Überschreitung Altenalptürm


Publiziert von ossi , 2. September 2009 um 08:15. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Appenzell
Tour Datum:28 August 2009
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS-
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-AI 
Zeitbedarf: 5:00
Strecke:Überschreitung Altenalptürm
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Bhf. Wasserauen und Luftseilbahn auf die Ebenalp
Zufahrt zum Ankunftspunkt:dito
Kartennummer:1: 25000 Säntis

Welch grandiose Unternehmung! Die Überschreitung der Altenalptürm -in grauer Vorzeit ein Klassiker gehobener Berggängerkunst- bietet luftigste Kletterei, saftiges Gras und brüchigen Fels à discrétion. Der seltenen Begehungen wegen liegt viel loses Gestein herum und man geniesst alpine Einsamkeit nur wenig über dem viel begangenen Weg vom Schäfler zum Säntis: Ein Schmankerl für alle, die dieses Gelände lieben.

Östlicher Turm (T6-):
Der Einstieg befindet sich im Sattel zwischen den Läden und den Altenalptürm. Man steuert direkt auf die einladende Steilflanke zu, wobei man dem ersten felsigen Grataufschwung nordseits (rechts) ausweicht und über gut gestuftes Gras Höhe gewinnt (Wildspuren). Der felsige Grat ist auch besteigbar (III). Die ganze Flanke bis zum Ostturm besteht aus schrofigem Fels-Gras-Gelände und ist ca. 50° steil. Nur ganz wenige Stellen sind im T6-Bereich, wobei man sich recht gut an Zwergsträuchern festhalten kann.

Überschreitung zum mittleren Turm (ZS- oder T6, II): Das Prachtstück der Überschreitung. Der ganze Verbindungsgrat ist ausgesetzt und bietet als Krönung eine etwa 50m lange, messerscharfe Passage, die man stellenweise nur rittlings überwinden kann. Nordseits schweift der Blick über eine eindrücklich breite Runse hinweg ins Mittelland und an den Bodensee, südseits erfreut sich das Auge an den Schönheiten des Alpsteins. Das erste Gratstück bis zur eben erwähnten Passage ist brüchig und ausgesetzt. Nach dem "Reitgrat" steilt sich das Gelände auf, wird aber wieder deutlich einfacher. Wir haben die "Reiterpassage" gesichert, wollten die Sicherungskette aber nicht gar so dringend auf ihre Festigkeit hin prüfen. Auf dem Gipfel des mittleren Turms hat der Herr Rise einen Steinmann erstellt.

Überschreitung zum westlichen Turm (T5): Der Grat bleibt ausgesetzt, ist nun aber verhältnismässig angenehm zu begehen. Man erreicht den westlichen, höchsten Punkt über den felsigen Grat oder ein Grasband auf der Nordseite.

Abseilen zum Säntisweg (im Aufstieg ca. ZS und brüchig): Vom Gipfel steigt man wenige Meter in einen steilen, brüchigen Kamin hinunter (II) zu einem felsigen Zapfen, wo sich die erste Abseilstelle befindet (alte Schlingen, bei erhöhtem Sicherheitsbedürfnis durchaus verbesserungswürdig). Mit einem 60m-Strang kann bequem auf einen schottrigen Boden im Kamin abgeseilt werden, wenigen Metern unterhalb ist die zweite Abseilstelle (drei Schlaghaken mit Schlingen) und nach einem weiteren, steilen Abseilmanöver fast der Säntisweg erreicht.
Mit einem kürzeren Seil (50m oder weniger) empfiehlt sich die Benutzung einer weiteren Abseilstelle etwa 20m nach dem ersten Abseilstand (Verbundene Schlaghaken), um mittels drei Mal Abseilen ganz hinunter zu gelangen. Vorsicht ist in jedem Fall angebracht: Das Gestein ist vielerorts brüchig. Es ist beinahe unmöglich, das Seil ohne Steinschlag abzuziehen. Alle Abseilstellen entsprechen nicht mehr so ganz den Vostellungen des modernen Kletterers (t.w. rostige Normalhaken, alte Schlingen).

