Schneck - Südgipfel (2259 m) und Laufbacher Eck (2178 m)


Publiziert von ju_wi , 5. Oktober 2009 um 23:09.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Allgäuer Alpen
Tour Datum:27 September 2009
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: D 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1750 m
Abstieg: 1750 m
Strecke:20,2 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Bus Giebelhaus
Unterkunftmöglichkeiten:Privatzimmer Hinterstein
Kartennummer:BayLV Allgäuer Alpen

Schneck (2268 m) und Höfats (2258 m) sind für mich nicht nur geografisch der Mittelpunkt der Allgäuer Alpen sondern Allgäu-Urgesteine, die nicht nur vom Namen - auch überregional - etwas ganz Besonderes sind. Einen von beiden, die Schneck, wollten wir heute endlich besteigen und dabei den Anderen, die Höfats, aus der Nähe betrachten. Dieser Bericht - und vor allem die Fotos - sollen die unglaublich vielen verschiedenen Erscheinungsformen der Schneck präsentieren, die sich bei jeder Veränderung anders präsentiert, so dass man kaum glauben mag, dass es sich immer um den gleichen Berg handelt. Ich kann nur einladen, die diesmal besonders vielen angefügten Fotos unseres ersten Gipfelziels anzuschauen. Besonders bei den 2 Blickwinkeln auf die Längsperspektiven (von O und W) wird man mit ein wenig Phantasie den Namen "Schneck" in der Form des Berges wiedererkennen. Nicht nur weil wir noch etwas Kraftreserven hatten, sind wir für die W-Perspektive nochmal 400 Hm auf das Laufbacher Eck (2178 m) gestiegen.

Der 3. Tag von 4 Tagen Allgäu-Urlaub in Hinterstein. Auch am heutigen Sonntag starten wir wieder eine Bergtour vom Giebelhaus (1068 m) und fahren wie die beiden Vortage mit dem 8:15 Uhr Wanderbus die 10 km hinein ins Ostrachtal. Statt ins Obertal wie am Vortag folgen wir diesmal dem Bärgündeletal. Öfter schon sind wir diesen Weg, der anfangs meist ein Teersträßchen (Bike & Hike geeignet) talaufwärts nutzt, hinaufgewandert. Eine kleine Abkürzung der ersten Kehre steil im Wald hinauf kennen wir schon. Später lässt sich eine Wiese als Abkürzung nutzen und bald schon gelangen wir zur Abzweigung Richtung Prinz-Luitpold-Haus. Hier sind wir 2 Tage zuvor links abgebogen Richtung Fuchskarspitze. Wieder stehen einige Fahrräder hier; wir folgen jedoch heute weiter dem Sträßchen das Tal hinauf. Auch das kommende Wegstück an der Pointhütte vorbei, in Folge ungeteert - aber immer noch fahrbar - bis zur Stierbachquerung, dann endgültig auf steilem, rutschigem und später steinigem Pfad in reinem Bergwanderterrain bis auf den Querweg in 1600 m zwischen Luitpold-Haus und Laufbacher Eck, sind wir schon zuvor gegangen. Der Talabschluss des Bärgündeletals ist zauberhaft ursprünglich mit der massiven Mauer des breiten Wildenmassivs mit Großem Wilden, das links übergeht in Kreuzkopf und Hochvogel und nach vorne nochmals im Wiedemer Kopf ausläuft. Längst hatten wir umwerfende erste Blicke zur Schneck mit ihrer Ostwand, von hier ein dramatisch wirkender Berg.

