Walenstock über den Walengrat und Spitz Mann


Publiziert von Delta Pro , 2. August 2009 um 18:27.

Region: Welt » Schweiz » Nidwalden
Tour Datum: 1 August 2009
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Ruch- und Walenstockgruppe   CH-NW   CH-OW 
Zeitbedarf: 8:30
Aufstieg: 1200 m

Eine sehr schöne Bergtour im Reich der Zentralschweizer Felsgipfel
 
Die Überschreitung des Walengrats, der N-Grat zum Gross Walenstock, war früher wohl eine klassische und oft unternommene Tour. Kein Wunder, denn die über einen Kilometer lange Gratschneide, die durch mehrere Hochflächen, Türme und Steilaufschwünge strukturiert ist, zeichnet eine fast unwiderstehliche Linie in den Horizont, mit Sicherheit der lohnendste Weg auf den Gross Walenstock. Heutzutage wird der Grat wegen der geringen Anteile an wirklich kletterbarem Fels und dem vorherrschenden steilen Gras wohl hauptsächlich von Locals und Gämsen begangen. Erstaunlicherweise finden sich im weichen Gras ab und zu recht ausgeprägte Trittspuren, die von Bergschuhe herrühren müssen.
 
Nachdem Sputnik seine Besteigung des letzten Nidwaldner Gipfels, des Runds, beschrieben und damit den ersten Drittel des Walengrates begangen hat, war es für mich nur noch eine Frage der Zeit, die gesamte Route unter die Schuhsohlen zu nehmen. Wir haben die Tour mit voller Ausrüstung (Seil, Sicherungsmaterial, Helm usw) in Angriff genommen. Der versierte T6-Alpinist schafft den Walengrat aber auch im Wanderstil. In der Tat ist das von Sputnik beschriebene, sehr ausgesetzte 3-Meter Wändchen, wo er unfreiwillig sein Seil deponierte (leider nicht mehr auffindbar), die Schlüsselstelle des Walengrates.
 
Rund / Sunnigberg (T6, III, WS+)
Von der Bannalp auf dem mit Geländern gesicherten Walenpfad zur Walegg und 200hm bergab gegen die Walenalp, wo ich meinem von Engelberg hochgeradelten Kollegen helfe, das Bike zu stossen. Einstieg zum Walengrat um 10.20 Uhr – zwei Locals habe ich zu meinem Erstaunen schon eine Stunde zuvor kurz vor dem Gipfel des Rund erblickt. Die Route auf den Rund ist hier bestens beschrieben. Die Schwierigkeit entspricht meiner Einschätzung nach einem klassischen T6. Sputnik hat im unteren Teil eine grossräumige Umgehung durch die Rinne gemacht, die man sich schenken kann. Bis zum „unteren Band“ kann man alles exakt dem Grat folgen, was Kletterei über zwei Aufschwünge (15m, 7m) in steilen, guttrittigen Rinnen (II-III) mit sich bringt. Die Schlüsselstelle ist tatsächlich sehr ausgesetzt, aber dank des recht soliden Schlaghakens gut zu klettern (III). Für Alleingänger scheint hier die Sicherung (durch Schlaghaken fädeln) mit einem kurzen Seil (10m genügen) durchaus sinnvoll – der Haken ist gut gesetzt, und die Schwierigkeiten sind nach 3m vorbei. Der Aufstieg von der Walegg auf den Rund ist ein tolles T6-Erlebnis und bei entsprechender Erfahrung in diesem durchwegs ausgesetzten Gelände sehr zu empfehlen.
 
