Überschreitung des Hohen Straußberg (1934 m)


Publiziert von ju_wi , 6. September 2009 um 10:25.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Ammergauer Alpen
Tour Datum:31 August 2009
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: D   A 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1150 m
Abstieg: 1150 m
Strecke:15,7 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auto zum Hotel Ammerwald - kostenloser P
Unterkunftmöglichkeiten:Zimmer in Oberammergau
Kartennummer:f&b WK 352

Der Hohe Straußberg (1934 m) in den nordwestlichen Ammergauern ist ein recht individuelles Gipfelziel, das selten besucht wird. Neben dem selbst schon unmarkierten und schwierig zu findenen Normalweg (Tour 2431), wird im AV-Führer auch ein wegloser Zugang durch eine sehr steile Grasrinne und über den O-Grat beschrieben (Tour 2433), die wir zu einer Rundtour kombiniert haben. Obwohl nicht besonders hoch, anspruchsvoll oder lang zählt diese Tour in sehr schönem Gelände sicher zu unseren Highlights.

Wie gesagt, konnten wir Montag noch freimachen und hatten unser Zimmer in Oberammergau noch eine Nacht verlängert. Am Rückfahrtag sollte die Tour heute nicht zu lang sein. Als Kontrast zum Felsterrain des Vortags wählten wir die nördlichen Ammergauer aus und fuhren über Graswang morgens zum Hotel Ammerwald (1075 m) - d.h. ich weiss eigentlich gar nicht, ob das wirklich wieder ein Hotel wird, was die dort in furchtbarer Baustelle errichten, es sieht eher nach einem häßlichen Bürogebäude aus ...

Jedenfalls parken wir morgens unser Auto neben Baggern und Handwerkerfahrzeugen. Zum Glück hatte ich mir abends noch einen GPS-Track vorbereitet, mit dem wir die ersten 100 m durch das Baustellengelände kraxeln um zum weggebaggerten Einstiegsweg zu kommen. Klar war eigentlich dieser Zugang gesperrt - nur keine Ahnung wie man legal hierhin kommen sollte. OK - diese 100m könnten Abstriche geben und die nächsten paar hundert Meter mit Baustellenlärm ebenfalls; aber das vergisst man schnell über das was danach kommt. Bei einer kleinen, älteren Holzhütte (die Leute sind momentan wirklich gestraft durch die Baustelle) quert man ein erstes Mal die Grenze nach D zurück und kommt auf den Schützensteig, der zu den Königsschlössern führt. Auf ihm geht's dann noch mal kurz nach Österreich und zurück wechselnd in Serpentinen einen recht steilen Hang hinauf. Das Terrain ist feucht und der Boden kalkig und so finden sich ganz interessante Blumen - sogar Wollgras, was uns gewundert hat.

Nach den ersten Serpentinen kommt man an eine sehr malerische Stelle mit einem kleinen Wasserfall in einem Rechtsbogen. Nun flacher führt der Steig dann oberhalb des Schafblassenbach allmählich zum Schützensteigsattel (1430 m) mit kleiner, bewirtschafteter Jägerhütte und privater Almhütte. Inzwischen ist der Hohe Straußberg und der von hier klasse aussehende Säuling in unser Blickfeld gerückt. An einer Wegverzweigung vor der Jägerhütte biegen wir rechts ab Richtung Niederstraußbergsattel. Nach kurzer Waldpassage rückt der schöne, schrofige Niederstraußberg dann auch in unser Blickfeld. In einer Kehre wird der Köllebach überquert, dessen plätschernder Bachlauf ein schönes Steinbett freilegt.

Am Niederstraußbergsattel (1616 m) biegen wir nach links durch ein Gatter Richtung Ahornsattel. Es geht zunächst in feuchtem Gelände wieder einige Hm hinab. Eigentlich wollten wir hinauf die weglose Grasrinne nutzen, zu der es hier irgendwo abgehen muss. Da uns wegen der Rückfahrt aber nicht so viel Zeit zum Suchen bleibt, ändern wir den Plan kurzerhand und steigen lieber den Normalweg auf und durch die Rinne ab. Also folgen wir weiter dem markierten Steig, der hier im Sumpf einige Holzbalken nutzt. Nochmal kurz sehr steil über eine Rippe und danach durch die Geröllhalden des Straußbergköpfls kommen wir zum Ahornsattel  (1661 m) zwischen Straußbergköpfl und Ahornspitze.

Bis hier alles normale Steige, doch nun wird es deutlich ursprünglicher: In der Rechtskurve hinter dem Ahornsattel gehen wir auf kaum zu erkennender Trittspur geradeaus. Der in vielen Karten nicht eingezeichnete Weg führt nun gut 10 Minuten Richtung Süden. In krautig-feuchtem, steinigen Gelände führt er an die Felsen des Hohen Straußbergs heran. Dort ist dann nur über ein Steinmännchen und ein paar Schürfspuren im Boden der Abzweig zum Hohen Straußberg zu erkennen - wirklich schwer zu finden (hier kann der angefügte GPS-Track helfen).

