Les amateurs sur le Hosenboden ou dans une domaine d’orties…


Publiziert von Henrik , 31. Mai 2010 um 13:14.

Region: Welt » Schweiz » Freiburg
Tour Datum:29 Mai 2010
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-FR 
Zeitbedarf: 5:00
Abstieg: 470 m
Strecke:Les Cases - Les Sciernes - Albeuve
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Les Cases
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Albeuve
Kartennummer:map wanderland

......den November im Mai, so erlebten die Hikrs die letzten Wochen wiederholt bei ih-ren Unternehmungen im Grünen und am Berg! Auch uns erwischte es an diesem Wochenende – demi-demi. Claudia bat um eine kleinen Höhentour, nicht ennet der Alpen, sondern lediglich 2 ½ Stunden Fahrt von Basel! Auch nicht allzu früh wegfahren zu müssen, ein weiterer Wunsch, besuchten wir doch zusammen am Vortag im KKL eine Berufsveranstaltung der Pflegefachfrauen und –männer.


L’ Intyamon
– vor einigen Wochen schon hier gewandert und gegessen (Lessoc) lieferte den Grund, erneut hinzufahren und wie schon Zaza mal bemerkte, ist der Deutschschweizer eher selten dort unterwegs: er verpasst eine beeindruckende Landschaft, mit dem Charme der Romandie. Trotz der Nähe des Touristenzirkus’ von Gstaad ist die Masse hier in keinster Weise zu spüren.


In der Schalterhalle in Basel wird zur Zeit an den Schaltern das „englische“ Warten in der Schlange baulich eingerichtet – das Gewusel auf der Passarelle soll hier lediglich wieder mal erwähnt...aber nicht beklagt werden. Noch weniger Grund für verbale Auswüchse fanden sich, als wir den ICN nach Lausanne bestiegen – sogar in der 2. Klasse gähnende Leere. Im Nebenabteil debattierte eine in Moutier zugestiegene Familie leise über den literarischen Unterschied zwischen „Gottverdammi“ und „Mon-de-Dieu“...was für ein spannender Diskurs! Dazwischen erheischte ich die kräuselnden  Wasserflächen des Bielersees und später des Lac-de-Neuchâtel. Claudia war in der umfangreichen Samstagsausgabe der BaZ vertieft. Später taucht rechterhand der Mont Aubert auf....auch er steht auf einer Liste bzw. findet sich unerledigt im Erleb-nisköcher: diese ellenlangen Listen, die wir führen, was wir alle gedenken erobern zu wollen und nur ein Bruchteil davon bewältigen (können)...manchmal hilft da in der Tat ein reduziertes Arbeitspensum, das ich auch Claudia dieses Wochenende wieder-holt ans Herz legte, zwecks Steigerung der Lebensqualität!


In Lausanne rasches Umsteigen auf den IR nach Montreux. Der Zug gleitet an den Rebhängen vorbei, die gut im Wachstum stehen, meinte Claudia, die am Kaiserstuhl im Breisgau eigene Reben pflegen lässt. Die weiträumigen Terrassenbauten des La-vaux beeindrucken immer wieder von neuem. Das Mediterrane und die eigene Stimmung, die durchs Zugfenster uns erreichen, wirken wie eine belebende Essenz des Reisens in diesem Landesteil der Schweiz – nicht nur der Sprache wegen. Die Lust auf ein Glas Wein kommt auf, jetzt schon auch im Zug. In Montreux nahtloser Übergang auf die MOB, diesmal mit den klassischen blauen (betagten) Waggons, die um 12.46 aus dem Bahnhof rollt, gleich ansteigt und nur Minuten später den Blick freigibt auf eine Region, in der Tourismus schon seit Anfang des 19. Jhds. lebendig ist : Si de modestes pensions ouvrirent leurs portes à partir de 1815, les premiers hôtels dignes de ce nom furent construits quelques années plus tard. Les nombreux écri-vains et autres artistes qui séjournèrent dans notre région contribuèrent largement à faire connaître la beauté de ce paysage, le calme et la sérénité qui s'en dégagent. Am Gegenhang von Les Avants weisse Matten: die vielgerühmten Teppiche mit weissen Narzissen, deswegen wir auch hierher gekommen sind.


Kurz bevor die MOB für lediglich drei Minuten im Tunnel des Jaman verschwindet, holpert diese am Unterwerk in Jor vorbei, wo nur wenige Kurse halten. Von hier lies-sen sich auch einige Anstiege in die Region des Jaman anstellen – für Bahncracks hier ein Link dazu: http://www.x-rail.ch/MOB/Streckennetz/Les%20Avants%20-%20Montbovon/Jor.htm


Les Cases
erwartet uns mit Sonne und Wind, der Ausstieg erfolgt direkt aufs Geleiseschotter, es fehlt ein Perron – was sogar für die CH eher ungewöhnlich ist. Mir sind nur wenige ähnliche Bahnausstiege bekannt, wo das auch der Fall ist (wer kennt andere Orte?). Eine junge Frau mit Kinderwagen verlässt ebenfalls den Zug und wird von der Zugbegleiterin auf die wenigen Zugshalte hier aufmerksam gemacht – sie wisse das und nehme den nächsten Gegenzug, der hier planmässig zu halten gedenkt.