Gross Walenstock über den Walengrat (T6, II)
Der Weg vom Rund auf den Gipfel schien mir bei der Vorbereitung zur Tour eher grössere Schwierigkeiten mit sich zu bringen. In der Tat lassen sich aber die meisten steilen Passagen tendenziell umgehen und die Beschreibung im Führer ist dürftig. Unsere Route ist hier zu sehen.
Vom Rund über den Wiesenrücken gegen einen markanten Gipfel, den man einfach auf der W-Seite umgehen kann. Auf dem Grat oder leicht rechts davon an den Fuss eines felsigen Aufschwungs (Turm I). Wir sind unter diesem auf Spuren in die E-Flanke gequert und dann in sehr steilem Gras und Fels gegen eine Rippe geklettert, die man rund 10m unter dem Gipfel des Turms erreicht (ausgesetzt, Pickel hilfreich, oberes T6, II). Kurze Querung auf einem Felsband in die Scharte, man könnte den Turm von der Rippe auch überklettern. Dann in hübscher Kletterei auf Turm II (30m, II) und in die nächste Scharte. Weiter in Gehgelände (T5-T6) unter einen wandähnlichen Aufschwung. Gemäss Führer wäre dieser in 3 SL direkt ersteigbar, insgesamt ist er aber nicht höher als 30m. Wir sind in felsdurchsetztem Gras und Gämstritten nach links gequert und schliesslich einfach auf den Grat zurückgestiegen (T5-T6). Genüsslich über einen flachen Teil des Grates unter den letzten Aufschwung, den man erstaunlich einfach direkt entlang der Kante ersteigt (T6-, Stellen II). Über den Geröllrücken zum Walenstock.
 
Spitz Mann W-Grat (WS, II/III)
Der Spitz Mann ist einer der formschönsten Gipfel der Zentralschweiz – ein Traumziel! Die Besteigung über den W-Grat ist von ironknee und Sputnik beschrieben und ist deutlich einfacher, als sie auf den ersten Blick ausschaut.
Vom Walenstock durch steiles Gras und Geröll (T5) in die Schneemulde am Fuss des Rigidalstocks und über Platten zum W-Grat des Spitz Manns. Der Grat bietet in der ganzen Länge sehr schöne Kletterei maximal im II. Grad. Alles entlang der Gratkante, oder leicht links davon. Möglichkeiten Sicherungen zu legen sind im Überfluss vorhanden. Die Schlüsselstelle, der Schichtabbruch kurz vor dem Gipfel, ist durch neue Fixseile und Bohrhaken entschärft. Frei geklettert (gute Tritte und Untergriffe) ist die Stelle eine III, mit den Seilen ist die Kletterei aber auch ohne Sicherung zu verantworten. Wer die von den „Vor-Hikern“ beschriebene „alte“ Route durch ein Kamin links der gesicherten Stelle, quert am besten die Plattenfluchten schon ein Stück vor dem Schichtabbruch.
 
Wiss Tritt (T5+)
Abstieg durch die wunderschöne Sattelteufi (hier gibt’s sogar Reste eines Gletschers!), am versteckten Biwak vorbei zum Wiss Tritt. Diese Passage erachte ich, trotz der geringeren Schwierigkeiten, fast als heikelster Teil der Tour. Das Gelände ist durchwegs steil und verzeiht nicht viele Fehler, besonders bei Nässe. Das Weglein durch den Wiss Tritt ist gut erkennbar und markiert, einzelne kurze Kletterstellen (I-II). Im Abstieg empfehle ich den Wiss Tritt dennoch nur für erfahrene Alpinwanderer.

Tourengänger: Delta

Galerie


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Kommentare (1)


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Sputnik Pro hat gesagt: Endlich...
Gesendet am 2. August 2009 um 19:18
...hast Du den Weg zum Spitz Mann gefunden, meiner Meinung nach die schönste T6-Tour Nidwaldens. Gratuliere Dir herzlich zu den Gipfelerfolgen!

Das Seil hat schon jemand mitgenommen und mir zugeschickt. Danke dass Du auf dem Rund warst, Du hast mich erinnert dass ich schon längst einen Dankesbrief schreiben sollte!

Viele Grüsse!

Sputnik


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