Äusserer Fisistock ( 2946m ) - Vom Gasteretal über den Halpigang


Publiziert von Alpenorni Pro , 21. August 2009 um 20:20.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Frutigland
Tour Datum:16 Juli 2009
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 1 Tage
Aufstieg: 1800 m
Abstieg: 1800 m
Strecke:Hotel Waldhaus im Gasteretal ( 1358m ) - Oberer Halpigang - Bibergpass ( ca. 2840m ) - Äusserer Fisistock ( 2946m ) - Brünnlital - Fisialp - Hotel Doldenhorn - Chlus - Waldhaus Gasteretal
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Hotel Waldhaus im Gasteretal - zu Fuß durch die Chlus von Kandersteg aus ( empfehlenswert !).
Unterkunftmöglichkeiten:Hotel Waldhaus ( 1358m) im vorderen Gasteretal. Matratzenlager etwas rustikal, aber oft wenig belegt. Super Terrasse !

Zusätzliche Fotos von dieser Tour gibt es hier :
Äusser Fisistock ( 2946m ) - Oberer Halpigang - Fotonachlese [hikr.org]

Überblick über die Route (Foto vom Gällihorn aus) :
www.hikr.org/gallery/photo405893.html?post_id=30268#1

Die Fisistöcke oberhalb von Kandersteg haben mich schon lange fasziniert. Als westlicher Vorposten der Doldenhörner bilden sie ein eigenständiges Massiv, das mit himmelhoher Felsmauer den Blickfang beim Aufstieg zur Doldenhornhütte bildet - von dieser aus gesehen, befindet sich der höchste Punkt, der Äussere Fisistock ( 2946m), ganz am hinteren ( linken ) oberen Ende dieser Wand.  Vom Gasteretal aus gesehen, zeigt sich der Innere Fisistock ( 2787m ) mit einer riesigen reich gegliederten Flanke voller Felswände, kleinen steilen Wäldchen, hochgelegenen einsamen Weiden und etlichen kleinen Schluchten und Winkeln.
Zwischen den beiden Hauptgipfeln ( an unbenannten Zacken und Zinnen herrscht zudem kein Mangel !) liegt das einsame Brünnlital, durch welches der einfachste Aufstieg zum Äusseren Fisistock führt und das noch weit in den Sommer hinein mit Schneefeldern bestückt ist.

Vor fünf Jahren hatte ich mich auf der Doldenhornhütte einquartiert und beide Gipfel solo bestiegen. Als Zustieg nimmt man den weiss-blau-weiss markierten "Felsenpfad", der kurz unterhalb der Hütte hinüberführt zu den hochgelegenen Weide-Terrassen der Fisialp und des Fisi-Schafberges - und schwenkt dann, für den Äusseren, ins Brünnlital ein, während man ,für den Inneren, noch hinauswandern muss bis in die Nähe des Jägerdossen ( 2154m ) , eines famosen Aussichtspunktes, der auch als eigenständiges Tourenziel von Kandersteg aus recht häufig besucht wird ( markierter Wanderweg, Pflanzenschutzgebiet ). Der weitere Aufstieg zum Innern Fisistock, zunächst entlang des Grates gen Gastere, weiter oben dann mit einer Linksschlaufe zum Gipfel, lässt sich etwas variabel gestalten - steiles Gras,Geröll und zuletzt etwas Fels sind aber in jedem Fall dabei - und ich traf dort auch auf die eigentlichen Bewohner dieser ruhigen Hochregion: Gämsen, Steinböcke, Schneehasen, Steinadler, Schneehühner, Alpenbraunellen...

Im selben Jahr ( 2004 ) erkundete ich noch den Zugang vom Gasteretal aus :  Nach der Beschreibung im SAC-Führer ( kleine Lichtung an der Talstraße, 120m nw P. 1362 ) ist der schmale Pfad gut zu finden, der sich von hier aus steil den Hang emporwindet und durch eine Fülle von großartigen kleinen "Locations"  alsbald in eine geröllgefüllte markante kleine Schlucht führt, die zunächst wie eine Sackgasse ausschaut. Hier muss man bis ans Ende der Schlucht hochsteigen und sich dann links wenden, um über schwarzen verfestigten Schutt den ganz überraschend auftauchenden Weiterweg aus der Felsschlucht zu gewinnen.
Damals war ich hier allerdings nach rechts abgezweigt und war Tierspuren gefolgt, die mich, teils etwas heikel, zu weiteren prächtigen Örtlichkeiten führten. Hier tänzelten etliche Apollofalter über dem schuttigen Rasen, oberhalb gab es Höhlen zum Stöbern, eine angenehme Wiese inmitten der Felsfluchten tauchte auf. Und man hatte hier wirklich ein Gefühl, als sei man völlig weltenfern auf Entdeckungsreise unterwegs.
Es gibt hier eine, unterer Halpigang genannte, Abfolge von Bändern und Waldstückchen, über die man taleinwärts bis nach Selden gelangen könnte, doch ohne genauere Infos erschien mir das denn doch ein wenig gewagt und so trat ich damals den Rückzug an.

