Vom Hochplattig Ostgipfel(2698m) auf den Hochplattig Hauptgipfel(2768m)


Publiziert von ADI , 27. Dezember 2009 um 19:41. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Wetterstein-Gebirge und Mieminger Kette
Tour Datum: 7 September 2009
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Mountainbike Schwierigkeit: WS - Gut fahrbar
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 10:00
Aufstieg: 1900 m
Abstieg: 1900 m
Strecke:Obermieming-Stöttlbach-Boasligbrücke-Henneberg-Gacher Blick-Plattig-Ostgipfel-Hauptgipfel
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem PKW von Telfs auf der B 189 nach Obermieming und dann im Ort kurz nach rechts hoch zum kleinen P auf ca. 900m Höhe.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Am besten wär's natürlich die Forststrasse unten mit dem Bike zu hochzufahren, man erspart sich dadurch nach der Tour das nervige Runterlatschen zu Fuß. Bei uns also: alles leider per Pedes. Fazit: NIE MEHR ZU FUß!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Unterkunftmöglichkeiten:diverse Gasthäuser unten im Tal.
Kartennummer:Kompass Nr. 25 Zugspitze/Mieminger Kette 1:50000

Der Hochplattig-Hauptgipfel ist ein mächtiger Gipfel, höher als der Watzmann, höher als alles im Wetterstein und im Karwendel zusammen. Seltsamerweise wird er fast nie bestiegen, obwohl er der höchste Mieminger ist. Das hat natürlich seine Gründe: weglos, mühsam, abgelegen, brüchig, nicht ganz leicht, langwierig, das sind die Attribute, die ihn auszeichnen.

Seine Besteigung setzt gute Kondition, eine gehörige Portion Ausdauer, Klettergewandheit und 110%-ige Trittsicherheit voraus, er ist nur erfahrenen Schrofenspezialisten ans Herz zu legen, die gerne im extrem brüchigen Terrain rumgraben.
Richtig festen Fels sucht man hier vergebens. Steht man aber oben in dieser öden Einsamkeit, so kann man ein bischen nachfühlen, wie sich Ludwig Purtscheller und der verwegene Hermann von Barth gefühlt haben müssen, als sie oben standen, Purtscheller am 21.08.1883, Barth am 11.08.1873.
Viel hat sich da oben nicht geändert, außer, daß der Berg vielleicht ein bißchen mehr abgebröselt ist seitdem.

Gero hat diese Tour bis zum Ostgipfel schon beschrieben, also werde ich nun kurz noch den Rest dranhängen. Bis zum Ostgipfel ist es T4/T4+, also für geübte, trittsichere Leute gut machbar.
Für meinen Freund "Trainman" war am Ostgipfel leider Endstation, ich bin noch kurz alleine rüber, mehr als 15-20 Minuten braucht man dafür aber nicht.

Eigentlich geht's immer nach Westen am Grat entlang, mit gegegentlichen Ausweichen in die Südflanke.
Der erste markante Aufschwung hat relativ festen Fels, die Kletterei geht bis II+ und ist ausgesetzt.
Im weiteren Verlauf folgt man der logischsten Linie, verhauen kann man sich da oben nicht.
Eines ist garantiert: das Gelände ist brüchig OHNE Ende! Man sollte jeden Griff im ausgesetzten Fels am besten 3  Mal prüfen, ehe man ihn belastet, sonst kann es sein, daß man die Schwerkraft testet. Der gesamte Gipfelgrat ist mit feinem Schutt bedeckt, vorsichtiges Gehen ist angesagt.
Oben ist Einsamkeit pur garantiert, das Gipfelbuch ist von 1973, mehr als 10 Partien pro Jahr gehen sowieso nicht hoch.
Zu mühsam, zu brüchig....
Ein schöner Gipfel für ausdauernde Einsamkeitsfreunde und Individualisten.
Abgestiegen sind wir entlang der Aufstiegsroute unten an der Forststrasse habe ich dann mein MTB sehnlichst vermisst!!

Ich werde im nächsten Jahr nochmal die Gesamtüberschreitung vom Westeck zum Ostgipfel machen, ein Bericht wird dann folgen. :-)

Noch was: vom angeblich "gut" gangbaren Nordwandanstieg(II,brüchig) kann ich nur dringend abraten!!!!
Ich hab's probiert und bin wieder umgekehrt. Hat man wohl vor 50-60 Jahren gemacht, viele dicke, alte Drahtseile und Versicherungen, zerstört und verrostet. Echt gefährliches Gelände, sollte man sich nicht antun.

Tourengänger: ADI, trainman

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Kommentare (5)


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gero Pro hat gesagt: Schee wars...
Gesendet am 28. Dezember 2009 um 09:07
.... fürwahr, in den Miemingern! Ich mag sie wegen ihrer extremen Einsamkeit, und ein bißchen Haßliebe ist schon auch dabei wegen des brüchigen Gesteins und damit verbunden die Tatsache, daß ich (wie an der Hochwand) immer dann umkehren muß, wenn's spannend wird.

Danke Dir, Adi, daß Du hier+bei Deinen anderen Tourenberichten sozusagen vervollständigst, wo meine bescheidenen Fähigkeiten enden! Zu meiner Rechtfertigung sei allerdings gesagt, daß ich damals auf dem Ostgipfel schon erste hartgebackene Schneefelder vorfand und allein deswegen nicht weiterkonnte - und als Einzelgänger bin ich sowieso noch etwas zurückhaltender. Aber wohl auch, weil mein kletterisches Können am Ostgipfel endet!

