Tannheimer Höhenweg


Publiziert von steinziege , 5. Oktober 2009 um 19:28.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Allgäuer Alpen
Tour Datum: 3 Oktober 2009
Wandern Schwierigkeit: T4- - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Klettersteig Schwierigkeit: WS-
Wegpunkte:
Geo-Tags: D   A 
Zeitbedarf: 1 Tage
Aufstieg: 1215 m
Abstieg: 1215 m
Strecke:ca. 8 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit der Ausserfernbahn (ab Kempten) oder dem Auto nach Pfronten-Steinach zur Talstation (Bahnhof gegenüber) der Breitenbergbahn (fährt bis 17 Uhr), 2 Parkplätze (kostenlos).
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Je nach gewählter Abstiegsroute von Reutte oder Musau mit der Ausserfernbahn zurück nach Pfronten-Steinach (fährt alle 2 Stunden).
Unterkunftmöglichkeiten:Bad Kissinger Hütte (DAV), Tannheimer Hütte (DAV, früh reservieren, meist ausgebucht), Gimpelhaus(privat)
Kartennummer:Landesamt für Vermessung und Geoinformation Bayern, Füssen und Umgebung, 1:50000

Wir waren am Freitagabend mit Stirnlampe durchs Reichenbach- bzw. im oberen Bereich Plattenbachtal zur Bad Kissinger Hütte (1798m)  aufgestiegen (ca. 950 hm, ca. 2,5 h, für sportlichere Geher weniger). Hübscher Waldsteig, kaum Forstwegberührung. Die Hütte ist eher klein, keine Großgastronomie, mit für Hüttenverhältnisse zivilen Preisen. Leider war bei randvollem Haus eine sangesfrohe und trinkfreudige Gruppe Nordlichter sehr schnell vom Singen zum Grölen übergegangen - "Prosit der Gemütlichkeit", "Herrliche Berge" usw., sie ließen einfach gar nichts aus, gruselig. Nix war mit der besungenen Gemütlichkeit. 

Dafür entschädigte der nächste Morgen mit der allerschönsten Beleuchtung über den Lechtaler Alpen, später rosiger Dunst überm Allgäu mit Hochvogel und sämtlichen Trabanten. Eine Besteigung des Aggenstein (1986m) vor dem Frühstück (leichte, oben versicherte Schrofenkraxelei) ist zu empfehlen, man hat um die Zeit den Hügel für sich allein, eine Seltenheit in diesem Gebiet und hinsichtlich Stimmung und Beleuchtung schon etwas ganz Feines.

Der Tannheimer Höhenweg führt zunächst geruhsam hinunter in die langgestreckte Mulde der Sebenalp (ca. 1600m) und dann hübsch allmählich übers Füssener Jöchle (1818m, die ganz gemütlichen Wanderer haben hier Gelegenheit zum Einkehrschwung) auf den Schartschrofen (1968m) hinauf. Dabei kommt man an der Läuferspitze vorbei, deren Gipfel meist gut mit Kletterern bevölkert ist (Klettergarten).

Hier muss vermerkt werden, dass der Höhenweg landschaftlich ganz bezaubernd, aber an schönen Wochenenden bekanntlich schon fast dem Münchener Stachus vergleichbar ist, wozu die zahllosen Bergbahnen (eine entlädt ihre Fracht an besagtem Füssener Jöchl) das Ihre beitragen. Wie so oft gibt es aber etliche Gelegenheiten, der Karawane immer wieder auszubüxen.
Den Schwierigkeitsgrad T4- erreicht der Höhenweg nur am Friedberger Klettersteig und an ein-zwei Stellen am Gimpel-Ostgrat, alles andere ist eher einfach.

Von Schartschrofen hinunter in die Gelbe Scharte führt der spektakulär aussehende, jedoch als leicht eingestufte westliche Teil des Friedberger Klettersteigs (WS-) - Wanderer mit eher wenig Erfahrung in solchem Gelände sollten ihn mit Klettersteigausrüstung begehen, ein Helm ist bei der Nutzerfrequenz auf alle Fälle ratsam (alles Gute kommt von oben...).
Wer sich das nicht zutraut, kann den Schartschrofen nördlich umgehen und über ein Schotterfeld zur Gelben Scharte aufsteigen.

Der östliche Teil, der Aufstieg auf die Rote Flüh (2108m),  ist reine Genusskraxelei, Höhepunkt sind ein paar Meter ausgesetzter (versicherter!) Grat und einige Meter senkrechte Trittbügel, kaum noch als Klettersteig zu bezeichnen. Allerdings ist alles ziemlich abgespeckt. Die Aussicht ist - wie von allen Tannheimer Gipfeln - wunderschön, Ammergauer, Lechtaler, Allgäuer, Großvenediger und ganz im Westen im Hintergrund  ein Gletscherklotz, den mein Vetter, mit dem ich unterwegs war, hartnäckig als Mont Blanc bezeichnete. Von der Form her könnte es passen, obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass man den über die Distanz wirklich sehen kann... aber wer weiß.

Der Abstieg in die Judenscharte (1868m) ist steil, aber relativ harmlos. Frühbucher können jetzt zur allen Buschtrommeln zufolge urigen und gemütlichen Tannheimer Hütte hinüberwechseln oder sich wie wir nolens volens mit dem (privaten, riesengroßen und nicht ganz billigen) Gimpelhaus begnügen.

Da man aber bis dahin kaum den ganzen Tag verbraten hat, empfiehlt sich eine Besteigung des Gimpels (2173m) über den Normalweg (I+, markiert), der über den Ostgrat zum Gipfel führt. Spätnachmittags ist da nicht mehr viel los... wir jedenfalls hatten ihn für uns (trotz Samstag und Kaiserwetter!).

In dem Gebiet gibt es zahllose Gemsen, die die Wanderer gewöhnt sind - als wir vom Gimpel zur Hütte abstiegen, weidete ein ganzes Rudel nur wenige Meter vom Wanderweg entfernt und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.



Tourengänger: steinziege

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Kommentare (2)


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joa hat gesagt: Gletscherklotz
Gesendet am 5. Oktober 2009 um 20:21
Hi Steinziege,
sehr interessanter Bericht. Bin vor kurzem fast die gleiche Tour abgelaufen. Der angesprochene Gletscherklotz im Westen war aber sicherlich nicht der Mont Blanc, vermutlich eher der Tödi.

steinziege hat gesagt: RE:Gletscherklotz
Gesendet am 5. Oktober 2009 um 21:08
Tödi? Das leuchtet mir schon mehr ein... könnte sein.


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