Auf den vergessenen Felsgraten der Schrattenflue – Tällen, Strick N-Grat, Hächlenzänd


Publiziert von Delta Pro , 9. September 2009 um 20:58.

Region: Welt » Schweiz » Luzern
Tour Datum: 6 September 2009
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Schrattenflue-Gruppe   CH-LU 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1130 m

Eine wunderschöne Kraxeltour auf steilen und längst in Vergessenheit geratenen Graten mit einem kurzen Abstecher in die Kreuzberge Luzerns
 
Der erste Herbst-Wandertag! Wer Wanderschuhe besitzt, benutzt diese bei solch klarem, sonnigem Wetter mit grosser Wahrscheinlichkeit. Die Motivation sich daher einen vergessenen, spannenden Wandergipfel zu suchen ist besonders hoch – und wir fanden sie, die wilden, einst vielleicht noch populären Routen. Nirgends sonst als an der wohlbekannten und –besuchten Schrattenflue ob Sörenberg.
 
Die hier beschriebene Tour kombiniert mehrere, jeweils relativ kurze Felsgrate und Kletterrouten zu einer lohnenden Kraxel-Runde, die Gipfel und Aufstiege streift, die selbst auf Hikr noch keine Beschreibung erfahren haben. Die Schwierigkeiten liegen, bis auf die Hächlenzänd, stärker im Alpinwanderbereich, als im alpinen Klettern, sind doch sämtliche steilen Stellen nur einige Meter lang und können, allerdings nur vom geübten und mutigen, Berggänger im Alleingang geschafft werden.
 
Tällen SW-Grat (T6, III, ZS)
Die Tällen stellen den nördlichsten Eckpfeiler der Schrattenflue dar und werden wohl selten begangen. Auf dem niedrigeren E-Gipfel befindet sich ein Gipfelkreuz (über Karrenfelder wohl leicht erreichbar), den Westgipfel (Hauptgipfel) krönt nicht einmal ein Steinmann. Der Übergang zwischen den Gipfeln erfordert scheinbar Kletterei bis IV+. Unsere Route über den SW-Grat ist ein Kleinod des Graskletterns. Die Adjektive im Führer – selten begangen, grasig, brüchig, ausgesetzt (alle zutreffend) – sprachen für sich und hoben den Gipfel sofort als Wunschziel heraus.
Von Flühli auf einem Alpsträsschen (bis vor Wilegg befahrbar, parkieren etwas unterhalb des Hofes) an den Ausgangspunkt und auf einem vergandenden Bergweg zur Alp Toregg und Tor. Von dort weist ein Wegweiser den Weide-Rücken hinauf, der von den Tällen herunterzieht. Erst im oberen Teil des steilen Kammes sind schwache Wegspuren und einige Markierungen erkennbar. Der Aufstieg ist anstrengend, aber direkt und führt zur Tällenlücke (T3).
Von hier anfangs einfach über den grasigen Grat zum ersten felsigen Aufschwung. Erstaunt entdeckt man Reste eines Klettersteiges (!), der zu einem ungemütlichen Wachtposten aus dem Krieg führt (5m). Anschliessend über zwei steile, grasige Aufschwünge mit schlechtem Fels auf den Vorgipfel (T6-). Der Abstieg von diesem in die Scharte (ca. 10m) ist heikel (steile, brüchige Felsen mit Graspolstern, II). Wir haben an einem verlockenden Felszacken abgeseilt. Dann durch Gras, einen Turm links umgehend auf den Grat. Der nächste Abschnitt ist ziemlich ausgesetzt (war hier mal die im Führer beschriebene Felsbrücke, oder haben wir sie verpasst?) und führt zur Schlüsselstelle, ein 4m hohes plattiges Wändchen. Ein rostiger Haken steckt und mit drei beherzten Zügen ist man oben (III). Querung der nächsten Scharte und leicht links der Kante durch steiles felsdurchsetztes Gras auf den Gipfel.
 
