Am Gletscherschwund gescheitert: Nordgipfel Dents de Bertol (3547m) NW-Grat


Publiziert von Alpin_Rise Pro , 14. September 2009 um 23:41.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Mittelwallis
Tour Datum:13 September 2009
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Aufstieg: 500 m
Abstieg: 1800 m
Unterkunftmöglichkeiten:Cabane de Bertol

Rund um die Cabane de Bertol ragen Granitdome aus den Gletscherflächen, den bekanntesten, die Aiguille de la Tsa haben wir am Vortag bestiegen. Leider ist das Wetter nicht mehr perfekt - frühmorgens ist die Hütte eingenebelt und auch tagsüber will sich der Wolkenschleier nie richtig verziehen...
Eine kleine Tour in Hüttennähe solls darum werden - wir versuchen einige ehemals einfache Routen, welche aber alle seit dem starken  Gletscherrückgang anspruchsvoll bis unmöglich geworden sind - schlussendlich drehen wir auch am NW-Grat der Dents de Bertol N kurz vor dem Gipfel um.

Zweimal klar, einmal knapp gescheitert: dem Klimawandel auf der Spur

Den Sonnenaufgang wollen wir auf dem "Clocher" (=Kirchturm) gennanten Zahn unmittelbar hinter der Hütte beobachten. Leider spielt das Wetter nicht ganz mit, trotzdem ist die Kletterei im II. und III. Grad anregend. Es führen mehrere Routen hinauf, die leichteste folgt dem Verschneidungssystem links, rechts davon 3 weitere im IV, V. und evtl. VI. Grad. Mit einem 50m Einfachseil muss zweimal abgeseilt werden. Komplett eingerichtet.

Nächster Plan ist die Pointe de Bertol. Nach einer guten Stunde in der gemütlichen Hüttenstube reissts endlich etwas auf und wir versuchen den S-Grat der Pointe de Bertol. Laut SAC Führer Walliser Alpen 3 steigt man unmittelbar nörlich der Hütte von Osten auf den Grat - dies war vielleicht mal leicht, der Gletscher schwindet und es kommt immer mehr weissliches, brüchiges Gestein zum Vorschein. Es wäre sicher möglich, im 3. oder 4. Grad zum Einstieg zu kommen, angenehm ists aber nicht.

Alternativ wollen wir den Übergang zum Haut Glacier d'Arolla westlich der Crêt du Plan versuchen. Auch hier das gleiche Bild am Einstieg, brüchig, sandig, unangenehm. Selbst die Normalroute auf die Crête du Plan vom Col de Bertol ist ziemlich unangenehm und sicher kein "L" wie im Führer angegeben. Auch ein Versuch am Ostgrat scheitert im "Geschirrladen"...

Wir beschliessen noch die Überschreitung der Dents de Bertol N anzuschauen, evtl. den Abstieg über den Namenlosen Gletscher südlich davon zu probieren. Über den Gletscher problemlos zum Beginn des NW-Grat, auf diesem mit einigen kurzen IIer Kletterstellen zum Vorgipfel P. 3510 (T5). Der Übergang zum Hauptgipfel ist zuerst leicht, vor dem Aufschwung müssen wir erkennen, dass die vorgeschlagene Umgehung in der Ostflanke sehr heikel-brüchig (Permafrost?!) ist und die Erkletterung nicht ganz trivial. Bedeutet das "PD" in Maurice Brand's Führer nicht etwa "peu difficile" sondern "peut-être difficile"?!
Wegen der Fortgeschrittenen Zeit kehren wir um und steigen übers Col de Bertol und den Hüttenweg der Cabane de Bertol nach Arolla ab.

Dank an meinen Seilpartner CJ für die zwei genialen Tage im hintersten Val d'Arolla!

Randnotiz: Der Abstieg von den Dents de Bertol Richtung Haut Glacier d'Arolla ist bei Ausaperung praktisch nicht mehr begehbar, ein steiler, zerschundener Gletscherrest reicht noch etwa bis 3200m hinunter. Auch der Übergang vom Sattel zwischen den Dents de Bertol zum Glacier du Mont Miné dürfte nicht mehr ganz trivial sein. Beide Routen sind im Frühling/Frühsommer wahrscheinlich problemlos.

Tourengänger: Alpin_Rise

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