Über Muchinskij (2764 m) und Alibek Pass (3171 m)


Publiziert von ju_wi , 21. August 2009 um 08:58.

Region: Welt » Russland » Kaukasus
Tour Datum: 3 August 2009
Wandern Schwierigkeit: T4- - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: RUS 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2230 m
Abstieg: 2530 m
Strecke:33,1 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:mit Kastenwagen von Dombai ins Muchu-Tal und am 2. Tag das Aksaut-Tal hinauf
Unterkunftmöglichkeiten:Zelt im Aksauttal Alibek-Camp (Hütte u. Hotel)
Kartennummer:Atlas "Sapadnij Kavkas"

Schöne 2-Tagestour mit Zeltübernachtung über ca. 3000m hohe Pässe im langen Bergzug Teberdinskij Chrebet, der westlich von Dombai vom Kaukasushauptkamm nach N abzweigt und mehrere Gipfel von 3500 bis 3800 m aufweist. Während im breiten östlich dieser Kette gelegenen Teberda-Tal die Straße nach Dombai entlangführt und viel Infrastruktur und Orte vorhanden sind, ist das westlich gelegene Aksaut-Tal, in dem wir campen, so gut wie unerschlossen.

Am 2. Tag unseres Kaukasus-Urlaubs brechen wir morgens von Dombai zunächst mit 2 sehr geländegängigen russischen Allrad-Kastenwagen nach N auf und fahren bei Teberda links ab ins Muchu-Tal. Dieses geht es nun auf landestypisch steinigem, erodiertem Feldweg hinauf, bis auf eine Höhe von 2130 Metern. Inzwischen sind wir in der Graszone und haben den Wald hinter uns gelassen.

Zu Fuß marschieren wir den Oberlauf des stillen Muchu-Bergbaches weiter hinauf. Bald schon stellt sich der Bach der Wegführung in den Weg. Eine Querung erfordert das Balancieren über einen glitschigen Holzstamm – der erste einer längeren Serie an diesem Tag :-). Ein Teil der Gruppe weicht in den Hang aus und traversiert dort mühsam ein Stück, um weiter oben zurück zu uns und auf den Weg zu stoßen. In einer langen Kurve des Grastals an einer Schaf-Farm stürmt ein Schafhirte zu unserer Gruppe und fragt nach Wodka, den wir aber nicht dabei haben… Wir biegen kurz später aus dem Tal rechts ab in eine mäßig steile Grasflanke, die wir hinauf und dann weiter im Gras – mal eine kleine Wegspur nutzend – aber meist weglos das hügelige Gelände Richtung dem inzwischen erkennbaren Sattel des Muchinskij-Passes am Horizont durchstreifen. Um uns herum ist die Landschaft von sanften oder mäßig schroffen Grasbergen geprägt, die eine Höhe knapp unterhalb 3000 m bis ca. 3400 m erreichen. Wie unser russischer Bergführer Victor uns bestätigt, ist dies ein herrliches Ski-/ Schneeschuhtourengelände im Winter. Das können wir uns gut vorstellen. An der Passhöhe angekommen öffnet sich der Blick nach W auf ein herrlich anmutendes Bachtal. Wir erklimmen eine kleine, felsige Kuppe direkt seitlich (südlich) des Passes und lassen uns zu einer Brotzeit nieder.

Natürlich steht einigen von uns hier am dediziert höchsten Punkt der Tagestour noch der Sinn nach einem kleinen Extraausflug zu einem der umliegenden Gipfel. Auch Max, unser deutscher Begleiter, teilt dieses Ansinnen und so machen wir uns mit ihm und knapp der Hälfte der Gruppe auf über den Passsattel und klimmen den gegenüberliegenden Grashang weglos und einfach (T3) hinauf Richtung Grasberg im Byki-Rücken (Chrebet Byki). Nach gut 20 Minuten haben wir die Spitze des Berges Chrebet Byki (2976 m) erreicht und genießen einen schönen Ausblick über die weite Landschaft. Wir folgen nun einfach dem W-Grat und bleiben damit parallel zum normalen Abstiegsweg hinter dem Pass. Über einen breiten Grasgrat steigen wir steil ab in einen Sattel. Wir überlegen kurz nach rechts sanft in ein anderes nett anmutendes Seitentälchen abzusteigen, entscheiden uns dann aber doch für die steilere Grasflanke rechts hinab zum Bach mit der Route der anderen Gruppe. Steil durch üppiges Kraut steigen wir weglos zum Mali Marka-Bach hinab (T4-).

Der normale „Weg“ ist hier auch nur ein kaum erkennbarer Trittpfad. Über eine originelle 2-stämmige Birkenkonstruktion queren wir erneut den Bach und gelangen in eine waldig-erdige Flanke über die wir weiter talwärts steigen. Schon nahe dem Ullu Marka-Fluss treffen wir wieder auf den Rest der Gruppe. Es fängt leicht zu regnen an. Nun stellt sich uns mit der Querung eines Seitenflusses ein größeres Hindernis in den Weg. Über umgestürzte Stämme und viel Steinhüpfen gelingt uns auch hier nach einiger Zeit die Querung. Allerdings ist dann auch noch der Hauptstrom zu queren – wofür sowohl eine wacklige Stammkonstruktion oder auch ein Stück tiefer eine etwas breitere Holzbrücke zur Verfügung steht.