Tällen W-Gipfel, Abstieg durch die „Rinne“ (T6-)
Der alternative Abstieg vom Gipfel (der Führer behauptet, es gäbe keinen), war schnell gefunden. Er ermöglicht die Besteigung der Tällen auch, wenn man nicht klettern will.
Zurück gegen die letzte Scharte und kurz davor durch steiles gestuftes Gras nach Norden und links in die Rinne. Diese ist kurz felsig und eng, öffnet sich aber bald und ist gut begehbar. Auf einem Band quert man bequem zurück zum SW-Grat, den man unterhalb des ersten Aufschwungs erreicht.
 
Strick N-Grat (T5+, III-, ZS-)
Da es im Führer zu dieser Route ausser „guter Fels“ und „Weg selber suchen“ keine Infos gab, kam nur „versuchen“ in Frage, um etwas über den Strick N-Grat zu erfahren. Nun ja, wir waren ein bisschen enttäuscht, denn an eigentlicher Kletterei bietet die Route schon etwas wenig. Trotzdem ist der Aufstieg alternativ und abwechslungsreich. Und die Schlaghaken in der Schlüsselstelle gaben uns immerhin insofern recht, dass wir nicht die ersten waren, die dort geklettert waren.
Auf dem Wanderweg von der Tällenlücke an den Fuss des steilen Aufschwungs zum Strick und durch eine Grasflanke hinauf gegen die Felsen (T5). In leichter Kletterei durch einen Kamin (II) linkshaltend gegen den Grat, links des ersten Kopfes (diesen könnte man auch überschreiten). In wenigen Meter zur Schlüsselstelle, ein rund 15m hohes, griffiges Wändchen. Zuerst leicht rechts, dann links aufwärts um ein Eck und auf den Vorgipfel des Stricks (III-, 3 Schlaghaken auf kleinem Raum). Abstieg durch Gras zu einem gespaltenen Turm, durch den breiten Riss und dahinter über den Grat in gutem Fels abkletternd (II+) auf die Grasebene, die zum Strick-Hauptgipfel führt.
Der Weiterweg vom Strick zu den Hächlenzänd ist sehr lohnend, markierter Wanderweg (T4). Der Weg ist stellenweise recht luftig, eine Stelle ist mit neuen Ketten gesichert.
 
Hächlenzand I und II durchs Dräckloch (III, eine Stelle IV)
Die Hächlenzänd sind die Kreuzberge Luzerns. Ganz so majestätisch wie diese sind sie wohlgemerkt nicht, aber dennoch soll die Überschreitung eine sehr lohnende Klettertour sein, die gemäss Gipfelbuch erstaunlich selten unternommen wird. Wir entschlossen, uns für heute einmal einen ersten Einblick zu gönnen und bestiegen H I und H II über die Normalroute. Dafür braucht es vier Express (Bohrhaken) und ein 50m Seil zum Abseilen. Alles ist tiptop eingerichtet, weshalb der alpine Touch deutlich geringer als an den Gipfeln vorher ist.
Durchs Dräckloch, eine steile, bröselige Rinne mit erstaunlich soliden Griffen (III), zwischen H II und der „Sphinx“ in die Scharte (Stand). Dann den Bohrhaken entlang direkt aufwärts durch die Wand. Einfacher wäre der Aufstieg, wenn man in die moosige Nordflanke ausweicht. Dies lohnt sich aber nicht. Die Route bietet recht steile, aber schöne Kletterei an guten Griffen (III, eine Stelle IV). Abseilen in die Scharte
Der Aufstieg auf H I ist nur eine Formsache (15m im T5, eine Stelle II). Sichern ist hier kaum nötig. Abseilen durchs Dräckloch.
Abstieg auf einem markierten, aber ebenfalls selten begangenen Weg durch die N-Flanke des Stricks und über die Toregg zurück zum Ausgangspunkt.

Tourengänger: Delta, sglider

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