„Da dörffet dr nit aabee, das choschtet.....“


Publiziert von Henrik , 16. August 2009 um 21:55.

Region: Welt » Schweiz » Schwyz
Tour Datum:14 August 2009
Wandern Schwierigkeit: T1 - Wandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SZ   Etzel-Aubrig-Kette 
Zeitbedarf: 4:30
Aufstieg: 560 m
Abstieg: 360 m
Strecke:Feusisberg - Stöcklichrüz - Willerzell
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV
Zufahrt zum Ankunftspunkt:ÖV
Unterkunftmöglichkeiten:zuhause
Kartennummer:Lachen 1: 50 000

Quinten – das klingt fremdländisch, nicht etwa eine Verwechslung mit Quinto; Q wie Question? Weder noch - die Ferienregion Heidiland wirbt folgendermassen: Auf einem kleinen Landvorsprung am Walensee, 434 m ü.M., liegt Quinten. Ein Stück Erde, das auf der einen Seite durch den See auf der anderen Seite durch die steilabfallenden Felswände der Churfirsten begrenzt ist. Und man kann sagen, dass die rund 55 Einwohner mit dem See genauso verbunden sind wie mit dem Berg, ...ja dass sie mit einem Bein im Wasser und mit dem anderen am Fels leben. Ein Dorf, das durch den gewaltigen Berg vor den kalten Nordwinden geschützt wird. Dank dem milden Klima ein kleiner Ort mit grosser Ernte. Hier wachsen nicht nur Trauben, sondern auch Feigen, Kiwis und andere Südfrüchte. Allerdings ist das Hinkommen verbunden mit Gehen auf Asphalt – die ersten Kilometer, wenigstens von Weesen her. Das möchte ich mir gleich zu Beginn nicht antun! Alternativen gibt es ab Amden und aus Walenstadt bzw. –berg. Edith’s Anreise an diesem Freitag hätte aber erst auf Mittag hin erfolgen können – da intervenierte ich und schlug eine andere Wanderung vor.
 
Wir treffen uns in Pfäffikon (SZ) auf Gleis 4 und nehmen vom Bahnhofsplatz den Bus nach Feusisberg.
Diese Region kenne ich lediglich von meinen Erkundungsfahrten mit dem Range Rover – irgendwo in den Tiefen des Gehirns dämmert der Namen Etzel und St. Meinrad. Jetzt konnte ich mich wieder mal „beweisen“, zu Fuss und mit Hintergrundwissen. Edith warf ein, dass hier Euro 08-Fussballer im Spa Resort untergebracht gewesen seien – aha. Ganz von anderer Prägung ist die Region durch das Kloster Einsiedeln: Die weißen Jakobsmuscheln symbolisieren den Kirchenpatron (hl. Jakob d. Ä.). Die Raben spielen auf die geschichtliche und kirchliche Rolle des Klosters Einsiedeln an – so im Wappen der Gemeinde. Auch im Zürichsee liegt eine Perle, die auf den Einfluss des Klosters hinweist: die Insel Ufenau ist in deren Besitz! Und als wir dann am späteren Nachmittag vom Sihlsee her kommend mit dem Postbus in Einsiedeln einfahren, ist das Kloster unübersehbar, monumental...eine umfangreiche Besitztümerliste ist hier abgelegt: http://www.klosterarchiv.ch/e-archiv_urkunden_liste.php.
 
