Überschreitung Mittagspitz


Publiziert von Zwieback , 11. Juni 2010 um 17:10.

Region: Welt » Liechtenstein
Tour Datum:10 Juni 2010
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: FL   CH-GR 
Zeitbedarf: 6:45
Aufstieg: 1500 m
Abstieg: 1500 m
Strecke:Balzers – Hochplatta – Sattel p. 1303 – pt. 1779 – Mittagspitz – Mittlerspitz – Stafel – Guscha – Balzers
Kartennummer:1155

Imposant und abweisend erhebt sich der Mittagspitz über dem Rheintal, die Nord – und Westflanken scheinen teilweise dermassen steil, dass man sich fragen mag, wie dort überhaubt die Bäume haften bleiben. Der Gipfel lässt sich vom Mittlerspitz aus leicht erreichen, mich faszinierte jedoch schon länger der Nordgrat, wohl erreichbar über die Markante Rampe, die sich oberhalb Balzers zum Sattel hochzieht. An deren unterem Ende bricht das Gelände senkrecht ab, doch eine steile Geröllrinne ermöglicht einen Durchschlupf durch die Felsen.

Im Internet oder in alten und neuen Rätikonführern wird die Route (und eigentlich auch der Mittagspitz) nirgends erwähnt, trotzdem wird sie wohl manchmal begangen, sind doch vielerorts Wegspuren vorhanden.
(Es gibt anscheinend noch eine weitere Route, welche zu einer Jagdhütte im Schwarza Wald führt und den Nordgrat auf ca 1600m, unterhalb der Schlüsselstelle erreicht.)


Die Route ist eine derer, bei denen man sich nicht so richtig sicher ist, ob sie jetzt wunderbar abenteuerlich und interessant, oder unnötig mühsam sind. Wegen der Aussicht muss man sie auf jeden Fall nicht begehen, meistens gibts nämlich weit und breit nur Bäume, lockere Steine und Wurzeln zu sehen. Meine andere Option an diesem Tag wäre in den einfacheren Kreuzbergen gelegen, doch bei solch mächtigen Föhnböhen wollte ich nicht auf exponierten Felsgraten rumturnen, da bot sich schon eher eine "windgeschützte" Tour durch den Wald an.

Die Rampe ist durchgehend ca 45° steil und von mehreren Felsriegeln durchzogen, die es zu umgehen gilt. Der wunderbare Nordgrat, der beim Sattel ansetzt, ist anfangs relativ "flach" (ca. 30°), schwingt sich dann aber mit beträchtlicher Steilheit in die Höhe (An der Schlüsseltelle durschnittlich 60° auf ca. 100 hm). Von den Anforderungen her ist die Route durchaus vergleichbar mit dem Lienzer Spitz NE-Sporn, allerdings befindet man sich am Mittagspitz vom Anfang bis zum Gipfel in wildem, im unteren Teil sehr unübersichtlichem Gelände, wovon allerdings nur die letzten 250 Höhenmeter richtig anspruchsvoll sind, ein Pickel leistet hier gute Dienste. Falls man nicht alleine unterwegs ist, ist ein Helm durchaus empfehlenswert, da auf der gesamten Länge des Anstiegs massig lockeres Material liegt.

 

