Klettern im Steinbruch Schriesheim


Publiziert von ju_wi , 19. Oktober 2009 um 09:59.

Region: Welt » Deutschland » Südwestliche Mittelgebirge » Odenwald
Tour Datum:18 Oktober 2009
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Klettern Schwierigkeit: V+ (UIAA-Skala)
Klettersteig Schwierigkeit: WS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: D 
Zeitbedarf: 4:00
Aufstieg: 280 m
Abstieg: 280 m

Der aufgelassene Steinbruch Schriesheim im Odenwald ist mit 200 Kletterrouten in den Schwierigkeitsgraden 3 bis 9+ einer der bekanntesten und größten Klettergärten von Baden-Württemberg. Wir nutzen den zwar kalten aber nochmal sonnigen Oktobersonntag um nach dem Hohenstein ein zweites Mal Outdoor-Kletterluft zu schnuppern. Dabei buchten wir auch wieder ein wenig Theorie-Aufbau (Vorstieg, Routenauf-/abbau und Hilfsmittel), um zukünftig sicherer und vor allem alleine Klettern gehen zu können.

Nach dem Basiskurs Klettern in Hohenstein waren wir noch ein paarmal in die Kletterhalle gegangen, da uns bislang sowohl die Ausrüstung als auch Klettergrundlagen (wie Vorstieg) für Draußen fehlten, die der Grundkurs noch nicht behandelt hatte. Beide Lücken haben wir an diesem Wochenende geschlossen - auch wenn die Felskletter-Saison sich leider gerade dem Ende zuneigt - aber vielleicht bieten sich ja dennoch dieses Jahr im Mittelgebirge noch Möglichkeiten...

Es war mein Geburtstagsgeschenk an Margit, das ich einlöste - ein Wochenende mit Übernachtung in Heidelberg, etwas Kultur und vor allem einem Klettersonntag als Highlight. Hierzu ging es Samstag früh zunächst zu Globetrotter um fehlende Ausrüstung einzukaufen. Klappte alles ganz gut, neben Kleingeraffel wie Tuber, Bandschlingen, Karabiner dauerten vor allem Anprobe und Kauf unserer Kletterschuhe etwas. Als Anfänger haben wir uns hier im preisgünstigen Segment bedient. Auch ein Kletterseil legten wir uns zu (50 m, 10,3 mm, 66 g/m, unimprägniert), das - wie die Daten zeigen - vor allem für Felsklettern im Mittelgebirge und Halle ausgelegt ist; denn hier werden wir in nächster Zeit sicher schwerpunktmäßig unterwegs sein. Dennoch kann man es ja auch für alpine Touren und (nicht zu hohe) Abseilstellen verwenden.

Mit dem frisch erworbenen Material fahren wir weiter nach Heidelberg und checken am frühen Nachmittag im reservierten Hotel ein. Von hier brechen wir zu einem Erkundungsspaziergang der Altstadt auf, wobei wir schon an der nächsten Ecke in einem sehr netten Kaffee mit Sekt und Espresso "stranden".

Danach spazieren wir durch die Samstag nachmittag recht vollgepackte Innenstadt. Trotz der vielen Leute wird es aber ein schöner Spaziergang. Wir sind sehr angetan von den vielen schönen Häusern und Kirchen. Vor allem die Seitengässchen mit Blicken auf die nahen Odenwald-Hänge und links das Neckarufer mit der alten Brücke sind schon sehenswert. Eigentlich wollen wir noch das Schloss besichtigen, doch die Zeit rinnt etwas davon und wir kennen die Öffnungszeiten nicht. Daher besuchen wir stattdessen das Kurpfälzische Museum in der Innenstadt. Nach Abendessen beim Japaner und einigen guten Gläsern in verschiedenen Gasthäusern kehren wir ausgefüllt ins Hotelzimmer zurück.

