Pinut - Historischer Klettersteig am Flimserstein


Publiziert von AlpinHero , 6. Oktober 2009 um 19:45.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Surselva
Tour Datum: 4 Oktober 2009
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Klettersteig Schwierigkeit: WS-
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 5:00
Aufstieg: 900 m
Abstieg: 900 m
Strecke:Fidaz - Saledis - Klettersteig Pinut - Pardatsch - Tegia Sura (Pt 2'100) - Tegia Gronda - Bargis - Fidaz
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Flims - Fidaz. Parkplätze sind eher Mangelware; daher am besten mit dem Postauto anreisen (zumindest von Flims her); oder auf einem Parkplatz kurz ausserhalb von Flims (Richtung Fidaz) auf der linken Seite der Strasse parkieren (von da weg kann man über Scheia den Zustieg zu Klettersteig erreichen.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Von Bargis kann mit dem Postauto nach Fidaz oder Flims zurückgefahren werden.
Unterkunftmöglichkeiten:Hotel Fidazerhof in Fidaz (Gruss an Roland & seine Crew) Hotel Flims-Waldhaus in Flims (für diejenigen die es etwas opulenter lieben) Hotel Adula, Flims (Gutes 4-Sterne Haus)
Kartennummer:LK 1194 Flims / LK 1195 Reichenau

Abwechslungsreicher Familienausflug....oder wie meine Mutter zu Ihrem 1. Klettersteig gekommen ist.

Ende August 2008 haben meine Frau und ich den Klettersteig am Pinut zum ersten Mal absolviert und haben auf Anhieb Gefallen daran gefunden; wenn auch aus unterschiedlichen Beweggründen. :-)
Während Kathrin die Tiefblicke am sichernden Stahlseil und die vielen vertrauensbildenen Leitern und Stege geniesst; kann ich mich total für die Wurzeln dieses Steigleins begeistern; welches seinen Ursprung irgendwo im 18. Jh. hat. Bereits damals seien Wildheuer und Bauern über einen schmalen und steilen Steig von unten her zum Wildheuen auf Pinut gegangen; daraus resultierte schliesslich zu Beginn des 20. Jh. einer der ersten touristischen Klettersteige der Schweiz.  

Einige Hikr's haben den Steig bereits absolviert - empfehlenswert hierzu der informative Bericht von Alpin_Rise.

Als mein Bruder vor einigen Tagen eben diesen Klettersteig vorgeschlagen hat, mussten wir daher nicht lange überlegen - und auch meine Eltern waren ebenso rasch überzeugt, diesen Steig einmal auszuprobieren.
Komplettiert wurde unser Sextett durch Kathrin's Sohn Chris, welcher justament an diesem Wochenende wieder einmal ein freies Plätzchen in seiner dichtgedrängten Agenda gefunden hat.

So sind wir am Sonntag morgen aus unterschiedlichen Wohnorten nach Flims gepilgert, haben in einem der Flimser Sportgeschäft die fehlende Ausrüstung (Klettersteigset's) komplettiert und unsere muntere Truppe im Hotel Fidazerhof vereinigt. Nachdem wir uns Reihum mit den verschiedensten Getränken startklargemacht gemacht hatten (das eine morgendliche Ovi eine belebende Wirkung haben kann war mir bewusst - dass das aber auch mit Rotwein funktionieren soll war mir neu....) sind wir kurz nach 10Uhr losgezottelt und kurz vor der Talstation der Milchbahn auf den Zustieg zum Klettersteig eingeschwenkt.
Nach einer guten halben Stunde ist der Einstieg zum eigentlichen Klettersteig erreicht - wo wie üblich bereits einige Leute darauf warten, ebenfalls einsteigen zu können.
So bleibt uns genug Zeit allen Ihre Gurte und Helme anzulegen, einige Fotos zu schiessen und unseren Neulingen noch einige Verhaltensweisen mit auf den Weg zu geben.

Die "alten Hasen" unter uns starten anschliessend gleich flott über die Hühnerleiter zu Beginn, während Gertrud - flankiert von Sepp und Reinhard Ihre ersten Schritte auf einem Klettersteig unternimmt.
Nach den ersten Metern ist das mulmige Gefühl aber bereits überwunden - und meine Mama geniesst von da weg jeden Meter dieses Steigleins durch die Wände des Flimserstein's.
Nicht lange und Sie trägt sich bereits mit dem Gedanken sich ein eigenes Klettersteig-Set für weitere Abenteuer zuzulegen!
Während ich mich (wie bereits letztes Mal) mit weichen Knien über die Hühnerleiter zittere, welche hinter dem Meilerstein hindurchführt - jauchzt von vorne unsere Spitzengruppe (Chris & Kathrin) bereits aus der Höhle.
Ich kann mir nicht helfen, aber sobald ich keinen Felskontakt mehr habe und mich nur noch auf einer künstlichen Eisenkonstruktion bewege ist mir umgehend nicht mehr wohl; während andere genau diesen Abschnitt am meisten zu geniessen scheinen?!

