Szombathely - interessanter Bahnhof, aber sonst...?


Publiziert von ABoehlen Pro , 14. Oktober 2009 um 20:12.

Region: Welt » Ungarn » Nyugat-Dunántúl (Westtransdanubien)
Tour Datum:27 September 2009
Wandern Schwierigkeit: T1 - Wandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: H 
Strecke:kreuz und quer durch Szombathely
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit der GySEV/Raaberbahn oder MÁV nach Szombathely
Unterkunftmöglichkeiten:diverse Hotels in der Stadt
Kartennummer:Stadtplan im Reiseführer Westungarn (Michael Müller Verlag)

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Als "sympathische Universitäts- und Einkaufsstadt mit viel Grün" wird Szombathely (Steinamanger) im Reiseführer Westungarn des Michael Müller Verlages angepriesen. Grund genug für uns, dort hinzufahren, zumal nach 2 Wandertagen ein Ruhetag fällig wird. Die Verbindung von Szentgotthárd wird durch die Raaberbahn sichergestellt (ungarisch GySEV - Győr-Sopron-Ebenfurti Vasút), aber leider ist diese Strecke den ganzen Herbst 2009 wegen umfangreichen Gleiserneuerungen gesperrt. Als Alternative stehen Busse zur Verfügung, die direkt ab dem Bahnhofplatz Szentgotthárd verkehren. Soweit so gut. Leider verlassen wir uns auf den vorgängig aus dem Internet ausgedruckten Fahrplan, in der Annahme, auch der Bus würde nach diesem verkehren. Diese Vermutung erweist sich leider als falsch, denn um 9.55 Uhr steht zwar ein Bus bereit, aber weit und breit kein Fahrer. Dafür einige aus dem gerade aus Graz angekommenen Zug ausgestiegene Reisende, die genauso ratlos in der Gegend herumstehen wie wir. Ein an der Eingangspforte des Bahnhofes angeschlagenes A4-Blatt schafft dann Klarheit, indem es die Abfahrtszeiten der Ersatzbusse auflistet, die von denen der regulären Züge recht stark differieren - wer lesen kann, ist klar im Vorteil!

Somit ziehen wir uns wieder auf unser Zimmer zurück und verbringen die Stunde bis zur Abfahrt mit Lesen und Ungarisch-Lernen. Um 11.00 Uhr klappt dann alles einwandfrei und eine abwechslungsreiche Fahrt nimmt ihren Anfang. Wie bei Bahnersatzkursen üblich, wird nur an den Bahnhöfen gehalten. Diese liegen im Raabtal allerdings teilweise "weitab vom Schuss", wodurch der eine oder andere interessante Abstecher von der Hauptstrasse möglich wird. Die diversen Bahnhofsgebäude, die wir dabei zu Gesicht bekommen, wirken allesamt ziemlich in die Jahre gekommen, aber zumindest äusserlich gepflegt und sauber. Schmierereien und Sprayereien, die bei uns so manches Bahnhofsareal "zieren", können wir nirgens entdecken.

In Körmend (191 m) verlassen wir das Raabtal, welches dort ohnehin endet, indem der Fluss in die pannonische Tiefebene hinausströmt, und fahren nordwärts weiter. Kilometerweit geht durch Maisfelder und Wälder und nur hin und wieder tauchen ein paar Häuser oder ein kleines Dorf auf. Hier gibt es Platz im Überfluss!

Nach über eineinhalb Stunden erreichen wir endlich die "Ausläufer" der 79'000 Einwohner zählenden Stadt Szombathely, wobei es bis zum Bahnhofsplatz immer noch eine Weile dauert. Mit dem Stadtplan in erwähntem Reiseführer im Gepäck, suchen wir uns einen Weg in die Stadtmitte. Diese wird im wesentlichen durch den Fő tér gebildet, was zutreffend "Hauptplatz" bedeutet. Er ist schön, wirkt aber wie ausgestorben. Eigentlich könnte dies eine Flaniermeile sein, aber offenbar herrscht gerade Siesta, jedenfalls können wir kaum Menschen ausmachen. Auch bei den paar Restaurants, die wir entdecken, stehen kaum Stühle im Freien, und besetzt sind sie ohnehin spärlich. Wir verlassen daher diesen Platz, um zu sehen, was die Stadt sonst noch zu bieten hat. Durch die recht stark befahrene Sörház utca gelangen wir zum Busterminal, und nach einigem hin und her landen wir schliesslich wieder auf dem Fő tér.

