Dom 4545m (Festigrat)


Publiziert von Bombo , 12. Juli 2010 um 21:25.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum: 8 Juli 2010
Wandern Schwierigkeit: T4- - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 3200 m
Abstieg: 3200 m
Strecke:Randa - Domhütte SAC - Dom - Randa
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV: mit Zug bis Randa Bhf PW: Visp - Randa - Parkhaus Randa (beim Bhf, Fr. 8.00 pro Tag, absolutes Parkverbot auf allen sonst freistehenden Flächen im Grossraum Randa!)
Unterkunftmöglichkeiten:Domhütte SAC
Kartennummer:LK 1:25'000, Bl 1328 "Randa"

Auf dem höchsten Berg der Schweiz - Dom 4545m


Einmal auf dem höchsten Schweizer Berg zu stehen – das dürfte wohl der Traum manch eines Bergsteigers sein. Nun hätte man noch die Wahl zwischen der Dufourspitze 4634m, welche sich den Fels mit Italien teilt, oder dann eben mit dem Dom 4545m, welcher gänzlich den Eidgenossen gehört. Wir entschieden uns für den Dom, da ich persönlich die Dufourspitze lieber im Winter besuchen möchte – die Abfahrt mit den Skis soll scheinbar sehr lohnenswert sein.

Um keine Probleme mit der Höhe zu kriegen, haben wir uns am 7. Juli auf dem Oberrothorn 3415m akklimatisiert und stiegen am 8. Juli vom Bahnhof Randa 1407m aus über den üblichen, teilweise klettersteigähnlichen, Hüttenweg zur Domhütte SAC 2940m auf. Von dieser geschichtsträchtigen Hütte hört man vorallem viele Negativ-Meldungen – fast kein Wasser (nur 1 Brunnen für alle Hüttenbesucher), enge Massen-Schlafräume, Essen in mehreren Schichten, etc. Wer unter der Woche anstelle einem Wochenende diese Hütte besucht, wird wahrscheinlich aber bessere Bedingungen vorfinden. Wir hatten auf jeden Fall mehr als genügend Platz im Schlafraum, konnten alle zusammen das Nachtessen gemeinsam geniessen, der Brunnen liess pausenlos Wasser plätschern und überhaupt war die Stimmung in der Hütte sehr gut – natürlich auch dank der fröhlich gesinnten Hüttencrew, welche auch kulinarisch brillierte. Wettertechnisch begleitete uns schon seit Eintreffen im Wallis absolutes stabiles Traumwetter – glücklicherweise soll dieses auch die nächsten Tage so bleiben – unserer Gipfelbesteigung steht somit nichts mehr im Wege.

Tagwache, ausgelöst durch das Hüttenteam, um 02.30 Uhr (um 01.00 Uhr habe ich das letzte Mal auf die Uhr geschaut und dabei realisiert, dass ich jetzt doch noch zu 1 1/2h Schlaf komme...), sofortiges Frühstücken und schon verlassen Fenek und ich um 02.55 Uhr als erste Seilschaft die Hütte. Dank der Rekognoszierung vom Vortag wissen wir im Dschungel der vielen Steinmannlis exakt, welcher Weg bis zum Beginn des Festigletschers der schnellste ist (tendenziell auf der Moräne immer rechts bleiben bzw. stets den roten Punkten nach). Für die lange “Latscherei” auf dem Gletscher seilen wir uns an, beinhaltet das momentan noch ewige Eis doch die eine oder andere “Fallgrube”. Die Steigeisen leisten ebenso wertvolle Dienste für den Aufstieg, ebenso auch für den Fall eines möglichen Spaltensturzes, wo wir dann sofort besseren Halt hätten.

Immer am linken Gletscherrand, nahe bei den Felsen, einmal sogar eine kleine Felsinsel übersteigend, ziehen wir in der absoluten Ruhe der Nacht hoch bis zum Einstieg auf den Festigrat. Bis vor 2 oder 3 Tagen konnte man den Aufstieg an den bekannten blauen Fixseilen auf das Festijoch hinter sich bringen – infolge eines gröbberen Steinschlages sind die Seile nun aber teilweise beschädigt und die Gefahr, einem weiteren Steinschlag zum Opfer zu fallen, ist sehr hoch. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, rund 200m weiter auf dem Gletscher hochzusteigen und dann dort durch die sehr schuttige und brüchige Wand hochzusteigen. Jetzt, beim Schreiben des Berichtetes, liegen mir bereits Informationen vor, dass der Hüttenwart der Domhütte den neuen Einstieg mit neuen Seilen versehen hat – ebenso seien auch Markierungen angebracht.

