Geheimtip Kinhütte 2584 Hm ü. M


Publiziert von Antje , 3. August 2009 um 14:22.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum: 1 August 2009
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1177 m
Abstieg: 1134 m
Strecke:Randa- Wildi- Wildikin- Europaweg- Springelboden- Kintole/Edelweissweg - Kinhütte - Edelweissweg/Kintole - Springelboden - Europaweg -Militärweg - Täsch
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV Zürich - Visp- Randa
Zufahrt zum Ankunftspunkt:ÖV Täsch - Visp - Zürich
Unterkunftmöglichkeiten:Kinhütte
Kartennummer:1328 Randa

Am Samstag morgen machte ich mich mit den ÖV auf ins Oberwallis nach Randa, wo ich mit meinen Tourenpartner Toni verabredet war.

Von Randa aus sind wir in Richtung Wildi gelaufen, zuerst auf breiten Waldwegen – auf denen auch der Zürcher Vitaparcours entlang geht - , später von Wildi in Richtung Wildikin auf einem Bergpfad steil Richtung Europaweg / Springelboden.

Auf dem Bergpfad gibt es ein kurzes Teilstück welches ich ein wenig ausgesetzt finde.  Bei Regen oder Nässe ist dort Rutschgefahr und nebenzu geht’s einige Meter - ich schätze ca. 30 m- runter in den Wildibach. An einer Stelle auf dem Pfad ist ein Seil zur Unterstützung befestigt. Dieses kurze Teilstück würde man sicher als T3 bezeichnen, alles andere vom Weg bis zum Europaweg ist T2. Steil aber nicht ausgesetzt.

 

Am Europaweg angekommen ist die Kinhütte ausgeschildert. Wir laufen ein kurzes Stück auf dem Europaweg, welcher als T3 eingestuft wird, aber zumindest auf unserem Teilstück so stark gesichert wurde, dass es schwierig wird abzustürzen wenn man schaut wo man hintritt.

 

Auf dem Europaweg hat man einen phantastischen Blick in die Walliser Bergwelt und auf einige der Viertausender , z.b. das Weisshorn.

 

Der Europaweg verbindet Grächen mit Zermatt und ist bei vielen Wanderen noch sehr beliebt. Deshalb sei hier mal noch vermerkt, dass bei Randa / Grüngarten der Europaweg derzeit gesperrt ist - wegen Steinschlag, Felsabgang (?) stark beschädigt -  und dieses Jahr voraussichtlich auch nicht mehr saniert werden kann.  Man müsste vor Randa ins Tal absteigen und in Randa (Richtung Zermatt ) wieder auf den Europaweg hoch steigen, ca. 800 Hm ↑↓ . Ich habe nichts dazu im Internet gefunden, am Europaweg selber habe ich auch keine Ausschilderung gefunden, beispielsweise an dem Punkt wo wir auf den Europaweg trafen. Einen kleines Hinweisschild fanden wir bei unserem Abstieg nach Täsch  an einem Wanderwegweiser, als wir Strassenasphalt kreuzten.

 

Auf dem Europaweg - also unserem Teilstück in Richtung Kinhütte – überquert man schliesslich eine Brücke, und nach 20 m ca. steht man am Edelweissweg (blau/weiss), welcher steil hoch zur Kinhütte führt, ca. 300 Hm.

Für alle Tourenplaner und GPS Läufer ;  erstaunlicherweise ist dieser Weg nicht auf der TOPO Karte 1328 Randa – meine ist vom 2003 - vermerkt und im GPS Map Source konnte ich ihn auch nicht finden.

Nicht Ortskundige würden sehr wahrscheinlich den Aufstieg über Tierfäd planen, v. a da man von Randa auch direkt über Tierfäd aufsteigen kann. Der Edelweissweg ist gemäss Hüttenwart weniger steil und Kräfte zehrend und auch für Kinder besser machbar. Also kurz gesagt für alle die es ein weniger gemütlich haben wollen.

 

Angekommen am Wegweiser „Edelweissweg“ - blau / weiss - sieht man auch schon auf den ersten Blick viel Edelweiss am Pfadrand. Der Aufstieg auf dem Edelweissweg ist steil in Kehren nach oben, über ein Geröllfeld, dann weiter in Kehren bis zu einem Generator welcher Wasser zur Hütte hoch pumpt. Ab da geht’s noch ein wenig steiler, mit Seilsicherungen und einer eingebauten Holztreppe das letzte Stück zur Kinhütte hoch.

 
Neben der phantastischen Pflanzenwelt auf dem Edelweissweg – es ist immer wieder beeindruckend auf was für kargen Plätzen sich Alpenpflanzen doch durchsetzen können- hat man einen beeindruckenden Blick in die Walliser Bergwelt. Man dreht sich auf der Strecke um und plötzlich Ist der Blick frei aufs Matterhorn. Natürlich sieht man noch mehr beeindruckende Viertausender, ich hab jetzt das Matterhorn erwähnt, weil ich es in diesem Moment das erste Mal gesehen habe. Genau wie Edelweiss, was ich zuvor auch auf noch keiner Tour gesichtet habe.
 
Auf der Hütte angekommen wird man herzlich vom Hüttenwart/ Bergführer  Viktor und seiner Freundin Hüttenwartin Michele begrüsst.
 

Die Kinhütte ist wirklich eine Art Geheimtipp. Abseits vom Massentourismus mit einem unglaublichen Blick in die Walliser Bergwelt. Man sieht z.b. vom Breithorn übers Matterhorn, Zinalrothorn, Weisshorn, Brunegghorn auch zur Weisshornhütte rüber. Hinter der Hütte sieht man das Täschhorn und den Kingletscher. In ca. 1h Wegzeit lässt sich dieser Gletscher auf Pfaden erreichen.

