Dreifaltigkeit, mittlerer Turm


Publiziert von Urs , 9. September 2009 um 20:24.

Region: Welt » Schweiz » Appenzell
Tour Datum: 6 September 2009
Wandern Schwierigkeit: T6- - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: V (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-AI 
Zeitbedarf: 13:30
Aufstieg: 1034 m
Abstieg: 886 m
Strecke:Pfannenstil - Brüeltobel - Plattenbödeli - Rheintaler Sämtis - Widderalp - Dreifaltigkeit, mittlerer Turm - "Marweesweg" - Rheintaler Sämtis - Plattenbödeli - Risi - Zapfen - Montlinger Schwamm
Kartennummer:1115 Säntis

Anmarsch
Früh morgens und bei kühlen Temperaturen starteten wir unsere Sonntagstour im Alpstein. Auf der steilen Strasse durch das Brüeltobel war die Kälte jedoch bald vergessen und schon nach kurzer Zeit konnten wir im Plattenbödeli einen heissen Kaffee geniessen. Nach der Pause ging es weiter, am Sämtisersee vorbei zum Rheintaler Sämtis. Hier war nochmals eine kurze Pause zur Erhohlung und zum Topostudium angesagt.
Immer noch im Schatten wanderten wir weiter in Richtung Widderalp. Auf halber Strecke konnten wir uns endlich vom Schatten in die Sonne befreien und so stand einem herrlichen Alpsteintag nichts mehr im Wege.
Kurz vor der Widderalp halbierten wir unsere Gruppe. Während Sonja und Eveline in Richtung Meglisalp wanderten, machten Stefan und ich uns auf den Weg zur Dreifaltigkeit.

Zustieg
Am Anfang führt der Zustieg noch über einen Wanderweg, der in der Karte eingezeichnet ist. Dort wo auf der Karte die 1600er Höhenlinie beschriftet ist, endete der Weg. Von hier stiegen wir über die steile Grasflanke zur Gedenktafel am Fusse des westlichen Turms auf. In den steilen Wiesen war der Einsatz der Pickel eine hilfreiche Sache. Unterhalb des mittleren Turms wird es nochmals steiler und das Gras auch felsdurchsetzter. Den ersten kleinen Aufschwung erstiegen wir noch ohne Sicherung, machten dann aber auf einer kleinen Ebene eine Pause und seilten uns an. So verlängerten wir unsere Klettertour um eine ca. 40m- Seillänge und gelangten zum ersten Stand. Diese Passage würde ich nicht ohne Seilsicherung begehen. Ich schätze die Schwierigkeit auf T6- / III- ein. Der Zustieg ist im Kletterführer leider eher dürftig beschrieben und eingezeichnet.

Kletterroute
Die Topo der Kletterroute ist hingegen sehr gut zu gebrauchen. Die eingezeichneten Haken sind meistens von ausreichend guter Qualität. Entgegen der Beschreibung aus dem Kletterführer würde ich das Gestein als eher brüchig bezeichnen.
In der ersten Seillänge querten wir zuerst nach rechts und anschliessend in einer Rinne nach oben. Nach der Rinne folgte nochmals ein Aufschwung nach rechts zum Stand. Aufgrund des brüchigen Gesteins ist die Absicherung teilweise eher knapp und auch Friends (bzw. Klemmkeile) können nur beschränkt eingesetzt werden.
Die zweite kurze Schlüsselseillänge führt durch festen Fels und ist auch sehr gut abgesichert. Es war insgesamt die schönste Passage der ganzen Klettertour.
In der dritten Seillänge wird es wieder brüchiger. Bis auf den Schlussteil ist sie auch sehr angenehm zu klettern. Kurz vor dem letzten Haken vor dem Stand muss ein kleiner Block umklettert werden. Der Fels ist hier wieder sehr brüchig und seit Sonntag auch um einen grossen Steinbrocken leichter, welcher sich beim Betreten löste. Zum Glück kann der letzte Express schon eingehängt werden, bevor der Führende ihn umklettern muss.
Die letzte Seillänge führt durch die gut sichtbare Rinne zwischen einem kleinen Vorgipfel und dem Hauptgipfel. Die Absicherung ist eher luftig, kann aber gut mit Friends entschärft werden. Es hat wiederum sehr viele lose Steine, die durch die Rinne genau in Richtung des Sichernden am Stand fallen.
Die Aussicht auf dem Gipfel ist aufgrund der höheren Nachbargipfel zwar begrenzt aber trotzdem wunderschön.
Das Gipfelbuch ist ein einziges Durcheinander und in einem schlechten Zustand, obwohl wir in den letzten zehn Jahren erst die 3. Seilschaft auf dem Gipfel waren.

Abstieg
Nach der Gipfelrast stand der Absteig bevor. Die Abseilstelle ist gut eingerichtet. Leider sind die Umlenkringe am unteren Ende des Drahtseils befestigt und so muss man noch ein paar Schritte absteigen, bevor man sich ins Seil fallen lassen kann. Mit dem 50m- Doppelseil erreicht man bequem die Scharte und kann leicht das Seil abziehen. Bis zum Wanderweg nahmen wir in der steilen Grasflanke noch einmal den Pickel zu Hilfe.

Rückweg
Steil und zügig ging es bergab bis zum Rheintaler Sämtis. Dort trafen wir wieder auf Sonja und Eveline. Zusammen genossen wir das Mittagessen und natürlich einen feinen Saft bei Werner und Elisabeth. Danach liessen wir den Tag bei Saft und Gesang ausklingen. Vielen Dank nochmals den beiden, war wie immer sehr gemütlich. Mit dem heranziehenden Schatten konnten wir uns schliesslich auch für den Heimweg motivieren und wanderten gemütlich zum Plattenbödeli.
Hier halbierten wir noch einmal unsere Gruppe. Während Eveline und Stefan zum Pfannenstil zurückwanderten, machten Sonja und ich uns auf den Weg zur Risi. Nach einer kurzen Einkehr ging es auf die letzte Etappe zum Montlinger Schwamm. Hier wurden wir vom Taxi Gisela abgeholt und nach Oberriet gebracht. Vielen Dank auch hier.

Fazit
Coole Tagesklettertour auf einen sehr selten bestiegenen Gipfel. Die wunderschöne, zweite Seillänge lässt einem auch das lose Gestein auf dem Rest der Tour schnell vergessen.  Leider waren wir am Sonntag unterwegs, sonst hätten wir den Retourweg noch ein wenig mehr auskosten können.

Route und Topo
Kletterführer Alpstein
Ausgabe 1991 (In der neuen Ausgabe ist das Topo nicht mehr abgebildet.)
R 359 "Südwand" ; 5/A0 oder 7- ; 4 SL
"Reizvolle Wandkletterei in meist gutem Fels"

Zeiten
Pfannenstil - Alp Sämtis                         1 h 10 min
Alp Sämtis - Widderalp                                 35 min
Widderalp - Einstieg                                     40 min
Klettern                                                     3 h 10 min
Abseilen, zum Wanderweg                          25 min
Marweesweg - Alp Sämtis                            25 min
Alp Sämtis - Montlinger Schwamm      1 h 40 min
Pausen                                                      5 h 15 min

Tourengänger: Urs, sobu, Stefan Ammann, emattle

Galerie


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Kommentare (1)


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Delta Pro hat gesagt:
Gesendet am 9. September 2009 um 21:07
Tönt ja in der Tat äusserst spannend! Herzliche Gratulation!
Gruss Delta


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