Erstmalig biegen wir aber heute auf dem Querweg nach rechts ab und steigen in mal matschigem mal schrofigem Terrain einige Hm weiter an. Kurz später passiert eine Gruppe von über 30 Gemsen langsam und relativ sorglos unseren Weg. Sie räumen ein Plätzchen im Sonnenhang und begeben sich - wohl wegen der störenden Bergtouristen - in die schattigen Geröllflanken unter den Wilden. Kurz später biegen wir an einer Wegverzweigung rechts ab Richtung Himmelecksattel. Bald treten auch wir nun endlich in die wärmende Sonne, passieren eine wellige Stufe unterhalb der von hier riesig wirkenden Gamswanne unter dem Großen Wilden und steigen in vielen kurzen Serpentinenbögen den steilen Grashang zum Himmelecksattel (2004 m) hinauf. Die inzwischen zum Greifen nahe Schneck präsentiert sich nun ganz anders - und der Name wird zum ersten Mal widergespiegelt. Bis hierhin haben wir knapp 2:30 Stunden benötigt. (fast alles T2)

Die Aussicht vom Himmelecksattel ist das erste echte Highlight dieser Super-Tour im Allgäu. Direkt hinter dem 800 m tiefer liegenden oberen Oytal ragen die 4 Türme und Spitzen der Höfats auf. Weiter links sind die Wilden und Höllhörner, sowie die Rauheckgruppe im Visier. Nach rechts dann der ganz nahe Blick zum völlig unnahbar wirkenden Himmelhorn (2111 m), das aus einer in den Himmel ragenden Grasecke mit Felsabbruch besteht. Völlig harmlos sieht hingegen der nicht markierte oder beschilderte Schneck-Aufstieg von hier aus.

Tatsächlich sind die 30 Minuten, die es für die 250 Hm zum Schneck - Südgipfel (2259 m) braucht, auch kaum schwieriger als T3. Einer Pfadspur lässt sich gut folgen - der Berg ist trotz "Weglosigkeit" gut besucht. Die 150 Hm bis zu der Grasschulter des Himmeleck, einer kleinen Stufe, bleibt der Graspfad dabei sogar von der Steigung bequem. Von dieser Schulter ist auch ein erster guter Blick zum Hauptgipfel mit großem Kreuz möglich. Der weitere Anstieg neben einer Kante ist dann deutlich steiler und hier und da oben etwas schrofig. Aber der Südgipfel ist schnell erreicht. Er ist schon schmal und leicht ausgesetzt, da es nach N sehr senkrecht abbricht. Die Atmosphäre ist toll und vom kleinen Kreuz sieht man vorbei am Hauptgipfel auf Rotkopf, Laufbacher Eck und Giebelgrat.

Nun wollen wir aber den Hauptgipfel mit seinem berüchtigten messerscharfen Grat in Augenschein nehmen. Aus dem Aufsteig wähnten wir immer noch, es sehe doch gar nicht so schlimm aus. Von hier ist nun erkennbar, dass es sich eben nicht nur - wie ich erwartet hatte - um einen horizontalen, extrem schmalen
Gratübergang handelt, sondern dass eben dieser außerdem noch 2 steile, plattig aussehende Felsstufen zu überklettern hat, die nicht so einladend in dieser ausgesetzten Szenerie wirken. In Richtung Hauptgipfel würde ja vielleicht noch gehen, aber da dieser eine Sackgasse mit senkrecht abfallenden Wänden ist, müssen wir auch wieder abklettern. Es sind noch 3 Allgäu-Locals mit uns oben - 2 davon von der  Bergwacht. Sie berichten, dass die heikelste Stelle im Übergang gar nicht mal die Felsstufen seien, sondern ein extrem schmaler (angeblich nur wenige cm) Felsübergang, den viele auf dem Hosenboden überrutschen. Der dritte Begleiter war schon 2 mal hier oben ohne Hauptgipfel, hat es heute aber in Begleitung der Beiden geschafft. Wir überlegen lange und gehen auch mal vorsichtig hinab auf den schmalen horizontalen Grat und bis zur ersten Felsstufe - Margit will schon hinübergehen, doch ich denke, dass wir noch nicht das Niveau haben, um die Passage sicher und risikoarm zu meistern. Außerdem komme ich jederzeit gerne - und mit mehr Erfahrung - nochmal auf diesen Traumberg. Also Abstieg zum Himmelecksattel - wir begnügen uns wie die Meisten mit dem Südgipfel.

