Umrundung der Soierngruppe: Krapfenkarspitze (2110m) - Soiernhaus - Schöttelkarspitze (2050m)


Publiziert von gero Pro , 9. August 2009 um 20:06.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Karwendel
Tour Datum: 7 August 2009
Wegpunkte:
Geo-Tags: D   Soierngruppe 
Zeitbedarf: 10:45
Aufstieg: 1890 m
Abstieg: 1890 m
Strecke:P Schießstand - Vereinalm - Jöchl (Hirzeneck) - Jägersruh - Gumpenkarspitze - Krapfenkarspitze - Soiernhaus - Schöttelkarspitze - Feldernkreuz - Lausgraben - P Schießstand
Kartennummer:Freytag & Berndt WK 322: Wetterstein - Karwendel

Zwischen all meinen Ausflügen ins Wallis mal schnell ein Intermezzo ins heimatliche Karwendel - ich will Euch erzählen von der landschaftlich sehr reizvollen Umrundung der Soierngruppe, die ich mit meiner Frau unternahm. Dabei können etliche Gipfel bestiegen werden, die am Wegrand liegen, unter anderem die sehr einsame Krapfenkarspitze - nicht so hoch wie die umgebenden Berge, aber vielleicht gerade deshalb ein Aussichtsbalkon erster Güte!

Wir starteten kurz vor 6 Uhr am Parkplatz neben dem Bundeswehr-Schießstand nördlich von Mittenwald (ca. 910m). Die ersten 2 Stunden der Tour sind zugegebenermaßen nicht der absolute Hit: man läuft die fast 6km lange Forststraße gen Osten hinauf zur Verein-Alm (1387m) mit der Krinner-Kofler-Hütte (es gibt mehrere Schreibweisen: auch Vereiner-Alm und Fereinalm sind gebräuchlich) - und wäre da nicht der Blick hinauf zum Wörner, zur Hochkarspitze und hinüber ins Wetterstein, man müßte den Marsch fast langweilig nennen.

Ab der Verein-Alm wird es aber interessanter: man verläßt die Forststraße und wendet sich nordwärts auf einem gut markierten und beschilderten Bergsteig der Soierngruppe zu. Nach einer weiteren Stunde erreicht man, durch lauschigen Bergwald ansteigend, das Jöchl am Hirzeneck (1801m). Hier teilt sich der Weg: wer die Soiernspitze besteigen möchte, folgt einem weiterhin gut bezeichneten Weg steil aufwärts. Wir aber wählten die lange, zunächst leicht fallende Querung der Soiernspitz-Ostflanke Richtung "Soiernhaus über Jägersruh". Zu früher Morgenstunde war es auf unserem einsamen Pfad totenstill - bis urplötzlich das Geratter eines Hubschraubers auf häßliche Weise dazwischenfunkte und die Natur durcheinanderbrachte. Er scheuchte mehrere Gamsrudel auf, die in panischer Flucht von hoch droben heruntergeflüchtet kamen, dazwischen viele ganz kleine Kitze! Es ist immer wieder erstaunlich, wie diese Tiere überaus behende selbst steilstes Gelände hinunterrasen können, ohne sich sämtliche Beine zu brechen.

Schließlich kehrte aber wieder Ruhe ein. Der Steig umrundet mehrere Ausläufer der Soiernspitze, man betritt schließlich das einsame, weitläufige Kar, das vom Sattel der Jägersruh südöstlich herunterzieht (trotz intensiver Suche habe ich keine Namensbezeichnung dieses Kares gefunden - das in der Karte eingetragene Steinkar scheint etwas südlicher zu verlaufen). Man kann aber niemals fehlgehen: gelegentliche Markierungen und Wegweiser leiten unmißverständlich Richtung "Jöchl-Jägersruh-Soiernhaus".

Die Jägersruh (1850m) erreichten wir eine weitere gute Stunde nach dem Hirzeneck. Dieser Sattel stellt den Übergang in den eigentlichen Soiernkessel dar - wir stiegen von hier aus später zum Soiernhaus ab. Zunächst wollten wir jedoch auf die ersten beiden Gipfel unserer Tour hinauf: die Gumpenkarspitze (2010m) erreicht man auf zunächst "verkrautetem", später zusehends schrofigem Pfad in knapp 20 Minuten ab Jägersruh. Man hat bereits von hier aus eine ganz tolle Übersicht über die vielen Gipfel der Soierngruppe. Besonders zu erwähnen ist aber der Tiefblick auf die beiden smaragdgrünen Augen der Soiernseen - sie funkeln wirklich ganz außergewöhnlich klar dort unten, und knapp darüber lockt schon das Soiernhaus mit dem Gedanken an eine frische Maß, besonders an einem ulttra-warmen Tag, wie wir ihn genießen durften.