Die ersten 100 - 150 Hm des Anstiegs sind besonders mühsam und im Blockschutt, Geröll auch nicht wirklich schön zu gehen. Doch dann gelangt man in der Steilflanke in grasigeres Terrain und steigt in Serpentinen (kleinste Trittspur) und später am Grat auch kleinere Schrofen schnell zum Gipfel des Hohen Straußberg (1933 m) mit Kreuz auf (Normalanstieg T3 bis T3+). Der Ausblick von dem sehr freistehenden Berg mit kleiner Gipfelschneide, der die direkte Umgebung etwas überragt ist schon fantastisch. Bei der Brotzeit am Kreuz erkunde ich noch ein wenig den gut gangbaren Westgrat und spaziere zu einem westlichen Nebengipfel.

Für den Abstieg wollen wir jetzt aber die Grasrinne und den weglosen Zustieg zum Niederstraußbergsattel nutzen. Hierzu folgen wir kurz dem Aufstiegsweg über den O-Grat zurück. Wo dieser links in die Steilflanke abbiegt bleiben wir am grasig-schrofigen Grat. Der Grat - mit N-Abbruch und mäßig steiler S-Flanke- fällt nun zunehmend steil nach O hin ab. Wahrscheinlich ist die einfachste Route ein gutes Stück südlich unterhalb des Gratverlaufs. Wir bleiben aber immer recht nah am Grat und weichen nur der ein oder anderen Latsche oder Schrofenpassage aus. Das letzte Stück zu einem deutlichen Sattel (wir sind hier schon ca. 120 Hm unterhalb des Gipfel) erreichen wir über einige steile Graspassagen.

Im Sattel stehen wir oben an der besagten Steilgras-Rinne. Da diese noch im Schatten liegt, ist das Gras und einige Schrofen noch sehr feucht. Entsprechend vorsichtig steigen wir in das oberste und mit Abstand steilste Stück. An einzelnen, etwas brüchigen Schrofen kann man sich verhältnismäßig gut festhalten, so dass wir ganz gut vorankommen. Das Gelände ist ganz oben schon sehr steil und runterkugeln wäre sicher sehr schmerzhaft - aber es ist auch nicht wirklich gefährlich - von der Schwierigkeit mittleres T4. Vermutlich ist es im Aufstieg sowieso einfacher. Langsam kraxeln wir in der halb grasigen, halb geröllig-schrofigen und nach unten immer breiter und flacher werdenden Rinne hinab. Nochmals 100 - 150 Hm sind so gut zu machen. Nach der Hälfte kommt man dann aber mehr und mehr in Gehgelände, wobei hier lose Geröllhalden und später lose Felsblockhalden stets volle Aufmerksamkeit erfordern. Durch ein Labyrinth meterhoher Felsblocken kraxeln wir auf Weidegebiet und wandern weglos durch Weiden, Strauchwerk und einige Rinnsale zu der Senke unterhlab des Niederstraußbergsattels zurück, wo wir auf den Aufstiegsweg stoßen.

Auf dem Rückweg (vom Niederstraußbergsattel identisch mit Aufstiegsweg) biegen wir kurz vor dem Schützensteigsattel dann noch zur Einkehr und Ausklang des Wochenendes in die nette Jägerhütte (1431 m) ein, die von einem supernetten Pärchen geführt wird. Danach steigen wir über den Schützensteig zum Auto ab und müssen leider wieder die Heimfahrt antreten.

Gehzeiten im Überblick:

1. Hotel Ammerwald - Ahornsattel: 2:00 h  +690 / -100 Hm (T2)
2. Ahornsattel - Hoher Straußberg: 0:45 h  +300 Hm (T3 - T3+)
3. Hoher Straußberg - Niederstraußbergsattel 0:55 h  -400/+100 Hm (T4)
4. Niederstraußbergsattel - Hotel Ammerwald 1:15 h  -550 Hm (T2)

Gesamt-Gehzeit: ca. 5:00 h  +1150  / -1150 Hm

Tourengänger: ju_wi

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Geodaten
 1182.gpx Hoher Straußberg

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Kommentare (1)


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felixbavaria Pro hat gesagt: Neues Hotel Ammerwald
Gesendet am 6. September 2009 um 15:19
Beim Vorbeifahren an diesem "Gebäude" fragt man sich schon, ob die Architekten bzw. die Baubehörde noch alle Tassen im Schrank haben. Insbesondere recht "imposant", wenn man die Straße vom Plansee Richtung Ammerwald fährt.


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