Hochkanzel(2575m) - wild, einsam und weit vom Schuß


Publiziert von ADI , 13. Juli 2010 um 12:44.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Karwendel
Tour Datum:11 Juli 2010
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Mountainbike Schwierigkeit: WS - Gut fahrbar
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1600 m
Abstieg: 1600 m
Strecke:Scharnitz-Hinterautal-Kasten/Hinterautal-Roßloch-Hinterer Boden-Schneepfanne-Hochkanzel
Zufahrt zum Ausgangspunkt:über die B2 von Mittenwald kommend nach Scharnitz(964m); parken kurz vor dem Ostsende links rein(Mühlbergweg), hinten bei der Kiesgrube(kostenfrei!)
Unterkunftmöglichkeiten:diverse Ferienwohnungen in Scharnitz; sonst knackige Tagestour
Kartennummer:Kompass Nr. 26 Karwendelgebirge 1:50000

Die einsame und sehr weit vom Schuß liegende Hochkanzel ist sicher kein Berg für Jedermann.
Der Anmarschweg ist lang, der Aufstieg teils recht mühsam und objekiv nicht ganz ungefährlich.
Technisch ist es auch nicht gerade ein leichter Berg. Und den Fuß verknaxen braucht man sich da hinten in dem Bereich der Schneepfanne auch nicht, sonst hat man ein etwas größeres Problem.

Von Scharnitz mit dem MTB ins immer wieder schöne Hinterautal, ab der Kastenalm jedoch um einiges mühsamer zu biken(blockiges Gelände).
Bikedepot  im Hinteren Boden und weiter hoch(auf gutem Steig, teils rot bez. und auch Steinmänner)  zur Schneepfanne, wo sich die Wegspuren dann verlieren.
Nun das steile Kar hoch in gutem Trittschnee auf die häßliche, rinnenartige Trümmerschlucht.
Vorsicht auf die nicht zu unterschätzende, bereits stark abgeschmolzene Randkluft. Ein völlig gefahrloser Übergang auf die sehr brüchigen Felsen ist NICHT möglich.
Hier sollte man mit Helm unterwegs sein, die Steinschlaggefahr in diesem Bereich ist erheblich.
Hat man mal die enorm brüchigen Felsen nach der Randkluft erklommen geht's sogleich nach rechts rum eine nasse Rinne hoch(II).
Danach in leichteres, aber höllisch bröseliges Gelände. Ein Ausrutscher in diesem Bereich wäre nicht so toll....große Vorsicht hier beim Abstieg.

Weiter hoch, wie vom Gelände vorgegeben in der Rinne(teilweise aber sehr steiler Schnee bis 45°), oder im oberen Drittel nach links ausweichend in das Felsgelände.
Hier verschiedene Durchstiegsmöglichkeiten mit wechselnden Schwierigkeiten von I bis III-, rechterhand die Schneerinne.
Man muß die markante Scharte westlich vom Gipfel erreichen um am Westgrat weiter zum Gipfel anzusteigen.
Egal ob nach der Scharte südlich rum(etwas weniger exponiert als nach Norden), oder nördlich rum, recht luftig und ausgesetzt ist es allemal. Sofort direkt am Grat extrem exponiert!
Danach leichter und meist in der nordseitigen Gratflanke zum sehr einsamen Gipfel, nach Süden durchwegs sehr ausgesetzt.
Vorsichtiges Gehen ist in jedem Falle angesagt, viel loses Gestein und brüchige Gratstücke.

Die Ersteigung dieses schönen Gipfels vollzieht sich in völliger Abgeschiedenheit, die Tour ist absolut weglos, ich konnte nicht einen einzigen Steinmann entdecken.
Empfehlenswert ist die Mitmahme eines Helmes und eines Leichtpickels für den steilen Schnee.

Ist nur was für "Karwendelexperten" und für sicheres Wetter. Nicht bei zweifelfaftem Wetter gehen!! Vor allem genügend Zeit für den Abstieg einplanen, die Hochkanzel ist kein "Schnellabstiegsberg".

Die Hochkanzel wurde auf diesem Weg vom Hermann von Barth am 17.08.1870 ersterstiegen! Alle Achtung, mein lieber Hermann, du warst echt ein wilder Bursche.

Eine Tour nach dem Motto: selbst sehen, selbst planen, selbst handeln  H.v.B.

Tourengänger: ADI


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