Das Festijoch 3723m einmal erreicht, heisst es für uns die nachfolgende Führer-Seilschaft überholen zu lassen und uns auf den Festigrat einzustellen. Hier hätte man übrigens die Möglichkeit auf den Hohbärggletscher abzusteigen und so via Normalroute zum Dom-Gipfel aufzusteigen – technisch unschwierig, da wir jedoch im Abstieg sowieso dort durchkommen, wollen wir die spannendere Aufstiegsvariante mit dem Festigrat versuchen. Man hat 2 Möglichkeiten – entweder man steigt links des Felsgrates durch Firn bzw. Blankeis hoch oder aber man entscheidet sich für den Aufstieg im Fels auf der Gratkante. Da schon die Führer-Seilschaft durch den Firn aufgestiegen ist, wählen wir dieselbe Route – anfänglich noch ganz ok, doch schon bald werden die Blankeis-Stellen immer mehr und meine Waden, belastet durch das ständige Frontzacken-Stehen, brennen wie das Feuer in der Hölle und erste Muskelkrämpfe kündigen sich auch schon an. Mein Seilpartner und Vorsteiger Fenek fühlt sich aber zum Glück noch unverkrampft und "sauwohl". Während ich mich nach den schönen Felsplatten zu meiner Rechten sehne, steigen wir dennoch weiter hoch im Eis – weit ist’s eigentlich nicht mehr, doch werden die Meter immer länger und länger. Glücklichweise treffen wir auf eine rettende “Felsbastion”, ein paar kleine, eingefrorene Felsstücke, welche immerhin ein entspannteres Verschnaufen gewährleisten, als an einem einzigen Pickel hängend... Nochmals steigen wir im Eis weiter, dann endlich der “Ausflug” rechts in die Felsen (Schutt-Felsen...), es folgt eine weitere Etappe in bestem Trittfirn und schon bald können wir den P. 4479 am Ende eines prächtigen Firngrates erblicken.

Perfekte Schnee- und Trittverhältnisse begleiten uns auf dem Weg zum Gipfel und als wir den Punkt erreichen, wo die Normalroute mit der Festigrat-Route zusammenkommt, wissen wir, in den nächsten paar Minuten werden auch wir auf dem Dach der Schweiz stehen. Die Motivation treibt uns nochmals an, die Stimmung ist perfekt und endlich stehen wir nach 5h 10min Aufstieg alleine vor dem Gipfelkreuz eines garantiert unvergesslichen Berges – dem Dom 4545m. Es bläst zwar ein frischer Wind um die Ohren, die perfekten Wetterverhältnisse, die glühende Sonne und das unglaubliche Panorama lassen diese Kälte aber schnell vergessen. Wir jubeln, umarmen und freuen uns über diesen erreichten Gipfel bzw. realisierten Traum, schiessen Fotos und probieren Kontakt mit den Lieben zu Hause aufzunehmen. Als Bonus balancieren wir noch über den messerscharfen ausgesetzten Gipfelgrat zum Gipfelkreuz – noch sind nicht viele Spuren darauf ersichtlich, entsprechend spannend ist es, die Tritte zu platzieren. Wir haben riesige Freude daran, weshalb wir diese Traversierung gleich mehrmals machen (und sei es auch nur für das Foto-Shooting...).

Die vorausgehende Führer-Seilschaft ist längst wieder auf dem Abstieg über die Normalroute, hinter uns kommt lange niemand – 40 Minuten lang geniessen wir den Gipfel für uns alleine und beginnen dann der Kälte wegen den Abstieg über die Normalroute. Dabei können wir beobachten, wie gerade whannes, welchen wir tags zuvor in der Domhütte kennengelernt haben, mit seiner Seilpartnerin den Gipfelsturm in Angriff nimmt. Mit ihnen werden wir beim Festijoch die Seile zusammenbinden und so einen sicheren Abstieg wählen. Die Normalroute ist wie bereits erwähnt technisch nicht schwierig, aber keineswegs unspektakulärer. Vorbei an mächtigen Séracs, “hungrigen” Spalten und impossanter Nadelgrat-Prominenz steigen wir den Hohbärggletscher hinunter, müssen aufgrund eines Lawinenabganges einen kleinen Umweg in Kauf nehmen, bevor es nochmals die letzten Meter hoch zum Festijoch geht. Eine Verschnaufspause ist angesagt und die Seilschaft mit [whannes] schliesst zu uns auf. Das schuttige Gelände – zu diesem Zeitpunkt noch ohne Fixseile versehen – lässt uns die Diskussion eröffnen, wie wir am sichersten auf den Festigletscher absteigen sollen. Ein paar vorhandene Reepschnüre um einen nicht 100%-sicheren Felsblock verlocken zu einem Abseilmanöver, wir entschliessen uns aber für die Errichtung eines 75m-Fixseile (40m & 35m), an welchem wir dann am Prusik gesichert über die schuttigen Felsen abklettern.

