Dent Blanche Wandfluegrat


Publiziert von Matthias Pilz Pro , 13. August 2009 um 20:41.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Unterwallis
Tour Datum:29 Juli 2009
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: IV (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2550 m
Abstieg: 2550 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Aus dem Rhonetal nach Les Hauderes und weiter nach La Forclaz, Parkplatz vor Fahrverbotstafel ("P Ferpecle")

Die Tour ist Teil unserer 4-Wöchigen Reise durch die Schweiz bis nach Chamonix!

Um 9:30 beginnen wir unseren Aufstieg zur Cabane de la Dent Blanche. Der Weg führt vom Parkplatz kurz der Asphaltstraße entlang, an einem Buvette vorbei, kurz vor einer Brücke links in den Wald und auf schwachem Weg in Richtung Süden. Nach etwa einer Stunde trifft man auf den markierten Weg, dem man bis zum ehemaligen Hotel Alpe Bricola folgt (2h). Von hier folgt man dem Weg flach bis zu einer Moräne, über diese steil hinauf und nach rechts auf die Ausläufer des Glacier des Manzettes. Diese über Geröll queren und über Firn, Fels und zuletzt wieder Firn (evtl. Blankeis) hinauf zur Hütte (6h vom P.). Die Hütte ist sehr klein und bietet circa 40 Personen Platz.
Um 4 Uhr gab es Frühstück und kurz darauf begannen etwa 15 Seilschaften, die meisten mit Bergführer, den Aufstieg. Zuerst steigt man zur Wasseraufbereitungsanlage hinter der Hütte, weiter zu großem Steinmann und entlang von im Dunklen schwer sichtbaren Wegspuren hinauf. Nach kurzer Zeit klettert man hinauf auf den Grat (II) und auf diesem ausgesetzt zum Beginn des Firngrates. Hier legen wir die Steigeisen an und über circa 35° steilen Schnee hinauf aufs Plateau. Über dieses hinweg und auf der SO-Seite des Blockgrates hinauf, am Ende kurz über den Grat selbst zu P. 3907. Hier lässt man die Steigeisen an, da man danach eine weitere Firnkuppel überschreitet. Der nun schroffer werdende Grat wird in leichter Kletterei (eine Stelle bei Platte II) erstiegen und so erreicht man den Fuß des Grand Gendarme. Hier quert man etwa 30m waagrecht, am Ende leicht bergab (2 BH) zu ebenem Platz der Eisrinne. Durch das Coloir 40m steil hinauf, hier sind Eisschrauben und Pickel notwendig, nach links zu Schlingenstand an Block. Am Schneegrat weitere 25m hinauf zu Eisenstange und hier Stand. Über steilen Firn bzw. Eis kurz hinauf (evtl. heikel wegen nur sehr dünner Eisauflage) und über ein senkrechtes Felsstück 5m (III) in Joch hinter dem Grand Gendarme. Hier Stand an Eisenstange. Um vom Fuß des Gendarme hierher zu kommen gibt es auch einige andere Möglichkeiten, diese sind aber klettertechnisch schwerer. Ein Riss führt hinauf auf den ersten Turm (Stand mit BH). Über den flachen Grat 50m zu Fuß des nächsten Turms klettern. An seiner rechten Kante kurz hoch, über Platte nach links (BH) und steilen Riss links eines großen Überhangs hinauf zu Stand (BH). Über den nun wieder leichteren Grat und vor einem Steilaufschwung nach rechts (komischer Fels) und auf der rechten Turmseite steil hinauf. Der nun wieder flachere Grat wird kurz überschritten und direkt auf der Schneide (hier noch nicht nach links) zu steilem Wandl. Über dieses hinauf, es ist nicht so schwer, wie es zuerst aussieht und zu Stand (BH) am Kamm einer Platte. Hier über die Platte hinab (Klemmblockschlinge) und weitere 20m waagrecht nach links (BH) zu Stand an Block und NH (alte Schlingen), oberhalb befindet sich ein roter Friend. Hier macht man in der Regel keinen Stand, sondern benutzt ihn nur als Zwischensicherung. Man klettert 3m weiter nach links und über einen kleinen Rissüberhang (IV-, BH) und die folgende Platte (III, BH) zu Stand (BH). In kürze auf den Grat und über diesen wieder mit Steigeisen abwechslungsreich über Felsinseln bzw. wild überwechteten Grat rasch zum Gipfel mit Kreuz (6h v. Hütte). Nach längerer Rast am Gipfel, dem ersten windstillen Punkt, beginnen wir wieder mit dem Abstieg. Vom letzten Standplatz seilt man 20m schräg ab zum zuvor beschriebenen Schlingenstand. Von hier klettert man zum Stand am Kamm, von diesem wiederum kurz abseilen und zum nächsten Stand klettern. Von diesem über komischen Fels abklettern bis zum nächsten Stand, hier wieder 25m abseilen und kletternd (genau 50m, wenn man zuvor genau 25m abgeseilt hat) zu Stand unter Block. Die letzten Meter kletternd hinab zu Stand in Joch an Eisenstange. Von hier entweder 2 x 50m oder 3 x 25m abseilen zu ebenem Platz südlich der Rinne. Über Platten zurück zum Grat (2BH) und über diesen wie im Aufstieg hinunter bis zur Hütte (wie auch im Aufstieg 6h). Nach längerer Rast steigen wir noch die 1700Hm nach Ferpecle hinab.

Alles in allem eine wunderschöne aber sehr anspruchsvolle Tour, was die Tatsache, dass nur 4 der 15 gestarteten Seilschaften den Gipfel auch wirklich bestiegen, beweist. Obwohl der Wind bei uns, verglichen mit unserer Monte Rosa Überschreitung, gering war, konnten wir schon spüren, wie stark selbst ein geringes Lüftchen hier heroben an den Kräften zehrt. Auch der anstrengende Hüttenzustieg ist am Gipfeltag noch zu spüren, selbst wenn der Gipfelaufstieg nur 800Hm beträgt. Ebenfalls mit einzuberechnen sind langsame Seilschaften die, vor allem im Abstieg, falsche bzw. sinnlose Sicherungstechniken anwenden. Nach wie vor ist der Dent Blanche eine großartige alpine Bergfahrt in grandioser Umgebung!


SCHWIERIGKEIT: ZS, IV-

ABSICHERUNG: +/++++

MIT WAR: Tanja

AUSRICHTUNG: S

STIL: OnSight, alles Vorstieg bzw. tlw. Führungstechnik

Tour beschrieben von Matthias Pilz (mammut-extreme@gmx.at), ©Matthias Mountaineering

Tourengänger: Matthias Pilz

Galerie


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