Kurz darauf ist auch das hintere Ende unseres Tatzelwurms im Bereich der riesigen Höhle angelangt; wo immer noch Reste des alten Zustieges durch das Couloir zu sehen sind. Unter Einbezug der Gesteinsqualität im Bereich der Höhle und unter Berücksichtigung der Tatsache dass früher jeweils im Frühjahr riesige Eisbrocken aus dem Höhlendach auf den alten Zustieg gedonnert sind, war die Verlegung des Einstieges in die Wand östlich des Meilersteins, bei der Sanierung sicherlich die richtige Entscheidung.

Die Passage unter dem Höhlendach durch den kurzen Tunnel ist für mich eines der Highlight's dieser Tour; faszinierend die alten Toggenlöcher in der Felswand und die Vorstellung mit welchem Aufwand diese früher wohl in die Wand getrieben worden sind..??!!

Der Weg führt nun über eine Serpentine an den Fuss der nächsten Leiternkaskade - schade konnte hier der Originalweg welcher links weg um eine Felsnase herum führt nicht erhalten werden, aber so kommen wenigstens die Feuerwehrmänner und -frauen unter uns auf Ihre Kosten. :-)

Bereits ist das untere Ende von Pinut erreicht - und über ein lauschiges Weglein im Wald wird in wenigen Minuten der untere Rand der nächsten Felsen zum Pardatsch erreicht.

Bei unserer Trinkpause werde die Rucksäcke umverteilt - so kann ich mich von hier an dem Fotographieren widmen - ohne den hinderlichen Rucksack auf dem Rücken "isch's Feeling deför grad viel besser".

Vergnügt steigen wir die nächste Felsstufe über weitere Leitern hoch und geniessen die mit jedem Meter noch besser werdende Aussicht hinunter nach Flims und in die fernen Berge. Die Wegstellen zwischen den Leitern über die kleinen Felsbänder gefallen mir persönlich mit Abstand am besten; dank des Stahlseiles können diese auch genussvoll begangen werden; worauf wir gleich in eine lebhafte Diskussion darüber verfallen; wie sich eine Begehung OHNE alle diese Seile wohl anfühlen würde....? :-)
Derweil entschwindet unsere Klettersteig-Aspirantin bereits in der Ferne  - oder besser gesagt in der Höhe und wir müssen uns sputen sie wieder einzuholen.

Nun folgt eine weitere Passage durch ein Waldstück und eine Wiese (ca. 15min), bevor wir auch schon wieder unter der Schlusswand stehen - die Zeit und die Höhenmeter vergehen aufgrund der vielen Eindrücke wie im Flug. Jeder geniesst für sich die letzten Klettersteig-Meter (O-Ton Gertrud: "Wer hätte gedacht dass ich einmal zusammen mit meinen beiden Söhnen einen Klettersteig absolvieren würde") und kurz darauf dürfen wir einander zur erfolgreichen und unfallfreien Durchsteigung gratulieren.

Da die einen die absolvierten Höhenmeter nun doch ein wenig zu spüren begangen, sind wir in urgemütlichem Tempo noch bis zur Gipfelstation der Milchbahn gewandert, wo wir uns genüsslich an den Leckereien im Pinut-Kiosk gelabt haben. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Betreiber des tip-toppen Hüttli's und deren Vertrauen in die zahlreichen Besucher!

Nach der erholsamen Rast in der herrlichen Herbstsonne und zahlreichen Bekundungen "i bliibe do", mussten wir uns dann doch irgendwann vom Panorama und den gemütlichen Bänken verabschieden und auf dem alten Alpweg Richtung Bargis absteigen.
Dank der ausgiebigen Rast ging der Abstieg dann auch sehr flott voran - wenn auch der relativ steile Alpweg in die Knie gehen kann. Auch hier tritt unverholen meine Bewunderung für die Erbauer zu Tag - auf die Idee durch diese Felswand einen Weg zu erstellen muss man erst mal kommen. Beinahe kühn - wie sich das Trasse durch die eindrucksvolle Felswand zieht! Wenn man dann noch daran denkt dass dieser Weg alljährlich von den 176 Kühen zurückgelegt wird - Hut ab!

Nachdem sich in Bargis die Spitzentruppe mit dem Verfolgerfeld und dem Besenwagen wieder vereinigt hat nehmen wir das Schlussstück Richtung Fidaz unter die Schuhe. Chris ist äusserst schockiert, dass wir TROTZ des vorhandenen Postautos nach Fidaz zurück latschen wollen und er bekundet lautstark seinen Unmut als wir am abfahrbereiten Bus einfach vorbeitänzeln.... :-)
Dafür sehen wir ein ganzes Rudel Esel - mit unglaublich süssen Jungtieren....wobei ihn das glaube ich, nicht so richtig mit seinem Schicksal versöhnt hat *grins*

Sei's drum - dafür gab es am Abend ein grosses Cordon-Bleu mit Pommes aus der ausgezeichneten Küche des Fidazerhofes - spätestens da war die Welt wieder in Ordnung! :-)

Fazit: Ein lohender Ausflug auf historischen Spuren durch die beeindruckenden Wände des Flimserstein's, eine bemerkenswerte Klettersteigpremiere und ein munterer Familienausflug der für jeden Geschmack etwas beeinhaltet.

Die Schwierigkeit des Klettersteiges entspricht im übrigen ca. KS1-KS2




Tourengänger: AlpinHero, Wichtel

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