Felsen - Tschingellochtighorn und die Lohner´s


Publiziert von ma90in94 , 9. August 2009 um 20:40.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Frutigland
Tour Datum: 6 August 2009
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VS 

Eine meiner Touren, die ich mir zusammengebastelt habe, um effektiv, fehlenden Gipfelsteinmänner meine Aufwartung zu machen

Nach 5 Std. Anreise von Dütschland, in überfüllten Zügen, Start um 1230 auf Sunnbühl. Endlich !!!!!

Erster Besuch auf dem Gällihorn 2284, schöner Aussichtspunkt, aber ehrlicherweise kein richtiger Gipfel. Der höchste Punkt im Üschenengrat kommt erst noch. Angesichts Spritsparens habe ich ihn schmerzlicherweise links liegen lassen.Der Weg führt weiter über die Wyssi Fluh 2471 und Richtung Rote Kumme wo ich ihn auf ca 2350 nach links überdie Westhänge des Felsenhorns verlassen habe. Über Schutt und Geröll nur wenig mühsam unter die plattige Gipfelwand des Felsenhorns. Da man die Schutthochfläche von hier nicht erreichen kann links zum kurzen Nordgrat und in schöner Kraxelei zum Gipfel ( I ). Abstieg zur Roten Kumme und zum Chindbettipass wechseln.Von hier läßt sich das kecke Tierhörnli 2894 immer etwas rechts des Kammes  über Wegspuren und zuletzt über die Westseite einfach erklimmen.
Das Chindbettihorn gegenüber ist schneller einzuheimsen. Der Nordgrat ist äußerst schmal und nicht aufrecht zu begehen. Außerdem, ob ein Abstieg jenseits locker möglich ist, war ein Fragezeichen.

Also brav westlich umgangen bis zum SE-Eck der Aiguilles d´ Engstlenalp. Ich war auf dem richtigen Weg zum Einstieg, kehrte aber dann doch wegen Zweifel wieder um, ( unentschuldbare schlampige Vorbereitung ) und tigerte östlich auf Weg zum Nordeck. Auch da kein schöner Zugang wie gewünscht gefunden.  Also wieder westlich kraftraubend gequert um südwestlich endlich den schon einmal erreichten Zugang zum Einstieg und diesen zu erreichen. Buh... Hier muß man einfach Hand an den Fels legen, so verlockend fest und griffig zieht es nach oben.
Die schwierigste Stelle, senkrecht, kommt gleich am Einstieg (III) und ist so stark gemildert. Nach etwa 4 Metern wieder leichter zum fast senkrechten Kamin. Er verwöhnt mit Riesen Tritten und Griffen  (II ) und die Ausgesetzheit hält sich in Grenzen, da man nach innen schaut. Am Ende leicht nach links abbiegen zum nächsten Kamin, der keine Anforderungen mehr stellt und schon ist das Hörnchen bezwungen. Der Gipfel ist eher ziemlich unspektakulär.
Vermute, daß es nicht zu häufig besucht wird, da nur dürftige Wegspuren im recht einfachen Zustieg zu finden sind. Abwärts geht es genau so gut, und die 3 letzten Meter zum Einstieg kriegt man auch bewerkstelligt. Seilmaterial lohnt sich für die etwa 30 m Kletterei für den geübten Routinier kaum anzuschleppen.
Zugang am besten über den Ärtelengratweg bis kurz vor das SE-Eck mit Wegweiser. Kurz vorher links auf schwachen Trittspuren aufwärts queren.
Auf einem Weg nordwestlich, auf ca 2500 m laufe ich zum Ortelenpass 2511.Nicht mehr so graziös und anmutend schiebe ich noch die 537 m über den Südgrat auf den Vdr. Lohner.

Meine Einschätzung. Im Grunde kein Problem für den trittsicheren Geher, auch im Abstieg. Die mäßig steile, ca 50 m hohe Wandstufe mit den Sicherungsstangen erfordert im Abstieg mal etwas mehr Konzentration als der Rest. Es ist 20.30 Uhr.

Am Gipfel gerade mal ein bescheidener Biwakplatz unter dem etwas kitschigen Gipfelkreuz, den man noch mit Steinen seitlich sichern muß. Ansonsten hätte ich blöd dagestanden. Es ist mein zweiter Vdr. Lohner Auftritt. Im Gipfelbuch, Beginn 1985 ist mein Besuch nicht mehr vermerkt, solang ists her. (11.10.84). Wie geplant gabs eine relativ warme +4°, windstille Vollmondnacht.