Ein solches Manöver wäre ja langweilig, wenn beim Seilabziehen nicht ein “Seilklemmer” entsteht, somit steigt der Bombo nochmals hoch (mit dem Fazit, dass eigentlich gar nichts war) - ich war wohl der einzige, der irgendwie die Freude am Klettern in diesem Schutthaufen aufbringen konnte -, dann wieder runter und weg ist das Seil. Hier haben wir viel Zeit verloren, dennoch aber schaffen wir es, fast ohne Einbrechen über den Festigletscher die Domhütte zu erreichen. Betonung auf “fast” – fast jeder von unseren beiden Seilschaften hat zwischenzeitlich mindestens 1 Fuss im unterirdischen “Höhlensystem” versenkt – Vorsicht also beim Betreten dieses Spaltenlabyrinthes.

Der Rest des Tages ist eigentlich nur noch Kür: mega feine frisch von der Hüttencrew zubereitete Gipfel-Röschti geniessen, auf der Sonnenterrasse ausruhen, Packung erstellen und gleichentags noch den langen Abstieg bis nach Randa 1407m unter die Füsse zu nehmen. Auch dies habe ich mir schlimmer vorgestellt, zugegeben, die letzten Meter bis zum Bahnhof wollten dann tatsächlich nicht mehr enden. Pünktlich auf den 16.56 Uhr Zug erreicht mein Seilpartner den Zug nach Hause, während ich beim Bahnhof nochmals ein paar willkommene Ruheminuten geniesse. Anschliessend fahre auch ich mit meinem VW-Bus nach Hause und wo ich auf dem Furkapass nochmals die Aussicht geniesse, da zeigt sich unser soeben bestiegenes Gipfelziel nochmals von seiner Schokoladenseite. Was für ein Tag - und den lass ich mir wie gewohnt im Restaurant Tiefenbach mit einem hervorragenden Nachtessen versüssen.


Fenek, vielen Dank für diese 3 tollen, amüsanten und spannenden Tage am Berg mit Dir - umgeben in einer einzigartigen Kulisse, verwöhnt mit dem besten Wetter, wie wir es uns in den Träumen gewünscht haben. Auf ein nächstes gemeinsames Abenteuer!

Hier noch die schön beschriebene Tour auf Fenek's Homepage




Wikipedia-Theorie:

Der Dom gehört zur Mischabelgruppe, nach dem Monte Rosa das zweithöchste Gebirgsmassiv der Schweiz. Benannt wurde er zu Ehren des Domherrn von Sitten, Joseph Anton Berchtold. Zum Teil ist auch überliefert, dass Berchtold selbst im Zuge der von ihm selbst durchgeführten Vermessungsarbeiten (1833) die ganze Mischabel „Dom“ genannt habe. Ob dies allerdings zu Ehren seines eigenen Standes erfolgte, erscheint zweifelhaft.

Zum ersten Mal bestiegen wurde er am 11. September 1858 von J. Llewellyn Davies, Johann Zumtaugwald, Johann Kronig und Hieronymous Brantschen über den Nordwestgrat.

 





Route Nr. 539 / 540 - SAC Hochtouren im Wallis - Hermann Biner



Tourengänger: Fenek, Bombo

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Kommentare (6)


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Fenek hat gesagt: Dom
Gesendet am 12. Juli 2010 um 21:38
im wahrsten Sinne des Wortes ein Höhepunkt für mich - mit dir, Bombo! - Ja, es waren schöne drei Tage und tolle Bergkameradschaft.

Auf bald wieder.....

Fenek

Aendu hat gesagt: Gratuliere!
Gesendet am 13. Juli 2010 um 08:25
Super Tour + Super Bilder!! Gratuliere Euch zu dieser schönen Hochtour!

Gruss, Aendu

Baldy und Conny Pro hat gesagt: ebenfalls
Gesendet am 13. Juli 2010 um 08:30
Gratulation zum höchsten CH.
Gruss Angelo

Felix Pro hat gesagt: toll, top!
Gesendet am 13. Juli 2010 um 12:04
Gratulation euch beiden - muss anstrengend, doch traumhaft gewesen sein!
Habe eure Berichte genossen - freue mich auf nächste; weiterhin solche Erlebnisse - und unfallfreies Berg- und Gipfelglück!

lg Felix

roger_h Pro hat gesagt: Super!
Gesendet am 13. Juli 2010 um 17:22
Gratulation euch beiden.
Gruss
Roger

Bombo hat gesagt:
Gesendet am 13. Juli 2010 um 18:11
Danke Euch allen - diese Tour bleibt wirklich in bester Erinnerung.

Herzlich,
Bombo


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