Von Munggaloch zu Munggaloch


Publiziert von TomClancy , 21. September 2009 um 23:44.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Bellinzonese
Tour Datum:20 September 2009
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   Gruppo Pizzo Centrale   CH-UR   Gruppo Pizzo Lucendro 
Zeitbedarf: 6:30
Aufstieg: 887 m
Abstieg: 887 m
Strecke:Gotthard Hospiz - Pt. 2144 - Grasso di mezzo, Pt. 2166Ovi di Scimfuss - Pizzo Canariscio - Posmeda - Passo Posmeda - Giübin - Passo Posmeda - Pt. 2522 - Ovi della Sella - Staumauer Lago della Sella - Gotthard Hospiz
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem PW zum Gotthard Hospiz

Thomas B. hat für heute wechselhaftes Wetter mit Schauern vorausgesagt und so bin ich positiv überrascht, als mich nach dem Seelisbergtunnel im Reusstal die Sonne empfängt. Der älteste Urner tut also seine Pflicht und sorgt für gute Wanderbedingungen. Gestern Abend habe ich nach einer Wanderung im Gotthardgebiet gesucht und bin fündig geworden: Giübin heisst das Ziel!

 

Während ich so hinter einem holländischen Wohnmobil die Passstrasse hochtuckere, kommen mir verschiedene Gotthardgeschichten in den Sinn. Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, als ich mit meinen Grosseltern nach Brione/Verzasca ins Ferienhaus durfte. Die Reise war jeweils eine Tagesaktion. Von Luzern ging es via Axenstrasse das Urnerland hoch, dann über den Gotthardpass und die Tremola hinunter nach Bellinzona. Dort wurde dann das Mittagessen eingenommen, bevor es auf abenteuerlichen Wegen ins Verzascatal ging. Zehn Jahre später durften wir dann für den Weg in die Rekrutenschule bereits die Autobahn und die neu eröffneten Tunnels durch den Seelisberg und den Gotthard geniessen. So mögen es wohl 35 Jahre her sein, seit dem ich das letzte Mal auf dem Gotthard war.

 

Ich parkiere das Auto inmitten von Heerscharen von Touristen. Auf der asphaltierten Militärstrasse gelange ich leicht bis unter den Damm des Lago della Sella. Ich folge der Strasse Richtung und verlasse diese bei Pt. SWISSTOPO verzeichnet hier einen rot-weiss-roten Weg, der aber in Wirklichkeit bis zum Passo Posmeida nicht markiert und gelegentlich nur als Wegspur vorhanden ist. Bei guter Sicht ist das Finden des richtigen Wegs aber keine Kunst. Schon bald stosse ich auf die erste Munggenkolonie. Der Wächter ist aber auf der Hut, ein Pfiff und schwupps ist die ganze Bande in den Löchern verschwunden. Kein Problem, es gibt auf der ganzen Tour noch viele Gelegenheiten, den putzigen Kerlchen beim Futtern zuzuschauen.

 

Bald erreiche ich den Grat. Ab jetzt ist der Weg nicht mehr zu verfehlen. Mehr oder weniger nah am Grat geht es dem Pizzo Canariscio entgegen. Schon von weitem fällt ein hässliches Gebäude auf, es entpuppt sich aus der Nähe als Unterstand in IKEA-Leichtbauweise. Vom Pizzo Canariscio hat man einen guten Blick auf den Weg Richtung Posmeda und wenn man bei der Fernsehantenne auf die Zehenspitzen steht, kann man sogar bereits einen Blick auf den Giübin erhaschen.

 

Den Gipfel des Posmedas muss ich mir suchen. Der Weg dorthin führt durch ausgedehnte Geröllfelder und ist noch immer nicht markiert. Die Aussicht ist auch hier phänomenal. Die Einsamkeit wird nur gelegentlich durch das anheimelnde Rattern eines Zuges unterbrochen, das man aus Richtung Airolo hört.

 

Ich steige einige Meter zum Passo Posmeda ab und entdecke nun die ersten rot-weiss-roten Markierungen. Ab jetzt ist auch der Weg immer gut erkennbar. Der Schlusspurt auf den Giübin ist schnell absolviert. Oben angekommen bin ich einmal mehr überwältigt vom Ausblick. Da das Wetter nun aber umzuschlagen droht, mache ich nicht allzu lange Rast. Auf dem gleichen Weg steige ich wieder bis zum Passo Posmeda ab und nehme dort den Weg zum Lago della Sella. Ich folge dem Weg auf der linken Seeseite. Immer einige Meter über der Seeoberfläche wandernd, kann ich das Springen der Fische im See gut beobachten. Ob man hier fischen kann?

 

Über die Staumauer geht es zurück auf die Militär-Strasse und der Kreis schliesst sich. Unterhalb der Staumauer befinden sich wieder Munggenkolonien. Diese Tiere sind möglicherweise besser an Menschen gewöhnt. Auf jeden Fall überrasche ich zwei Murmeltiere auf der falschen Strassenseite. Ei, nun geht ein Jagen los! Während sich das eine Munggi in einer Regenrinne „versteckt“, hoppelt das andere in unvergleichlicher Eleganz der Strasse entlang und rettet sich mit einem kühnen Sprung in den Graben.

 

Bald siegt jedoch die Neugier, die Flucht wird gestoppt und ich kann nun noch eine Viertelstunde das Schauspiel geniessen, dass die Murmeltiere beim Fressen bieten. Mich erinnern sie immer an unsere Meerschweinchen. Die konnten auch den ganzen Tag fressen!

 

Auf den letzten Metern bis zum Hospiz gelten meine Gedanken all den Soldatinnen und Soldaten, die hier in den letzten Jahrzehnten x-tausende von Diensttagen geleistet haben. Überall sind mehr oder weniger diskret Spuren der geleisteten Anstrengungen zu sehen. Glücklicherweise mussten sich die Befestigungen nie im Ernstfall bewähren!

 

Der Kontrast von der einsamen Tour zum Rummel auf dem Gotthard ist gross. Mit dem Auto kehre ich ins Unterland zurück. In der Schöllenenschlucht stehen drei Urner Polizisten und bewachen das Suworow-Denkmal wegen dem in zwei Tagen bevorstehenden Besuch des russischen Präsidenten Medwedew.

 

 


Tourengänger: TomClancy

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Kommentare (2)


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Fenek hat gesagt: Munggä....
Gesendet am 22. September 2009 um 08:37
schöner Bericht und ein Auge für die Kleinen Dinge, das freut mich!

Ich vergesse nie das Erlebnis mit den Munggen während eines Kurses. Wir hatten die Rucksäcke deponiert und sassen etwa 5-6Meter abseits um zu diskutieren. Da näherten sich zwei Munggä und schnupperten an unseren Rucksäcken, schliesslich frassen sie fast vor unseren Füssen ohne sich an uns zu stören.
Jetzt kurz vor dem Winter sind sie so kugelrund dass sie kaum noch rennen können, jedesmal ein herrlicher Moment ihnen zuzuschauen.

TomClancy hat gesagt: Danke für's motivierende Feedback!
Gesendet am 22. September 2009 um 21:13
Hoi Fenek,

da ich eher Genusswanderer als Gipfelstürmer bin, ist für mich vorallem der Weg das Ziel und so verbringe ich relativ viel Zeit damit, den Fotoapparat hervorzukramen und wieder zu verstauen. Die Munggen haben mich auf jedenfall bestens unterhalten!


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