anschliessend auf den Heimweg.

Die Abfahrt bis Siebnen ist pures Vergnügen und auch der Fahrtwind kühlt uns angenehm ab. In Siebnen verpflegen wir uns nochmals mit kühlen, zuckerhaltigen Getränken, Sandwiches und Glaces und machen uns nun wieder dem See entlang zurück nach Hause. Mein "Windschattenmacher" ist noch immer in bester körperlicher Verfassung und zieht mich förmlich gen Zürich. So ab Pfäffikon machen sich bei mir aber langsam die nicht existenten Velomuskeln bemerkbar und ich verspüre immer mal wieder Krämpfe in den Oberschenkeln. Auch wenn nun sogar die geringste Steigung langsam zur Qual wird und ich ab und zu auch vom Velo steigen muss, kämpfe ich mich irgendwie durch und schaffe das erklärte Ziel auch tatsächlich, nämlich "Human Powered" wieder nach Hause zu kommen.


(*) Diejenige Rinne, welche näher beim Gipfelkreuz ist und von ironknee und Put hier begangen und beschrieben wurde, sieht um Welten grimmiger aus, als jene Variante, welche von Delta hier beschrieben ist  - und wohl der SAC Führer Route entspricht)


Fazit:
  • Herzlichen Dank an Andi, mein Windschattenerzeuger, ohne ihn und sein Marterial (Rennvelo und andere velotaugliche Ausrüstung) hätte ich diese Tour wohl nicht "Human Powered" abschliessen können
  • Eine kombinierte bike & hike / Human Powered / Heckmair Tour hat durchaus seinen Reiz, auch wenn ich solche wohl nicht zu meinem neuen grossen Hobby erklären werde.
  • Mein Respekt und meine Hochachtung für Beat, dabuesse und anderen die solche Touren regelmässig durchführ(t)en ist noch einmal etwas gestiegen.
  • Es wäre wohl nicht schlecht, bevor man solch eine Tour angeht, ein oder zwei Mal zuvor auf ein Rennvelo zu steigen und die Velomuskeln etwas an die bevorstehdene 100 oder mehr km zu gewöhnen.
  • Ich spüre noch immer, wo mein Hinter den Velosattel berührt hat...



Tourengänger: 360


Minimap
0Km
Klicke um zu zeichnen. Klicke auf den letzten Punkt um das Zeichnen zu beenden

Geodaten
 2849.kml Bike
 2850.kml Hike

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentar hinzufügen»