Von Niva zur Capanna Ribia: Catt da Ribia, 2363m


Publiziert von Seeger Pro , 5. August 2009 um 23:06.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum: 4 August 2009
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Gruppo Rosso di Ribia   CH-TI 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1150 m
Abstieg: 450 m
Strecke:Niva 955m - Alpe Cropia 1690m - Catt da Ribia 2363m - Capanna Ribia 1996m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:öV: Mit der FART von Locarno nach Cevio. Kleinpostauto nach Niva (Täglich 3 Fahrten: 0805Uhr/1600Uhr/1800Uhr). Umsteigen in Cerentino. Auto: Locarno – Valle Maggia – Cevio – im Dorf nach links abzweigen Richtung Val di Campo/Bosco Gurin – nach Cerentino nach links abbiegen – nach etwa 1,5 km Richtung links abbiegen („Niva“) - bis zur Rovana hinunter fahrbar (SE von Niva). Wenige Parkplätze in der Nähe der Brücke im Wald
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Anschluss an „Von der Capanna Ribia über den Rosso di Ribia – Lago del Pèzz nach Niva” oder: Abstieg nach Vergeletto 4 h (Postautohaltestelle)
Unterkunftmöglichkeiten:Cimalmotto: Azienda Munt la Reita (www.muntlareita.ch), Matratzenlager und Verpflegung, sehr persönlich geführt. Hotels in Cevio und Bignasco. Capanna Ribia SAC, 1996m
Kartennummer:1291 Bosco Gurin 1:25'000

Hoch über Niva im Val Bosco (Rovana) thronen der Pizzo Cregnell und der Rosso di Ribia satte 1500 m über dem Talgrund. Zwei wilde und unwegsame Täler - geteilt durch den Nordgrat und dessen Ausläufern des Rosso di Ribia - führen bis unter ihre Felsabstürze: Das Valle di Niva mit dem Catt da Ribia und das Tal zur Alpe Arnàu  mit dem Cata della Quarantèria als nicht leichte Übergänge ins Val Vergeletto. Bereits habe ich zwei Übergänge vorgestellt: Der Passo Pianaccio und die Bocchetta di Catögn. Hier die Fortsetzung.
Bestens vorbereitet starte ich in Niva bei der Brücke über die Rovana. Man beginnt auf der orographisch linken Seite, überquert nach Borbone auf 1080 m Höhe ein erstes (mit Brücke) und auf 1120 m Höhe ein zweites Mal (ohne Brücke) den Fluss. Zu Giuseppe Brenna’s Zeiten muss der Weg in schlechtem Zustand gewesen sein. Ich bin deshalb total erstaunt, einen herausgeputzten Pfad über Corte di Cevio, 1335 m, bis zu den Hütten von Alpe Cropia, 1553 m und 1690 m, vorzufinden. Mit enormem Aufwand wurde das Fallholz des strengen Winters 2008/2009 zersägt und weggeräumt. Alle Corti sind im Schuss. Und dazu gehört auch ein guter Weg. Grazie an alle Initianten und Schwerstarbeiter!
So bin ich viel früher als geplant im lieblichen Talkessel der Alpe Cropia und verfolge den horizontalen Weg. Auf der LK ganz ehrlich als Fragmente dargestellt. Und in Natura nur dank dem Höhenmesser nahtlos zu finden. (Giuseppe Brenna: „Ab hier ist der Aufstieg sehr wild“) Kritisch ist die pandemische Verseuchung durch die Erlen. Eines muss man jedoch diesem Gesträuche hoch anrechnen: Richtig eingesetzt dienen sie als Steighilfe, Seil- und quasi Lianenersatz zum Traversieren und Abgleiten.
Ein von weit her gut sichtbarer Grat fällt von den Fornaci Cropia bis auf 1740m hinunter. Um diesen herum findet man auf der andern Seite den zu verfolgenden Bach, welcher direkt vom Catt da Ribia herunterfliesst. Auf der orographisch linken Seite gilt es den richtigen Weg durch die Erlen zu finden. Mein Tipp: Verschiedene temporäre Nebenbäche haben diverse vertikale Schneisen heraus gefressen. Auf diesen ist, wenn auch mühsam, ein relativ gutes Vorwärtskommen. Und dennoch: Es gilt einige Felsbänder im III. Grad zu erklettern. Doch immer wieder erscheinen freie Grasabschnitte. Nach einer ganz wilden Partie vermisse ich meine Schirmmütze mit der Epesses-Reklame. Gerne lasse ich sie den Gemsen, Murmeltieren und anderem Getier als Spielzeug zurück. Wichtig ist, da einfach rauszukommen!
Und ich schaffe es – total geschafft. Ab etwa 2000 m Höhe erst wird es angenehmer. Sprechen wir nicht von Geröllhalden, Heidelbeer-, Alpenrosen- und Wachholdersträuchern. Aber immerhin. -Gewaltig ist der Anblick der Catt da Ribia. Wie ein aufgerissenes Maul eines Raubtiers. Steinwild beobachtet mich von beiden Gräten herunter. Wenn die nur keine Steine herunter fallen lassen! Aus diesem Grunde bewege ich mich möglichst in der Mitte des Couloirs, welches nicht allzu steil, jedoch mit einigen bis drei Meter hohen, nicht exponierten Klettereien über eingeklemmte Steinbrocken bespickt ist (III). Grandios der Blick auf Niva, 1300 m tiefer unten. Wie einst das Accessoire zu der Modelleisen-Bahn erscheinen die Häuser und die Kirche in Miniatur.
Vom schattigen Couloir auf die sonnige Krete auf 2363m. Die Schafweide grenzt unmittelbar ans Couloir. Unlängst stand ich oben und entschloss mich, hier aufzusteigen. Dass mir dies gelungen ist, erfüllt mich mit einem unbeschreiblichen Gefühl von Glückseligkeit. Vor mir breiten sich die Seelein des Piròi aus, eingebettet in tiefgrüne Weiden. Dahinter in abgestuften Blaugrau-Tönen Bergkette um Bergkette. Der mächtige Steinmann „Uomo Tondo“ grüsst etwas steif herüber.
Ein paar Fotos hier und dort und überall, auch Blumen, dann nichts wie runter zum Weg auf 2200 m Höhe, welcher von der Alpe di Categn zur Capanna Ribia führt. Schon von Weitem sehe ich, dass ich dort nicht allein sein werde. Dass es aber schliesslich 14 Besucher auf 13 Matratzen sind, erstaunt mich alleweil. Aber ich kenne das Notlager und verkrieche mich in den Holzschopf. Und da allesamt tolerante und aufgestellte Bergler und Berglerinnen sind – auch die Studis aus Freiburg – wird diese Übernachtung zu einer Bereicherung meiner Tour. Ein Schweizer Ehepaar setzt mir noch einen Floh ins Ohr: Vom Rosso di Ribia auf dem Nordhang zum Lago del Pèzz und Abstieg über Alpe Arnàu.
Giuseppe Brenna hat es als Aufstieg beschrieben. Ob der Weg zum Lago del Pèzz auch herausgeputzt sei? So innerlich aufgekratzt ist ein schwieriges Einschlafen.
Fortsetzung : „Von der Capanna Ribia über den Rosso di Ribia – Lago del Pèzz nach Niva”
http://www.hikr.org/tour/post15530.html
 
 
 
 
 

Tourengänger: Seeger

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