Meine Frau begnügte sich mit der Gumpenkarspitze und ließ sich während der folgenden Stunde, gemütlich im Gras liegend, von den Sonnenstrahlen wärmen. Ich aber folgte dem teils grasigen, teils schrofigen Kamm 25 Minuten hinüber zur exakt 100m höheren Krapfenkarspitze (2110m) - ein Berglein, wie ich sie liebe: großartige Aussicht, vor allem auf den südlich gegenüberliegenden Hauptkamm des Karwendel, und dabei sehr einsam: das Gipfelbuch zeugt von allerhöchstens einer Besteigung pro Tag im Durchschnitt. Warum nur? Nun, die Krapfenkarspitze liegt halt doch etwas abseits der Modewege durchschnittlicher Jochbummler und ist vom Tal aus nicht unter 4,5 Std. zu erreichen.

Nach angemessenem Gipfelgenuß ging's dann zurück zur Gumpenkarspitze, und gemeinsam mit meiner Frau stieg ich wieder hinab zur Jägersruh. Wie sollte es jetzt weitergehen - den gleichen Weg über die Vereinalm zurück? In Anbetracht des herrlichen Hochsommertages beschlossen wir aber, die Soierngruppe weiter zu umrunden und zunächst abzusteigen zum Soiernhaus, mit der Aussicht auf eine ordentliche Brotzeit. Es geht von der Jägersruh erst einmal 300m hinunter auf den Sattel unterhalb des Soiernhauses, an dem die nordseitigen Anstiegswege von der Fischbachalm einmünden (Lakaiensteig) und sodann knapp 100m wieder hinauf, ab Jägersruh hat man dafür knapp 40 Minuten zu veranschlagen. Am Soiernhaus (1610m, soiernhaus.de) wird man dann für die bisherigen Anstrengungen belohnt: erfrischend zischen die Getränke durch die Kehle hinab!

Nach dem Soiernhaus drohte uns nun aber das dicke Ende: wir mußten wieder 400m hinauf zur Schöttelkarspitze (2050m, auch: Schöttlkarspitze), wofür ziemlich genau 1 Std. zu veranschlagen ist. Noch einmal rasteten wir an diesem überdurchschnittlich warmen Tag auf einem Gipfel - allerdings zogen nun doch in zunehmendem Maße Wolken auf, die zwar noch nicht bedrohlich waren, aber doch eindrücklich mahnten, nicht zu lange zu verweilen. Würde es noch ein Gewitter geben? Nun, eine Genugtung hat man hier auf der Schöttelkarspitze: ab jetzt geht es im Prinzip nur noch bergab, wenn man - wie wir - durch den zwar steilen, aber unschwierigen Lausgraben absteigt (man kann statt dessen die Tour noch weiter ausdehnen und mit mehrfachem Auf und Ab dem Kamm über den Seinskopf und den Lausberg folgen - wir unterließen dies aber, erstens aus Wettergründen, und zweitens war die Tour bisher sowieso schon lang genug).

Zunächst war aber noch der Übergang zum Feldernkreuz (2048m) zu bewältigen - eine gute Viertelstunde ist dafür zu veranschlagen. Es geht durch zwar einfaches, aber teils kleinsplittriges Gelände, das seinen eigenen eindrucksvollen Reiz hat, mit all den zerborstenen Kalkürmchen. Man erreicht eine Scharte unter dem Feldernkreuz mit Wegweiser: von hier ging es für uns Richtung "Ochsenalm Mittenwald", hinab auf einen Wiesensattel zwischen Feldernkreuz und Seinskopf (weitere 15 Minuten).

Von nun an geht es steil bergab durch den Lausgraben (auch: Felderngraben, Kreuzgraben). Hier ist Trittsicherheit erforderlich, irgendwelche Schwierigkeiten sind nicht vorhanden. Weiter unten münden die steilen Wiesen in Waldgelände, und nach etwa 75 Minuten hat man dann bei der Ochsenalm (ca. 1155m) die Forststraße zwischen Vereinalm und Parkplatz wieder erreicht. Ihr folgten wir, nun schon von der Länge der Tour und dem reichlichen Quantum an tropischer Sonne etwas ausgelaugt, hinunter zum Parkplatz am Schießstand (17 Uhr).

Ich darf mir erlauben, abschließend meiner Frau ein ganz dickes Kompliment zu machen: trotz längerer bergsteigerischer Abstinenz hat sie diese lange Tour nicht nur mit Bravour, sondern bis zum Schluß mit Begeisterung absolviert. Frauenpower heißt das Zauberwort ... ;-)


Tourengänger: gero

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Kommentare (2)


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felixbavaria Pro hat gesagt: Österreich?
Gesendet am 9. August 2009 um 20:48
Hallo gero, ein schöner Tourenbericht. Die Krapfenkarspitze steht schon lange auf meiner Wunschliste. Allerdings hast du die Tour bei der Angabe "Region" aus unserer bayerischen Heimat nach Österreich verlegt :)

Beste Grüße, Felix

gero Pro hat gesagt: RE:Österreich?
Gesendet am 9. August 2009 um 21:28
Hallo Felix,
vielen Dank für Deinen Hinweis - ich hab erst jetzt bemerkt, daß es "Karwendel" wahlweise in D oder A gibt. Danke für den Hinweis - hab es korrigiert!
Die Krapfenkarspitze ist wirklich eine empfehlenswerte Sache - speziell vielleicht auch im Frühjahr oder vor allem Spätherbst, wenn die höheren Berge nicht mehr so gut gehen.
Beste Grüße vom Georg


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