Deine Einstufung mit T6 bezieht sich sicher nur auf den Übergang zum Hauptgipfel, oder? Bis zum Ostgipfel ist das ja alles bestenfalls T4 ... ich bin immer etwas zurückhaltend mit der Vergabe der beiden oberen Schwierigkeitsgrade, die sollten echt anspruchsvollen Touren vorbehalten bleiben - solche, die mein Können überschreiten.

Übrigens würde Dir die benachbarte Hochwand garantiert auch gefallen, siehe der Bericht von Tef.

Besten Gruß, Georg

ADI hat gesagt: RE:Schee wars...
Gesendet am 29. Dezember 2009 um 10:46
Hallo, Gero!

Danke für Deine Mail! War eine Top-Tour der Hochplattig HG, ich liebe so ein Gelände.
Wenn ich in Telfs wohnen würde, würde ich sicher 3-4 Mal im Jahr dort hochsteigen. Er ist einfach ein schöner Berg, der Hochplattig.
Die T6 sind natürlich für den Übergang vom OG zum HG, sonst würde ich sagen T4, der Gipfelaufbau schon fast T5. Ich werde das in meinem Bericht noch hervorheben.
"Trainman" war auf der Hochwand noch nicht, ich war da 2006 oben. Den Bericht kannst Du auf "Stein+Schnee"(alpine Datenbank) einsehen, wenn Du willst. Auch unter ADI.
Wenn Du Lust hast nochmal einen weiteren Versuch zu probieren, dann können wir 3 die Tour nochmal angehen.
Ich habe dem Trainman schon so auf manchen Gipfel geholfen, auf den er alleine NICHT hochgekommen wäre.
Vielleicht kann ich Dir auch zu diesem Gipfelerfolg verhelfen.
Die Berichte von TEF lese ich immer regelmäßig. Tolle Berichte/tolle Fotos.

LG aus München, Gunter

HarryB hat gesagt: Überschreitung vom Westgipfel zum Ostgipfel
Gesendet am 27. August 2010 um 12:15
Tag,

wir haben gestern die Überschreitung vom Westgipfel zum Ostgipfel gemacht.

- Durch die Rinne von Süden auf den Westgipfel: Die Rinne ist voll mit unglaublichem Gebrösel, viel schlimmer als in der Rinne zum Ostgipfel. Teils Autoreifen große Blöcke rauschen einfach runter, wenn man sie nur anfässt. Die Rinne teilt sich mehrfach, man wählt immer die linke. Es empfiehlt sich, nach der ersten Teilung zunächst auf der rechten Begrenzung zu klettern, dann später auf die linke Begrenzung wechseln. Dort Größenordnungen besser als in der Rinne, meist (fast) fest.
- Übergang West-Hauptgipfel: Schwierigkeiten max. II+/II-. Sehr bröselig. Viel mehr auf und ab und bröseliger als der Übergang vom Hauptgipfel zum Ostgipfel. Weg nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich, aber eigentlich immer am Grat, öfter mal etwas in die Südflanke runter, aber nie besonders tief. In die Nordflanke braucht man eigentlich nie ausweichen. Der gesamte Übergang ist ziemlich ausgesetzt, wobei man in diesem Teil hauptsächlich die Südflanke runterfallen kann. Etwa 1h.
- Übergang Hauptgipfel-Ostgipfel: Wie von ADI beschrieben, meist II, vielleicht eine Stelle III- (die ist aber fest). Subjektiv am schwierigsten (wegen der Mischung Brösel / II+) der erste Aufschwung. Diesen Teil habe ich von den Kletterschwierigkeiten als schwerer, subjektiv aber deutlich leichter empfunden als den ersten Teil (etwa 30-40min).
- Abstieg vom Ostgipfel ätzend

Vom Ende der Rinne zum Westeck rauf kann man gut den Anstieg von Norden überblicken. Sah sehr brüchig und unschön aus. Immerwieder spontaner Steinschlag. Bestimmt kein Spaß.

Harald

ADI hat gesagt: RE:Überschreitung vom Westgipfel zum Ostgipfel
Gesendet am 6. September 2010 um 16:20
Hallo!

Danke für Deine Zuschrift, ist mir sicherlich sehr hilfreich, wenn ich demnächst die West-Ost Überschreitung machen will.
Interessant, daß Du den Abstieg vom Ostgipfel als ätzend empunden hast.
Ich fand ihn rel. easy und ganz nett(leicht runter in der Rinne)
Ist schon ein Berg für totale Individualisten, oder?

VLG+Danke nochmal, ADI

HarryB hat gesagt: RE:Überschreitung vom Westgipfel zum Ostgipfel
Gesendet am 6. September 2010 um 16:37
Hi,

in der Rinne lag im oberen Teil relativ wenig Geröll, so dass eine Geröllabfahrt nicht wirklich möglich war. Zudem war sie immer wieder von kleineren, etwa 30cm hohen Abbrüchen unterbrochen. Die waren meist fest, es lag dann aber feines Geröll auf plattigen Stellen. Außerdem kamen auch hier immer wieder melonengroße Gesteinsbrocken mit. Die Kombination all dessen hat uns dann von einer Geröllabfahrt abgebracht und wir sind die ostseitige Begrenzung der Rinne runtergeeiert. Weiter unten, wo die Rinne sichtbar breiter wurde und genug Geröll vorhanden war, ging es dann ganz gut.

Wir hatten eigentlich erst gar nicht vor, die Überschreitung zu machen. Da aber an diesem Tag - wie viel Pech? - vor uns noch eine andere Partie unterwegs war (zum Ostgipfel) und wir die hintere der beiden Partien waren, mussten wir uns wegen dem zu erwartenden Steinschlag fast zwangsläufig umentscheiden. Daher sind wir dann erst auf den Westgipfel rauf und haben dann noch die Überschreitung drangehängt.

Ciao,

Harald


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