Sonntags gehts dann nach Frühstück mit dem Auto ins nahe Schriesheim (gut 10 km nördlich von Heidelberg). Da wir die Information haben, dass an der Ruine Strahlenburg keine Parkplätze sind, - stimmt schon auch, denn sie sind für die Gäste reserviert, aber der Parkplatz ist sehr groß und eigentlich parken alle Spaziergänger und Kletterer hier ... - lassen wir unseren Wagen unten im Ort. Von hier benötigen wir fast 45 Minuten zu Fuss zum Steinbruch - von der Strahlenburg sind es 20 Minuten. (Guter Kompromiss ist wohl Parken am Zufahrtsweg vor der Burg. Dort sind einige legale Möglichkeiten und man läuft vielleicht 10 Minuten mehr.)

Nach doch eher feuchtem Samstag ist zum Glück heute das Wetter schön - die Sonne scheint und es bleibt im Tagesverlauf trocken - wenn auch ein paar mehr Wolken aufziehen; eine Grundvoraussetzung für das Felsklettern. An der Strahlenburg vorbei wandern wir zu einem Aussichtspunkt auf die Rheinebene und die Weinberge der Bergstraße. Hier biegt ein kleiner steiler Pfad vor den Weinbergen links ab, dem man in direktem Aufstieg folgen muss. Gut 100 Hm weiter oben trifft man wieder auf einen breiteren Waldweg und eine Tafel, an der man sich orientieren kann für den Zugang zum Steinbruch. Von hier sind es nochmal 5-10 Minuten Waldanstieg, bis wir in den halbkreisförmig angeordneten Steinbruch gelangen.

Der aufgelassene Steinbruch besteht aus 4 Wandstufen aus Quarzporphyr mit einer Höhe von ca. 8 m bis max. 25 m Höhe. Die Wandstufen sind in Sektoren unterteilt - laut Topos stehen hier über 200 eingerichtete Routen zur Auswahl. Als Kompromisslösung mit dem Naturschutz wurden in der sogenannten "Korridorlösung" dabei auch größere Bereiche für die Kletterei gesperrt. An der obersten Stufe herrscht außerdem Ausstiegsverbot - in anderen Bereichen kann, begrenzt auf wenige Routen, wo Ringe angebracht sind, Toprope eingehängt werden. Zum Durchstieg der 3 unteren Wandstufen sind für den Zugang zu einer der oberen Stufen jeweils kurze Klettersteige eingerichtet, die alleine ein wenig Publikum anlocken. Diese sind alpinähnlich gesichert - vielleicht für das Kletterpublikum hier einen Tick spärlicher als bei vergleichbarem Alpenterrain. Das man in den Klettersteigen aufpassen muss, beweist auch die Unfallstatistik, denn nicht an den Wänden, sondern hier passieren die meisten Unfälle, wie uns Ingmar später verrät.

Als wir am späten Vormittag im Steinbruch eintreffen, klettern wir zunächst den Steig hinauf zur 2. Stufe. Hier wollen wir links etwas alleine klettern, wo einige IVer und Ver-Routen zu finden sind, bevor wir um 14 Uhr mit Ingmar zu einem Theorie-Aufbaukurs verabredet sind. Unser Fels ist zwar schon belagert - allerdings hängen hier noch keine Seile. Wir fragen daher nach, ob wir einhängen können und siehe da, es ist Ingmar, der vormittags einen Grundkurs anführt und uns begrüßt. Er wolle sowieso gerade etwas einhängen für seine Gruppe, wir sollen ihm folgen und dann unser Seil miteinhängen - dann könnten wir ja überall mitklettern. Sehr gut! Mit Ingmar steigen wir den 2. Klettersteigabschnitt zur 3. Stufe hinauf. Er schaut etwas skeptisch, dass wir uns hier nicht sichern wollen, aber das ist wirklich nicht nötig, obwohl der 2. Abschnitt vertikal mit vgl. kleinen Trittbügeln und Leitern die Wand hinaufführt. Oben wandern wir hinüber zu unseren Routen.

Da der oberste - eigentlich fürs Toprope vorgesehene - Ring schon halb durchgescheuert ist vom vielen Abseilen, klettert Ingmar 1 Meter hinab auf einen Felsvorsprung und nutzt den letzten Bohrhaken dort. Per Bandschlingen und Karabiner werden die Seile eingehängt - auch unser neues gelbes Seil ! Während Ingmar sich direkt nach unten abseilt müssen wir mangels angelegten Gurten wieder den Klettersteig hinab.

