Kanisfluh (Holenke 2044 m)


Publiziert von ju_wi , 9. September 2009 um 22:22.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Bregenzerwald-Gebirge
Tour Datum:25 Juli 2009
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1570 m
Abstieg: 1570 m
Strecke:19 km
Unterkunftmöglichkeiten:Gasthof Walisgaden (oberhalb Damüls)
Kartennummer:f&b WK364 Bregenzerwald

Die Kanisfluh (2044 m) im Bregenzer Wald ist ein spektakulär über dem Tal der Bregenzer Ache aufragender Nagelfluhberg mit senkrechten N- und O-Wänden. Sein Grat besitzt 3 Erhebungen (Gipfel) von denen die westlichste, die Holenke (2044 m), die Höchste ist. Es soll oben auch Edelweiß geben. Der direkte Anstieg führt von Au hinauf und man kann nach Mellau wieder absteigen (s. Tour von frstgr hier).

Da wir uns an diesem Wochenende im Bregenzer Wald aber in Damüls im Gasthof Walisgaden (auf 1600 m) einquartiert haben, starten wir unsere Tour direkt vom Gasthof und queren über die Argen-Alpen.
Leider ist auch an diesem Juli-Wochenende der Wetterbericht wieder unbrauchbar. Schon auf unserer Hinfahrt Freitag abend schüttete es wie aus Kübeln – und auch der schön vorhergesagte Samstag begrüßt uns morgens mit regnerisch – nebligem Wetter. Dennoch brechen wir nach Frühstück vor 8 Uhr auf. Wir hatten uns für den Samstag eigentlich die Besteigung des Zitterklapfen (2403 m) vorgenommen, aber das wäre bei dem Wetter viel zu schade. In recht kräftigem Regen steigen wir hinterm Gasthof den Teerweg und kurz später direkt durch die steile Wiese weiter auf. An einer Weggabelung wenden wir uns links und erreichen über einen steilen erdig-grasigen Pfad bald die Vordere Uga-Alm (1783 m) nahe der Bergstation des Lifts von Damüls.

Von hier folgen wir dem Weg Richtung Gasthof Edelweiß, der zunächst wieder ein ganzes Stück hinabführt. Das Wetter bessert sich leicht und wir haben ein paar schöne Blicke zur markant-spitzen Damülser Mittagspitze (2097 m). Im Auf und Ab auf einem Feldweg passieren wir einen Skilift sowie die unbewirtschaftete Hintere und Mittlere Argen-Alpe. Danach biegen wir an einer Wegverzweigung nun links in einen steileren Fußweg in der S-Flanke des Klipperen (2066 m), von dem wir schöne Blicke auf den Westallgäu vor uns haben. Nach einer Linkskurve wird aus dem alten Fahrweg ein kleiner Trittpfad, der die steinig-schuttige O-Flanke des Klipperen quert bis wir zu einem Sattel (1835 m) gelangen. Noch etwas steiniger und rauher ist der folgende Serpentinenabstieg von hier zur Obere-Alpe (T3). In der urigen Obere Alpe (1593 m) kehren wir ein. Wir sind in der kleinen Stube die einzigen Gäste. Die junge Sennerin setzt sich zu uns an den Tisch und wir unterhalten uns nett. Wir verköstigen den leckeren hauseigenen Ziegen-Käse.

Als wir gestärkt wieder aufbrechen Richtung Kanisfluh ziehen dunkle Wolken herbei und schon kurz später, als wir über eine Wiese in den steilen Aufstieg queren, fällt ein Regenguss auf uns hinab. Eigentlich den ganzen 50-minütigen Aufstieg auf die Holenke (2044 m) regnet es Bindfäden. Die Sicht ist praktisch Null. Da sind wir nicht gerade vom Glück verfolgt. Der Weg hier hinauf ist steinig mit Gletscherschliff, einigen Schrofen und auch stellenweise erdig. Insgesamt ist es daher sehr schmierig und rutschig. Eigentlich hatte ich mit dem Gedanken gespielt, den schmalen Grat von der Holenke nach O hin zu erkunden und vielleicht auch die beiden anderen Gipfel der Kanisfluh zu besuchen - aber daran ist bei dem Wetter nicht zu denken. Einzig eine Andeutung von Tiefblick ins Tal der Bregenzer Ache bekommen wir kurz mit, als die Nebelschwaden gerade günstig weggeblasen werden. Mittlerweile auch durch die Goretex-Jacken durchnässt, verlassen wir den Gipfel schnell wieder auf gleichem Weg hinab.