Dahinter führt der Weg nun in den steilen Hängen westlich des Bachlaufes parallel zu diesem nördlich talabwärts. Mehr als 1 Stunde queren wir so schöne Blumenhänge und Waldstücke und haben immer wieder Tiefblicke auf den rauschenden Bergbach unter uns. Später geht es in Serpentinen zum Bach hinab und mit einer guten Brücke über diesen. Im hier breiten flachen Talboden folgen wir weitere 45 Minuten dem Bachlauf, bis zu einem Talkessel, wo ein weiteres Tal zu unserem dazu stößt. Am Zusammenfluss liegt ein kleiner Weiler Krasnij Karatschaj, der etwas verfallen aussieht und laut Victor zu Vorperestroika-Zeiten ein blühendes Agrardorf war. Wir biegen spitz links ab und folgen nun dem zweiten Bachtal noch mal 30 Minuten aufwärts, wo wir auf einer großen Wiese neben dem Bachlauf unsere Zelte entdecken, die von der Organisation – auch unsere Kastenwagen stehen hier – schon aufgebaut worden sind.  Es war ein langer Marschtag und wir stürzen uns auf kühles Bier und genießen bei inzwischen wieder passabler Abendstim-mung die idyllische Campatmosphäre und unsere erste Zeltnacht.

Am nächsten Morgen brechen wir schon früh (6:30 Uhr) zunächst mit den Fahrzeugen auf und fahren den bachlauf weiter stromaufwärts. Die Morgenstimmung ist bei schönem Wetter grandios – immer höhere Berge und Gletscher tauchen in der vom Tau neblig-dampfenden Talluft um uns auf. Das muss Bärengelände sein hier. Nach gut 30 Minuten auf abenteuerlichsten Matschwegen – ein Wunder, dass wir nicht steckenbleiben – erreichen wir das Alpinistencamp Aksaut. Hier werden wir auf 1860 m Höhe aus den Fahrzeugen entlassen und brechen auf zu unserer Passquerung des Alibek-Passes, mit dem wir erneut den Teberdinskij-Kamm queren wollen, um zurück nach Dombai zu gelangen.

Vom Tal folgen wir zunächst einem alten Fahrweg in Richtung einer Bergmine. Mäßig steil in vielen Serpentinen machen wir in der ersten Stunde so knapp 400 Hm gut. Trotz des breiten Wegs, ist dieser Abschnitt durch die umliegende Bergwelt schon sehr reizvoll. Doch dann kommt eine echt atemberaubende Passage. Wir biegen vom Fahrweg in einen steilen Krauthang ab und queren durch unvorstellbar üppige und artenreiche Blumenvegetation den Berghang Richtung N. Zuletzt steigen wir dabei wieder etwas an und gelangen in ein breites und flaches Hochkar mit Bachlauf. Über einige Schrofen und weitere Kräuter gelangen wir in eine kleine Mulde auf ca. 2500 m, wo wir eine Pause einlegen. Fantastisch ist hier – wieder nahe am Kaukasushauptkamm und der Grenze zu Georgien – die Bergwelt mit bis zu 3900 m hohen Fels-Gletschergipfeln.

Vom Karboden steigen wir durch große Blockhalden und in Serpentinen durch einen Grashang hinauf zu einer Stufe auf knapp unterhalb 3000 m Höhe. Wir queren etwas nach rechts und folgen nun sehr mühsam steil aufwärts einer erdigen Rippe mit viel feinem Schutt, bis wir auf ein großes Schneefeld 50 Hm unterhalb des Passsattel treten. Über das karförmig geformte Schneefeld erreichen wir schließlich die Passhöhe des Alibek-Passes mit gut 3.170 m ü NN. Neben dem Pass steigen ein paar von uns noch einen leicht ausgesetzten brüchigen Grat in leichter Kletterei (I) ca. 30-40 Höhenmeter empor, wo man einen kleinen Vorgipfel erreicht. Tomek, Max und Peter versuchen sich auch weiter noch an einem Felsturm, was mir aber zu schwierig erscheint. So besteigen sie noch einen etwas höheren Seitengipfel, lassen von dem angestrebten Turm aber ebenfalls ab.

Vom Alibek-Pass steigen wir durch eine steile Schnee-Geröllflanke schließlich nach O Richtung Dombai ab. Hinten über uns besucht uns dann noch ein wenig scheuer Steinbock. Vorbei an Wasserfällen und viel Schrofen kommen wir immer tiefer und schließlich wieder in diese wahnsinnig üppigen Blumenmatten, die sich mir immer noch am Eindrücklichsten mit dem Kaukasus ins Gedächtnis geprägt haben. Fast weglos durch bis übermannshohe Staudenbestände steigen wir Richtung Tal ab, biegen dann allerdings nach links querend in einen erdig-rutschigen Seitenhang ab. Leider machen Margit die Pollen hier doch sehr zu schaffen und sie leidet unter allergischem Asthma. Abends besorgen wir ihr in Dombai dann in einer Apotheke Medikamente, mit denen sie die Folgetage dann leidlich zurecht kommt.

Nach einer weiteren knappen Stunde rutschigem Abstieg durch Kraut- und Waldvegetation gelangen wir zu den Alibek-Hütten mit einer kleinen Gebäudeansiedlung gut 6 km talaufwärts von Dombai. Das Programm sah eigentlich eine Übernachtung hier vor, aber die Unterkunft ist überbucht und so weichen wir – nach Stärkung mit kühlem Bier nach dem 9-stündigen Tagesmarsch – wieder aus in unser kleines Hotel in Dombai und verbringen hier eine 3. Nacht. Dorthinab nehmen wir allerdings einen Taxi-Transport wahr.

Tourengänger: ju_wi

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Geodaten
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