Oberalper Grat und Versuch Hoh Brisen SE-Grat


Publiziert von Delta Pro , 13. Juli 2009 um 22:51.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:11 Juli 2009
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Bauen - Brisen - Bürgenstock   CH-NW   CH-UR   Chaiserstuelgruppe 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1440 m

Sehr spannende und anspruchsvolle Tour zwischen Uri und Nidwalden – ein Voralpengrat wie aus dem Bilderbuch und ein heikler Rückzug am Hoh Brisen
 
Beim Studium des SAC-Führer stechen sofort zwei Routen im Isenthal ins Auge, wenn man nach alpinen Wanderungen sucht: (1) Der lange Oberalper Grat zwischen Bärenstock und Chaiserstuel, der auf Hikr erstaunlicherweise noch keine Beschreibung aufweist (einzige Infos im Internet von roman_koch), und (2) der wilde Hoh Brisen SE-Grat (von dem nach Omega3s Tour auf den Maisander die Rede war). Beide Touren stellen erhebliche Ansprüche an Trittsicherheit und Orientierung, sind aber etwas vom besten, was die Region in dieser Sparte wohl zu bieten hat.
 
Der Oberalper Grat ist ein fast 3km langer Kamm, der besonders im östlichen Teil steile Querungen aufweist und mit dem Stockzahn und einem riesigen Felsbogen zwei sehr lohnende Highlights bietet. Bei trockenem Wetter ist der in seiner ganzen Länge selten begangene Grat für den geübten Alpwanderer gut zu schaffen, bei Nässe ist Vorsicht angebracht. Der westliche Teil des Grates (schon ab dem Stockzahn) ist deutlich einfacher und auf dem Weg zum Chaiser läuft man sogar Gefahr sich zu langweilen.
 
Der Hoh Brisen SE-Grat ist wohl der wildeste Voralpengrat, den ich je erblickt habe. Schon von weitem machen die dunklen, fast senkrecht erscheinenden Aufschwünge Angst. Der Führer spricht eine eindeutige Sprache: „plattig, brüchig, heikel, selten begangen“ – alles klar. Und doch übt die Route eine Anziehungskraft aus! Ich musste meinen Begehungsversuch nur wenige Meter über der Stelle abbrechen, wo auch ma90in94 vor einiger Zeit umgekehrt ist. Der SE-Grat ist eine sehr ernsthafte Angelegenheit!
 
Bärenstock (T5)
Die Besteigung des einsamen Bärenstocks ist auch für sich alleine eine lohnende, kurze Tour im moderaten Alpin-Wander-Bereich. Mit der Seilbahn von St. Jakob nach Gitschenen und zur Sulztaler Hütte. Von dort auf einem horizontalen Weg gegen die Arvenegg und in die weite Nordflanke hinein. Nach etwas Querung in der Direttissima hinauf, bis man einen wenig ausgeprägten Sporn erreicht (links der Blockhalde). Auf diesem in gut gestuftem, steilem Gras bergauf (T5). Auf 1960m erreicht man eine Felsstufe, die man ganz links aussen am Grat einfach überwinden kann. Dann in schöner Gratwanderung zum höchsten Punkt, wo kein Steinmann, nicht einmal ein einzelner Stein wartet. Das ist jetzt anders, da der Nebel den Oberalper Grat fest in der Hand hielt.
 
