Tai Shan - Der heiligste der 5


Publiziert von Leopold , 18. Juli 2009 um 14:33.

Region: Welt » China
Tour Datum:18 Juli 2009
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Zeitbedarf: 5:00
Aufstieg: 1000 m
Abstieg: 100 m
Strecke:Taian-First/Midway/South Gate to Heaven-Tai Shan. Retour mit der cable car zum Midway Gate to Heaven und von dort per Bus nach Taian
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Am besten mit dem Taxi vom jeweiligen Hotel. (Ortsangabe in chinesischen Schriftzeichen vorbereiten!)
Unterkunftmöglichkeiten:Hotels in Taian, oder für Leute, die den Sonnenaufgang erleben wollen auch beim Midway Gate to Heaven (siehe Reiseführer Lonely Planet für China).

5 heilige Berge gibt es fuer den Taoismus in China. Der am meisten verehrte ist
der Tai Shan. 6600 Stufen fuehren auf seinen Gipfel, aber, wer hat sie gezählt?
Oberhalb der Stadt Taian befindet sich ein ausgedehntes Waldgebiet, durchsetzt
von Hügeln, Teichen und Felsen. Teilweise sind echte Kletterberge dabei.
Der Fels ist fest, alles noch sehr einsam und ursprünglich.
Wer jedoch den Tai Shan besteigen will, muss sich darauf gefasst machen, dass man
nie allein ist. Das kann ein Segen sein - wenn man etwas zum Essen oder Trinken braucht. Das kann
aber auch ein Fluch sein - wenn man sich zwischen Menschenmassen hindurchlavieren
muss, umgeben von Kindern, die probieren, mit selbstgebastelten Pfeifen Vögel anzulocken.
Oder man versucht, irgendwie an fotografierenden Leuten vorbei zu kommen,
die für ihre Posen natürlich an den steilsten und engsten Stellen der Treppen stehenbleiben ...
Dies sind nur ein paar Beispiele. Auch wenn 1545 Meter Höhe nicht allzu hoch sind: Wenn man
oben ankommt ist man durchgeschwitzt und durstig. Vom vielen Stufensteigen zittrig
und vom Lärm etwas verstoert. Achten muss man auch auf die Sonne, die sich vor allem am Ende des Weges zeigt. Für Kontemplation ist dieser Berg nicht das richtige. Oder doch? Weicht man nämlich nur wenig von der Hauptroute ab und geht in - meist nur kurze - Seitenwege hinein, kommt man bald wieder in
die Stille.
Jedenfalls war es eine tolle Tour. Mein chinesischer Freund und ich starten um 9 Uhr
beim "First Gate of Heaven". Wir wählen die Central Route, die im Unterschied zur Western Route den Vorteil hat, dass sie nicht mehr mit einer Strasse mit Autos in Beruehrung kommt.
Der Weg - noch sind kaum Treppen zu steigen - führt durch einen sehr schönen Pinienwald, vorbei an Felsen, die mit jeder Menge an gläubigen Spruechen geschmückt sind, vorbei an Wasserfällen, immer bergauf. Ab und zu kommt man an Tempeln vorbei. Man riecht sie schon aus einiger Entfernung, da fleissig Weihrauch und Opfergaben verbrannt werden. Erst kurz vor dem "Midway Gate to Heaven" bäumen sich die Stufen auf, werden steil und vor allem, bleiben über längere Strecken steil, ohne viele Absätze zu einer Rast zu bieten. Man kann zum Midway Gate to Heaven auch mit dem Bus fahren, was wir uns für
den Abstieg vorbehalten wollen. Zuerst soll es der Gipfel sein. Der eigentliche mountain climb beginnt
nämlich erst hier. Es sind rund 600 Höhenmeter auf einer Länge von 3 Kilometern zu überwinden.
Da ich im 4. Stock wohne habe ich es mir angewöhnt, Stufen zu zählen. Immer von eins bis acht, beginnend mit dem linken Fuss. Das sind bei mir daheim zwanzig Einheiten, dann stehe ich vor meiner Wohnungstür. Nur Masochisten würden dies am Tai Shan versuchen. Allerdings entdecke ich manchmal Zahlen auf den Stufen, zu denen mir mein chinesischer Freund erklärt, dass es die Höhe ist, die man erreicht hat. So bedeutet also die Zahl 1000 (umgeben von chinesischen Schriftzeichen) nicht, dass man noch 1000 Stufen zu steigen hat (ein frommer Wunsch), sondern dass man gerade die 1000 Höhenmetermarke überquert. Aber es geht weiter und weiter nach oben. Langsam beginnt sich der Dunst aufzulösen, und die letzte starke Steigung führt zum "South Gate to Heaven".
Wer es erreicht, kann stolz auf sich sein.
Allerdings geht hier der Rummel nun erst richtig los, denn zum South Gate of Heaven kann man auch über andere Routen kommen, vor allem mit der weniger anstrengenden Seilbahn. Insgesamt hat es 4 Stunden
gedauert, hier herauf zu gehen. Der abschliessende Weg auf den Gipfel des Tai Shan, der von einem Tempel gekrönt ist, wird quasi zum Spaziergang im Vergleich zur zurückliegenden Strecke.
Das Plateau lädt zum Herumgehen ein. Sehr schön sind die Tiefblicke, auch wenn sie, wie bei uns,
bald an der Wolkenobergrenze zu Ende sind.
Zurück ging es dann knieschonend mit der Seilbahn und dem Bus.

Tourengänger: Leopold

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