Finsteraarhorn (4274 m) mit Grünegghorn (3860 m)


Publiziert von alpinos , 4. November 2009 um 07:44.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:10 August 2009
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS-
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VS 
Zeitbedarf: 3 Tage

Auf was für Ideen man nicht so kommt, wenn man zusammen in einem Büro sitzt... Alex, Reto und ich (Robert) hatten schon lange darüber geredet, einmal eine Tour gemeinsam zu machen. In Retos Tourenführen und Bildbänden schwelgend stand bald das Finsteraarhorn als Ziel fest. Eine Herausforderung für Alex und mich, die eine solch schwierige Tour noch nicht gemacht hatten, und Reto, der uns führen sollte. Nachdem die Probetour auf den Piz Kesch erfolgreich gelungen war, konnte es losgehen.
 

 
Tourengänger   Alex, Reto & Robert
 

 
Tourenbeschreibung
 
1. Tag (10.08.2009)
  • Mit dem Zug fuhren wir von Zürich aus nach Fiesch, anschließend mit der Bergbahn auf die Fiescheralp (2212 m). Von hier aus wanderten wir zunächst gemütlich in nördlicher Richtung am Salzgäb vorbei ins Obers Tälli. Durch einen recht schmalen und abendteuerlichen Tunnel gelangten wir zur Gletscherstube. Es begann leicht zu nieseln; während der Zugfahrt hatte noch die Sonne geschienen. Auf guten Wanderweg gingen wir hinüber zum Aussichtspunkt Platta und  stiegen dann steil hinab auf den Aletschgleschter, der uns mit kalten Wind willkommen hieß.
  • Nun begann der dynamische Teil der Tour: die nächsten 3 Stunden verbrachten wir damit, Gletscherspalten zu umgehen oder zu überspringen. Teilweise war es recht spannend, in die schier endlos tiefen Abgründe zu blicken und dann auch noch drüber springen zu müssen. Manchmal musste man auch regelrecht Slalom laufen. Der letzte Anstieg durch Geröll und über Brocken hoch zur Konkordiahütte war mühsam und wir waren froh, uns in der Hütte ausruhen zu können. Leider fing es richtig an zu regnen und wir hatten keine Sicht auf den Konkordiaplatz mit den umliegenden Gipfeln.

2. Tag (11.08.2009)
  • Als "Aufwärmtour" stand heute der Übergang zur Finsteraarhornhütte auf dem Programm - allerdings nicht direkt über die Grünhornlücke, sondern über das Grüneckhorn. Über den unten ziemlich ausgeaperten Grüneckfirn und anschließend durch ein Schneecoouloir stiegen wir bei ca. 3450 m auf den Grat des Grüneckhorns. Hier musste Reto uns durch den tiefen Neuschnee eine Spur graben. Ich hatte mit meinen kalten Händen zu kämpfen, weil ich  meine dicken Handschuhe zu lange im Rucksack gelassen habe. Durch die Flanke ging es auf den Grat; in recht ausgesetzter Kletterei (II) inkl. Schnee, Firn und Eis gelangten wir nach 5 Stunden zum Grüneckhorn. Die Aussicht war großartig; wir konnten auch zum ersten Mal das Ziel unserer Tour, das Finsteraarhorn, in seiner ganzen Pracht bewundern. Nun wurden auch endlich meine Hände wieder warm...
  • Vom Gipfel stiegen wir zur Scharte zwischen Grüneckhorn und Großem Grünhorn ab. Hier verbrachten wir eine Stunde damit, die im Führer angekündigte Abseilpiste zu suchen, leider vergeblich. Wir fanden allerdings einige Schlingen und Haken, wahrscheinlich von Bergsteigern, die die Piste ebenfalls nicht fanden, und benützten diese zum Abseilen. Ein recht abenteuerliches Unterfangen, der Fels war brüchig und der Übergang über den Bergschrund auf den Gletscher etwas heikel. Von unten sahen wir dann, dass wir noch ein gutes Stück weiter Richtung Großem Grünhorn hätten queren müssen.
  • Auf dem Gletscher ging es dann zügig voran und wir erreichten gegen 16 Uhr die Finsteraarhornhütte. Eine spannende Tour, auch wenn viel länger als gedacht und wegen der Abseilerei von der Scharte etwas anstrengend. Umsomehr genossen wir vom der Terrasse in der Sonne den gigantischen Blick auf die Wannenhörner, das Grünhorn und die Fiescherhörner.
 
3. Tag (12.08.2009)
  • Der große Tag! Nach der gestrigen, etwas schwierigen Etappe sollte der eigentliche  Höhepunkt unserer Tour problemlos verlaufen. Das ganze auch bei wolkenlosen Himmel und kaum Wind, kurz: traumhaften  Bedingungen. Kurz nach vier machten wir uns an den Aufstieg: über den Frühstücksplatz hinauf zum Hugi-Sattel, den wir kurz nach Sonnenaufgang erreichten. Es war ziemlich windig und mich plagten meine kalten Hände. Während der anschließenden Kletterei auf dem Nordwest-Grat zum Gipfel des Finsteraarhorn, der ohne nennenswerten Schwierigkeiten verlief, wurde mich allerdings wieder richtig warm. An manchen Stellen war etwas Blankeis, sonst guter Fels und Firn. Um 7:45 standen wir dann am Gipfel - ein Traum. Wir konnten uns an den Ausblicken kaum sattsehen. Alex, der gewählte Tourfotograf, versuchte, die Eindrücke festzuhalten. 
  • Die eigentliche Herasuforderung des Tages war aber der Abstieg; nicht wegen der Schwierigkeit, sondern wegen der Länge: wir wollten bis zum Grimselpass und am nächsten Tag wieder auf Arbeit sein. Über den Hugi-Sattel stiegen wir wieder auf den Frühstücksplatz ab. Von hier aus querten wir direkt, ohne zur Finsteraarhornhütte abzusteigen, zur Gemschlick. Nun ja, Gemschlick. Mit Schnee sollte das Couloir kein Problem sein, aber ohne... zunächst konnten wir auf zwei Firnschollen unter Einsatz von Frontzacken der Steigeisen und Pickel und viel Schweiß aufstiegen, dann quälten wir uns durch eine Mischung aus Schotter, Kies und Sand, die bei jedem Schritt gleich wieder einen halben Meter absackte. Ziemlich erledigt kamen wir nach einer halben Stunde im Joch an.
  • Von hier war der Weg wieder leichter, wir querten den Studergletscher hinüber zum Oberaarjoch. Dann, endlich, begann der Abstieg: Nach weiteren drei Stunden erreichten wir gegen 16 Uhr das Berghaus Oberaar. In der Finsteraarhornhütte war ein Alpentaxi angekündigt, das wir zur Fahrt zum Grimselpass nutzen wollten; die Frau an der Theke des Berghaus erklärte uns aber, dass es letzte Woche seinen Dienst eingestellt hatte; sie könne nun auch nicht weg. Tja, so mussten wir unsere allerletzten Kräfte aktivieren und machten uns auf den Weg zum Pass. Zum Glück nahmen uns nach 2/3 des Weges zwei freundliche Holländer mit und erleichterten uns den Abstieg. Glücklich verkürzten wir uns am Grimselpass die Wartezeit auf das letzte Postauto (17:32 Uhr) mit Rivella und Panasch.

Es war eine wunderbare Tour! Vielen Dank an Alex für die gute Laune und die tollen Fotos und Reto für die exzellente Führung; es war ein Genuss!  

Tourengänger: alpinos

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Geodaten
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