Oberalper Grat inkl. Stockzahn (T6-, III)
Vom Bärenstock einfach gegen den Fifer absteigen und in einem Grassattel vor der tiefen Scharte in die Südflanke absteigen. Das Gelände ist steil, besonders bei nassem Gras ist ein Pickel gut zu gebrauchen. Man steigt ca. 30m ab, bis man unter dem Fifer nach rechts queren kann (schwache Trittspuren, T6-). Anschliessend weiter in der Flanke bis man wieder auf die Gratschneide steigen kann. Bald wird man von brüchigen Felsstufen (evtl begehbar, II und III-IV) wieder in die S-Flanke gedrängt. Steile Querung, aber gute Stufung dank Felspartien. Am besten bleibt man immer ganz oben unter den Felsen und steigt so bald wie möglich zurück auf den Grat. Schöne Wanderung bis unter den Stockzahn.
Der Stockzahn ist komplett verkabelt, was der Besteigung etwas den Reiz nimmt. Dazu kommt das überdimensionale Kreuz, das den Fels viel zu klein erscheinen lässt. Trotzdem ist der Gipfel eine Reise wert! Umgehung des ersten Turms auf einem ausgesetzten Band links (Stahlseil), dann Kletterei erst in einer Rinne (I-II), dann durch das Gipfelwändchen (III-). Es hat durchwegs Ketten, der Aufstieg macht ohne aber mehr Spass und ist einmal kurz recht exponiert. Beim Abstieg wähle ich die im Führer beschriebene „Hangelstelle“ über den Klemmblock – gar nicht einfach sauber zu klettern.
Anschliessend an Stahlseilen in der felsigen Südflanke etwa 6m hinab auf ein Felsband, das sich bald in ein an einer Stelle fussbreites Gesims verjüngt. Diese ausgesetzte Passage (T6) erlaubt einen direkten Weiterweg auf dem gut begehbaren Grat. Ein Weglein führt alles entlang der wunderbaren Gratschneide und – fast unbemerkt – über das Felsenfenster und hinunter ins Tor (T4+). Vom Tor wollte ich zuerst direkt auf den Grat hochsteigen (7m senkrecht, III), entscheid mich dann aber fürs Weglein, dass kurz ausgesetzt durch die Südflanke quert (T5, von der anderen Seite her markiert). Weiterweg über den immer breiter werdenden Grat gegen den Chaiserstuel. Da ich mich im Nebel verlaufe, habe ich sogar noch Gelegenheit das Gipfelwändchen des Chaisers zu klettern (T5). Zurück und auf dem gut angelegten blau-weissen Wanderung in die Sinsgäuer Schonegg und über steiler werdende Wiesen zum Maisander (nur bis Pt. 2145).
 
 
Versuch Hoh Brisen SE-Grat (T6+, III)
Der Nebel riss nur kurz auf und gab einen Blick auf den Grat frei – wow! Wer da kein Herzklopfen kriegt… Aufgrund des unsicheren Wetters entschloss ich mich, ganz unverbindlich zu "schauen".
Den ersten Aufschwung begeht man durch steiles Gras und versucht dabei plattigen Abschnitten auszuweichen (T6). Etwas absteigend an den Fuss des zweiten Aufschwungs, den man etwas links der Kante ebenfalls erstaunlich gut begehen kann (gut gestuftes, steiles Gras, leichte Kletterei, T6). Und dann kommt die Schlüsselstelle. Der Turm hat eine Höhe von fast 30 Metern. Man erklettert ihn ca. 10m links der Gratkante leicht links haltend aufwärts. Die ersten 8m sind kleingriffig, die Leisten sind einigermassen stabil (III). Der anschliessende Abschnitt ist einfacher (II), aber heikel (schuttbedeckte Tritte, brüchige Griffe). Als ich Überreste eines Abseilmanövers sehe, schwant mir Böses. Ich hatte erwartet, dass der Ausstieg nicht mehr schwer werden würde, werde aber eines Besseren belehrt. Nach 20m vom Einstieg wartet eine bauchige Plattenverschneidung (ca. III). Als ich in der Mitte davon stehe, muss ich mir eingestehen, dass die potentiellen Griffe allesamt zerfallender Fels oder lose Blöcke sind – drei Meter hätten bis auf den Grat gefehlt… Ausserdem beginnt es in dem Moment zu regnen und hier ist definitiv die letzte Stelle für einen Rückzug. Ich steige zurück und packe – schon wieder – meine Reep-Schnur aus. Mit Hilfe meines Fixseilchens, das bis in die Hälfte reicht, steige ich vorsichtig über die brüchige Partie zurück und komme gut unten an. Ins Singäuer Jöchli und direkt über mühsame Geröllhalden und Weiden nach Gitschenen.

Tourengänger: Delta

Galerie


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Kommentare (2)


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Maesi hat gesagt: Interessant
Gesendet am 17. Juli 2009 um 23:28
Ich habe mich schon oft gefragt, ob dieser Grat per Alpinwandern begehbar sein würde. Jetzt weiss ich es :)

Gruäss
Mäsi

Sputnik Pro hat gesagt: Stockzahn
Gesendet am 30. Oktober 2011 um 16:41
Leider hat es ein tödlicher Unfall am Grat gegeben. Siehe:

[www.radiobasel.ch/aktuell/nachrichten/20-j%C3%A4hriger-bergs...]


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