2006 war es dann, als mein Tourenkamerad unpässlich das Matratzenlager im Waldhaus hüten musste, als ich kurzentschlossen aufbrach und mein erstes Traumziel auf dieser Seite des Gasterntals erreichte:
Die Alp "im Halpi".  Dies ist die große stark geneigte Weidefläche, die von der Terrasse des Hotels Waldhaus im Gasteretal aus betrachtet, so wunderschön fern und hoch über gewaltigen Wänden thront - als würde sie den Zugang zu einer dahinterliegenden eigenen Welt eröffnen, die man von hier unten aus nur erahnen kann, weil sie sich, um eine Ecke herum, den Blicken entzieht.
Auf dem nun bereits bekannten Pfad stieg ich bis zu meinem Abzweiger bei der ersten Erkundung auf.
Über die erwähnte steile schwarze Schuttzone, in die man Tritte treten konnte, und die das liebe Schafs- und Ziegen- Vieh erstaunlicherweise ja auch irgendwie rauf und wieder runterkommen muss ( 2009 fanden wir hier Reste eines abgestürzten (?) Schafs )- hier ist es auch steinschlaggefährdet, besser etwas Tempo machen- ging es nun also links in eine Bucht hinein und dann um die Ecke herum. Man kommt nun in lichten Steilwald, erreicht oberhalb einen weiten Geröllfächer mit großen Blöcken darin, den man, ab hier sich südlich, taleinwärts haltend, durchquert und landet schließlich auf dem Rand der blühenden Wiesen inmitten satten Grüns, unter sich die Kampfzone der toten verblichenen und daneben noch agil sich reckenden und der Geländeform sich anpassenden kleinen Nadelbäumchen --- Man ist auf Halpi angelandet !
Ich möchte allen empfehlen, die diesen wunderschönen Fleck einmal erreichen, am unteren, südöstlichen Rand der Weide einen vorspringenden begrasten Felskopf zu besuchen. Der Tiefblick von hier ins Gasterntal ist fulminant und es ist zudem ein herrlicher Rastplatz. Schon bald kann man hier auch Freundschaft mit weiteren Bewohnern der Fisistöcke schließen, denn so selten wie hier jemand heraufmarschiert, ist man bei den  Ziegen und Schafen die Attraktion des Tages !
In den Felsplatten eingeritzte Namenszüge - seither nennen wir diese Stelle "Ogikanzel" - intern, versteht sich, oberhalb gäbe es da noch die "Harikanzel"  - aber wer weiß schon, ob es bei den Sennen nicht vielleicht noch ganz andere Bezeichnungen gibt... so hätte man jedenfalls die beiden typischen Kandersteger Namen hier oben verewigt ...
2006 ließ ich es hier oben gut sein, setzte mich auf ca. 2200m Höhe noch unter das alleroberste Bäumchen, das bei siedenden Temperaturen Schatten spendete, und lauschte dem Gesang eines Zitronenzeisigs, der tatsächlich genau diesen letzten Vorposten als Singwarte nutzte. Noch ein Einheimischer !
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In diesem Sommer nun, am 16.7.2009, war es endlich soweit :
Frisch vom angeeisten, neu zu spurendem und gar nicht so zahmem Rinderhorn (3448m) zurückgekehrt, brachen Gudrun und ich nach einer Nacht im Waldhaus auf.  Angenehm ist, dass man den ganzen unteren Teil der Route im Schatten absolvieren kann. Wie schon am Vortag, mussten wir aufpassen, nicht auf einen der zahlreich erschienenen Alpensalamander zu treten - die, die auf dem Weg herumwandern, sieht man ja - aber wieviele mögen es erst drumherum sein !?  Nun ja, ich bin Ornithologe und leite u.a. Vogelstimmenführungen bei mir zuhause in Hannovers Auwäldern und Teichgebieten - so ließ sich ein unterhalb der Schlucht vorbeifliegender Schwarzspecht durch meine Nachahmung auch gleich zu Balzrufen animieren. Gleiches tat auch ein, eher seltener,Mauerläufer später oben in der Inner-Fisi-Südwand. Der kann auch richtig klettern, teils mit Hilfe seiner Flügel, und singt ganz einsam und alleine eine etwas wehmütige Flötenstrophe, während er in unzugänglichen Felswänden unterwegs ist...
Von der "Ogikanzel" aus folgten wir der von zaza  über seine Besteigung verfassten Routenbeschreibung. Dieser ist eigentlich nichts Wesentliches hinzuzufügen.  Die Welt, die sich nun hinter der Halpi-Ecke öffnet, besteht zunächst mal aus dem Blick auf die beeindruckenden Doldenhörner und dann auf das langgezogene Schuttband, das es an seinem oberen Rand, direkt am Fuß der Felswand, zu begehen gilt. Bei unserer Begehung waren die Schneefelder, die es bedecken,soweit an ihrem oberen Rand abgeschmolzen, dass man in den Randklüften wie durch einen schmalen Gang, links Fels, rechts Eis, hindurchschlüpfen konnte.
Im obersten Teil tauchen wieder Steinmannlis und Markierungen auf - gibt es hier eventuell noch einen Direktaufstieg aus dem mittleren Gasteretal? - und man hat das ermüdende Kraxeln in Schutt und Felsbändern bald hinter sich. Es ruft der Blick nun nach der anderen Seite, und auf dem Bibergpass angekommen, schaut man tief ins Oeschinental hinunter und auf die kleine Doldenhornhütte.
Hat man es eilig, braucht man nicht ganz bis zum Pass hinauf - dann kommt die Aussicht auf die andere Seite erst am Gipfel.
Auf selbigem sahen wir tatsächlich Menschen - die ersten und einzigen auf der ganzen Tour!-  Im Gipfelbuch stellte sich heraus, dass es hikr snowplow war !... bei ca. 20 - 40 Einträgen pro Jahr ist der Äussere Fisistock ja noch ein einsamer Berg - bleibt abzuwarten, wie sich das nach der aktuell neu eingerichteten Route von der Doldenhornhütte zum Bibergpass entwickeln wird...
Der Gipfel ist ein großartiger Aussichtspunkt - neben dem Balmhorn wird der Blick ins Wallis frei, und die nähere Umgebung inklusive Tiefblick ist sehr eindrücklich und wild.
Wir haben eine ganze Stunde dort gehockt - und als letzte Vögel erschienen, passend zum feierlichen Anlass, auch noch die Könige der Alpenlüfte - zwei Steinadler umkreisten auf brettartigen Schwingen dahingleitend, unseren Ausguck !
Der Abstieg nach Kandersteg führt dann durchs Brünnlital, Steinmanndlis weisen den Weg dorthin und zur kurzen, einfachen Kletterstelle, nach der man sich bei entsprechender Schneelage auf eine schwungvolle Abfahrt freuen kann.
Auf der Fisialp angelangt, saßen wir dort noch zu einem Mineralwasser bei der Fisi-Oma und ihren Enkeln, die dort zwischen Schweinen und Kühen ihre Sommerferien verbrachten. Wie es heißt, lässt sich die alte Dame solang es noch geht, mit dem Hubschrauber zur Übersommerung hier hochfliegen...noch so eine Bewohnerin hier oben...und was für eine Atmosphäre, bei allmählich sinkender Sonne hoch über dem Kandertal zu sitzen und zu schauen...
Auf stotzigem Alpweg geht es dann fix hinunter ins schon dunkelnde Tal, uns stand hier noch der Marsch durch die Chlus und hoch zum Waldhaus bevor, doch mit so einer herrlichen Tour im Gepäck lief sich das dann wie von selbst.