Start um 6:00 in Balzers (Haltestelle Roxy), einfach der Strasse nach Richtung Wald, dort erreicht man bald einmal den Auslauf der Geröllrinne. Die Fortbewegung in der Geröllrinne ist nicht schwierig, aber auch nicht sehr angenehm, schliesslich ist sie doch ziemlich steil und extrem bröckelig. In der Rinne steigt man ca. 300 hm aufwärts, bis man auf ca. 800m überraschend zum Anfang einer Wegspur gelangt, die links in die steile Grasflanke führt. Hier im unteren Teil ist der Boden noch grasig und die Wegspur daher gut sichtbar, doch je weiter man ihr folgt, desto eher bewegt man sich auf steilem Laubbedeckten Waldboden, bis man sie schliesslich nicht mehr ausmachen kann. Eine genaue Routenbeschreibung duch die Rampe gibt es nicht, das Gelände ist hier nämlich dermassen unübersichtlich (man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht), dass ich selbst nicht weiss, wo ich da genau durch bin. So halte man sich dann einfach an die vorgegebene Richtug: aufwärts. Ich bewege mich teils eher links, in der Nähe der vermuteten Abbruchkante, teils eher rechts, nahe der auf der LK eingezeichneten oberen schmaleren Geröllrinne. Hie und da taucht die Wegspur wieder auf, teilweise sind es auch nur Trittspuren, vielleicht auch von Wild. Diese führen, teilweise exponiert und abschüssig, um die Felsriegel herum, für diese sind aber vermutlich verschiedene Umgehungsvarianten möglich.

Der Aufstieg über die Rampe ist nicht wirklich schwierig (T4-T5), erfordert aber durchgehend Aufmerksamkeit.


Am Ende der Rampe wird der Boden grasiger, bis ich letztendlich, am Ende über steile, brüchige Schrofen um 8:15 den Sattel (1303, Name und Kote auf der LK) erreiche. Die Schwierigkeiten fangen nun zwar erst an, doch ist das Gelände hier doch viel angenehmer, da übersichtlicher. Hier sind nun auch wieder deutliche Wegspuren vorhanden Vom Ambiente durchaus dem NE – Sporn des Lienzer Spitz entsprechend, wenn auch mit mehr Wurzeln. Nach einem ersten steileren – und unglaublich Wurzeligen Aufschwung, flacht der Grat ab, nur um kurz darauf mit schwindelerregender Steilheit in die Höhe zu schiessen. Die Wegspuren führen zwar erst schräg links um den unteren Teil des Aufschwunges herum, queren dann aber mitten in die Steilstufe hinein. Möglich, dass man das Ding irgendwie irgendwo umgehen kann, ich habe aber nichts gesehen.Das Gelände ist hier gut gestuft, besteht aber aus grobblockig-brüchigen Schrofen mit supermodrigem Waldboden und zerfallendem Totholz. Dank Pickel und Wurzeln noch im Grünen Bereich, Stellen II. Nach dieser Schlüsselstelle werden die Bäume deutlich weniger, bis man schliesslich über eine Schrofenstufe zu pt. 1779 und von dort auf den Gipfel des Mittagspitz gelangt.

Kaum auf dem Gipfel angelangt wäre ich am liebsten ganz wo anders, der Föhn bläst hier heute dermassen gnadenlos, dass man sich kaum auf den Beinen halten kann.Über den Grat vom Mittagspitz zum Mittlerspitz führt eine schöne Wegspur, bei guten Bedingungen wäre der Übergang absolut problemlos (ca. T3). Heute rüttelt der Wind aber ordentlich an den Nerven, ich bewege mich meist paar Meter unter dem Grat in der steilen Nordflanke, um dem Wind auszuweichen.

Vom Mittlerspitz auf dem Markierten Wanderweg über Guscha zurück nach Balzers.


Tourengänger: Zwieback

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Kommentare (2)


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AlpinHero hat gesagt: E Route wo fägt....
Gesendet am 19. Juni 2010 um 16:05
Hopp is Oberland

Eine total coole Route welche Du da an die Hand genommen hast. Habe diesen Aufstieg ebenfalls bereits seit einiger Zeit im Auge; wenn man das Rheintal aufwärts fährt - drängt sich die Linie ja förmlich auf....!
Werde mich halt nun mit der "Zweit-Begehung" zufrieden geben müssen :-)

Gruss aus Balgach - Reinhard

Zwieback hat gesagt: RE:E Route wo fägt....
Gesendet am 19. Juni 2010 um 20:08

Von Norden her betrachtet sieht die Route echt besonders eindrücklich aus, als würde sie geradewegs die Wand hochgehen ;-)

Wünsche viel Spass dabei !

LG

Zwieback


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