Es ist elf Uhr, wir steigen den schmalen Weg hinan zum großen Wegweiser oberhalb des Dorfes zum Hof Moos. Unfehlbar gekennzeichnet der sehr steile Anstieg nach Etzel Kulm – der durchs nasse Gras führt, hat es doch auf den Freitag hin geregnet. Mit zunehmender Höhe überschaut man das Seebecken und nimmt die dichte Besiedlung nicht nur mit Freude wahr! Obwohl der Bucheli und sein Team einen klaren Himmel voraussagten, waren wir froh, unsere Knirpse im Rucksack dabei zu haben. Eher störte die tropische Feuchte – somit war schwermetalllisches Schwitzen die Folge, was einen ja gesund hält. Für die 400 HM erstaunte uns unsere Leistungen selbst – etwas mehr als eine Stunde. Kurz vor der Kulm wummerte schweres Waldmaschinengerät, eine neu geholzte Lichtung wurde soeben auf einen Holzlangwagen verladen (1-Mann-Betrieb). Dann das Berggasthaus Etzel Kulm (1093 m), auf dessen Terrasse erstaunlicherweise nur wenige Menschen gastierten – für einen Freitag. Ohne Konsumation anzustreben, wollten wir hier gesittet die Toilette aufsuchen, steuerten geradewegs darauf zu, als wir ziemlich laut aufmerksam gemacht wurden: „da dörffet dr nit aabe, das choschte e Franke füffzig“! Wir reagierten wie versteinert, guckten uns an und zogen Leine – nicht schnell, irgendwie in stoischer Ruhe, nicht gekränkt, aber sichtlich verärgert über diese Maßlosigkeit – draussen in der Natur! Wir setzten uns unterhalb des Restaurant auf die Holzbänke, gingen jeder für sich kurz in sich, um danach dann festzustellen – da ist sogar McClean noch günstiger! Ich schlug vor, in St. Meinrad (in historischer Umgebung) einzukehren und dort dann noch der Kapelle einen Besuch abzustatten. Der kleine „Felsabstieg“ bedachte uns mit Vorsicht – denn die feuchten Steine waren rutschig. Alsbald war der Sihlsee und das Kloster Einsiedeln zu erkennen, aber die Landschaft lag nicht klar vor uns – wir wähnten uns in einer Waschküche. Am Horizont die Mythen, der große unter einem Wolkenhäubchen. Nein, nicht einkehren, wenn überhaupt, dann später – nächstes Ziel das Stöcklichrüz (1248 m). Ich mag Wandern auf Asphalt gar nicht, so freute es mich, dass der WW alternativ über Wiesen und entlang des kleinen Mooses angeboten wurde und sich so fortsetzte bis zum Ruheplatz mit den beiden Holzbänken kurz unterhalb Pt. 1202 (Nähe Scheune Beristofel). Und wieder ein grandioser Blick über den Zürichsee und den Untersee, dahinter der Greifensee, doch der Pfäffikersee liess sich meinerseits nicht erkennen...hier oben frischte der Wind auf, wir freuten uns über den Frieden, der über der Landschaft lag und die Distanz zum Etzel.... Entlang üppiger Haine mit Brombeeren und Himbeeren verläuft der WW über einen 2008 erneuerten, nun auch fahrbaren Weg zur gedeckten Feuerstelle unterhalb des Stöcklichrüz: Gruebi Wissegg (Schwyzer Wanderwege), wo ich mich sofort an die unzähligen Unterstände erinnerte, die ich während Jahren im schwedischen und norwegischen Fjell nutzte, um draussen beschützt zu nächtigen. Auf dem Stöcklichrüz war die Sicht dann doch erheblich eingeschränkt – wegen zunehmender Wolkenhaufen und Dunst. An der zweiten grossen Feuerstelle vorbei (am Südhang des Stöcklichrüz), etwas ansteigend bis Viehplatz Grueb, via Summerig vorbei und danach rechne man mit durchweichtem Untergrund auf über der Hälfte diesem wohl eher seltenst begangenen WW, der kurz vor Willerzell recht stotzig in den Ort hinabführt. Kurz bevor man dies tut – richte man sein Auge noch mal rundherum, und freue sich über die grandiosen Angebote, die die Schweiz für jedermann bereithält. So drückte es jedenfalls das Edith aus. Und sie bedankte sich übermütig für die fast 5-stündige Wanderung, ganz in ihrem Sinne und dass wir nur ein paar Meter auf Asphalt zu gehen hatten, bemerkte sie schelmisch, als wir uns auf die Terrasse des Landgasthofes Schlüssel setzten, bevor um 17.15 uns das Poschti nach Einsiedeln brachte. In Samstagern, wo wir die S-Bahn wechselten, wurde gerade um kurz vor sechs ein Personenunfall in Wädenswil gemeldet....wie sind wir wieder mal in die Realität zurückgeholt worden, und sind froh, dass wir gesund sind und uns bewegen können!
 
 
Ergänzende Links mit teils guten Informationen:
 
 
 
 
           §     http://www.tourenguide.ch/d/wanderungen/zentralschweiz/detail.php?touren_id=173

Tourengänger: Henrik

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Kommentare (2)


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Seeger Pro hat gesagt: Toilettenbesuch CHF 1.50 = 1 EURO
Gesendet am 16. August 2009 um 22:11
Ciao Henrik
Wieder mal spannend und mit interessanten Détails bespickt!
Früher galt der Franken als Toiletten-Eintritt. Aber heute sind es eher die aus dem EURO-Raum. Also hat sich der Schweizer Wirt an den 1 EURO gewöhnt ;-) Es ist kaum die Kosten-Nutzen-Rechnung, welche dir aufgestossen ist. Es war der Ton, die verhärmte Art der verärgerten Äusserung des Personals. Stell Dir vor, wie du reagiert hättest bei einem netten "mer sötted es bizzeli a d'Ukoste ha - oder wönd sie nöd gad lieber IIkehre. S'isch denn nämlich gratis" oder so?
Dein
Andreas

ossi hat gesagt: Bei mir zuhause...
Gesendet am 16. August 2009 um 22:53
hättest Du 1.60 bezahlt, dafür hätte ich Dir ein Lied Deiner Wahl gesungen und Dir eine Kundenkarte ausgehändigt (jedes 11. Pinkeln gratis).


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