Tourengänger: Alpenorni

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Kommentare (3)


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Fenek hat gesagt: eine schöne Tour...
Gesendet am 21. August 2009 um 20:51
ich habe sie mir auch für irgendwann vorgenommen. Danke für den schönen Bericht und die tollen Bilder!

Grüsse
Fenek

snowplow hat gesagt: Zufälle gibts...
Gesendet am 30. August 2009 um 23:57
Hi Alpenorni

Danke für die vielen Details und die Bilder vom Aufstieg übers Halpi. Wie in meinem Bericht erwähnt, werde ich mir diese Route bei Gelegenheit auch mal vornehmen. Schon lustig, dass ihr uns auf diesem an Einsamkeit kaum zu übertreffenden Fleck gesehen habt und wir die Tour dann beide hier auf Hikr beschreiben... Wir haben den lieben langen Tag keine Menschenseele gesehen, geschweige denn getroffen. Auch wenn deinem detaillierten Bericht kaum mehr etwas anzufügen ist, verweise ich hier doch noch auf meine Tourenbeschreibung.

Grüsse + mach's gut!
snowplow

BaumannEdu hat gesagt: Supertour
Gesendet am 2. November 2009 um 13:25
Gratuliere zu dieser schönen Bergtour.
Keine Alpendohle photographiert?

Freundlich grüsst
Edu


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