Wir richten uns an der Bank am kleinen Bahnhof in Les Cases für die erste Rast ein, straffen und richten die Rucksäcke aus, klauben die Karte und den Fotoapparat her-vor und steigen dann hinauf bis zur Weggabelung, die uns Les Sciernes verheisst. Diesen gemeinsamen Anstieg auf den Col de Jaman kennen wir schon von einer Wanderung vom November 2006 – wir begegnen jetzt einer Gruppe von Frauen, die eben von diesem herunterkommen. Die Luft flirrt, das Vieh befindet sich schon im Gras an den steilen Hängen und die typischen Rückstände ihrer Ausscheidung kleben an den Schuhen...Hort von Milliarden von Fliegen! Wir sind auf 1200 Metern Höhe angekommen – wir werden nur noch punktuell steigen müssen. Wir befinden uns unterhalb der Ausläufer des Vanil des Artses, Waldstriche und offenes Feld wechseln sich ab im Steilhang. Nach Norden hin öffnet sich das Tal der Sarine, die diesen entwässert.


Vom Waldpfad wechselt der Weg auf Asphalt, an tiefgezogenen Dächern der Alpen vorbei, wo wir ab und zu Instandstellungsarbeiten mitbekommen – es wird gehämmert und gemalt, die gehisste und wehende Schweizerfahne verrät zudem die Anwesenheit der Älpler. Nur ein paar Schritte, bevor wir zum Pt. 1147 gelangen (Alp Motélon d’Avau), führt der Weg in ein grosses Brennnesselfeld – da wir den Weiterweg nicht sofort finden, aber aus der Alp heraus lautes Hämmern wahrnehmen, steige ich auf dessen Terrasse und rufe in den Bau hinein, wo sich denn die nächste Wegzeichnung finden liesse? Ein junger Mann tritt auf uns zu, öffnet uns den geladenen Zaun und zeigt auf ein Portal am Ende der Wiese, die er uns bittet hinter uns zu schliessen...und wünscht uns "les amateurs bonne route“ ......worauf ich etwas irritiert reagiere und auf dem Hosenboden lande (offenbar hat dieser Ausspruch mir das Gleichgewicht gekostet)  und Claudia landet im Brennnesselfeld (ungeschützte Wädli haben ihren Preis)! ...nachdem wir uns wieder aufrichten konnten, wandern wir noch lange herzhaft lachend weiter. Nach dem Gatter vergeht uns dann allerdings das Lachen schnell: eine Passage von mehr als 100 Metern mit tief aufgewühltem Weideland – was Hufe alles so ausrichten können, wenn tagelanger Regen eine Landschaft überzieht!


 Beim Punkt La Mita die erste rote Rastbank: der Blick zurück ins Tal des Hongrin und des Massiv de Rochers de Naye freut uns die Leistung, eigenen Fusses Distanzen zurückgelegt zu haben, wofür die Bahn knapp sieben Minuten braucht. Die Strasse, auf die wir hier treten, fällt hinab nach Les Sciernes d’Albeuve – das frühere La Pinte de Lys bietet jetzt noch Übernachtungsmöglichkeiten an, als Beiz geschlossen. In der „Auberge des Préalpes“ geniessen wir unseren ersten Weisswein des heutigen Tage – draussen an den Holztischen. Wir sind für diese kurze Rast die einzigsten Gäste, obgleich der Ort von den Städtern in Besitz genommen wird.

Am Ortsrand ein Gehege, in dem sich unterschiedliche Ziegen tummeln, später dringt „Partylärm“ an unsere Ohren und kurz danach sind wir wieder alleine. Der Wegverlauf führt über eine Holzbrücke (....), dem  "Pont de Beaucu" date du début du 20. siècle. Ce pont relie Albeuve aux Prés d' Albeuve. Sa charpente en bois et sa toiture en tavillon sont typiques à notre région. A une altitude de 980 m, Il enjambe un tor-rent qui, en cas de violents orages, peut être dangereux. Rénové et agrandi une première fois en 1930, Il fut à nouveau rénové en 1998. Il abrite une statue de "No-tre Dame des Grâces" et de nombreux ex-voto sont accrochés à sa charpente. Quelle: http://www.bas-intyamon.ch/sentiercomtes.html - die Landschaft lockert auf, offenes Gelände mit Viehbetrieb und erneut Kuhfladen....ein Waldstück folgt und etwas später Ankunft in Albeuve. Das Trassee der Bahnverbindung Bulle – Montbovon wird gekreuzt und um nicht entlang der Strasse ins Dorf zu gehen, kann dieses von innen erreicht werden: das Hotel de L’Ange erhält z. Z. ein Fassadenlifting, es ist ausgebucht, wir haben aber vorbestellt – es ist 18 Uhr, als wir eintreten. Bis 21 Uhr wird warme Küche angeboten, ab 8 Uhr das Frühstück. Im Tal sind lediglich das L’Ange und das Hotel de la Gare in Montbovon, die Betten anbieten. Die Region hofft auf Auftrieb durch den Parc naturel régional Gruyère Pays-d'Enhaut. Daher auch das Bemühen, dass L’Ange aufzuwerten, zumindesten äusserlich mal als ersten Schritt. Weiter meinte der Patron am Morgen dann, als ich ihn auf weitere Pläne ansprach: er sei am Einrichten eines  HotSpot und einer digitalen Bibliothek! Die Region profitiere z. Z. trotz Krise gerade in Bulle und Umgebung von einer gesamtschweizerisch gesehen tiefen Arbeitslosigkeit – das lasse die Kassen klingeln und sogar auf  Bauarbeiter warten!

Als wir am Morgen dann aus dem Fenster blicken – schüttet es was es von oben herunter mag! Es ist kalt geworden und Schnee auf 1300 Meter gemeldet. Das ist kein Schnee von gestern!



Zur Bedeutung des Flurnamens VANIL: Le terme vanil est un oronyme évoquant une crête ou une pente.


 


Tourengänger: Henrik

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