Westkaukasus-Eingehtour zu den Tschutschurskij Wasserfällen


Publiziert von ju_wi , 18. August 2009 um 23:29.

Region: Welt » Russland » Kaukasus
Tour Datum: 2 August 2009
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: RUS 
Zeitbedarf: 5:30
Aufstieg: 650 m
Abstieg: 1280 m
Strecke:19,1 km
Unterkunftmöglichkeiten:Dombai - einfaches Hotel
Kartennummer:Atlas "Sapadnij Kavkas"

Erster Tag von 2 Wochen Urlaub im Kaukasus. Nach Flug über Moskau - Mineralnij Wody sind wir in die Republik Karatschai-Tscherkessien nach Dombai gefahren und unternehmen am ersten Tag eine Eingehtour am Bergkamm Musat-Tscheri und ins Ulgen-Tal zu den Tschutschurskij-Wasserfällen. Dabei sammeln wir erste Eindrücke von der botanisch-außergewöhnlichen und stark vergletscherten Bergwelt des westlichen Großen Kaukasus.

Dombai, auf 1600 m gelegen, ist kein schöner Ort. Insbesondere im Sommer ist hier nicht viel los - die Blütezeit ist der hier tief verschneite Winter, in dem der Ort wohl von Skitouristen (allerdings auch weitgehend lokal und russisch) recht vollgestopft sein kann. Geprägt wird der recht neumodische Ort von vielen Bausünden, d.h. Hotels aller Größen, von denen mind. die Hälfte noch - oder auch bleibend - im Rohbau steckengeblieben ist. Da macht auch unser einfaches Hotel, in das wir für die ersten 2 Nächte einkehren, keine Ausnahme - von außen Rohbau ist es aber innen ganz passabel.

Morgens brechen wir mit unserer Gruppe vom Hotel aus zu einer ersten Bergtour auf. Wir marschieren vom Hotel am Ortsrand zunächst in den Ortskern hinein. Durch ganz nette Marktstände und eine lange hohe Holzbrücke über einen Fluss gelangen wir zum neuen Kabinenlift - Wintersport sei dank - der uns zunächst auf ca. 2240 m hinaufträgt. Schon genießen wir bei etwas bedecktem, wolkigen Wetter schöne Blicke nach W ins Alibek-Tal. Den Talschluss mit knapp 3200 m hohem Pass werden wir in der Woche noch begehen.

Nach Ausstieg aus der Bahn befinden wir uns in der Mittelstation im Südhang des bis zu 3400 m hohen Musat Tscheri Bergrückens. Eigentlich wollten wir von hier hinauf zum Bergrücken wandern und oben evtl. über den Grat östlich queren und durchs Ulgen-Tal absteigen. Doch schon ein paar hundert Meter über uns verschwindet die Bergflanke in dichten Wolken und so entscheiden wir uns (sinnvollerweise) für eine Querung der Flanke Richtung Tal hinauf und Zustieg zu den Tschutschurskij-Fällen von unten her.

Ein kleiner Abstecher bringt uns zum "Dombai Ufo" - einer Ufo-förmigen kleinen Hütte. Im Hang wandern wir auf breitem, steinigen, stark erodierten Bergweg zunächst noch etwas leicht bergan bis auf ca. 2350 m und dann in einem Bogen und einigen weiten Serpentinenbögen in gut 1 Stunde sanft talwärts (T2). Neben den herrlichen Blicken auf die vergletscherten fast 4000er im Süden von uns, die auch den Hauptkamm des Kaukasus und die natürliche Grenze zu Georgien bilden, ist vor allem der Blumenreichtum und dessen Artenvielfalt schier atemberaubend. Auch spektakuläre Arten, die in den Alpen nicht vorkommen, wie z.B. eine große, gelbe Feuerlilie, kommt hier in Massen vor. Je weiter wir ins Tal gelangen, umso höher wird die Krautschicht aus mannshohen Stauden, durch die wir uns auf sehr kleinen, erdig - sumpfigen Trittpfaden einen Weg bahnen müssen. Dabei rückt nun immer mehr der westlichste 4000er des Kaukasus, der Dombai-Ulgen (4046 m) ins Blickfeld, dessen Spitze sich aber leider in Wolken hüllt. An seiner NW-Flanke befindet sich unser Wanderziel, die Tschutschurskij-Fälle.

Um zu ihnen zu gelangen biegen wir in der Wiese praktisch weglos in einen sehr steilen und rutschigen Krauthang ein (T3). Nach einigen Metern stören wir ein äusserst aggressives Wespenvolk, das unserer Gruppe (inkl. mir) an die 10 schmerzhafte Wespenstiche versetzt. So steigen wir durch die Wiese bis auf ca. 2250 m auf. Wir befinden uns nun oberhalb der Fälle. Vor uns öffnet sich nach O ein schönes Grastal mit dem Oberlauf des Tschutschur-Baches. Folgt man seinem Lauf zum Talschluss, so erreicht man den gut 2700 m hohen Tschutschur-Pass zum Nachbartal, das nördlich der Musat Tscheri Kette hinabführt. Wir hingegen wenden uns nun durch Gehölz und viel steinigem, rutschigem Grund bergab und auf den Bachlauf zu. Das Getöse nimmt zu und bald schon erreichen wir den wasserreichen Wildbach, der in vielen Stufen und kleineren Wasserfällen zum Talboden und dem größeren Ulgen-Bach hinabrauscht. Sicher 200 Hm folgen wir dem Wildbach in sehr ursprünglicher "Weg"führung hinab und genießen die immer neuen Ansichten des tosenden Wassers.

Dann wenden wir uns wieder Richtung Ulgental und folgen unserer Trittspur durch die hohen Stauden westlich Richtung Dombai. Nach einiger Zeit passieren wir den Abzweig hinauf, wo wir ins Tal hinabkamen. Wir bleiben diesmal nahe dem Talboden und kommen bald zu einem wilden Fahrweg, der uns zurück nach Dombai bringt. Mit Peter, Gitti und Claudia kehren wir noch in eine Bar am Ortsrand ein und kühlen uns mit einem Bier.

Der Abend in Dombai hält mit einem russischen Musikfestival noch einen schönen Abschluss bereit. Mit Tom und Tom und einigem Wodka genießen wir die Darbietungen stilecht.

Tourengänger: ju_wi

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Geodaten
 1086.gpx Dombai - Tschutschuskij-Wassefrälle

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