Das Gipfelbuch: Auf dem westlichen Gipfel befindet sich ein Gipfelbuch aus dem Jahre 1972. Aus der Lektüre wird ersichtlich, wie das Interesse an der Überschreitung in jedem Jahrzehnt deutlich abgenommen hat. Seit dem Jahr 2000 wurden gerademal drei Seiten voll, wobei die meisten Einträge von derselben Person stammen (die übrigens bereits 1972 oben war). Trotz der markant abgenommenen Begehungen weisen die Altenalptürm signifikant mehr Besteigungen auf als z.b. ossi, der nur unwesentlich jünger ist als das Buch.

Vielen Dank dem Herrn Rise für seine Teilnahme an dieser wunderbaren Tour. Die Zeit bemisst sich vom Schäfler und wieder dahin zurück.

Tourengänger: Alpin_Rise, ossi

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T3 VI
28 Aug 09
"Westkante" am Filderchopf (1761m) · Alpin_Rise

Kommentare (9)


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Aendu hat gesagt: Gratuliere!
Gesendet am 2. September 2009 um 09:11
Schöne Tour!

...saftiges Gras...Muhhhh:-)

Gruss, Aendu

marc1317 hat gesagt: Woo...
Gesendet am 2. September 2009 um 16:31
Also ich stell mir grad das Feeling und den Thrill vor, den wohl "Hr. Rise" auf diesem ausgesetzten "Reit-Grat" gehabt haben muss ?!

Sensationell...

Gruss,

Marcel

3614adrian hat gesagt: Das ist Bergsteigen!
Gesendet am 2. September 2009 um 17:39
Eine sehr "anmächelige" Tour.
Gratuliere!

Gruss Adrian

Alpin_Rise Pro hat gesagt: Hoppe hoppe Reiter, wenn er fällt...
Gesendet am 2. September 2009 um 22:30
Danke für die löbliche Tourenbeschreibung, werter Kollege Ossi!
Ganz soo wild ist der Reitgrat nicht, die Sonntagshose darf man trotzdem nicht anziehen! Effektiv ist "reiten" auf dem scharfen Grat die einzige sinvolle Fortbewegunsart; urologisch nicht über alle Zweifel erhaben... na ja, für etwas hatten sie früher doppelte Lodenhosen!

@ Adrian: du machst das doch solo ;-) - an einem guten Tag und mit Routenkenntnissen sollte das drinliegen?

ossi hat gesagt: RE:Hoppe hoppe Reiter, wenn er fällt...
Gesendet am 2. September 2009 um 22:57
Ich habe mich gefragt, weshalb "mann" auf dem Reitgrat den Helm auf dem KOPF trägt. Ist doch irgendwie widersinnig...?

Schaageli hat gesagt: Gratulation
Gesendet am 3. September 2009 um 11:48
Herzlichen Glückwunsch zur Überschreitung der Altenalptürme. Diese Route wird nicht um sonst - nicht ganz jugendfrei aber dennoch sehr zutreffend - "Seckelchrazer-Route" genannt.

Gruess Schaageli

Bombo hat gesagt:
Gesendet am 3. September 2009 um 13:19
Wieder ein hervorragender Bericht mit tollen Fotos, wo ich mich einfach nur so genüsslich ab den Kommentaren amüsiere - herrlich!

alpstein Pro hat gesagt: Herzliche Gratulation !
Gesendet am 4. September 2009 um 08:56
Es wundert mich nicht, dass das Gipfelbuch schon fast 4 Jahrzehnte alt ist.

Grandiose Leistung !

Grüße
alpstein



MichaelG hat gesagt: Schöne Tour!
Gesendet am 10. September 2009 um 20:22
Gratulation zu dieser sehr schönen Tour, samt Bericht und Fotos! :-)

Grüße von
Michael


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