In der Hütte wurden wir auf sehr familiäre Weise von Viktor und der guten Hüttenseele Michele– wie Bergführer Viktor seine Freundin umschreibt – umsorgt.

Alleine das viergängige Menue war unglaublich. Ich verstehe ja, dass auf Grund der Hüttenversorgung viele Hütten keine explizite Hausmannskost anbieten können. In der Kinhütte wurde für uns direkt gebrutzelt und gekocht. Ich hab in noch keiner Hütte so gut gegessen . Liebevoll zubereitet und serviert betreiben Michele und Viktor schon einen grösseren Aufwand als andere Hütten zum ihre Gäste versorgen. „Es duftete wie in Mami’s Küche“ kann man sagen.

Da mein Tourenpartner Toni und ich die einzigen Gäste auf der Hütte waren, hatten Viktor und Michele auch mehr Zeit sich mit uns zu beschäftigen. Es war sehr interessant den Bergsteigergeschichten, Hüttenwartsgeschichten und Erzählungen von Viktors Holzschnitzerei zuzuhören. Am späten Abend konnte man vereinzelte Feuerwerkskörper bei der Weisshornhütte beobachten. Die Zeit verging wie im Flug und gegen 22.00 Uhr gingen wir schlafen.

Ich hab geschlafen wie ein Stein – vom nächtlichen Gewitter habe ich nichts mitbekommen - . In der Kinhütte haben wir im Massenlager geschlafen wo 12 Personen schlafen könnten. Weiche Matten und wirklich weiche Wolldecken stehen zur Verfügung.

Insgesamt kann die Kinhütte eine max. Personenzahl von 30 Personen beherbergen.
 

Am nächsten Morgen nach einem zünftigen Frühstück-  das Brot wird von Michele selber gebacken - und dem obligatorischen Eintrag ins Hüttenbuch – Sputnik, Fenek und ironknee haben dort auch schon geschrieben .. :-) ..- machten wir uns,  inklusive Marschtee und Marschverpflegung,  wieder auf den Weg nach unten. Da das Wetter zunehmend schlechter wurde waren wir uns noch nicht ganz einig wo genau wir hinlaufen wollten.

In 3,5 h zur Täschalp und dann bei schlechtem Wetter ins sichere Alpentaxi nach Täsch , oder in 4h steil nach Täsch runter und riskieren, dass wir in ein Gewitter rein laufen.
Da wir schon sehr früh in ein Gewitter kamen entschieden wir uns auf der Strecke für den Abstieg nach Täsch durch einen Lärchenwald den Militärweg runter.

 
Auf halber Höhe Edelweissweg jodelte uns Viktor noch einmal winkend nach.
Wir sind auf dem Edelweissweg abgestiegen zum Europaweg und dort bis zum Kreuzpunk 
Randa gelaufen. Von dort weiter in Richtung Zermatt mit minimalen Steigungen und minimalen Absteigungen und auch weniger ausgesetzt sind wir im Gewitter und strömendem Regen dem Europaweg bis zur gesicherten Galerie gefolgt. Die Galerie – genau umfasst es drei Galerien – wurde zur Sicherung wegen ständigem Steinschlag erbaut. Wenn man gut beobachtet sieht man dass diese Galerie an einer Stelle beschädigt ist, die Steinplatte einen ziemlichen Schlag abbekommen hat und hängt irgendwie dreiviertelfest  oben.

Man durchquert diese drei Galerien und läuft dabei auch durch drei Tunnel und unmittelbar hinter der dritten Galerie, dem dritten Tunnel in Richtung Zermatt ist am Boden eine Wegabzweigung nach Täsch runter. Bis hierhin ist der Europaweg als T3 umschrieben.

Der Weg nach Täsch runter führt durch einen Lärchenwald, steil aber nirgends ausgesetzt. Ein T2 würde ich meinen. Man kreuzt auch mehrfach Strassenasphalt, aber nur um ihn zu überqueren.

Ziemlich durchnässt- trotz Regenschutzbekleidung- sind wir schliesslich in Täsch angekommen. Dort haben wir in einem bahnhofsnahem Hotel noch Walliser Rösti gegessen und Panaché getrunken.
Ich bin dann in Täsch auf die – ich glaube OberwallisZermatt-Visp Bahn - nach Visp runter gefahren, Toni ist zu seinem Auto nach Randa gelaufen.
 
Es war ein super schönes WE, eine super schöne Wanderung mit einem Aufenthalt auf einer unbeschreiblich schön liegenden Hütte mit einem sehr herzlichen Hüttenpaar. Danke hier noch einmal für die umfassende herzliche Betreuung, ich werde sicher wieder kommen.

Wer nach Ruhe und dem Speziellen sucht dem kann man die Kinhütte nur empfehlen.

Ich würde mich jetzt nicht als sehr Bergerfahren bezeichnen und für mich war Auf und Abstieg (trotz Gewitter und strömendem Regen beim Abstieg ) kein Problem. Ein wenig Trittsicherheit und Schwindelfrei und man mag gut zur Kinhütte rauf und wieder runter.
Diese Tour kann man auch gut mit Kindern machen, am einfachsten ist es wohl von Täsch her nach oben.

Danke auch noch an Toni, der ein super Tourenpartner war.

 
Antje

PS: Einige Bilder werde ich vermutlich noch nachreichen können, diese sind momentan noch bei meinem Tourenpartner Toni. Ich selber habe auf dem Abstieg wegen Regen und Gewitter weniger Bilder gemacht.

Unten stehenden Link zur Hütte habe ich noch im Net gefunden
www.youtube.com/watch


Tourengänger: Antje

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