Von hier gehen wir kurz auf der Aufstiegsroute zurück, passieren nun aber die Grasserpentinen links und wenden uns Richtung Laufbacher Eck. Dennoch geht es (blau-weiß markiert aber nie und nimmer über T3) in einer Hangquerung stetig bergab und mehr als 200 Hm tiefer durch ein Karstfeld, hinter dem wir wieder auf den Querweg vom Luitpold-Haus stoßen. Es ist noch früh, der Tag noch jung und daher wollen wir noch wo rauf. Ach ja, fast hätte ich vergessen (s. auch Fotos), dass von hier unten die Schneck wie ein Haifischzahn dunkel in den Himmel ragt - wieder ein völlig anderes Bild!

Wir wenden uns links zum sehr beliebten Laufbacher Eck (Spritztour von der Nebelhorn-Bahn und tausende Male im Jahr besucht), wo WIR merkwürdigerweise - gibt es einen Zusammenhang ? - noch nie vorher waren. Überraschend steil und mühsam ist jedoch der Anstieg von der Wegverzweigung auf 1780 m bis zum 400 m höheren Gipfel. Zunächst in einer Geröllquerung, dann wieder durch Karst steigen wir auf. Im feingliedrigen Karstfeld hat ein Künstler eine Himmelspforte als Exposée verankert, die man durchschreiten kann - Geschmacksache, die unseren nicht trifft. Die letzten 200 Hm werden in einem steilen Hang in Serpentinen und Treppen zurückgelegt. Fast schon zu steil für Seilbahntouris, aber die drehen meist von der anderen Seite beim Laufbacher Eck um.

Schließlich erreichen wir den knapp 2150 m hohen Pass zwischen Rotkopf (2190 m) und Laufbacher Eck (2178 m), von dem wir letzteren rasch im Grashang ersteigen. Wenn das Laufbacher Eck auch ein unspektakulärer kleiner Grasgipfel ist, so macht ihn die Aussicht nach S zur Schneck, die von hier aus der W-Perspektive besonders interessant an ein schräg liegendes Weichtier erinnert, sowie nach N über den gesamten, langen, scharfen Gras- und Felsgrat über Salober, Berggächtle bis zum Giebel doch zu einem sehr lohnenswerten Aussichtsziel. Auch der schmale gewundene Rotkopf (2190 m), den man von hier (geschätztes T4+ mit I-er Kletterstellen) wohl weglos recht gut besteigen kann, sieht interessant aus. Auch ein Ziel für ein anderes Mal, denn für heute ist es genug.

Noch erwähnt werden sollte die letzte spektakuläre Schneck-Perspektive, die wir beim Abstieg Richtung Bärgündeletal haben, wenn man genau auf die Längsachse der Schneck schaut. Von hier wirkt der Hauptgipfel, der den Rest des Bergs verdeckt, wie ein hoher kreisrunder und schiefer Turm - bestehend aus hellen, wohl griffigen Aptychenkalken.

Fazit: Es ist für mich eine der Königsrouten im Allgäu, die man als Allgäu-Liebhaber unbedingt gemacht haben sollte und die einem die prominentesten und eigentümlichsten Allgäu-Berge hier nahe bringt. Jede Minute war zum Genießen.

Tourengänger: ju_wi

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Geodaten
 1303.gpx Schneck - Laufbacher Eck

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Kommentare (2)


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Berglurch hat gesagt: Tolle Tour!
Gesendet am 6. Oktober 2009 um 18:27
Auf tolle Gipfel!
Gratuliere!

Erdinger hat gesagt: Geniale Tour
Gesendet am 9. März 2014 um 18:13
Kompliment zu einer grandiosen Tour. Ich kann gut verstehen, dass ihr vor dem Hauptgipfel umgekehrt seid.
Beste Grüße


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