Ein ruhiger Anstieg auf den Säntis


Publiziert von Leopold , 1. Oktober 2009 um 06:18.

Region: Welt » Schweiz » Appenzell
Tour Datum:27 September 2009
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SG   Alpstein   CH-AI   CH-AR 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 200 m
Strecke:Schwägalp Passhöhe - Oberhofeld - Lauchwis - Stoss Sattel - Tierwies - Girensattel - Säntis
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem Auto auf die Passhöhe der Schwägalp.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Mit der Schwebebahn vom Säntis zur Talstation.
Kartennummer:WK 1:50000 Appenzeller Land

Nachdem ich etliche niedrigere Berge zu Füssen
seiner Majestät erwandert hatte, wollte ich auch einmal auf den Säntis
gehen. Immerhin war ich im April schon mit der Schwebebahn
oben. Ein zweiter Versuch Anfang Juni scheiterte noch an zuviel
Schnee. Die Frage war, wo soll ich hinauf? Ein rassiges T4 über
die Nasenlöcherroute, oder den kürzesten Anstieg von
der Schwägalp über die Tierwies? Ist es besser von Wasserauen oder
von Wildhaus zu starten? Zudem ist der Säntis gerade an einem Sonntag
ein Berg, der viele Ausflügler und Wanderer auf seinen Gipfel lockt.
Eine Strecke, bei der man erst im letzten Stück in die Massen komme, ist besser.
Schliesslich entscheide ich mich dafür, auf der Schwägalp zu beginnen und
in einer grossen Schleife über die Lauchwis und die Tierwies hinauf
zu gehen. Von der Passhöhe folgt man einer Strasse zuerst Richtung Südwesten
zu Dreckloch, Dunkelboden und Bumoos, bis zu den Hütten von
Oberhofeld. Alles sehr schön, bald über Wiesen und durch den Wald.
Bei meinem Abstieg vom Ofenloch im August, konnte ich einen
Bergwanderweg in der Flanke des Lütispitzes sehen, aber mir war
der genaue Verlauf nicht klar. Das will ich mir heute anschauen!
Ab Oberhofeld geht es wieder links in Richtung Passhöhe zurück, rechts
oberhalb liegen Stöllen und Schwarzchopf. Erst knapp
vor der Lauchwis führt es über einen steileren Grashang spürbar nach
oben. Zwischen Oberhofeld und der Lauchwis liegt ein militärisches
Übungsgebiet. Immer wieder finden sich kleinere oder grössere
Metallsplitter auf dem Weg, manchmal auch einzelne Blindgänger.
Es ist wichtig, hier nicht ins Gelände abzuweichen, denn was in den
Wiesen unter hohem Gras liegt, sieht man nicht ...
Bis zur Lauchwis bin ich völlig allein, niemand sonst kommt von
Oberhofeld herauf. Bei der Hütte lege ich eine kurze Pause ein.
Gamschopf und Schwarzchopf schauen herunter. Aus der Perspektive
der Hütte gesehen denke ich mir, dass, wenn man den
Gratanstieg zum Gamschopf schafft, man über sehr steiles
Grasgelände weiter steigend eventuell zum Gipfel kommt. T5, T6?
Für mich liegt das definitiv ausserhalb meiner Möglichkeiten,
doch habe ich (beim Schreiben dieses Berichtes) gesehen, dass
sich schon andere hiker, etwa Delta und 360 am Gamschopf versucht haben.
Der Gamschopf ist der T6er Liga vorbehalten, mein Weg geht weiter zum Stosssattel
hinauf. Dieser Teil ist ähnlich dem Schlussanstieg auf den
Lütispitz. Oben sehe ich zum ersten Mal das Ziel des Tages. Schaut
noch ziemlich weit weg aus! Dazu kommt, dass es nun
wieder bergab geht, danach unter der Südwand der Silberplatten entlang.
Noch immer keine Leute! Gerade einmal drei Wanderer überholen mich am
Stosssattel, in der Südwand der Silberplatten sind zwei Kletterer,
und auf dem Gipfel kann ich ein paar Leute erkennen. Die Silberplatten liegen in
Reichweite. Machbar sind sie, ist mein Eindruck. Den Bericht von Ivo66
habe ich im Hinterkopf. Allerdings ist es bereits früher Nachmittag.
Ich beschliesse, mir diesen Berg für das nächste Mal aufzuheben.
Weiter geht’s zur Tierwies. Die erste wirklich längere Pause des heutigen
Tages. Wie vermutet, geht der Trubel nun richtig los. Bis zum Girensattel
problemlos, aber meine Befürchtung, dass sich auf der Himmelsleiter
ein Stau bilden wird, bewahrheitet sich leider. Ich warte ein paar Minuten,
und als einmal kurz niemand herunterkommt, steige ich den Schlussanstieg in einem
Zug durch. Dann hinein in den Tunnel, zweimal um die Ecke, durch eine
Tür, ein paar Stufen hinauf, und „Herzlich willkommen im Ausflugsparadies
Bergstation Säntisbahn“. Auf dem Gipfel ist die Sicht nebelverhangen.
Ab und zu sind einzelne Tiefblicke möglich, aber erst beim Hinunterfahren,
kurz vor der Talstation, lässt der Nebel nach.
Ruhig und entspannt wandere ich das letzte Stück bis zum Parkplatz, raste
auf einer Bank und schmiede Pläne für weitere Alpsteintouren.
Es ist einfach schön hier!

Tourengänger: Leopold

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentare (3)


Kommentar hinzufügen

Seeger Pro hat gesagt: Die Majestät auf dem Säntis
Gesendet am 1. Oktober 2009 um 07:24
Ciao Leopold
Dein Bericht ist fantastisch. Gelebt, Emotionen in Worte gefasst. Gratuliere Seiner Majestät!
Tanti saluti
Andreas

sportli hat gesagt: RE:Die Majestät auf dem Säntis
Gesendet am 1. Oktober 2009 um 21:22
Dies und viel mehr im Film "Schönheiten des Alpsteins": http://www.moviebizfilms.com/shop.html

Leopold hat gesagt: RE:Die Majestät auf dem Säntis
Gesendet am 3. November 2009 um 08:14
Ciao Andreas,
vielen Dank für Deinen Kommentar! Es ist wirklich schön dort oben! In der Zwischenzeit habe ich zwei weitere Touren im Alpstein gemacht - Berichte folgen. Liebe Grüsse, Leopold


Kommentar hinzufügen»