Nächster Versuch: Südwärts führt uns diesmal der Weg, über die Thököly Imre utca in den Brenner Park. Schön und recht ruhig, gerade richtig, um sich auf einer Bank an der Sonne eine kleine Pause zu genehmigen. Etwas später begeben wir uns zur nicht weit entfernt liegenden Kirche von St. Martin (Szt. Márton templom). Diese soll über dem Geburtshaus des Heiligen Martin erbaut worden sein. Tatsächlich wurde der später heilig gesprochene Martin um das Jahr 316 / 317 in Szombathely (damals Savaria oder Sabaria) geboren. Sein hauptsächliches Wirkungsgebiet war aber Frankreich, wo er 372 zum Bischof von Tours ernannt wurde. In dieser Stadt starb er später auch; im hohen Alter von ca. 81 Jahren im Jahre 397.

So haben wir doch noch eine Sehenswürdigkeit gefunden! Ansonsten ist das Fazit dieses Stadtrundganges eher ernüchternd. Vielleicht wäre es besser gewesen, nicht gerade an einem Sonntag hierherzufahren. Wie auch immer; wir beschliessen, weitere Erkundungen bleiben zu lassen und zum Bahnhof zurückzukehren. Vom Szt. Márton templom ist das nicht mehr weit. Der Weg führt uns durch die Vörösmarty M. utca, wo es ausser einigen schönen alten Ost-Autos auch nicht viel zu sehen gibt. Bis zur Abfahrt des Busses bleibt anschliessend noch viel Zeit, aber auf diesem Bahnhof läuft recht viel und die Zeit vergeht wie im Flug.

In Szombathely treffen sich 4 Bahnlinien, teils von der Staatsbahn MÁV (Magyar Államvasutak), teils von der eingangs bereits erwähnten Raaberbahn betrieben. Es lohnt sich, diese aussergewöhnliche Privatbahn etwas ausführlicher zu betrachten:
"Westungarn und Ostösterreich in Schwung bringen - das ist das Ziel der Raaberbahn". Dieser Satz ist der offiziellen Homepage https://www.gysev.hu zu entnehmen und so wie ich den Eindruck habe, ist die Bahn auf dem besten Weg, dieses Ziel zu erreichen. Die gegenwärtig laufende Erneuerung der 2001 übernommenen Strecke nach Szentgotthárd spricht ebenso dafür, wie die kontinuierliche Erweiterung des Fahrzeugsparks. Dass dabei nicht hochmoderne, mit viel Elektronik vollgestopfte Züge beschafft werden, sondern vielmehr konventionelles, jahrzehntelang bewährtes Rollmaterial, mag auf den ersten Blick überraschen, zahlt sich aber im täglichen Betrieb durch geringe Störungsanfälligkeit und niedrigen Unterhaltsaufwand garantiert aus. Die GySEV/Raaberbahn dürfte im übrigen eine der ältesten Privatbahnen überhaupt sein, da sie unter dem Namen "Raab-Ödenburg-Ebenfurter Eisenbahn" bereits am 1. Februar 1875 erstmals erwähnt wurde und somit schon über 130 Jahre alt ist. Auch die Trennung von Österreich und Ungarn durch den Eisernen Vorhang konnte diese Bahngesellschaft nicht zerstören. Der deutsche Name, bzw. dessen Abkürzung ROeEE wurde übrigens 2008 durch den einfacheren Namen "Raaberbahn" abgelöst.

Nach dem Lösen der Fahrkarte für die Rückfahrt, geht es am späteren Nachmittag mit dem Ersatzbus auf derselben Strecke wie am Mittag wieder nach Szentgotthárd zurück. Auch diese Fahrt durch die sonnendurchflutete weite Landschaft Westungarns geniessen wir in vollen Zügen. Trotz einer eher enttäuschenden Stadt war es ein lohnender Ausflug durch eine reizvolle Gegend.

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Tourengänger: ABoehlen, Stini

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