Unser Seil hängt im Sektor G in der 2. Wandstufe links und dort für eine IV+ Route "Schöner Riß" (Nr. 78). Im 1. Anlauf haben Margit und ich hierin Schwierigkeiten, da die Route, deren obere Hälfte einen breiten Riß mit griffiger Kante nutzt, eine Klettertechnik erfordert, die wir beide noch nie angewandt haben, das Piazzen bei dem man beide Hände am Riß und mit den Füßen in den Riß gestemmt den Körper seitwärts belastet und dann mit den Händen und Füßen in kleinen Schrittchen hochwandert. Der erste Einstieg in diese Technik, d.h. das Einhängen mit Gewichtsverlagerung zur Seite, kostet etwas Überwindung in der Wand. Es klappt aber ganz gut und wir wiederholen die Route beide noch 2 Mal, da die anderen Seile auch alle noch besetzt sind.

Die Kursteilnehmer beißen sich - mit einer Ausnahme - indes an der ganz links angebrachten Route "Aristokratenweg" (IV+ / Nr. 81) die Zähne aus, während rechts von uns ein einfacheres Wandstück III ("Normalweg / Nr. 76) bis IV ("Sahneschnittchen" / Nr. 77) Erfoglserlebnisse verspricht. Bevor es mit Theorie losgeht, haben Margit und ich noch die Möglichkeit den Aristokratenweg zu klettern, der im Mittelteil recht griffarm ist und daher etwas Gekraxel und stückweises Hochzerren erfordert. Sowohl Margit als auch mir gelingt hier aber der Durchstieg beim 1. Versuch. Zwischenzeitlich habe ich die Route 79 "Priesterparty" (V+) versucht, muss aber im Mittelteil aussteigen.

Es folgt der Theorie-Teil zum Vorstieg, Routenauf/-abbau und Sicherungs-Geräten (Klemmkeile, Friends) mit Demonstration zum Anbringen. Ingmar macht seine Sache gut. Da die Sicherungsverhältnisse in den Wänden für den Vorstieg aber nicht so optimal sind, lassen wir die Vorstiegspraxis sein, Ingmar empfiehlt uns dies in der Halle zu üben. Stattdessen üben wir den Routenabbau, d.h. Einsammeln einer oben im Ring angebrachten Bandschlinge mit Karabiner, indem man mit entsprechender Standplatzsicherung das Seil umhängen muss in den fest angebrachten Ring/Haken und mit den Schlingen/Karabinern absteigt. Jeder Teilnehmer muss diese Übung unter Aufsicht von Ingmar einmal durchführen.

Parallel ergibt sich dabei natürlich Zeit fürs Klettern, für die uns Ingmar per Vorstieg eine weitere Route angebracht hat, den "Ketscher Weg" (Nr. 80) eine V+. Die Hauptschwierigkeit liegt hierbei in der unteren Wandhälfte bei einer abdrängenden Felspassage, in der sehr kleine Risse und stark abfallende Felsrippchen für mäßige Griffe und Tritte zu nutzen sind. Mir reicht in 2 Versuchen jeweils nicht die Kraft (oder Technik?) hierfür aus - gerade der abdrängende Fels kostet mich schnell zu viel Kraft, so dass ich mehrmals loslassen muss und schließlich aufgebe. Margit schafft die Route hingegen im zweiten oder dritten Versuch - Gratulation!

Wir führen schließlich noch unsere Umbauübung aus, als wir an der Reihe sind - hierbei durchsteige ich dann noch die Route Sahneschnittchen (IV), die sich nach dem schwierigeren Versuch vorher als sehr angenehm erweist. Dann neigt sich der Kletternachmittag auch schon wieder dem Ende zu. Wir sammeln die Gerätschaften ein und klettern nochmals vorsichtig die 1. Wandstufe am Drahtseil hinab - hier ist nur ein Alutritt in der Wand. Es folgt der Waldweg und Fußmarsch zum Auto zurück.

Es war ein gelungenes Wochenende und für Margit ein schönes Geburtstagsgeschenk, von dem ich natürlich mitprofitieren konnte :-)


Tourengänger: ju_wi

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