Noch bevor wir den Sattel zum "Stoß" erreichen, klart es dann aber auf und auch der Regen legt sich langsam. Von W ziehen in der Ferne zwar schon neue dunkelgraue Wolken heran, aber kurzzeitig erreichen uns sogar ein paar zaghafte Sonnenstrahlen. In deren Glanz strahlt der herrliche Felsen des "Stoß" vor uns - eine sehr schöne Stimmung, die den Regen vergessen macht.

Auf etwa halber Strecke des Abstiegs biegen wir rechts ab vom Aufstiegsweg Richtung Mellau. Quer zum Hang durch etwas Geröll und Gras steigen wir nun westlich bis in den Talboden hinab. Wir wollen den Pfad jedoch nur bis zu einem in der Karte eingezeichneten kleinen Abzweig zur Kanis-Alpe gehen und von dort über das Wannenjoch aufsteigen. Nach einiger Zeit vermuten wir (fälschlich, wie sich nachher herausstellt), dass wir schon zu weit sind und den Abzweig entweder verpasst haben oder dieser eben doch nicht (mehr) existiert. Also queren wir querfeldein und weglos Richtung Süden über einen kleinen Bachlauf und steigen über sumpfige Weiden einen Hang hinauf, passieren die Wurzach-Alpe und stoßen bald auf einen breiten Wanderweg, den wir nach rechts folgen. In einigen Windungen - tendentiell bergab – führt dieser Weg uns bald zur Kanis-Alpe (1468 m).

Die Fortsetzung zum Wannenjoch von der Kanis-Alpe ist jedoch mit deutlichem Schild für den Durchgang gesperrt. Als Grund wird eine Baustelle genannt für eine Ski-Überführung – d.h. wohl eine neue Liftanlage, dachten wir. Wir hatten schon an der Uga-Alpe ein Hinweisschild gelesen, dass der Weg zwischen Uga- und Kanis-Alpe gesperrt sei. Aber erst von der Kanisfluh konnten wir das Ausmaß der Baggerarbeiten erkennen. Offenbar wird der ganze Aufstiegshang verändert – und skigerecht gestaltet… absurd! Jedenfalls ist die Wegpassage auf einer Länge von ein paar hundert Hm komplett umgegraben und entsprechend morastig und steinig. Nach kurzer Überlegung – gleicher Weg zurück oder durch und Runde schließen? – haben wir uns für Letzteres entschieden und denken, dass wir schon durchkommen werden – notfalls mit Ausweichen in die Flanken.

Daher schreiten wir auch bei der Kanis-Alpe auf dem Weg fort, der einen Bogen macht in sehr schöner Wiesenlandschaft unterhalb des Gungern. Nach einiger Zeit stoßen wir aber erneut auf einen Zaun mit Stacheldraht und Sperrschild. Beim Überklettern reiße ich mir auch noch ein Loch in die Regenhose – na ja, selbst schuld! Durch viel Stein und dichtes Kraut – der Weg ist offenbar doch länger nicht mehr benutzt – steigen wir in der Flanke auf die Baustelle zu. Dort müssen wir improvisieren. Zunächst queren wir weglos in Geröll und Blockhalden unter einem aufgeschütteten Weg, bis wir weiter oben einen Querweg der alten Führung erreichen, der uns um eine Felsecke führt. Aber wir haben es noch nicht geschafft: Hinter der Ecke stehen wir vor einem tiefen Baggerloch mit arbeitendem Bagger und einer neuen Rampe dahinter. O je! Fast wie zur Strafe für unsere Dummheit beginnt es in diesem Moment auch wieder kräftig zu regnen. Vorsichtig kraxeln wir den Erdhaufen hinab und stehlen uns verlegen an dem Bagger vorbei (der Führer grüsst uns nur freundlich…) und den Gegenhang hinauf. Dort erreichen wir dann endlich wieder den alten Wanderweg, den es so sicher nie mehr geben wird. Mit ihm steigen wir hinauf zum Wannenjoch.

Vom Wannenjoch (1905 m) schließlich wandern wir im nassen, erdigen Gras vorbei an der Damülser Mittagspitze zu den Uga-Alpen. Wir kehren in der Vorderen Uga-Alpe noch ein und steigen anschließend auf dem Aufstiegsweg hinab zum Gasthof Walisgaden mit unserem Quartier.

Später an dem Tag fahren wir mit dem Wagen nach Bludenz ins Rheintal hinunter, wo wir uns den ganz hübschen Ort (viele Arkaden) anschauen und in einem netten Restaurant zu abend essen.

Tourengänger: ju_wi

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 1189.gpx Kanisfluh

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