Monte Rosa Überschreitung mit 10 UIAA 4000ern


Publiziert von Matthias Pilz Pro , 13. August 2009 um 17:44.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Mittelwallis
Tour Datum:22 Juli 2009
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS   I 
Zeitbedarf: 4 Tage
Aufstieg: 3696 m
Abstieg: 4764 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem Auto nach Täsch oder weiter talauswärts nach Stalden und mit dem Zug nach Zermatt. Von dort zu Fuß zur Talstation der Klein Matterhornbahn.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Die Talstation der Gornergratbahn liegt gegenüber des Bahnhofs in Zermatt.

Die Tour ist Teil unserer 4-Wöchigen Reise durch die Schweiz bis nach Chamonix!

Mit dem Zug fuhren wir von Stalden nach Zermatt und von dort mit der Seilbahn aufs Klein Matterhorn. Von der Bergstation auf ca. 3820m steigt man in den Sattel ab und quert den Breithorngletscher. Der Anfangs starke Wind ließ hier ein bisschen nach und so gelangten wir zum Bergschrund. Dieser konnte ohne Probleme überschritten werden und in einer langen Querung nach links erreichten wir den Westgrat. Über diesen einfach zum Gipfel des Breithorns (4165m). Der Gipfel ist vermutlich der einfachste 4000er und dementsprechend gut besucht. Obwohl wir als eine der letzten Gruppen starteten haben wir nach 1h Gehzeit als eine der ersten den Gipfel erreicht. Vom höchsten Punkt steigen wir bei wieder stärker werdendem Wind in den Sattel östl. des Gipfel ab. In wenigen Minuten erreicht man über den Grat den Breithorn Mittelgipfel (4160m). Ab hier wäre eine weitere Überschreitung schwer und bei dem starken Wind gefährlich. Deshalb steigen wir zurück in den Sattel und steil hinunter zu einem Felsen. Um diesen rechts herum und fast waagrecht über den Grand Gh. di Verra und unter dem Felskopf mit dem Biv. Rossi e Volante zur SW-Rippe des Pollux. Über eine Eisrinne steigen wir ein Stück hinauf, allerdings wechselt dann das Wetter und es schneit. Wir steigen wieder ab und steigen Richtung Zwillingsjoch (1,5h vom Breithorn Mittelgipfel). Hier wird das Wetter wieder besser und wir beschließen den Gipfel doch zu besteigen. Vom Joch aus führt der SO-Grat zum Gipfel. Zuerst steigt man über Stufen am Grat zum großen Gendarm. Dieser wird rechts in einer Rinne erklettert und danach über ein paar weitere Stufen bis kurz unter den Gipfel. Hier klettert man über eine steile Platte (II+) 20m hinauf. Am Ende 2 Schlingen zur Sicherung. In Kürze über Firn zum Gipfel des Pollux (4091m) (1h vom Joch). Zu diesem Zeitpunkt hat sich das Wetter plötzlich verschlechtert und aus der Ferne hören wir erste Donner und es beginnt zu graupeln. Die Platte wird im Abstieg dadurch extrem und wir beschließen von einer Schlinge abzuseilen. Der starke Wind erschwert das. Als wir beim Gendarmen ankommen wir das Wetter wieder besser und wir können ohne Probleme ins Zwillingsjoch absteigen (45min). Von hier über den Gletscher hinunter und nach rechts zum Rif. Guide e V. d´Ayas (3394m) (45min). Hier übernachten wir.
 
Heute frühstückten wir um sechs Uhr und stiegen dann wieder ins Zwillingsjoch auf (1h). Schon hier war der Wind sehr stark und wir sahen, dass die Gruppe vor uns nur sehr langsam vorwärts kam. Vom Joch stiegen wir durch die SW-Flanke auf, die Route ist durchgehend steil aber hatte gute Verhältnisse. Man steigt in eine Mulde und aus dieser über eine 30m Stufe in steilem Firn (manchmal Eis oder Fels) zum Grat. Hier war der Wind bereits so stark, dass wir die letzten Meter zum Gipfel kriechend bewältigen mussten (1h 15min vom Joch). So erreichten wir den Castor (4223m). Der Abstieg Richtung Rif. Sella verläuft auf dem SO-Grat, einem ähnlich schmalen Firngrat wie beim Aufstieg. Wir bewältigten ihn teilweise kriechend, teilweise vorsichtig aufrecht gehend. So stiegen wir hinab ins Felikjoch, aber hier noch nicht hinunter zum Gletscher, sondern noch kurz zum Felikhorn (4087m) (1h vom Gipfel). Danach ging es entlang eines Felsabbruches am Grat kurz nach Süden und dann rechts in eine Gletschermulde. Hinunter zum Rifugio Cap. Quintino Sella (3585m) geht man circa 40 min über einen flachen Gletscher. In dieser Hütte verbrachten wir die zweite Nacht.
 