Gegen 7 Uhr Aufräumen und Abmarsch gen Mtl. Lohner. Im Grunde ohne Kletterei, immer oben auf, aber volle Konzentration zum nächsten Lohner. Im Aufstieg vor der Schuttfläche unter dem Gipfel muß der aufrechte Gang doch mal aufgegeben werden, da etwas steiler und schmäler. In einer knappen Stunde ist es geschafft. Optisch und geländemäßig schon etwas besonderes. Laut Minigipfelbuch kommt man durchaus auch über den Nordgrat sogar von der Bundergrinde. Wer macht den sowas.

Zum Thema Abstieg und Wüste Kumme.
Eigentlich war mir garnicht nach Kumme´r zumute und ich erwägte einen Wiederaufstieg und Abgang zur Engstligenalp. Aber um mitreden zu können hier noch eine 3. Beschreibung zur kompletten Verwirrung, nachdem schon 2 mal hikr- begangen.

Vom tiefsten Punkt auf  Wegspuren im Geröll zickzack leicht rechtshaltend ca 100 m abwärts. Hier Ende. Rechts steht ein relativ großer Steinmann, dem ich mich anvertraut habe, da er weiter nach rechts, nördlich, deutet. Ich wäre vermutlich eher gerade hinunter. In leicht abfallender Querung  ( ca 100m weit ) über festen plattigen Fels mit wenig Geröllauflage ohne Angstschweiß nochmals etwa 50 Höhenmeter zu den obersten Schnee- und Geröllzungen auf etwa 2700 Metern im NE-Eck der Kumme. Da der Schnee schon herbstliche Züge angenommen hat, weicht man besser aufs Geröll aus. Vielleicht nicht immer ganz so einfach.
Eben stürzt sich ein Paragleiter vom Gipfel in die Kumme und segelt immer nur äußerst knapp über dem Boden talwärts. Er hats in wenigen Sekunden rum, ich aber darf sie viel viel länger genießen. Der Rest der Kumme bietet von allem etwas und ist nicht zu unmenschlich für  Schuhe und den Gehapparat. Vor allem läuft überall Wasser den Berg hinunter. Wasser ist Leben, ein schöner Spruch der aufgrund meiner schmalen Vorräte große Bedeutung bekam. Ohne hier und da Schneereste würde mir die Wassermenge kaum ausreichen. Eigentlich hätte ich mir mehr weichen Altschnee gewünscht, d.h. man sollte nicht nach Mitte Juli hier aufkreuzen. Mehr schöne weiße Schneeflecken würden diesem tristen Schuttberg sowieso viel besser stehen. Leider geht es nochmal knapp 100 Höhenmeter zur Hütte und danach aufwärts, bevor man endlich talwärts abdriftet.

Für Automobilisten. Für Bargeld darf bis Schrickmatte 1807 gefahren werden, zur Zahlung auf der Bunderalp einkehren, für Finanzkrisenopfer nur bis 1374 vor dem Bach auf schattigem Parkplatz.


Tourengänger: ma90in94

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Kommentare (2)


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Gelöschter Kommentar

ma90in94 hat gesagt: RE:wahnsinnstour
Gesendet am 17. August 2009 um 21:28
Hei Mark,
als etwas alpinfernerer Zeitgenosse versuche ich im Sommer in zwei freie Tage möglichst viel Bergerlebniss
zu packen. Ein Abend und ein Biwak am Gipfel gehören natürlich dazu, jede Stunde zählt.
Manche Touren sind mobilfunkmäßig gut abgesichert,
und zu abgeschieden war diese Runde nicht.
Eine Wegebeschreibung lasse ich zuhaus und im Sommer mit Schlafsack habe ich bei einer Verletzung auch etwas bessere Karten. Ansonsten hast du schon recht. Wie alle, hofft man halt daß es gut geht. Es ist schwer, einen passenden Begleiter zu finden und alleine
ist man so ungeheuer flexibel. Da Bergsteigen durchaus eine Sucht und Abhängigkeit ist, muß man die Gefahren verdrängen, die Raucher und Alkoholiker können das auch sehr gut. Ganz glücklich bin ich aber auch nicht darüber.
Gruß Günter


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