Wetterhorn - Überschreitung: Gleckstein Hütte - Wetterhorn - Dossenhütte


Publiziert von Hochtourer , 13. Juli 2009 um 20:58.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Jungfraugebiet
Tour Datum:12 Juli 2009
Hochtouren Schwierigkeit: ZS-
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 12:30
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 2300 m
Strecke:Gleckstein Hütte - Wetterhorn - Dossenhütte

Samstag: Mit ÖV über Grindelwald zum Aufstieg zur Glecksteinhütte (800hm, 2 Stunden von Busstation). Die Hütte ist sehr schön und mit viel Holz hergerichtet. Achtung: Es hat kleine Zimmer, die muss man aber extra reservieren. Das Massenlager ist fensterlos . . .

Auf der Hütte hat uns dann die gute Nachricht erwartet: 60 Leute – und alle wollen aufs Wetterhorn . . .

. . . Entsprechend haben wir uns dann schon auf 03:00 das Frühstück rausstellen lassen und sind als zweite Gruppe gestartet. Genügend Vorsprung um an den Schlüsselstellen nicht im Stau zu stehen.

Der Aufstieg von der Hütte zum Gletscher ist sehr gut markiert. Zunächst hat es alle paar Meter eine Blau-Weisse-Markierung, dann Steinmännchen.

Auch der Einstieg ins Willsgrätli ist vor Ort leicht zu finden (bei uns hatte es auch genügend Trittspuren).

Die Kletterei ist schön, aber mit Steigeisen nicht unbedingt einfach. Es hat sehr wenig Sicherungsstellen, man sollte daher ein paar Schlingen und Expressen mitnehmen. Die Schlüsselstellen waren die Traversierung von etwa 15m vereister und fast senkrechter Wand (ohne Eis wahrscheinlich einfach und es hat eine Sicherung in der Mitte) und der Aufstieg durch ein sehr steiles Couloir zum Wettersattel. Hier lag nur eine sehr dünne Schicht Schnee auf blankem Eis, so dass der Pickel kaum Halt fand.

Am Wettersattel kann ein Rucksackdepot gelegt werden, man kommt auf dem Abstieg wieder vorbei. Wir hatten sehr starken Wind, so dass sich die Pause auf das Einwerfen von ein paar Keksen und einem Schluck Tee beschränkte und schon ging es weiter.

Der Firn im Gipfelsturm war fest und schön, der Aufstieg ist dennoch recht steil und lang und kostet noch mal Puste und Nerven. Wir hatten aber genügend Schnee, um jederzeit mit dem Pickel eine Sicherung setzen zu können. Einzelne Stangen geben zusätzliche Sicherheit. Schlüsselstelle (und für mich im Vorstieg schwerste Stelle der Tour) war hier ein vereister Felsblock. Nur 3 Meter hoch, aber mit wenig Griffmöglichkeiten.

Der Gipfel selbst bietet eine fantastische Aussicht (5.5 Stunden von Hütte). Das Schreckhorn hatte uns ja schon den ganzen Morgen von seiner schönsten Seite begleitet, von oben hat man Einblick in alles was im Berner Oberland Rang und Namen hat. Leider war es so kalt und windig, dass wir nur Zeit für ein paar Fotos und einen Schluck aus dem Siegesflachmann hatten, dann sind wir schon wieder geflohen.

Der Abstieg zum Wettersattel ging die ersten 150-200m rückwärts auf allen Vieren. Dazu haben und hier die nächsten Gruppen eingeholt, so dass es zu leichten Staus kam. Auch liess es sich nicht vermeiden im Abstieg immer wieder Schneekugeln auszulösen, Helm ist daher weiterhin Pflicht!

 

Wir sind vom Wettersattel über den Hengsterengletscher zur Dossenhütte abgestigen. Eine sehr empfehlenswerte Tour – wenn man die nötige Kondition hat. Der Gletscher ist allerdings sehr spaltenreich, wenn möglich sollte man daher nicht in zweier Seilschaften gehen oder zumindest in Rufweite zu einer weiteren Seilschaft bleiben. Ich selbst bin zweimal bis zur Hüfte eingebrochen – obwohl ich als letzter in unserer vierer Seilschaft gegangen bin…

 

Der Aufstieg zu Punkt 3032 nördlich vom Dossen sieht von unten sehr steil aus. Es ist aber leichte Kletterei in einer Schutthalte (Helm!, kein Anseilen, genügend Abstand).

Die Dossenhütte bietet eine gute Gelegenheit Wasser aufzufüllen und die armen Füsse kurz zu lüften. Der Abstieg hat noch weitere 1200 Höhenmeter zu bieten, dazu noch über einen fast schon Klettersteig zu nennenden Hüttenweg. Wir haben ihn in 2:10 geschafft, weil wir aufs Postauto beim Rosenlaui wollten. Das war wahrscheinlich noch ein lustiger Anblick, wie die ängstlichen Familien im Hüttenanstieg sich an die Drahtseile geklammert haben und wir vier zerlumpten Gestalten an ihnen vorbeigejogged sind J

 

Fazit: Eine fantastische Tour, mit vielen tollen Momenten, die mit 12:30 Stunden aber nicht zu unterschätzen ist. Die Kletterei im Willsgrätli hat Stellen im dritten Grad und Steigeisen und Eis machen das nicht leichter.

Luzern, 13.07.2009
Stephan Wiesner


Tourengänger: Hochtourer

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Kommentare (1)


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Bombo hat gesagt:
Gesendet am 13. Juli 2009 um 21:26
Super Bericht - spannend, informativ und richtig "lebhaft". Danke Dir!



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