Für heute war die Überschreitung des Liskamms geplant, weshalb wir auch schon um 4 Uhr 30 frühstückten. Anhaltend starker Wind und die gestrigen Strapazen waren ausschlaggebend für die Entscheidung nicht wieder hinauf auf den Grat zu gehen. Deshalb wählten wir die Route über den Lysgletscher, diese ist deutlich dem Wind ausgesetzt und leichter. Um 6h begannen wir unseren Aufstieg über den flachen Gletscher, allerdings mussten viele Spaltenzonen umgangen werden. Über zuletzt sehr steilen Firn bzw. Blankeis erreichen wir ein Flachstück über dem Felsgrat „Il Naso“. Von hier rechts der Felsen hinauf auf den Grat und über diesen auf die Schneedomspitze (4272m) (2h 15min). Der schon hier sehr starke Wind bestätigte unsere Entscheidung den Liskamm nicht zu überschreiten, allerdings war der Wind heute aufgrund des strahlenden Sonnenscheins wesentlich leichter zu ertragen als gestern. Über die SO-Flanke zurück zur Spur und über diese nach Osten. Sehr steil und spaltenreich zum Plateau und über dieses Richtung Osten in den Sattel zwischen Schwarzhorn und Vincentpiramid (1h). Aus diesem unschwer zum Gipfel der Vincentpiramid (4215m) (20min). Vom Gipfel kurz am SSW-Grat hinab zu einer Markierungsstange und hier die S-Flanke über Felsen und Firn zu weiterer Stange queren. Hinab zum Gletscher und über diesen in Kürze zum Giordanispetz (4046m) (45min). Vom Gipfel bei weiterhin schönstem Wetter waagrecht wieder zum SSW-Grat (Stange) queren. Über den felsigen Grat ohne große Schwierigkeiten hinab und an beliebiger Stelle flach zur Rif. Gnifetti (3625m) (1h).
 
Heute steigen um 4h Richtung Norden zum Felsen des Balmenhorns und besteigen das Balmenhorn (4167m) von Norden her über eine 10m hohe Felsstufe mit Fixseil (1h). Am Gipfel kehren wir im Biv. Giordano ein und erholen uns kurz von der eisigen Kälte. Trotz aufgehender Sonne blieb es sehr kalt und wir stiegen schnell hinauf in den Sattel nördl. des Schwarzhorns. Über eine steile Flanke hinauf und über ausgesetzte Felsen zum höchsten Punkt des Schwarzhorns (4321) (30min). Zurück in den Sattel und weiter Richtung Norden auf die Ludwigshöhe (4341m) (20min). Hinab in eine Mulde und steil hinauf zum Westgrat des nächsten Gipfels und über den Grat bei eisigem Wind zum Gipfel der Parrotspitze (4432m) (30min). Zurück in die Mulde und nach Osten zu einem sonnigen und windstillen Rastplatz. Wir entschlossen uns aufgrund des seit Tagen starken Windes die weitere Überschreitung über die Signalkuppe zur Dufourspitze nicht mehr zu machen und um uns den langen und mühsamen Heimweg aus Italien zu ersparen beschlossen wir über den langen und oft gefährlichen Grenzgletscher nach Zermatt abzusteigen. Vom Rastplatz östlich über den Gletscher, dann nach Norden queren und über eine Mulde unter P. 4026 hinab. Rechts von P. 3700 bzw. links von P.3472 durch und durch das Spaltengewirr und auf die Felsen bei P.3109 (2h). Aufgrund unseres frühen Aufbruchs und der guten Spur konnten wir den Grenzgletscher, noch bevor die ersten Sonnenstrahlen ihn trafen, ohne Schwierigkeiten begehen. Mühsam über Blöcke und scher zu findende Wege hinunter zur neuen bzw. alten Monte Rosa Hütte (2795m). Über den Wanderweg hinunter zum aperen Gletscher und über diesen seilfrei (Markierungsstangen) und die anschließend unendlich lang erscheinende Querung zur Station Rotenboden (2815m), von wo die Gornergratbahn zurück nach Zermatt führt.
 
Alles in allem war die Tour sehr schön. Man kann bei der Monte Rosa Überschreitung mit relativ wenig Mühe viele 4000er Gipfel besteigen. Jedoch darf man nicht übersehen, dass man von Tag zu Tag müder wird und die Aufstiege immer anstrengender werden. Die ursprüngliche Planung muss während der Tour aber immer wieder geändert und dem Wetter, den Verhältnissen und der persönlichen Verfassung angepasst werden. Nicht zu übersehen ist auch der komplizierte Rückweg, wenn man die Tour nach Süden, also Italien abbricht. Weiters ist zu empfehlen alle Hütten in Euro zu bezahlen, da man sich so einiges ersparen kann.  

SCHWIERIGKEIT: bis ZS und II+

MIT WAR: Tanja

WETTER: im großen und ganzen schön, allerdings sehr stürmisch!

Tour beschrieben von Matthias Pilz (mammut-extreme@gmx.at), ©Matthias Mountaineering

Tourengänger: Matthias Pilz

Galerie


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