Hosand-, Turb-, Ober Rappe-, Rappe-, Chumme-, Grathorn
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Mehr Bilder unter: http://www.berge-wallis.org/berichte/hohsandhorn/
Wissenswertes zu dieser Tour
Im Moment liegt in höheren Lagen noch einiger Schnee. So hatten wir auf dem Weg zum Hohsandhorn schon ab 2600 m ü. M. hin und wieder gegen tiefes Einsinken zu kämpfen. An Hitzetagen wie dem gestrigen kann dies schon einigermassen mühsam sein.
Der Grat wird in der Literatur als „leicht“ beschrieben. Wenn ich meinen mittlerweile recht alten Führer lese, habe ich den Eindruck, dass für unsere bergsteigenden Grossväter fast alles leicht war. Ist irgendwie auch verständlich, denn sie haben sich den Grossteil ihres Lebens in unwegsamem Gelände aufgehalten, während wir uns heutzutage mehrheitlich sitzend auf breiten Asphaltstrassen fortbewegen. Allzu leicht war der Grat nicht - wohl auch des Schnees wegen. Wie gesagt, man sank recht oft tief ein. Schon zwischen Hohsandhorn und Turbhorn, beim Punkt 8183, liess ich mich tief nach links abdrängen, was mit einem „Abenteuer“ in der steilen und ausgesetzten Flanke endete. Es gibt ein paar heikle Abstiege zu bewältigen, so vom Turbhorn nach Westen hinunter, oder später vom Mittaghorn nach NW, die nicht ganz „angenehm“ sind. Der Fels ist schlecht, zum Teil ist es ein wahrer Abfallhaufen. Wenn dann noch alles durchnässt ist, gilt es sehr gut aufzupassen.
Die Tour muss ein paar Tage vor mir von einer Gämse in ganzer Länge gemacht worden sein. Oft konnte ich einfach ihren Spuren folgen. Die Spur führte mindestens vom Mittlebärgpass bis Ende Rappetal. Dass wir Menschen so etwas machen, ist ja noch irgendwie (un)verständlich, aber dass Tiere ohne sportliche Ambitionen in solchem Gelände unterwegs sind, ist mir ein Geheimnis.
Als Abstieg vom Grathorn wählte ich den Weg über Borterstafel und nicht denjenigen über Mannlibode. Gemäss Wegweiser sollte ich mit der gewählten Variante fünf Minuten gewinne. Mein Wunsch, die verbleibenden 1383 Höhenmeter möglichst schnell hinter mich zu bringen, war gross. Doch dann fand ich mich unterhalb des Stafels auf einer Strasse wieder, die einfach kein Ende nehmen wollte. Pro hundert Meter abgewatschelte Strasse konnte ich höchstens einen Meter Höhe abbauen. Ich versuchte es mit Abkürzungen und landete derart im Dickicht und Unterholz, dass von mir tapferem Bergsteiger nicht mehr viel übrig blieb. Total desillusioniert erreichte ich schlussendlich den Bahnhof von Biel. Dort vernahm ich bald einmal, dass Deutschland gegen England 4:1 gewonnen hatte. Gratulation euch Deutschen, die ihr eventuell diesen Bericht liest.
Stolz bin ich auf die Tour nicht, weil ich gezwungen war, zwischen Ober Rappehorn und Rappehorn eines meiner Tabus zu brechen - rund hundert Meter weit war ich alleine auf dem Gletscher unterwegs. Ein vernünftiger Bergsteiger macht so etwas nicht. Meinte, die Gefahr mit einer Spur dem Rand entlang mindern zu können und blieb auch in dieser Situation cool.
Nachtrag zur Fussball Weltmeisterschaft
Ich habe vernommen, dass die Schweiz jetzt nach Hause reisen müsse. Auch Italien und Frankreich hätten schon heimreisen müssen. Leider bin ich ein solcher Fussballbanause, dass ich das „müssen“ gar nicht verstehe. Heim in die Schweiz fahren, ist doch kein Müssen, sondern vielmehr ein Können oder Dürfen. Die Fussballer werden sich bestimmt sagen: „Wie schön, dass wir heim ins Land der Berge reisen dürfen, heim zu Frau und Kindern und Freunden!“. Wir Walliser sind jedenfalls so, dass wir stets zurück in unsere Heimat wollen. Derart hängen wir an unserem schönen Land und sind hier so stark verwurzelt, dass wir es in der Ferne kaum aushalten. Genau so erging es mir auch bei meinem dreijährigen Afrikaaufenthalt vor zwei Jahrzehnten. In meinem Zimmer im Busch von Sambia hingen Bilder unserer Berge, und ich konnte es kaum erwarten, wieder heim reisen zu dürfen. Somit muss unsere Nationalmannschaft doch gar nicht bedauert werden. Hinzu kommt, dass wir Schweizer ja ein paar Tage länger im Tournier geblieben sind als die grossen Frankreich und Italien.
Tiergeschichten
Im Weiler Fäld lief mir ein junger Marder vor die Füsse, der sich im Scheine meiner Lampe ganz eigenartig verhielt. Er umrundete mich ein paarmal, quietschte sonderlich und folgte dann dem Lichtkegel meiner Stirnlampe. Ich hätte ihn gerne mal aufgehoben, traute mich aber doch nicht. Wieso leuchten überhaupt die Augen der Wildtiere, und unsere tun es nicht? Und wie funktioniert das überhaupt?
Auf dem Abstieg vom Grathorn flüchteten zwei Gämsen wie vom Wolf gebissen vor mir, liefen aber dabei nicht direkt von mir weg, sondern eher so tangential an mir vorbei. In unmittelbarer Nähe beobachtete ein Murmeltier das Geschehen. Ich beneidete es um die Traumlage seiner Behausung - mitten in einem etliche hundert Meter langen Hang. Vor dem Eingang hatte es sich eine richtige Aussichtsterrasse aufgewühlt.



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