Hintere Getschnerspitze (2961 m) und Versuch Madlenerspitze (2977 m) über den NO-Grat


Publiziert von marmotta , 23. August 2009 um 10:00.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Silvretta
Tour Datum:20 August 2009
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A   Augstenberg-Gruppe 
Zeitbedarf: 6:30
Aufstieg: 1100 m
Abstieg: 900 m
Strecke:Bielerhöhe - Getschnerscharte - Hintere Getschnerspitze - Jamtalhütte
Zufahrt zum Ausgangspunkt:mit PW zur Bielerhöhe (Mautgebühr 11,50 € für PKW)
Unterkunftmöglichkeiten:Jamtalhütte DAV (Tel.: 0043/54 43 84 08)
Kartennummer:LK 1178 Gross Litzner (1:25.000)

Nachdem mein letzter Besuch des Gebiets zwischen Biel- und Jamtal von ziemlich schlechten Bedingungen geprägt war, musste ich mir das Ganze nochmals bei schönem Wetter ansehen und mich -auf dem Weg zur Jamtalhütte- an den Gratzacken südwestlich der Getschnerscharte austoben. Beim Versuch, den markantesten Gipfel des Kamms, die Madlenerspitze (2977 m), die sich dem Betrachter von Nordwesten, vom Silvrettastausee aus, als kühne Spitze präsentiert, über den Nordostgrat zu besteigen, stiess ich jedoch auf unerwartete Schwierigkeiten...

Es war ein traumhafter Sommertag: Wolkenloser Himmel, dazu Temperaturen, die eigentlich eher zu einem Bad im kühlen Silvretta-Stausee als zu einer (schweisstreibenden) Bergwanderung einluden. Nach einem Kaffi und einer kurzen "Lagebesprechung" auf der Sonnenterrasse über dem Stausee ging es dennoch auf dem ausgeschilderten Weg ins Bieltal in Richtung Jamtalhütte, unserem Domizil für die kommende Nacht. Nach Überquerung des Bielbachs (Wegweiser) folgt man undeutlichen Wegspuren auf der anderen Bachseite (keine Markierungen), bis diese bald einmal den Hang zu einer Hochebene hinaufführen, durch die das Wasser des ins Bieltal herabschiessenden Weissen Bachs fliesst. Von der Hochebene auf ca. 2400 m ist bereits der gesamte weitere Aufstieg zur Getschnerscharte (2839 m) einzusehen, der mittlerweile komplett schneefrei ist. In zuletzt etwas mühsamem Schutt und Geröll erreichten wir nach knapp 2,5 h die Getschnerscharte, die Sonne brannte gnadenlos vom Himmel und sorgte auch noch auf dieser Höhe für grosse Hitze.

Nach einer kurzen Pause deponierten wir unsere Rucksäcke an der Scharte und machten uns an den Aufstieg zur Hinteren Getschnerspitze. Man folgt dem sich nach Süden hinaufziehenden Blockgrat, das Überklettern eines kurzen, griffarmen Wändchens gleich zu Beginn wird durch ein Fixseil erleichtert (ohne Fixseil ca. III-). Vereinzelt sind Steinmännchen vorhanden, die Routenfindung ist jedoch nicht schwierig, kompaktere Felsstufen können auf Bändern -meist auf der Ostseite- umgangen werden, der Rest ist einfache Kraxelei im I. Schwierigkeitsgrad. Am Gipfelsteinmann angekommen, geniessen wir die schöne Aussicht auf die vergletscherten Silvrettaberge (wenngleich die Gletscher um diese Jahreszeit mehr grau als weiss sind) - und auf den Nordostgrat zur Madlenerspitze, meinem erklärten Gipfelziel für diesen Tag. Eigentlich ist die Hintere Getschnerspitze nur eine Schulter im Grat zur Madlenerspitze, der hier nach Südwesten abknickt. Der Gipfel ist auf der LK nicht kotiert und ich bin nicht einmal sicher, ob wir effektiv auf dem Gipfel der Hinteren Getschnerspitze standen, liegen doch in südwestlicher Richtung nach einer tiefen Einsattlung noch einige Grattürme zwischen "unserem" Gipfel und dem Gipfel der Madlenerspitze. 

Während mein Begleiter bald nach der erwähnten Einsattlung die Segel strich, probierte ich mein Glück, über den wenig einladend aussehenden Grat weiter zu kommen. Die erste plattige Stufe umging ich auf der Nordseite (rechts im Aufstiegssinn), stieg dann über Steilschutt und Geröll wieder zum Grat auf, wo ich -teilweise mit viel Luft unter den Füssen- eine weitere felsige Stufe auf einen Gratkopf hinaufkletterte (II). Auf diesem Gratkopf sah ich dann, dass ich auf direktem Weg keine Chance hatte, zum Gipfel der Madlenerspitze hinüber zu gelangen. Es lagen noch mindestens 2 Grattürme mit senkrechten Abbrüchen dazwischen, eine Umgehung auf der Nordseite hätte sehr weiträumig und etliche Meter absteigend erfolgen müssen, erschien mir angesichts der steil abfallenden Flanke mit unangenehmem, rutschigen Steilschutt und Geröll, durchsetzt mit einigen Felsplatten aber ebenfalls zu heikel. Weshalb der AV-Alpinführer die Schwierigkeit dieser "schönen Gratwanderung" (R 663) lediglich mit I angibt, ist mir ein Rätsel. Auch im Abstieg bzw. beim Abklettern der Felsstufen ist höchste Konzentration und Vorsicht geboten, ein Fehler hätte fatale Folgen. Das Gestein ist teilweise sehr brüchig - auch grosse Felsblöcke können unter Zugbelastung herausbrechen!

Wesentlich einfacher erscheint mir der Zustieg vom Madlenerferner aus über die Nordflanke zur Scharte unmittelbar vor dem Gipfelaufbau der Madlenerspitze. Aufgrund der Steilheit der dort hinaufziehenden Schutt- bzw. Firnrinne ist diese Variante aber auch nur zu empfehlen, wenn dort noch ausreichend Trittfirn liegt (Pickel und Steigeisen evtl. ratsam). Derzeit ist die Nordflanke fast komplett aper, so dass diese Route sehr mühsam sein dürfte.

Abstieg von der Hinteren Getschnerspitze ohne Schwierigkeiten auf der Aufstiegsroute entlang des Grats zur Getschnerscharte. Von dort zunächst auf markiertem Steig unterhalb der Mittleren Getschnerspitze entlang, aufgrund der rutschigen und abschüssigen Wegspur wählte ich dann wieder die Direktvariante über das steile Geröll und ein letztes verbliebenes Altschneefeld in das Kar unterhalb der Getschnerscharte und von dort weglos über Blockfelder und Rasenhänge, bis ich auf einer Höhe von ca. 2400 m wieder auf den markierten Pfad traf.

In der Jamtalhütte liessen wir den (auch ohne "richtigen" Gipfelerfolg) wunderschönen Tag dann gemütlich ausklingen.

Tour mit Andi 
 


Tourengänger: marmotta

Galerie


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