Zackiger Rundkopf


Publiziert von Polder , 4. Juni 2010 um 21:58.

Region: Welt » Schweiz » Waadt » Waadtländer Alpen
Tour Datum: 4 Juni 2010
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Ski Schwierigkeit: S
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VD 
Aufstieg: 2100 m
Abstieg: 2100 m
Strecke:LesDiablerets - Pierredar - Tête Ronde retour
Unterkunftmöglichkeiten:Réfuge Pierredar

Die Gelegenheit, die ein beruflicher Abstecher nach Genf eröffnete, am Schopf gepackt: Nachdem das Zahnradbähnchen den Aufstieg von den Weinbergen Aigles in die blühenden Wiesen Les Diablerets geschafft hatte, konnte ich um 6 starten - der ganze Aufstieg in angenehmster Abendsonne und prächtigster Flora sowie mit Blick auf das imposant gleissende morgige Tagesziel. Gas sei dank konnte ich auf Pierredar schon um halb 9 - und damit noch an der Sonne - mein Süppchen schlürfen. Weil die Hütte gen Westen deutlich höher als der Horizont liegt, hat sie rekordverdächtig lange Sonne - bis 21.20!!! - und bietet rekordverdächtig schöne Sonnenuntergänge! Ein weiterer Vorteil von Pierredar ist, dass man dann für die Tête Ronde nicht mehr allzu früh aus den Federn muss: Ich startete erst kurz vor halb 7, wobei der Schnee trotz klarer Nacht unten nur oberflächlich gefroren - aber zum Glück sonst gut verfestigt - war. So kam ich trotzdem zügig voran, wobei ich beiden Steilstufen (unter dem Gletscherrest und Schlussaufstieg auf den Col de Réfuge) zu Fuss (letzteren auch mit Steigeisen) überwand. Dort ein Szenenwechsel, wie er imposanter kaum sein könnte: Vom Schatten in die Sonne, zum Blick in die grünen Voralpen zusätzlich die Aussicht auf die gesamte Walliser 4000-er-Prominenz und der Tiefblick auf Anzeindaz mit der silbernen Haifischflosse der  Argentine. Der ausgesetzte, ins blaue Nichts führende Schlussgrat ist so szenig, dass er es zu Recht aufs Cover des Berner-Alpen-West-Skitourenführers (2000) schaffte. Nach einer guten Stunde Gipfelrast machte ich mich nach halb 10 an die zackige Abfahrt vom Runden Haupt: Einmal mehr ein Kurzskitraum, am Ostgrat bestens aufgesulzt, dann ein kurzer Unterbruch in der oberen Steilstufe, bei der mir mit einigen m 45° und Hartschnee mit Steigeisen doch wohler war, und schliesslich gut 700Hm in leicht einbrechendem Schnee, der bei dieser Steilheit mit Kurzski perfekt zu fahren ist. Wiederaufstieg nach Pierredar und weiter bis ca. 2420 (vor dem Übergang zum Glacier de Prapio), wo sich nochmals 400 Hm steile NW-Hänge öffneten. Die letzten Schwünge endeten in den ersten Mehlprimeln......   - wohl der Schluss und Höhepunkt einer sehr ergiebigen Kurzskitourensaison!
P.S. 1: Die Rückreise über die AHV-Route Col du Pillon - Gstaad dauerte - Lokdefekt der MOB sei Dank - geschlagene 5.5 Stunden...
P.S. 2: Kam mir beim Hüttenanstieg vor wie bei Rudi Carell: "Eben noch im Hemd bei der UNO - und jetzt schon in der Bergkluft im Aufstieg auf die Showbühne von Pierredar"! 


Tourengänger: Polder



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