Hausstock (3158m): Pulver gut in der NE-Wand


Publiziert von mde , 14. April 2010 um 09:59. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum:13 April 2010
Hochtouren Schwierigkeit: ZS-
Ski Schwierigkeit: AS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   Hausstockgruppe   CH-GL 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1860 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Schwanden - Elm - Walenbrugg P.1297

Die Hausstock NE-Wand ist ein eindrückliches Gemäuer, das im hintersten Glarnerland über 800hm zum Alplifirn hin abfällt. Bei besonders günstigen Bedingungen kann die Wand im Aufstieg begangen und auch mit Ski befahren werden. So auch heute, wo mit traumhaftem Wetter, tiefen Temperturen, geringer Lawinengefahr und erstklassigem Pulverschnee Verhältnisse vorherrschten, welche das heutige Erlebnis ganz weit oben in der Liste meiner schönsten Skitouren Eingang finden lassen - ja vielleicht war es sogar meine beste Skitour je!

Nach der üblichen Frühjahrs-Skitouren-Tortur mit zu Unzeiten schrillendem Wecker starten wir schliesslich um 4.50 Uhr beim Militärgebäude ennet der Walenbrugg (P.1297). Dort liegt nur noch knapp Schnee, weshalb wir zu Fuss der aperen Militärstrasse bis auf 1600m folgen. Danach schnallen wir die Skis an, ersteigen den Rücken der Spitzegg und zielen mit dem erwachenden Tag gegen die Husstockegg, dem Einstieg in die NE-Wand.

Sozusagen als Begrüssung gilt es dort eine kurze, etwas exponierte Steilstufe (ca. 20hm) zu Fuss zu überwinden, bevor man die darüber liegenden, erst "nur" 35-40 Grad steilen Hänge wieder fellend ersteigen kann. Das Terrain erreicht schon bald eine Neigung von 40-45 Grad, bevor es auf ca. 2750m nochmals markant steiler wird.

Hier binden wir die Skis an den Rucksack und steigen mit Steigeisen und Pickel die nun 45-50 Grad steilen Hänge hoch. Mit jedem Meter nimmt die Exposition zu, eine eindrückliche, haltlose "Rutschbahn" führt in die Tiefe. Ein kurzer Quergang nach rechts auf ca. 3000m, eine etwas heikle Traversierung einer Felsrippe und das Abschlussbouquet über einen ausgesetzen, gegen 50 Grad steilen Hang führen zum obersten N-Grat, über welchen man in wenigen Minuten den Gipfel erreicht (9.50 Uhr).

Wir geniessen das Panorama mit dem (noch) wolkenlosen Himmel, und bis wir alle für die Extremabfahrt physisch und mental gestärkt sind, wird es 11.00 Uhr bis wir in die Tiefe stechen. Die Einfahrt in die Wand ist ziemlich zahm, es muss keine Wächte oder dergleichen überwunden werden. Dennoch sind die obersten Hänge gleich die steilsten und die Ausgesetztheit ist enorm, so dass wir erst noch vorsichtig Schwung an Schwung setzen.

Spätestens nach der Rechtstraverse sind wir dann alle eins mit unseren Brettern und dem weissen Element. In vorzüglichem, weichem Pulverschnee "rocken" wir das Steilgelände, nur dann und wann von brennenden Oberschenkeln gestoppt - es ist eine wahre Freude! Irgendwann ist dann leider die Husstockegg erreicht, welche uns nur mit einer kurzen Portage aus der Wand entlässt.

Unterhalb davon geniessen wir nun über 900hm eine kompakte Unterlage mit einem Schümli garniert: erst Pulver, dann Sulz. Einfach fantastisches Skigelände. Erst auf 1500m unten wird der Schnee faul. Durch das Tobel des Mitteleggbachs und die schattigen Hänge der rechten Talseite erreichen wir gerade noch komplett auf den Skis (letzte Tage!) das Militärgebäude (12.00 Uhr).

Disclaimer: die Hausstock NE-Wand kann nur bei ausserordentlich stabiler Schneedecke begangen werden. Fast überall in der Wand, insbesondere bei Hartschnee, besteht akute Absturzgefahr. Zu beachten ist auch, dass die Wand bereits von den ersten Sonnenstrahlen erfasst wird, mit an warmen Tagen entsprechenden Konsequenzen hinsichtlich möglichem Steinschlag und Lawinen. Von einer Abfahrt über die Wand ohne vorherigen Aufstieg rate ich, wie generell bei solchen Touren, ab.

3614adrian: Da kann ich nur beipflichten. Ich bedanke mich bei mde und Janine für die Fotos - blieb der Chip meiner Kamera diesmal leider zuhause... Es war wirklich erneut eine Hammertour, welche wir gemeinsam erleben durften. Das Aprilwetter schenkte uns in den letzten beiden Tagen abends Neuschnee - im oberen Bereich gut 20cm! Und dazu heute strahlend blaues Wetter. Ich denke solch gute Verhältnisse sind selten. Während man bei Pulver so eine Steilabfahrt nebst der nötigen Vorsicht auch geniessen kann, bekommt manch einer bei Hartschnee schnell einmal weiche Knie - Ein Fehler wäre dann unverzeihbar!
Werktags muss man sich unbedingt über die Schiessaktivitäten informieren. Dies gilt für alle Touren und Varianten im Bereich des Talkessels unterhalb der Nordostwand - die Normalroute auf den Hausstock kann militärisch gesehen, immer begangen werden.


Tourengänger: 3614adrian, mde

Galerie


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Kommentare (5)


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lorenzo Pro hat gesagt: Days like this
Gesendet am 14. April 2010 um 10:56
When all the parts of the puzzle start to look like they fit...
Herzliche Gratulation an alle (auch an Dolmar, der offensichtlich eine gute Nase hatte)!

lorenzo

Leander hat gesagt:
Gesendet am 14. April 2010 um 11:49
coole tour, das sieht echt spannend aus.

Dolmar hat gesagt: Happy day
Gesendet am 14. April 2010 um 22:30
freut mich, das Ihr ebenfalls so gute Verhältnisse
angetroffen habt wie ich. Dann hat ja keiner was
(ver-)passt, eher schon es hat gepasst.

mde hat gesagt: Dank an Dolmar
Gesendet am 15. April 2010 um 17:20
Jawoll, herzlichen Dank und Gratulation an Dolmar, dessen Tourenbericht uns natürlich eine gute Hilfe war, um die einmaligen Verhältnisse zu erkennen.

mde hat gesagt: Ufpasse!
Gesendet am 22. Februar 2013 um 12:41
Am 19.2.2013 ist ein Skitourengänger in der NE-Wand des Hausstocks tödlich abgestürzt. In Medienberichten wurde von weiteren, schweren Unfällen in den vergangenen Jahren berichtet. Dies soll uns lehren, dass diese Tour, auch wenn sie noch so schön, herausfordernd und attraktiv ist, grosse Gefahren bietet.

Bei Hartschnee dürfte ein Sturz unweigerlich ins Verderben führen, und selbst bei pulvrigen Verhältnissen braucht es Glück und sofortige Reaktion, damit man einen Fall noch stoppen kann. Daher: bitte die nötige Vorsicht und den nötigen Respekt für diese Unternehmung unbedingt mit einkalkulieren.


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